{"id":8022,"date":"2013-06-16T00:03:25","date_gmt":"2013-06-15T22:03:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=8022"},"modified":"2013-12-25T14:57:32","modified_gmt":"2013-12-25T13:57:32","slug":"die-weltraumpartei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/06\/16\/die-weltraumpartei\/","title":{"rendered":"Die Weltraumpartei"},"content":{"rendered":"<p>Vielleicht geht es euch wie mir, es ist v&ouml;llig egal, was man w&auml;hlt, am Ende machen die Politiker doch was sie wollen und programmatisch unterscheiden sie sich kaum. Wenn man von den Parteien weggeht zu den Splittergruppen, sei es die neue &#8222;Alternative f&uuml;r Deutschland&#8220; oder die schon bekannten Kleinparteien, wie die Partei bibeltreuer Christen, NPD oder mein absoluter Liebling B&uuml;so, dann sind alle gegen irgendwas. Die B&uuml;so ist die Partei, wo in den Spots mit beliebig hohen Zahlen um sich geworfen wird, und im Wahlwerbespott Rechtschreibefehler en masse sind. Das hat schon Oliver Kalkofe <a href=\"http:\/\/www.clipfish.de\/video\/926449\/kalkofes-mattscheibe-wahlwerbung\/\">karikiert<\/a>. Alle Kleinparteien sind gegen etwas. Gegen Homosexualit&auml;t (PBC), gegen Ausl&auml;nder (NPD), gegen den Euro (B&uuml;so). Nun gibt es endlich eine Partei, die f&uuml;r etwas ist: die Weltraumpartei.<!--more--><\/p>\n<p>In wenigen Tagen, am 22.sten genau drei Monate vor der Bundestagswahl steigt offiziell die Weltraumpartei in den Wahlkampf ein. Alles begann vor drei Monaten bei einem \u201eRaumcon\u201c, einem regionalen Zusammentreffen von Mitgliedern des Vereins \u201eRaumfahrer.net\u201c. Es gab Diskussionen, welche Partei denn eigentlich f&uuml;r Weltraumforschung im speziellen oder &uuml;berhaupt f&uuml;r Forschung und Technologief&ouml;rderung im Allgemeinen eintritt, ob man als Raumfahrtfan eine der Parteien denn w&auml;hlen kann. Das Ergebnis war ern&uuml;chternd. Das Thema kam in keinem Wahlprogramm vor, auch Forschungsf&ouml;rderung spielt meist nur eine Nebenrolle. Warum, so wurde gefragt, &auml;ndern wird das nicht? So kam aus einer Bierlaune heraus die Idee f&uuml;r die Weltraumpartei. Der Vorstand von Raumfahrer.net hat in den letzten Monaten die Formalit&auml;ten daf&uuml;r in Rekordzeit erledigt, wie das Sammeln von 2000 Unterschriften und die Zulassung durch den Wahlamtsleiter. Wie Karl Urban mir sagte, wurde zeitweise erwogen, sogar den Verein als Partei anzumelden. Die H&uuml;rden sind f&uuml;r einen existierenden Verein geringer, da er schon eine juristische Gesellschaft ist (aus diesem Grunde ist auch das DLR ein eingetragener Verein). Doch dann w&auml;ren alle Vereinsmitglieder automatisch auch Parteimitglieder und man erwartete daher eine Austrittswelle. So hat man den etwas umst&auml;ndlicheren Weg einer neuen Partei beschritten. Jedes Vereinsmitglied von Raumfahrer.net kann jedoch ohne Zusatzkosten Parteimitglied werden.<\/p>\n<p>Die Weltraumpartei ist eine klassische Ein-Themenpartie: Sie vertritt ein st&auml;rkeres deutsches Weltraumprogramm. Das unbemannte Programm sollte finanziell genauso stark wie das ESA-Programm unterst&uuml;tzt werden, was ein Plus von 600 Millionen Euro pro Jahr w&auml;re. Vor allem aber sollte eine deutsche Mondlandung bis zum 75.sten Geburtstag der Gr&uuml;ndung der BRD (2024) angegangen werden. Ich wurde gebeten dieses Konzept zu &uuml;berpr&uuml;fen und meinen Sachverstand beim ATV und der Tr&auml;gerrakete einzubringen, und ich denke es kann gelingen.