{"id":7953,"date":"2013-05-29T00:20:25","date_gmt":"2013-05-28T22:20:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=7953"},"modified":"2013-05-27T20:55:49","modified_gmt":"2013-05-27T18:55:49","slug":"wie-geraumig-mussen-raumstationen-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/05\/29\/wie-geraumig-mussen-raumstationen-sein\/","title":{"rendered":"Wie ger&auml;umig m&uuml;ssen Raumstationen sein?"},"content":{"rendered":"<p>Ein Vorteil der immer wenn es um die Raumstation von Bigelow herausgestellt wird, ist dass sie viel ger&auml;umiger sei als die Module der ISS. Zeit mal das genauer zu beleuchten. Fangen wir zuerst einmal mit den ISS Modulen an. Die drei Labormodule Destiny, Columbus und Kino wiegen zwischen 12,275 und 14,8 t beim Start. Voll ausger&uuml;stet sogar bis zu 24 t. Da steht Bigelows Station nat&uuml;rlich besser da, genaue Zahlen gibt es von Bigelow nicht, doch da die Entwicklung bei der NASA begonnen wurde, kann man die des Transhab Modules nehmen. Das Transhab Modul hat einen Durchmesser (entfaltet) von 25 Fu&szlig; (7,28 m) &auml;u&szlig;erem Durchmesser und 40 Fu&szlig; (12,19 m) L&auml;nge. Das Volumen betr&auml;gt 342 m\u00b3. Der Innendurchmesser betr&auml;gt 6,70 m. Nur die Struktur wiegt 5,4 t, die gesamte Station wird mit 20-23 t angegeben. Das klingt wenn man das Volumen vergleicht nat&uuml;rlich viel besser als bei den Labormodulen (das gr&ouml;&szlig;te, Kibo, hat ein Gesamtvolumen von 169 m\u00b3 und wiegt beim Start 14,8 t.<!--more--><\/p>\n<p>Die Frage ist allerdings &#8211; braucht man daf&uuml;r eine aufblasbare Struktur? Eigentlich nicht. Wenn man nur das H&uuml;llengewicht nimmt, also ohne die Ausr&uuml;stung, dann k&ouml;nnen Module recht leicht sein. Es gab ja zahlreiche Ideen ausgediente Oberstufen zu Raumstationen umzubauen. Das hat man beim Shuttle Tank so angedacht, f&uuml;r die SLS-Oberstufe gibt es einen Vorschlag und bei Skylab hat man es auch gemacht. Hier eine kleine &Uuml;bersicht der Minimalgewichte (nur H&uuml;llenstruktur, bei STS inklusive Kopplungsadapter\/Luftschleuse, bei STS\/S-IVB inklusive nicht genutztem Sauerstofftank).<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th><\/th>\n<th>Volumen<\/th>\n<th>Gewicht<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>S-IVB Stufe<\/td>\n<td>270<\/td>\n<td>6,348 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>STS-ET<\/td>\n<td>1523 m\u00b3<\/td>\n<td>35,8 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>SLS Oberstufe<\/td>\n<td>495 m\u00b3<\/td>\n<td>4,2 t<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Man sieht, dass die Systeme gemessen an ihrem Volumen gar nicht so schlecht abschneiden. Dabei handelt es sich beim STS und Skylab um die gesamten Stufen (inklusive LOX Tank) obwohl dieser nicht benutzt wird. Nimmt man nur das Volumen, so schneiden die Treibstofftanks besser als das Transhab ab. Das Transhab liegt bei 63 m\u00b3\/Tonne, der LH2-Tank der SLS bei 117 m\u00b3\/t, STS und S-IVB bei rund 40 m\u00b3\/t.