{"id":7942,"date":"2013-05-24T00:36:01","date_gmt":"2013-05-23T22:36:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7942"},"modified":"2013-05-23T20:38:34","modified_gmt":"2013-05-23T18:38:34","slug":"zeit-ideotische-forderungen-aufzustellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/05\/24\/zeit-ideotische-forderungen-aufzustellen\/","title":{"rendered":"Zeit ideotische Forderungen aufzustellen &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt ja gen&uuml;gend Leute die Lebensmittel ohne Zusatzstoffe fordern. Immer wieder gibt es auch welche in den Medien, vor allem Talkshows. Und es gibt gen&uuml;gend Dumme die das &uuml;bernehmen. Also habe ich mir mal gedacht, fordere ich mal dasselbe was f&uuml;r Zusatzstoffe gilt, f&uuml;r einige traditionell erlaubte Stoffe und Lebensmittelinhaltsstoffe die als gesundheitlich bedenklich gelten. Kein Verbot, nur das Einhalten der f&uuml;r Zusatzstoffe geltenden Standards f&uuml;r normale Lebensmittel<\/p>\n<p>Damit wir auf demselben Kenntnisstand sind, hier eine Kurzzusammenfassung wie die H&ouml;chstmengen bei Zusatzstoffen bestimmt werden:<!--more--><\/p>\n<p>Es wird im Tierversuch Tiere (meistens M&auml;use und Ratten) lebenslang mit dem Stoff als Zusatz im Futter gef&uuml;ttert. Danach seziert und es wird die Menge bestimmt, die die Tiere ihr Leben lang im Futter vertrugen ohne das es einen Unterschied zu einer Vergleichsgruppe gab. Das ist der NOEL Wert (No observable Effect Level). Er wird dann durch einen Sicherheitsfaktor (meist 100) geteilt um den ADI Wert zu erhalten (Accepable Daily Intake). Das ist die Gesamtmenge die man pro Tag aufnehmen darf, meist berechnet auf Kilogramm K&ouml;rpergewicht. Die in den Lebensmitteln zul&auml;ssige Menge wird dann ermittelt indem man die durchschnittliche Aufnahme des Lebensmittels sch&auml;tzt und diese Menge dann auf die zugelassenen Lebensmitteln verteilt.<\/p>\n<p>Ein Zusatzstoff wird verboten, wenn er im Verdacht steht cancerogen zu sein, gensch&auml;digend oder fruchtsch&auml;digend. Bei einem allergischen Potenzial wie es bei Salicylaten vorliegt muss dieses erheblich niedriger als bei Lebensmitteln sein. (auch hier liegt es um den Faktor 100 niedriger).<\/p>\n<p>So, nach dieser Vorinformation wenden wir das System auf einige Zusatzstoffe an, die &#8222;Bestandsschutz&#8220; haben. Sie sind &auml;lter als das Lebensmittelrecht und d&uuml;rfen heute noch eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Fangen wir an mit <strong>Phosphaten<\/strong>. Phosphate und Phosphors&auml;ure st&ouml;ren das Calcium-Phosphatgleichgewicht. Nat&uuml;rlicherweise enth&auml;lt die Nahrung etwa 0,8 g Phosphat. Bei 1,5 bis 2,5 g\/Tag beobachtet man schon erste Ver&auml;nderungen: Ein Absinken der Blutcalciumkonzentration. Daher ist schon die zus&auml;tzliche Aufnahme von 0,7 g pro Tag sch&auml;dlich. Teilen wir das durch einen Sicherheitsfaktor von 100 so sind wir bei 7 mg\/Tag. Das bedeutet ein v&ouml;lligen Verbot von Phosphaten, denn in dieser kleinen Menge wirken sie nicht mehr technologisch.<\/p>\n<p>Meine Meinung: kein gro&szlig;er Verlust. In Schmelzk&auml;se kann man Zitronens&auml;ure als Ersatzstoff einsetzen, in Cola ebenfalls und in W&uuml;st eben weniger Wasser zusetzen oder eben das Fleisch gleich schlachtwarm verarbeiten anstatt die Schweineh&auml;lften durch die ganze Republik zu fahren.