{"id":80,"date":"2007-12-21T13:42:54","date_gmt":"2007-12-21T12:42:54","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/12\/21\/120-g-kohlendioxid\/"},"modified":"2012-06-28T18:46:50","modified_gmt":"2012-06-28T16:46:50","slug":"120-g-kohlendioxid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/12\/21\/120-g-kohlendioxid\/","title":{"rendered":"120 g Kohlendioxid"},"content":{"rendered":"\n<p>Soviel soll ein neuer Wagen ab 2012 nach einer EU Verordnung maximal aussto&szlig;en. Die Ma&szlig;gabe ist   typisch EU: Korrekt auf ein Ziel ausgerichtet, n&auml;mlich der Reduktion des Kohlendioxidaussto&szlig;es und   dabei ohne jeden Praxisbezug. Denn was der Verbraucher kennt, ist sein Verbrauch, entweder pro 100   km oder wahrscheinlich eher seinen Verbrauch pro 10000 km, einer typischen Strecke die man so im   Jahr f&auml;hrt, und bei der sich dann auch Stopps und Staus ausmitteln.<\/p>\n<p>Ich m&ouml;chte mal wieder auf meine urspr&uuml;ngliche Intension f&uuml;r den Blog zur&uuml;ckkommen und Wissen in   kleinen H&auml;ppchen vermitteln. Diesmal: Wie komme ich von meinem Benzinverbauch auf die   Kohlendioxidmenge.<\/p>\n<p>Nun zuerst muss man einige chemische Grundlagen kennen. Das erste ist: Woraus bestehen Benzin   und Diesel und wie h&auml;ngt das mit dem Kohlendioxid zusammen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Benzin und Diesel bestehen aus Kohlenwasserstoffen, also Verbindungen von Kohlenstoff und   Wasserstoff. In kleinen Mengen findet man auch andere Elemente dort wie Stockstoff (in Aminen),   Schwefel (in Sulfiden) oder Sauerstoff (in Ethern, Furanen etc). Doch mengenm&auml;&szlig;ig kann man diese   ignorieren, zumal Emissionsschutzverordnungen schon daf&uuml;r gesorgt haben, dass ihr Anteil sehr   gering ist.<\/p>\n<p>Doch beides sind Gemische von Kohlenwasserstoffen. Benzin von kurzkettigen, vorwiegend   nichtzyklischen Kohlenwasserstoffen mit einem sehr geringen Siedepunkt und Diesel von langkettigen   Kohlenwasserstoffen mit h&ouml;herem Anteil an cyclischen Kohlenwasserstoffen und cylischen   Kohlenwasserstoffen mit mehreren Doppelbindungen, den sogenannten Aromaten. (Ein Sorry an meine   Chemikerkollegen f&uuml;r diese extreme Vereinfachung, aber die genaue Zusammensetzung ist bei einem   Summenwert auch nicht so wichtig).<\/p>\n<p>Da es Gemische sind, kann man keine genaue Zusammensetzung angeben, aber eine grobe   Zusammensetzung. Jedes Kohlenstoffatom kann 4 Bindungen eingehen. Bildet man eine Kette, so   braucht man 2 um jeweils sich mit dem Nachbarkohlenstoffatom zu verbinden. Die anderen beiden   verbinden sich mit Wasserstoffatomen, so dass man eine Summenformel C<sub>n<\/sub>H<sub>2n<\/sub>   erh&auml;lt. Wenn nun das Molek&uuml;l keinen Ring bildet, so ist an den beiden Enden jeweils noch eine   Bindung frei und diese linearen Alkane haben die Summenformel C<sub>n<\/sub>H<sub>2n+2<\/sub>. Aus   ihnen besteht Benzin zum gr&ouml;&szlig;ten Teil. Andererseits kann es im Molek&uuml;l auch Doppelbindungen geben   (dann fehlen 2 H Atome pro Molek&uuml;l und man erh&auml;lt die Formel C<sub>n<\/sub>H<sub>2n <\/sub>und   aromatische Verbindungen haben sogar eine Doppelbindung auf 2 C-Atome Ihre Summenformel betr&auml;gt   nur C<sub>n<\/sub>H<sub>n<\/sub>.