{"id":7905,"date":"2013-05-15T00:06:34","date_gmt":"2013-05-14T22:06:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7905"},"modified":"2013-05-15T15:08:52","modified_gmt":"2013-05-15T13:08:52","slug":"lieber-herr-dudok","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/05\/15\/lieber-herr-dudok\/","title":{"rendered":"Lieber Herr Dudok,"},"content":{"rendered":"<p>Gestern fand ich in den Emails ein <a href=\"\/download\/Interview_Dudok_(DGLR_Magazin)-1.pdf\" target=\"_blank\">PDF <\/a>eines Interviews von Evert Dudok, CEO von Astrium. Liest man sich das durch, dann fragt man sich willk&uuml;rlich, ob der gute Mann eine Ahnung von Raumfahrt hat. Also hier meine kleinen Korrekturen:<\/p>\n<p>Die Wiederz&uuml;ndbarkeit der ESC-B spielt in der Praxis keine Rolle. Die Ariane 5 Transporte gehen in den GTO und da braucht man nur eine Z&uuml;ndung. Die ESA wollte eine wiederz&uuml;ndbare Oberstufe f&uuml;r ATV und Planetenmissionen. Aber der ATV ist gestorben, und so viele Planetenmissionen gibt es nicht. (eigentlich nur JUICE). Ohne Wiederz&uuml;ndung schrumpft das Startfenster sicher zusammen, doch es geht auch ohne und wenn nicht, dann k&ouml;nnte man immer noch eine Losung wie bei Giotto anstreben, also zuerst einen GTO-Orbit und dort Z&uuml;ndung eines integrierten Antriebs.<!--more--><\/p>\n<p>Eine gemeinsame Oberstufe f&uuml;r Ariane 5 und 6 macht wenig Sinn. Zum einen, weil die beiden Raketen unterschiedlich gro&szlig; sind. Die optimale Oberstufe richtet sich nach der Nutzlast und die soll bei der Ariane 6 ja halb so gro&szlig; sein. Also w&uuml;rde das dann hohe Leergewicht einer f&uuml;r Ariane 5 konstruierten Stufe die Nutzlast absenken. Weiterhin ist die Ariane 6 noch nicht vollst&auml;ndig durchprojektiert. Doch wenn die Ariane 6 so gebaut wird, wie derzeit geplant, mit Feststoffantrieb, dann muss die Stufe sehr massiv sein, noch massiver als wie f&uuml;r die Ariane 5 das bedeutet, dass man bei der Ariane 5 Nutzlast verschenkt.<\/p>\n<p>Die Oberstufe ist nicht Kernkompetenz in Deutschland. Die Brennkammer ist das weitgehend uninteressanteste Teil des Triebwerks, technisch nicht so anspruchsvoll wie das Treibstofff&ouml;rderungssystem aus Turbinen und Turbopumpen. Vor allem n&uuml;tzt es nichts, ein Bauteil herzustellen: Deutschland hat kein schubst&auml;rkeres Triebwerk als das Aestus entwickelt. Alle LOX\/LH2 Triebwerke stammen aus Frankreich oder werden dort integriert und getestet. Kernkompetenz ist f&uuml;r mich was anderes. Und bei der Oberstufe liegt die Kernkompetenz in Bremen? Selten so gelacht. Astrium Bremen hat mit der ESC-A die weltweit in 50 Jahren schlechteste jemals gebaute LOX\/LH2 Oberstufe konstruiert mit einem Vollmasse\/Leermasseverh&auml;ltnis von 4,21 zu 1. Nur als Vergleich, die von Frankreich auf Basis desselben Triebwerks konstruierte H8 Oberstufe hatte anfangs eines von 7,73 zu 1, das sp&auml;ter auf bei der H10 9,75 zu 1 gesteigert wurde. Und die ESC-B wird nicht besser sein. Die Literaturangaben sind leicht schwankend, aber 5,4 bis 5,7 zu 1 ist kein Ruhmesblatt. Wenn also die Kernkompetenz das Fertigen von Oberstufen aus Blei ist, dann hat Dudok recht.<\/p>\n<p>Die Vega braucht keine deutsche Oberstufe. Studien des DLR und Astrium Bremen haben gezeigt, dass eine solche Oberstufe die Nutzlast senken oder nur leicht erh&ouml;hen wurde, und dies nur um ein Triebwerk aus der Ukraine einzusparen. Mann kann wie dies Lockheed-Martin bei den RD-180 tut, aber auch auf Vorrat kaufen. Die Vega ist auch so schon teuer genug. Wenn man das Triebwerk ersetzen will geht das auch mit zwei oder vier 500 N Satellitentriebwerken, die man b&uuml;ndelt ohne das AVUM konstruktiv durch eine neue Stufe zu ersetzen. So machen es Orbital und Lockheed Martin bei ihren Feststofftr&auml;gern. aber das w&auml;re wohl nicht profitabel genug.