{"id":8095,"date":"2013-07-01T00:27:35","date_gmt":"2013-06-30T22:27:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=8095"},"modified":"2013-06-28T00:30:57","modified_gmt":"2013-06-27T22:30:57","slug":"nach-dem-europaischen-mondprogramm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/07\/01\/nach-dem-europaischen-mondprogramm\/","title":{"rendered":"Nach dem europ&auml;ischen Mondprogramm"},"content":{"rendered":"<p>Also da ihr mich schon nach einem Nach-Mondprogramm Einsatz der Komponenten gefragt habt, her eine m&ouml;gliche Vision. Sie mag nicht besonders originell sein, aber wenn man nach einer L&ouml;sung sucht die m&ouml;glichst wenige Neuentwicklungen braucht wohl eine der wenigen M&ouml;glichkeiten.<\/p>\n<p>So, mal angenommen, wir h&auml;tten ein <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/06\/24\/was-kostet-ein-europaisches-mondprogramm\/\" target=\"_blank\">europ&auml;isches Mondprogramm<\/a> durchgef&uuml;hrt und ein <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/atv-evolution.shtml\" target=\"_blank\">CRV <\/a>und eine Ariane mit 50 t LEO Nutzlast entwickelt. Was dann? Nun sinnvollerweise geht man dann den Erdorbit an. Eine europ&auml;ische Raumstation ist damit leicht umsetzbar, wobei ich ein etwas ungew&ouml;hnliches, aber sehr praktisches Konzept umsetzen m&uuml;sste.<!--more--><\/p>\n<p>Damit die Raumstation finanzierbar bleibt, sollten alle Module weitgehend identisch sein. Sinnvoll ist auch eine dezentrale Energieversorgung. Mir gefiel sehr gut das Konzept von Mir, wo jedes Modul einen eigenen Antrieb hat und damit an die Station ankoppeln konnte und eigene Solarzellen f&uuml;r die Stromversorgung so konnte die Station mit den Modulen wachsen, ohne das man wie bei der ISS solange der Solargenerator noch nicht ganz installiert ist nur eine Minimalbesatzung aufrecht erhalten kann.<\/p>\n<p>Fangen wir mit den Grundsatzentscheidungen an. Es gibt zwei bevorzugte Umlaufbahnen beim Start vom CSG aus. Das eine ist eine &auml;quatornahe Bahn. In ihr ist die Nutzlast der Ariane maximal. Der Nachteil ist, dass bei diesen Bahnregime man jeden Tag 14-15 mal die Batterien auf und entladen muss, sie also nach einigen Jahren ausgewechselt werden m&uuml;ssen. Ein zweiter Vorteil ist, dass wenn man keine Relaissatelliten einsetzen will man mit wenigen Bodenstationen in &Auml;quatorn&auml;he einen Gro&szlig;teil der Bahn abdecken kann.\u00a0 Das zweite ist eine sonnensynchrone Umlaufbahn, bei dieser hat man dieses Problem nicht und kann dazu noch die ganze Erdoberfl&auml;che erfassen, falls man Erdbeobachtung machen will. Die Nutzlast w&uuml;rde dann auf 43 t absinken wenn man diese Umlaufbahn anstrebt, da der Geschwindigkeitsbedarf etwa 470-500 m\/s h&ouml;her ist als f&uuml;r eine &auml;quatornahe Umlaufbahn.<\/p>\n<p>Die Nutzlast einer 50 t Ariane w&auml;re in jedem falle gro&szlig; genug ganze Module vollausger&uuml;stet zu starten. Columbus wiegt voll ausgestattet 21 t und ist 6,84 m lang mit einem Durchmesser von 4,48 m. Leer sind es nur 9,7 t. Behalten wir den Durchmesser bei (die Nutzlasth&uuml;lle der Ariane von 5,40 m Durchmesser l&auml;sst sowieso nicht viel mehr zu, so k&ouml;nnte man ein gr&ouml;&szlig;eres Modul starten.<\/p>\n<p>Hier nun mein &ouml;konomisches Konzept.<\/p>\n<h3>Basisknoten<\/h3>\n<p>Der Basisknoten ist der Ankopplungspunkt f&uuml;r alle anderen Module. Hier k&ouml;nnte man einen der f&uuml;r die ISS hergestellten Knoten nachbauen, nur etwas gestreckter, weil man mehr Nutzlast hat. eine &Auml;nderung ist auch, das zwei kopplungspunkte vorgesehen sind f&uuml;r ATV\/CRV, das hei&szlig;t mit russischem Kopplungsadapter. Nur er erlaubt eine Ankopplung ohne Unterst&uuml;tzung der Station. (Einfangen mit dem Kran) Ich gehe im folgenden von einer mindestens 500 km hohen Umlaufbahn aus um die Nutzlast zu maximieren. Das reduziert den Treibstoffbedarf um die Bahnh&ouml;he beizubehalten betr&auml;chtlich. Die Nutzlast der Ariane 5 soll 40 t in diesen Orbit betragen, das l&auml;sst sowohl eine sonnensynchrone wie auch &auml;quatoriale Umlaufbahn zu. Basierend auf den Daten der beiden gefertigten Module w&auml;re es dann ein 11,30 m langer Zylinder mit insgesamt 10 Kopplungspunkten: Je vier in einem Kreis an der Zylinderau&szlig;enseite am oberen und hinteren Ende. Dazu kommen je zwei auf den Zylinderkreisfl&auml;chen vorne und hinten, diese sind die mit russischen Kopplungsadapter. Das l&auml;sst das Ankoppeln von bis zu 8 Modulen einem ATV und einem CRV zu. Zwischen den Kopplungsadaptern sind vier Solargeneratoren von 3 x 12 m L&auml;nge, die 40 kW Strom liefern. Weiterhin befinden sich hier zwei Arme, mit denen bei Au&szlig;enarbeiten assistiert wird sowie eine Luftschleuse. Auf eine Inneneinrichtung wird verzichtet, um den Zylinder m&ouml;glichst lang zu gestalten und so auch zwei Reihen von Modulen anzukoppeln.