<\/p>\n<p>Nun zu <strong>Schwefeldioxid<\/strong>. Schwefeldioxid wird als Antioxidationsmittel genutzt um die enzymatische Br&auml;unung von Trockenfr&uuml;chten und Kartoffelprodukten zu verhindern, aber es wird damit auch die alkoholische G&auml;rung von Most und Wein gestoppt. Es ist viel wirksamer als andere Antioxidationsmittel, da es chemisch sehr reaktiv ist. Es reagiert nicht wie L-Ascorbins&auml;ure mit dem Lebensmittel, sondern es reagiert direkt mit den Enzymen die dadurch inaktiviert werden. Dadurch werden auch die Mikroorganismen abget&ouml;tet.<\/p>\n<p>Das Problem bei Schwefeldioxid und schwefeliger S&auml;ure, die aus ihm entsteht, ist das die Bev&ouml;lkerung sehr unterschiedlich reagiert. Pseudoallergische Reaktionen sind relativ verbreitet. Derartige Personen vertragen maximal 5-10 mg Schwefeldioxid pro Tag, der f&uuml;r die Zulassung zugrundeliegende ADI Wert liegt bei 0,7 mg\/kg also rund 50 mg bei einem Mann und die meisten Personen vertragen bis zu 1000 mg ohne Probleme. Bei einer Neuzulassung m&uuml;sste man sich nach dem niedrigsten Wert richten, was einige Umstellungen zur Folge h&auml;tte, denn heute ist folgendes erlaubt:<\/p>\n<p>Kartoffelprodukte d&uuml;rfen bis zu 100 mg\/kg enthalten<\/p>\n<p>Bier enth&auml;lt je nach Sorte zwischen 1 und 15 mg\/l (Bier wird nicht geschwefelt, aber der Hopfen)<\/p>\n<p>Wein hat Grenzwerte je nach Alter zwischen 225 und 400 mg\/l<\/p>\n<p>Traubensaft und Jungwein 10 und 50 mg\/l<\/p>\n<p>Meerrettich, Trockenobst;: 2000 mg\/l<\/p>\n<p>Bei einem Grenzwert von 10 mg\/tag m&uuml;sste man die Weinschwefelung ersetzen und Kartoffelprodukte (Pommes) w&auml;ren wohl nur hell solange bis die Packung angebrochen ist. Man sieht hier &uuml;brigens auch wie ein ADI Wert verschiedene H&ouml;chstwerte f&uuml;r verschiedene Lebensmittel zur Folge hat: Kartoffelprodukte wie Pommes werden h&auml;ufiger verzehrt als Wein und wein noch h&auml;ufiger als Trockenfr&uuml;chte. Daher sind f&uuml;r diese h&ouml;here Werte erlaubt.<\/p>\n<p><strong>Nitrit<\/strong>: Nitritp&ouml;kelsalz wird eingesetzt um die Verf&auml;rbung von Fleisch vom roten ins graue beim Erhitzen zu verhindern. Es reagiert mit dem Myoglobin und es bildet einen roten, stabilen Farbstoff. Bei h&ouml;heren Mengen erzeugt es auch den P&ouml;kelgeschmack. Da aus Nitrit bei Anwesenheit von S&auml;ure, Aminen und Hitze die krebserregenden Nitrosamine gebildet werden, w&auml;re es heute verboten. Als Folge g&auml;be es nur noch graue bis braune W&uuml;rste (Vergleich: grobe \/ feine Leberwurst in der Farbe) und Lebensmittel mit P&ouml;kelgeschmack wie Kassler g&auml;be es gar nicht mehr.<\/p>\n<p>So, nun kommen wir zu einigen unerw&uuml;nschten Stoffenv in Lebensmitteln die keine Zusatzstoffe sind. Dangen wir mal an mit <strong>Zucker<\/strong>. Zucker ist nicht lebensnotwendig, aber er ist schuld an vielen Zivilisationskrankheiten, zumindest wenn man einigen Protagonisten glaubt, die ja Zucker ganz rot in der Ampel gekennzeichnet werden sollen. Also nach den DGE Empfehlungen sollte man maximal 60 g pro Tag essen, nach den US-Empfehlungen 90 g. Das w&auml;re der NOEL Wert. Nun m&uuml;ssen wir den aber noch durch einen Sicherheitsfaktor von 100 teilen und landen bei maximal 0,9 g Zucker. Also maximal am Tag 9 g &Auml;pfel oder 2 g Schokolade oder 20 ml Milch (aber bitte nicht alles zusammen sondern nur eines&#8230;.). Viel Spa&szlig; bei der Ern&auml;hrung. Selbst Tomaten und Karotten sind dann tabu, denn die enthalten auch Zucker.