<\/p>\n<p>Das ist kein Wunder die Tanks sind so ausgelegt, dass sie zum einen einem viel h&ouml;heren Innendruck aushalten m&uuml;ssen als sp&auml;ter in der Station herrscht und und nat&uuml;rlich auch die Lasten des Wasserstoffs aufnehmen m&uuml;ssen. Bei der S-IVB betrug z.B. die Windst&auml;rke kur 0,812 mm. Klar ist nat&uuml;rlich auch, dass die H&uuml;lle, verglichen mit dem Volumen immer weniger wiegt, je gr&ouml;&szlig;er der Tank ist. Die S-IVB hat 6,70 m Durchmesser, STS-ET 8,38 und f&uuml;r die SLS sind 8,50 m geplant. Dagegen haben die Labormodule der ISS meist zwischen 4,2\u00a0 und 4,4 m Durchmesser. Steigen die Abmessungen um den Faktor 2, so steigt das Gewicht um den Faktor 4, das Volumen aber um den Faktor 8.<\/p>\n<p>Doch das ist nur ein Aspekt. Bei Skylab wogt der gesamt OWS ausger&uuml;stet 35,8 t, da ist es egal, wenn die H&uuml;lle nur 6,3 t wiegt oder doppelt so viel. Auch beim Skylab 2 Konzept ist eine Startmasse von 35,2 t geplant. Wir finden dies auch bei den Labormodulen. Columbus basiert z.B. auf der Struktur des MPLM: Dieses mit einer Startmasse von 4,5 t enth&auml;lt zumindest die Thermalisolierung und Befestigungsstrukturen im Inneren. Columbus wiegt leer schon 10 t, die Differenz: K&uuml;hlleitungen, Stromleitungen andere Anschl&uuml;sse, K&uuml;hlsystem, Heizungssysteme, Stromverwaltungssysteme. Voll ausger&uuml;stet mit allen Racks 21 t. Selbst wenn man dann die Strukturmasse von 4,5 t auf 1,5 t reduzieren kann (hochgerechnet von den Daten des Transhabs) so reduziert das das Gewicht eines voll ausger&uuml;steten Moduls von 21 auf 18 t, also nicht signifikant.<\/p>\n<p>Aus Sicht des Betriebs ist das aufblasbare Modul sogar in einer Hinsicht nachteilig. Die ISS Module haben sich aus dem Spacelab entwickelt. Sie haben an allen vier W&auml;nden standardisierte Racks mit Experimenten, aber auch Umweltkontrollsysteme oder Stauraum. In der Mitte bleibt ein kleiner Korridor: so wird der Platz maximal ausgenutzt, f&uuml;r die Besatzung vorteilhaft ist, dass man bei einem kleineren Korridor sich leichter fixieren kann wenn man arbeiten muss. Ohne Fixierung erzeugte jede Kraft eine Gegenkraft, die en Astronauten bewegt, Viel freier Raum ist da eher hinderlich.<\/p>\n<p>Weiterhin ist so die Ausr&uuml;stung einfacher. Bei der Umr&uuml;stung von Stufen gibt es immerhin noch die M&ouml;glichkeit alles gleich einzubauen. Bei einem aufblasbaren Modul ist es aber relativ schwierig feste Strukturen einzubauen. Bigellow wird nur in der Mitte einen 2,30 m breiten Schacht haben in dem man Experimente unterbringen kann &#8211; der Rest der Station ist freies Volumen &#8211; lustig f&uuml;r die Astronauten zum rumfliegen, aber ohne Zusatznutzen f&uuml;r den Betrieb.<\/p>\n<p>Das ganze spielt aber sowieso eine untergeordnete Rolle. Die ISS wird dieses Jahr von vier Progress angeflogen, einer Dragon, einem ATV. Das sind zusammen rund 19 t Versorgungsg&uuml;ter bei einem durchschnittlichen Beladung von 30% des Startgewichts. Also 60 t jedes Jahr in Form von Transportern. Diese kosten Geld, sie verursachen Startkosten. Ob dann ein Modul 10 t mehr oder weniger wiegt, ist dann relativ egal, wenn man die Gesamtfracht &uuml;ber die zwei bis drei Jahrzehnte rechnet ist es viel sinnvoller diese zu reduzieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Vorteil der immer wenn es um die Raumstation von Bigelow herausgestellt wird, ist dass sie viel ger&auml;umiger sei als die Module der ISS. Zeit mal das genauer zu beleuchten. Fangen wir zuerst einmal mit den ISS Modulen an. Die drei Labormodule Destiny, Columbus und Kino wiegen zwischen 12,275 und 14,8 t beim Start. 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