<\/p>\n<p>Selbst f&uuml;r Deutschland w&auml;re eine Mondlandung in 10 Jahren mit nur j&auml;hrlichen Kosten von 2-3 Milliarden Euro zu finanzieren. Das Geld soll durch Streichung von Subventionen wie f&uuml;r den Steinkohlebergbau, die landwirtschaftlichen Gro&szlig;betriebe und die Banken zusammenkommen. Schon Jesco von Puttkamer rechnete vor, dass Deutschland mit nur 10% der Mittel die in die &#8222;neuen Bundesl&auml;nder&#8220; in den ersten zehn Jahren nach der Vereinigung flossen, eine Mondlandung h&auml;tte durchf&uuml;hren k&ouml;nnen. Das Konzept der Weltraumpartei wird etwa 25 Milliarden Euro kosten. Das ist wenig, vor allem weil man schon auf existierende Entwicklungen zur&uuml;ckgreift. So gibt es bei EADS schon das Konzept einer Ariane 50 t, einer Ariane 5 mit 50 t LEO oder 20 t Nutzlast zum Mond. Sie k&ouml;nnte f&uuml;r wenige Milliarden aus der Ariane 5 ME entstehen. Drei Fl&uuml;ge dieser Rakete w&uuml;rden das Crewraumschiff mit Servicemodul, einen Mondlander und eine Stufe in einen Mondorbit bringen, wo sie gekoppelt werden.<\/p>\n<p>Das Crewmodul wird aus dem CRV, das f&uuml;r 3-4 Milliarden aus dem ATV entwickelt wird, entstehen. Eine wesentliche &Auml;nderung ist nur der Einbau des Triebwerks <a href=\"http:\/\/cs.astrium.eads.net\/sp\/launcher-propulsion\/rocket-engines\/aestus-rs72-rocket-engine.html\">RS-72\/Aestus 2<\/a>, einer Variation des Aestus mit einer Turbopumpe in das Servicemodul und gr&ouml;&szlig;ere Treibstofftanks. Der Mondlander wird in der Unterstufe ebenfalls das RS-72 und in der R&uuml;ckstartstufe das Aestus einsetzen. Die Tanks der EPS k&ouml;nnten in beiden Stufen verwendet werden. Der Crewbereich muss neu entwickelt werden. Der Mondlander wird daher das Teil mit dem h&ouml;chsten finanziellen Engagement. Eine Stufe mit einem weiteren RS-72 Triebwerk tankt im Mondorbit Mondlander und Servicemodul auf, damit diese gen&uuml;gend Treibstoff f&uuml;r die Landung und R&uuml;ckkehr haben.<\/p>\n<p>Da schon Existierendes verwendet wird, k&ouml;nnte das ganze in 6-7 Jahren entwickelt sein, allerdings wird man bei unserem tr&auml;gen politischen System wohl mit einer Vorlaufzeit von 3-4 Jahren rechnen m&uuml;ssen. (W&auml;ren es Automobilhersteller oder Banken, so g&auml;be es das Geld sicher innerhalb von Wochen).<\/p>\n<p>So k&ouml;nnte es aussehen: die ersten drei Fl&uuml;ge dienen zur Erprobung der Ariane 50 t. Dabei soll auch der Mondlander unbemannt getestet werden. Der Ablauf ist wie beim bemannten System (Starten der Treibstoffstufe, danach starten des Mondlanders, zuletzt starten des Crewmoduls, nur wird anstatt des Crewmoduls ein 14 t schweres Wohnmodul, das auf dem Columbus Labor basiert gestartet. Dieses verbleibt auf der Mondoberfl&auml;che und bietet rund 70 m\u00b3 Volumen f&uuml;r die Astronauten. Sind diese drei Starts ohne Probleme erfolgt, dann kann in einem zweiten Triplestart die Landung angegangen werden. Zuerst startet erneut die Treibstoffstufe. Einen Monat sp&auml;ter folgt der Mondlander, der basierend auf den mit dem ATV gemachten Erfahrungen unbemannt im Mondorbit ankoppelt. Die Stufe tankt den Mondlander auf, da er f&uuml;r das Einbremsen in den Orbit schon ein Drittel seiner Treibstofffvor&auml;te verbaucht hat. Einen weiteren Monat sp&auml;ter folgt das Crewmodul aus einem umgebauten ATV mit einer Kapsel. Auch er koppelt zuerst an die Treibstoffstufe