<\/p>\n<p><strong>Cholesterin<\/strong>: Cholesterin steigert den LDL-Spiegel und gilt als ein Risikofaktor f&uuml;r koronare Herzkrankheiten. Die Empfehlungen der DGE vertreten den Standpunkt, dass ein Gesamtcholesterinspiegel von &lt;200 mg\/dl w&uuml;nschenswert ist. Um dies zu erreichen, sollten nicht mehr als 300 mg Cholesterin mit der Nahrung pro Tag aufgenommen werden. Das w&auml;re auch hier der NOEL Wert. Da der K&ouml;rper selbst Cholesterin produziert ist es wie Zucker nicht lebensnotwendig. Man m&uuml;sste also das Nahrungscholesterin auf 3 mg\/Tag reduzieren (NOPEL\/100), das bedeutet: alle werden Veganer. Denn selbst cholesterinarme Lebensmittel enthalten noch viel mehr Cholesterin als erlaubt werden. Da Cholesterin Membranbestandteil aller tierischen Zellen ist, bedeutet das keine tierischen Nahrungsmittel, auch keine Milch und keine Eier. Mit einer strengen cholesterinarmen Di&auml;t kommt man auf minimal 200 mg\/Tag.<\/p>\n<p>Dann w&auml;re dann noch Salz. <strong>Salz<\/strong> enth&auml;lt <strong>Natrium<\/strong>. Natrium ist zum einen lebensnotwendig, aber es gibt viele Personen die sind &#8222;natriumsensitiv&#8220;. Haben sie Bluthochdruck, so verst&auml;rkt Natrium diesen. Lebensnotwendig ist eine Zufuhr von 550 mg\/Tag, Das entspricht 1,5 g Salz pro Tag. Natriumsensitive sollten maximal 4-6 g Salz pro Tag zu sich nehmen. Nehmen wir den h&ouml;heren Wert als NOEL Wert und teilen die Differenz zum lebensnotwendigen Wert durch 100, so d&uuml;rfte man nur 1,54 g Salz pro Tag zu such nehmen. das bedeutet nicht nur den Verzicht auf gesalzene Speisen, schon nat&uuml;rlicherweise enthalten Lebensmittel Salz. Das bedeutet den Verzicht auf praktisch alle Nahrungsmittel bei denen bei der Herstellung Salz zugesetzt wurde wie Brot, K&auml;se, Wurst, Salatdressings, So&szlig;e etc&#8230;<\/p>\n<p>Das k&ouml;nnte man fast endlos fortsetzen. Coffein: Selbst wenn ich die anregende Wirkung als positiv ansehe und nur die toxische Dosis nehme (1000 mg), komme ich beim Teilen durch 100 auf 10 mg\/Dosis. Nun enth&auml;lt aber eine Tasse Kaffee schon etwa 100 mg und Tee 50 mg. Eine Dose Cola 40 mg und selbst Schokolade zwischen 15 und 90 mg\/Tafel. Kurzum: aus ist es mit zahlreichen Getr&auml;nken.<\/p>\n<p>Also wenn wir mal die Forderungen die Zusatzstoffe die ja sooooooo schlimm sind, die sie aber heute erf&uuml;llen, auf Lebensmittel &uuml;bertragen, dann m&uuml;sste man eine Menge Lebensmittel verbieten. Es g&auml;be nichts mehr vom Tier, nichts was s&uuml;&szlig; ist, nichts was salzig schmeckt und nichts was anregend ist. Molkereien, K&auml;sereien, Schlachter, Metzger, Viehbauern, der Obstanbau, alle Hersteller von fertigen Nahrungsmitteln m&uuml;ssten zumachen, denn sie k&ouml;nnten ihre Produkte nicht mehr vertreiben. Daf&uuml;r freuen sich Hersteller von Vitamin- und Mineralstoffpr&auml;paraten, denn als reine Veganer die auch viele pflanzlichen Lebensmittel nun nicht mehr essen d&uuml;rfen wird sich sonst bald ein Vitamin und Mineralstoffmangel einstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt ja gen&uuml;gend Leute die Lebensmittel ohne Zusatzstoffe fordern. 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