<\/p>\n<p>Zu den Orion Servicemodulen: Das ist wieder mal eine dieser ESA Entscheidungen. Anstatt einen ATV denn man hat, weiter zu bauen (f&uuml;r mindestens zwei g&auml;be es noch Bauteile) will man was Neues entwickeln. Das kostet mehr. Ich glaube nicht, dass die USA sich in einem Kernbereich ihrer Orion von Europa abh&auml;ngig machen, es also mehr als diese zwei Module geben wird. Sonst h&auml;tten sie ja auch bei der ISS-Versorgung anstatt OSC und SpaceX Entwicklungsauftr&auml;ge zu geben auch die Vorschl&auml;ge ATV und HTV auf US-Tr&auml;gern zu starten &uuml;bernehmen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Hinsichtlich ATV Evolution: Das alles macht nur einen Sinn, wenn Europa einen eigenen bemannten Zugang will, denn ich nicht sehe. Auch sehe ich nicht, wie die Orion Servicemodule f&uuml;r dieses langfristige Ziel etwas bringen sollen. Es ist eher ein R&uuml;ckschritt: Das ATV war ein autonomes Fahrzeug, ein Servicemodul ist ein Triebwerk mit Tanks, einigen Versorgungstanks f&uuml;r Fl&uuml;ssigkeiten und Gase und wird vollst&auml;ndig von der Kapsel gesteuert. Das nicht viel mehr als ein etwas sicherer Satellitenbus.<\/p>\n<p>Zu Galileo: W&auml;rt ihr preism&auml;&szlig;ig auch so leistungsf&auml;hig wie Dudok beim Redenschwingen gewesen, ihr h&auml;ttet wohl den Auftrag bekommen&#8230;.<\/p>\n<p>Zu den Wissenschaftsmissionen: Astrium ist ja der einzige gro&szlig;e Raumfahrtkonzern, den es noch in Europa gibt den es noch in Europa gibt. alle anderen sind nur noch mittelgro&szlig; oder klein. Das bei Wissenschaftsmissionen Astrium alle gewonnen hat, liegt eher daran, dass f&uuml;r Forschungsmissionen, die viele Neuentwicklungen erfordern, das Risiko f&uuml;r die kleineren zu gro&szlig; ist oder irgendwo die Kompetenzen fehlen, da oft die Anforderungen an Positioniergenauigkeit, Lageregelung etc. um ein vielfaches h&ouml;her als bei &#8222;normalen&#8220; Satelliten sind. Zudem tendiert die ESA wie die NASA dazu die Firma zu beauftragen, die schon in der Vergangenheit Missionen erfolgreich durchf&uuml;hrte. Selbst wenn man Solararrays nicht vollst&auml;ndig entfalten kann, was man beim zehnj&auml;hrigen Jubil&auml;um von Mars Express auch sagen sollte. Dadurch dauert auch die wissenschaftliche Mission viel l&auml;nger. Die HRSC sollte urspr&uuml;nglich in 2 Jahren mal den ganzen Mars kartieren, nun ist sie nach acht Jahren noch nicht fertig&#8230;.<\/p>\n<p>DEOS ist ein Beispiel f&uuml;r eine Mission, die man nicht braucht. Wir haben eine nationale Raumfahrtagentur mit geringem nationalen Budget und anstatt einen sinnvollen Satelliten zu entwickeln, vergibt die DLR einen Auftrag &uuml;ber 15 Millionen Euro f&uuml;r eine Missionsstudie um &#8222;unkooperative Satelliten&#8220; zu warten. Wie soll die sp&auml;ter finanziert werden? Selbst wenn, gibt es daf&uuml;r Kunden die einen nicht mehr nutzbaren Satelliten noch einfangen lassen wollen? Wann immer etwas sich finanziell rechnet, entwickelt die Privatwirtschaft selbst etwas, und wenn das nicht der Fall ist, dann braucht es nicht die &ouml;ffentliche Hand tun, vor allem wenn sie nur das Geld f&uuml;r die Studie, aber nicht f&uuml;r das Projekt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern fand ich in den Emails ein PDF eines Interviews von Evert Dudok, CEO von Astrium. Liest man sich das durch, dann fragt man sich willk&uuml;rlich, ob der gute Mann eine Ahnung von Raumfahrt hat. 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