{"id":7459,"date":"2013-01-02T00:08:12","date_gmt":"2013-01-01T23:08:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7459"},"modified":"2013-01-02T00:08:58","modified_gmt":"2013-01-01T23:08:58","slug":"das-f-1-eine-alternative-fur-die-sls","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/01\/02\/das-f-1-eine-alternative-fur-die-sls\/","title":{"rendered":"Das F-1: eine Alternative f&uuml;r die SLS?"},"content":{"rendered":"<p>Seit die F-1 ausgemustert wurden tauchen sie regelm&auml;&szlig;ig wieder auf &#8211; vor allem in Diskussionen, wenn es um Schwerlasttr&auml;ger geht. Selten ist die Diskussion sachlich. So gab es mal das Argument &#8222;Wenn sie ein neues Auto haben wollen, bauen sie dann einen Chevrolet aus den Sechzigern nach?&#8220;. Nachdem nun nochmals der Vorschlag kam es bei der SLS <a href=\"http:\/\/www.flightglobal.com\/blogs\/hyperbola\/2012\/04\/we-need-a-bigger-engine-apollo.html\">einzusetzen<\/a>, ist es Zeit dies mal genauer zu betrachten. Fangen wir mit dem einfachsten an, den reinen technischen Parametern:<\/p>\n<p>Die F-1 waren keine Triebwerke, die man auf maximale Leistung, sondern auf Robustheit und Zuverl&auml;ssigkeit auslegte. Ein Vergleich mit anderen Triebwerken ist relativ schwierig, weil es nur wenige Vergleichsma&szlig;st&auml;be gibt. Das RD-170\/171 ist zwar vom Schub vergleichbar, ist aber ein Triebwerk mit vier Brennkammern. Triebwerke mit Gasgeneratorantrieb findet man nur mit einer Zehnerpotenz kleinerem Schub. Am ehesten kann man noch die NK-33 vergleichen, die immerhin ein Viertel des Schubs liefern.<!--more--><\/p>\n<p>Was relativ klar ist: Das Triebwerk hat f&uuml;r seine Schubklasse ein relativ schlechtes Schub\/Gewichtsverh&auml;ltnis, ist also relativ schwer.\u00a0 Der Quotient liegt bei 80,6:1 bei der Trockenmasse. Beim NK-33 liegt er bei 112,7 zu 1, obwohl es nur ein Viertel des Schubs aufweist. Der Quotient steigt aufgrund der physikalischen Gegebenheiten an, wenn ein Triebwerk schubst&auml;rker wird.<\/p>\n<p>Auch die Energieausbeute war bei dem Brennkammerdruck von 70 Bar nicht &uuml;berragend. Allerdings gibt es im US-Arsenal auch kaum besseres. Merlin 1C und RS-27 liegen auf gleichem Niveau. Das Merlin 1D soll besser sein, doch sind die Werte mit Vorsicht zu genie&szlig;en, wie alle angaben von SpaceX vor der Einsatzreife. Die meisten russischen Triebwerke mit derselben Treibstoffkombination sind besser, allerdings verwenden diese auch das Hauptstromverfahren, das kein US-Triebwerk jemals f&uuml;r LOX\/Kerosin nutzte,<\/p>\n<p>Betrachtet man allerdings, dass das Triebwerk f&uuml;r die erste Stufe gedacht ist, so entkr&auml;ftet sich beides. W&uuml;rde die Saturn V Triebwerke mit den Leistungsdaten des NK-33 einsetzen, so w&uuml;rde dies das Abtrenngewicht gerade mal um 2% &auml;ndern und die Geschwindigkeit um etwa 260 m\/s. Das sind Werte die die Nutzlast vielleicht um 6% absenken. Deswegen lohnt sich keine Neuentwicklung.<\/p>\n<p>Die n&auml;chste Frage ist, die ob man die Produktion wiederaufnehmen k&ouml;nnte und ob es nicht besser w&auml;re ein neues Triebwerk zu bauen, das optimiert f&uuml;r die Produktion ist.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich &auml;ndern sich Technologien. Wir reden hier zwar vor allem von Metallbearbeitung, aber auch hier gibt es &Auml;nderungen. In den Sechzigern verschwei&szlig;te man z.B. Tanksegmente mit Rolln&auml;hten, heute mit dem R&uuml;hrreibschwei&szlig;verfahren. Dazu kommt, dass sich Materialen &auml;ndern, allerdings weniger bei den Triebwerken um die es hier geht, als bei den Strukturen, dort zogen leichtere Aluminiumlegierungen und CFK Werkstoffe ein. Triebwerke stellt man damals wie heute aus Hochtemperaturfesten Legierungen wie Nickelstahl her.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite haben wir es nicht mit einer Serienproduktion zu tun, sondern der Fertigung von maximal einem Dutzend Triebwerken pro Jahr. Bei einer individuellen Fertigung ist es sowohl m&ouml;glich auf &auml;ltere Verfahren zur&uuml;ckzugreifen, wie auch, wo das nicht ben&ouml;tigt wird neue anzuwenden (wenn eine Schwei&szlig;naht h&auml;lt ist es eigentlich egal nach welchem Verfahren sie gesetzt wurde).