ab, die daf&uuml;r kurz vom Mondlander abkoppelt. Sie tankt das Crewmodul auf und wird dann gezielt deorbitiert, nun koppelt das Crewmodul an den Mondorbiter an, die Besatzung steigt um und landet. Bis zu 14 Tage kann sie im Wohnmodul auf der Oberfl&auml;che bleiben. Die Zeit ist limitiert durch die Stromversorgung und Heizung mit Solarzellen. Sollte die Landung des Wohnmoduls scheitern oder bei folgenden Landungen an anderen Pl&auml;tzen, so w&auml;re die Aufenthaltsdauer auf 4 Tage beschr&auml;nkt. Auch k&ouml;nnten dann nur 2-3 anstatt 4-5 Astronauten landen. Danach startet die Besatzung zur&uuml;ck in den Orbit, steigt in das Crewmodul um und kehrt zur Erde zur&uuml;ck. Das Crewmodul kann auch mit einer Ariane 5 gestartet werden und dann f&uuml;r den Astronautentransport zur ISS genutzt werden. Nach der Mondlandung k&ouml;nnte man auch eine eigene Weltraumstation angehen, auch daf&uuml;r verf&uuml;gt man mit den schon gebauten Modulen f&uuml;r die ISS &uuml;ber die Kompetenz in Deutschland.<\/p>\n<p>Anders als die CNES macht es der Weltraumpartei auch nichts aus, das gro&szlig;e Teile der Ariane und die H&auml;lfte des ATV im Ausland gefertigt werden. &#8222;Das kleinkarierte Verfolgen von nationalen Interessen hat ja in der Vergangenheit nur zur Aufgabe des ATV und zur Parallelentwicklung Ariane 5 und 6 gef&uuml;hrt. In der Summe verlieren dabei nur alle&#8220;, sagte mir Karl Urban. Zu den Wahlchancen gefragt: &#8222;Nat&uuml;rlich rechnen wir nicht mit einem Einzug ins Parlament. Wir werden auch keinen Spitzenkandidaten, sondern nur Kandidaten f&uuml;r jedes Bundesland aufstellen, damit alle Stimmen f&uuml;r uns g&uuml;ltig sind. Aber wie wir schon bei der bisherigen Politik sehen, reagieren die Parteien empfindlich, wenn sie Stimmen verlieren oder meinen welche durch Versprechen gewinnen zu k&ouml;nnen. Merkel verspricht derzeit Wahlgeschenke im Umfang von 25 bis 30 Milliarden Euro. Wie viele Prozent zus&auml;tzliche W&auml;hler mag das bringen? Wenn es nur 5% sind, und die Weltraumpartei erreicht 0,5% der Stimmen, so lohnt es sich f&uuml;r die k&uuml;hl rechnende Kanzlerin. Zudem ist da der &ouml;ffentlichkeitswirksame Teil. Die Mondlandung ist nicht teurer als die WM 2006, doch eine WM gibt es alle vier Jahre. Von einer Mondlandung werden die die sei miterlebt haben noch ihren Kindern erz&auml;hlen. So eine Chance l&auml;sst sich Merkel bestimmt nicht entgehen.&#8220;. Ziel ist es also die anderen Parteien (oder Merkel, denn Urban rechnet damit, dass die erneut gew&auml;hlt wird) zum Handeln zu bewegen, weil die Weltraumpartei erfolgreich ist. Das ist gar kein so schlechtes Konzept. Wenn Peer Steinbr&uuml;ck Kanzler wird, sieht er viel mehr Schwierigkeiten. \u201eDer ist ein Griffelspitzer, der wird jeden Cent zweimal umdrehen und hat kein Gesp&uuml;r f&uuml;r die PR-Seite des Unternehmens und das er so in die Geschichtsb&uuml;cher als \u201eKanzler der Mondlandung\u201c eingehen k&ouml;nnte\u201c.<\/p>\n<p>Also ich wei&szlig;, wo ich am 22. September mein Kreuz mache.<\/p>\n<p>Ab dem 22.sten online: <a href=\"http:\/\/www.weltraumpartei.de\" target=\"_blank\">www.weltraumpartei.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielleicht geht es euch wie mir, es ist v&ouml;llig egal, was man w&auml;hlt, am Ende machen die Politiker doch was sie wollen und programmatisch unterscheiden sie sich kaum. 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