<\/p>\n<p>Als grobe Absch&auml;tzung erh&auml;lt f&uuml;r Benzin und Diesel die Zusammensetzung C<sub>n<\/sub>H<sub>2n<\/sub>   (Alkane mit einem kleineren Anteil an cyclischen Molek&uuml;len, Aromaten und Alkenen also   Kohlenwasserstoffen mit&nbsp; einer oder mehreren Doppelbindungen).<\/p>\n<p>Nun verbrennt der Treibstoff in beiden F&auml;llen nach folgender Summenformel:<\/p>\n<p>Cx+Hy + O<sub>2<\/sub> -&gt; x CO<sub>2<\/sub> + y\/2 H<sub>2<\/sub>O<\/p>\n<p>Uns interessiert hier nur der Kohlendioxidanteil. Das bedeutet man muss nun noch einige Zahlen   kennen. N&auml;mlich:<\/p>\n<p>Die Dichte des Treibstoffs: Diesel hat eine mittlere Dichte von 0.83 kg\/l und Benzin eine von   0.75 g\/l. Eine bestimmte Anzahl von Kohlenstoffatomen wiegt 12 g, dieselbe Anzahl an Wasserstoff 1   g und von Sauerstoff 16 g. (Wie viele es sind, ist egal, da wir ja nur mit relativen Verh&auml;ltnissen   rechnen. F&uuml;r die Experten: Es ist ein Mol = 6.023 x 1023 Atome). <\/p>\n<p>Berechnen wir zuerst mal die Menge an Kohlenstoff pro l:<\/p>\n<ul>\n<li>Benzin: 0.75 kg \/ (1*12 + 2*1) * 12<\/li>\n<li>Diesel: 0.83 kg \/ (1*12 + 2*1) * 12<\/li>\n<\/ul>\n<p>nach der Formel:<\/p>\n<p>Kohlenstoff [g] = Gewicht eines Liters \/ Atommasse durchschnittliche Zusammensetzung *   Atommasse Kohlenstoff<\/p>\n<p>Man erh&auml;lt:<\/p>\n<ul>\n<li>Benzin: 643 g\/l<\/li>\n<li>Diesel: 712 g\/l<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diesel schneidet schlechter ab weil durch den h&ouml;heren Anteil an zyklischen Verbindungen eine   h&ouml;here Dichte besitzt. (Umgekehrt resultiert nat&uuml;rlich daraus auch der geringere Verbrauch pro 100   km).<\/p>\n<p>Nun ist es relativ einfach den Kohlendioxidverbrauch pro l zu erhalten: Es passiert folgendes:<\/p>\n<p>C + O<sub>2<\/sub> &#8594; CO<sub>2<\/sub><\/p>\n<p>oder in Atommassen:<\/p>\n<p>12 + 2*12 = 44<\/p>\n<p>Aus 12 g Kohlenstoff entstehen so 44 g Kohlendioxid. Man muss die Kohlenstoffmenge also mit   44\/12 multiplizieren und erh&auml;lt:<\/p>\n<ul>\n<li>Benzin: 2357 g Kohlendioxid (Wikipedia Angabe: 2360 g\/l)<\/li>\n<li>Diesel: 2609 g\/l Kohlendioxid&nbsp; (Wikipedia Angabe: 2650 g\/l)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Da wir nur eine durchschnittliche Zusammensetzung angenommen haben, weichen die Angaben   nat&uuml;rlich von den gemessenen Werten ab (die jedoch auch bedingt durch die wechselnde   Zusammensetzung und Dichte schwankend). Sie sind jedoch recht gut.<\/p>\n<p>Der Rest ist einfach, man muss von dem Verbrauch pro 100 km, den man kennt, auf 1 km umrechnen.   Dies geht in einem einfachen Dreisatz:<\/p>\n<p>Verbrauch Kohlendioxid [g\/km] = Verbrauch\/100 km [l] * Kohlendioxid\/l [g\/l] \/ 100 km<\/p>\n<p>(Die Einheiten habe ich dazugeschrieben, weil man an den Einheiten leicht kontrollieren kann,   ob die Formel korrekt ist).