<\/p>\n<p>Mag sein, dass ein neues Triebwerk in der Produktion billiger ist. Doch wie oft wird es produziert? Wenn man die erh&ouml;hten Produktionskosten f&uuml;r wenige Exemplare dadurch reinbekommt, dass man keine entwicklungskosten hat, dann hat man einen gewinn.<\/p>\n<p>Kommen wir aber zum Hauptpunkt. Es geht um bemannte Raumfahrt.<\/p>\n<p>Bemannte Raumfahrt zeichnet sich durch eines aus: sie ist teuer. Sie ist aus vielen Gr&uuml;nden teuer, aber bei Raketen sind es die Sicherheitsstandards und 50 Jahre bemannte Raumfahrt haben bei der NASA die Anforderungen eher steigen als sinken lassen. Die NASA lehnte f&uuml;r den Transport der Orion Delta 4 und Atlas V ab, sie w&auml;ren nicht sicher genug, dabei handelte es sich um eingesetzte Tr&auml;ger. Stattdessen wollte sie die Ares I, weil sie rechnerisch sicherer sei.<\/p>\n<p>Und hier kann das F-1 punkten. Das F-1 ist das am intensivsten getestete Triebwerk. Bis zur Zertifizierung gab es 2471 Tests mit einer Gesamtdauer von 239.124 Sekunden. Zum Vergleich: Der Nachfolger das SSME absolvierte 730 Tests und ein RS-68 180 Tests, das ist auch eine typische Zahl f&uuml;r andere Triebwerke die in unbemannten Raketen stecken wie das Vulcain. Selbst wenn man ein neues Triebwerk nicht so intensiv testen wird, wie das F-1, so wird man sicher mehr Tests machen als bei einem unbemannten Einsatz und dies kostet Geld. Der Test eines Triebwerks ist der Punkt der die Entwicklung teuer macht und es steht zu bef&uuml;rchten, dass man diese Summen durch niedrige Produktionskosten wieder hereinbekommt. Wenn es Probleme gibt so wird es noch teurer: Probleme bei der Entwicklung des SSME nachten einen NASA-Nachtragshaushalt n&ouml;tig und verz&ouml;gerten den Erststart um mehr als ein Jahr. Die F-1 Entwicklungskosten wurden auf 1,77 Milliarden Dollar (1991 wert) gesch&auml;tzt. Das w&auml;ren heute 3,05 Milliarden Dollar. Wenn dann ein Triebwerk 50 Millionen Dollar teurer in der Fertigung ist (und das ist schon ein hoher Wert), dann holt man diese Summe erst nach 61 Triebwerken wieder herein. Bei ATK, das den Vorschlag macht sie erneut einzusetzen sollen je zwei Triebwerke zwei Booster antrieben, also w&uuml;rde man erst nach 15 Fl&uuml;gen die Kosten wieder reinholen. Bei geringeren Aufpreisen w&auml;ren es sogar noch mehr Fl&uuml;ge. Wie viele Fl&uuml;ge wird wohl die SLS absolvieren? Ich glaube kaum, dass sie 15-mal eingesetzt werden wird.<\/p>\n<p>Vor allem gibt es Sicherheit: Das F-1 ist getestet, es ist sicher, es hat so gro&szlig;e Reserven, dass ein F-1 bei der Saturn V vor dem Start dreimal getestet wurde (einmal einzeln und zweimal in der Stufe) und dabei l&auml;nger betrieben wurde als sp&auml;ter im Flug.<\/p>\n<p>Man mag es f&uuml;r &uuml;bertrieben halten und meiner Meinung nach w&auml;re die Kombination von Fluchtturm und einem bew&auml;hrten Triebwerk wie dem RS-68 oder RD-180 ausreichend, aber die Leute von Manned Spaceflight Center haben eine andere Denke. Es gibt ja noch das nicht ableugbare Restrisiko, dass die SLS wieder gekippt wird und in diesem Falle ist es besser wenn man nicht zu viel in ein Triebwerk investiert hat das nie fliegen wird, denn einen Bedarf f&uuml;r ein Triebwerk mit 6670 kN Schub gibt es nicht. (Ein F-1 hat mehr Schub als 12 Merlin 1D oder 15 Merlin 1C&#8230;).<\/p>\n<p>Was es auch spart ist Zeit: Selbst die &#8222;schnell&#8220; Entwicklung des RS-68 dauerte fast 5 Jahre. Die des SSME acht Jahre. Bei der SLS sollen nach derzeitiger Planung ja nur Triebwerke zum Einsatz kommen die schon existieren oder von denen zumindest Vorl&auml;ufer existieren (wie beim J-2S). W&uuml;rde man ein neues Triebwerk entwickeln (wof&uuml;r man &uuml;brigens derzeit nicht das Geld hat), so w&auml;re es sicher erst in 8 Jahren einsatzreif.<\/p>\n<p>Also wenn man die SLS angeht, dann w&auml;re ich f&uuml;r das F-1!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit die F-1 ausgemustert wurden tauchen sie regelm&auml;&szlig;ig wieder auf &#8211; vor allem in Diskussionen, wenn es um Schwerlasttr&auml;ger geht. Selten ist die Diskussion sachlich. So gab es mal das Argument &#8222;Wenn sie ein neues Auto haben wollen, bauen sie dann einen Chevrolet aus den Sechzigern nach?&#8220;. 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