{"id":8057,"date":"2013-06-25T00:21:24","date_gmt":"2013-06-24T22:21:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=8057"},"modified":"2013-12-25T14:57:14","modified_gmt":"2013-12-25T13:57:14","slug":"ein-energieproblem-weniger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/06\/25\/ein-energieproblem-weniger\/","title":{"rendered":"Ein Energieproblem weniger"},"content":{"rendered":"<p>Wie wir alle wissen sind die fossilen Energien endlich. Zwar will man seit einigen Jahrzehnten auf regenerative Energien umstellen, doch ob dies wirklich zu 100% geht? Ich habe meine Zweifel. Eines der gr&ouml;&szlig;ten Probleme ist, das z.b. wir im Winter am meisten Energie verbrauchen, aber weniger Chancen haben, sie zu erzeugen. Weder kann man im Winter Warmwasser mit Sonnenkollektoren erzeugen, noch nennenswerte Mengen an Strom erzeugen. Nat&uuml;rlich gibt es auch noch den Wind, aber sinnvoll wird immer ein Mix aller m&ouml;glichen Energielieferanten sein.<!--more--><\/p>\n<p>Ein Problem scheint jedenfalls gel&ouml;st zu sein. An der TU M&uuml;nchen wurde schon in den neunziger Jahren im Rahmen einer Doktorarbeit die Kombination eines Solarkollektors mit einer W&auml;rmepumpe als Energieversorgung f&uuml;r Privathaushalte erprobt. Die dahinterliegende Idee war die, dass der Solarkollektor im Fr&uuml;hjahr bis Herbst Hei&szlig;wasser erzeugt und die W&auml;rmepumpe vom Herbst bis Fr&uuml;hjahr f&uuml;r die Heizung und Warmwasserversorgung eingesetzt wird. Die W&auml;rmepumpe sollte auch Tage ohne Sonnenschein abfedern. Wenn die Sonne schien, war der Warmwasserverbrauch meist gering und der Doktorrand kam auf die Idee, den Solarkollektor mit der W&auml;rmepumpe zu koppeln und hei&szlig;es Wasser in den Untergrund zu pumpen. Die Idee war es den dortigen W&auml;rmevorrat aufzuf&uuml;llen. Die meisten W&auml;rmepumpen verlieren nach einigen Jahren an Leistung weil mehr W&auml;rme entnommen wird, als durch das umgebende Grundwasser\/Gestein nachfliest. Dieser Abfall kann klein sein, er kann bei ung&uuml;nstigen Bedingungen aber auch so gro&szlig; sein, das sich der Betrieb nicht lohnt. Ob die Umkehrung funktioniert, also auch W&auml;rme so gespeichert werden konnte, war noch nie vorher erprobt worden. Der Doktorrand hoffte im g&uuml;nstigsten fall die Wirkungsgradabnahme der W&auml;rmepumpe zu verringern. Als Vergleich wurde in derselben Bodenschicht 100 m weiter eine zweite W&auml;rmepumpe angebracht.<\/p>\n<p>Erstaunlicherweise stieg in den drei Wintern die Energieausbeute der W&auml;rmepumpe (berechnet als verbrauchter Strom im Verh&auml;ltnis zur gewonnen W&auml;rmeenergie) an. Das f&uuml;hrte zu weiteren Doktorarbeiten, in denen das Ph&auml;nomen &uuml;ber mehr als 10 Jahre an einer schon in den Achtzigern angelegten W&auml;rmepumpe untersucht wurden. Nach f&uuml;nf Jahren erreichte sie wieder die Sollleistung vor dem Abfall. Besonders der extrem sonnenreiche Sommer von 2003 f&uuml;hrte zu einem Anstieg der Energieausbeute im folgenden Winter. Seitdem hat sich die gewonnene\u00a0 W&auml;rmemenge, je nach Sonnenscheindauer, im Sommer vorher im Winter auf 120% bis 140% des Ausgangswertes stabilisiert. Das scheint nach weiteren Versuchen auch bei neuen Anlagen der Fall zu sein. Inzwischen wurde der Versuchsaufbau soweit perfektioniert, dass das System automatisch funktioniert. In der ersten Form musste der Doktorrand noch von Hand die Ventile umschalten und die Pumpen an, inzwischen wurde ein an einem kleinen Solarmodul angeschlossener Mikrocontroller auf Basis eines ATMega entwickelt. Er und die Pumpen bekommen vom Solarmodul Strom, das ist im Sommer billiger als der Strom aus der Steckdose und spart eine Elektroinstallation, was vor allem bei Au&szlig;enanlagen teuer w&uuml;rde. Gleichzeitig ist die Strommenge auch ein Ma&szlig; f&uuml;r die verf&uuml;gbare Energie der Solarkollektoren. Damit wird der Durchfluss zu der W&auml;rmepumpe geregelt und zugleich auch diese mit dem Strom angetrieben. Unterhalb einer Schwelle die vom Benutzer festgelegt wird, wird nur Warmwasser f&uuml;r das Haus (Waschen, Duschen, Baden) erzeugt.