<\/p>\n<p>Also (mit den Wikipedia Angaben nun weitergerechnet). Ihr Auto verbraucht 5 l Diesel oder 6 l   Benzin\/100 km so sind dies:<\/p>\n<ul>\n<li>Benzin: 6 l * 2357 g \/100 km = 141 g\/km<\/li>\n<li>Diesel: 5 l * 2650 \/ 100 km = 132 g\/km.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Den Verbrauch f&uuml;r die Grenze von 120 g\/km erh&auml;lt man so<\/p>\n<p>Verbrauch [l\/100 km] = 120 g Kohlendioxid [g]&nbsp; \/ Kohlendioxid [g\/l] * 100[ km]<\/p>\n<p>man erh&auml;lt:<\/p>\n<ul>\n<li>Benzin: 120 g \/ 2360 g\/l * 100 km = 5.04 l\/100 km<\/li>\n<li>Diesel: 120 g \/ 2650 g\/l * 100 km = 4.53 l\/100 km.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nun wird auch klar, warum als einziger deutscher Automobilhersteller Smart unter den 120 g\/l   liegt. Nat&uuml;rlich gibt es auch von VW, BMW und Daimler sparsamere Autos, aber der Durchschnittswert   liegt eben h&ouml;her, weil eben Mitteklasse und Oberklassewagen mehr wiegen.<\/p>\n<p>Die Frage ist: Warum jammern jetzt alle wieder und fordern Unterst&uuml;tzung von der Politik?   Meiner Meinung nach ist das der komplett falsche Weg. Klar ist, dass der Klimawandel kommt, klar   ist dass man die Emissionen reduzieren muss und dies auch nicht an dem Auto vorbei gehen kann. Wie   schon bei den Umweltbestimmungen mauern unsere Automobilhersteller und &uuml;berlie&szlig;en es andere   Nationen die wichtigen Innovationen wie den Dieselru&szlig;filter zu machen. In jedem Markt hat auf   Dauer nur der Erfolg, der innovativ ist. Dazu geh&ouml;rt nicht nur Sicherheitssysteme wie ABS, ESP   oder Entertainment im Auto, sondern auch sparsame Motoren, ein geringes Fahrzeuggewicht und ein   sparsamer Umgang mit der elektrischen Energie (Klimaanlage und die verschiedenen elektrischen   Systeme ben&ouml;tigen immer mehr Energie, die schlie&szlig;lich nicht der Antriebsleistung zur Verf&uuml;gung   steht). Wir sehen dies bei der Umwelttechnik: Die gesetzlichen Vorgaben, die es erm&ouml;glichten Strom   zu subventionierten Preisen ins Netz einzuspeisen, haben Deutschland zu dem gr&ouml;&szlig;ten Hersteller von   Solarzellen gemacht. Dabei sind deren Kosten gesunken und ich denke, die Industrie wird &uuml;berleben   k&ouml;nnen auch wenn dieses Gesetz einmal ausl&auml;uft. Nur sollte man nun nicht immer nach der Politik   rufen &#8211; vor allem nicht wenn man seit 100 Jahren Automobile produziert und damit so fette Gewinne   macht, dass man es sich leisten kann mehrmals andere Unternehmen aufzukaufen und dann nach einigen   Jahren mit Verlust wieder zu verkaufen wie dies Daimler mehrfach seit den 80 er Jahren tat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soviel soll ein neuer Wagen ab 2012 nach einer EU Verordnung maximal aussto&szlig;en. Die Ma&szlig;gabe ist typisch EU: Korrekt auf ein Ziel ausgerichtet, n&auml;mlich der Reduktion des Kohlendioxidaussto&szlig;es und dabei ohne jeden Praxisbezug. 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