<\/p>\n<p>Die TU M&uuml;nchen hat nun erst die Ergebnisse ver&ouml;ffentlicht, zeitgleich mit der Gr&uuml;ndung eines Unternehmens das die Technologie kommerziell vertreiben soll, als Spinn-off der Forschung: &#8222;Solarpump&#8220;. Nach Aussage von J&uuml;rgen Schmidt, Fachbereichsleiter der Fakult&auml;t Energieingenieurswesen, wollte man auf Nummer sicher gehen, dass der Effekt dauerhaft ist und in der Summe den Nutzen Kosten spart. Das ist sicher ein Seitenhieb auf die W&auml;rmepumpe die in den Siebzigern und fr&uuml;hen Achtzigern als Heizform der Zukunft galten &#8211; bis absinkende Wirkungsgrade nach einigen Jahren und h&ouml;here Strompreise zu einem starken Einbruch bei den Installationen f&uuml;hrten. Nach nunmehr insgesamt 17 Jahren Untersuchungen, davon bis zu 12 Jahren an einer Quelle sei man sich sicher, das es m&ouml;glich ist W&auml;rmenergie im Sommer zu gewinnen, und im Untergrund zu speichern um sie im Winter zu gewinnen. Der Wirkungsgrad betr&auml;gt je nach Untergrund zwischen 38 und 51%. Das klingt nach wenig, doch da im Juli bei uns bis zu 1000 Watt\/m\u00b2 einfallen erzeugt man auf diesem Weg im Sommer immer noch genug W&auml;rme f&uuml;r den Winter. Solarkollektoren sind relativ preiswert herzustellen, verglichen mit den Investitionskosten f&uuml;r eine W&auml;rmepumpe. Dazu ben&ouml;tigt man noch das von Solarpump vertriebene Steuermodul mit Microcomputer und Solar-Modul sowie Anschluss an Solarkollektor und W&auml;rmepumpe. f&uuml;r ein Einfamilienhaus braucht man 12 m\u00b2 Fl&auml;che etwa die doppelte Menge die man f&uuml;r die reine Warmwasserversorgung braucht. Das sind dann bei den heutigen Installationspreisen rund 4.500 Euro Investitionen. Dem stehen Einsparungen von 400 bis 500 Euro pro Jahr gegen&uuml;ber, sodass sich die Anlage nach weniger als zehn Jahren amortisiert hat. Noch g&uuml;nstiger ist es bei Altanlagen die an Leistung verloren haben, da diese in etwa 5 Jahren die Normleistung wieder erreichen und sie danach sogar &uuml;ber den Ausgangspegel ansteigt. Hier sind Einsparung von bis zu 800 Euro pro Jahr m&ouml;glich, verglichen mit dem Energieverbrauch einer sonst zus&auml;tzlich n&ouml;tigen Heizung.<\/p>\n<p>Es gibt allerdings auch grenzen. Mehr als 150% des Ausgangswertes konnte nie an W&auml;rmeenergie gewonnen werden, selbst wenn man die Kollektorfl&auml;che vervierfachte. Dann scheinen offenbar Grundwasserstr&ouml;me angeregt zu werden, die die W&auml;rme abtransportieren. Dieses Ph&auml;nomen will man nun noch weiter untersuchen indem man durch zus&auml;tzliche Bohrungen in der Umgebung Me&szlig;sonden einbringen will, welche die physikalischen Parameter wie Temperaturm Leitf&auml;higkeit, Druck etc. messen.<\/p>\n<p>Doch schon in der heutigen Form scheint das System dazu geeignet den seit zwei Jahrzehnten dahinsiechenden W&auml;rmepumpenmarkt wiederzubeleben, da diese Technologie nun wider rentabel ist. Wenn es nun noch gel&auml;nge den Strom den man im Winter f&uuml;r die Pumpe braucht im Sommer zu gewinnen und zu speichern, dann h&auml;tte man eine Heizung, die nur von regenerativer Energie gespeist wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wir alle wissen sind die fossilen Energien endlich. Zwar will man seit einigen Jahrzehnten auf regenerative Energien umstellen, doch ob dies wirklich zu 100% geht? Ich habe meine Zweifel. Eines der gr&ouml;&szlig;ten Probleme ist, das z.b. wir im Winter am meisten Energie verbrauchen, aber weniger Chancen haben, sie zu erzeugen. 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