<\/p>\n<p>Der n&auml;chste Start gilt dem Crewvehicle mit einer normalen Ariane 5. Sie bringt die erste Besatzung zur Station, die noch klein ist. Sie koppelt an den russischen Adapter an.<\/p>\n<p>Das erste Nutz-Modul folgt nach der Ankopplung der Besatzung. Es besteht wie alle folgenden aus zwei Teilen:<\/p>\n<p>Einem Modul von 4,48 m Durchmesser und 22 m L&auml;nge, es ist nicht ausger&uuml;stet und hat an den W&auml;nden zahlreiche Frachtschubladen zum Verstauen. Dahinter ist ein ATV Servicemodul mit dem hinteren Teil des ICC (Gas \/ Wasser Anschluss). An der Au&szlig;enseite befinden sich am Servicemodul Solarzellen, welche weiteren Strom liefern. Die Besatzung schlie&szlig;t das Modul an die Bordstromversorgung und Gas\/Wasser\/ Kommunikationssysteme an. Dieses erste Modul ist bedeutend gr&ouml;&szlig;er als die folgenden, weil es ein Frachtmodul ist, in ihm wird die Fracht gelagert.<\/p>\n<p>Die folgenden sind nach demselben System aufgebaut, aber k&uuml;rzer (8,00 m L&auml;nge) und der Mittelgang der noch verbleibt, ist vor dem Start vollst&auml;ndig mit Fracht gef&uuml;llt. Somit wird mit jedem Modul Fracht gebracht und bis alle acht Module angeschlossen sind braucht man keinen Frachttransporter.<\/p>\n<p>Jedes Modul besteht so aus:<\/p>\n<p>8 t ATV Servicemodul (Treibstoff + Servicemodul)<\/p>\n<p>8 T Fracht (Trockenfracht, Wasser, Gase)<\/p>\n<p>24 t voll eingerichtetes Modul.<\/p>\n<p>Sieben Module k&ouml;nnen so angef&uuml;gt werden. z.B. drei Forschungsmodule und vier f&uuml;r die Mannschaft (Fitness, Wohnbereich, Lebenserhaltung\/technische Systeme etc.). Die 8 t Fracht die jedes Modul bringt, m&uuml;ssten bei sieben Astronauten f&uuml;r 6 Monate reichen. In diesem Rhythmus w&uuml;rde man auch die Crew auswechseln. Nach dreieinhalb Jahren w&auml;re dann die Station komplett. (Bei der Frachtmenge habe ich mich nach den Transporten 2011\/2012 zur ISS gerichtet, aber 2\/3 des Treibstoffs wegen der h&ouml;heren Umlaufbahn weggelassen und auf 7 Mann anstatt 6 Mann hochgerechnet).<\/p>\n<p>Es ist nun eine Station entstanden mit einem Bruttovolumen von 1100 m\u00b3 oder einem Nettovolumen (feier Raum ohne Wandinstallationen) von 560 m\u00b3. Das ist mit der ISS vergleichbar auch von der Masse (400 t).<\/p>\n<p>Nun w&uuml;rde einmal pro Jahr ein &#8222;Super-ATV&#8220; anlegen. Das ist ein ATV mit 16 t Nutzlast, der von einer 50 t Ariane gestartet wird. Er besteht aus einem der Module, nur vollgef&uuml;llt mit Fracht. Im Serviemodul befinden sich Gase und Wasser und mit dem Treibstoff wird die Bahn regelm&auml;&szlig;ig korrigiert.\u00a0 An der gegen&uuml;berliegenden seite ist dann immer das Crewraumschiff f&uuml;r 7 Personen. Dieses entstand aus dem normalen ATV und kann daher mit einer normalen Ariane 5 gestartet werden. Die Regelbesatzung betrage 7 Personen, so viel gehen in die relativ ger&auml;umige CRV Kapsel hinein.<\/p>\n<h3>Was braucht man sonst noch?<\/h3>\n<p>Ganz n&uuml;tzlich w&auml;ren Daten-Relay Satelliten. Die USA setzen das TDRS-System ein. F&uuml;r eine Raumstation stellen weder die Gr&ouml;&szlig;e der Sendeantenne noch die Sendleistung ein Problem dar. Weiterhin ist es problemlos m&ouml;glich in ein hochfrequentes Frequenzband f&uuml;r den Uplink zum Satelliten zu verwenden. Bei 32 GHz Sendefrequenz, einer 3 m gro&szlig;en Empfangsantenne und einer Sendeantenne mit einer &Ouml;ffnung von 14 Grad kann man 250 MBit\/s &uuml;bertragen, was ausreichend sein sollte f&uuml;r alle Daten und Videosignale. Diese nur mittel b&uuml;ndelnde Sendeantenne hat den Vorteil sehr Tolerant bei der Nachf&uuml;hrung zu sein.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich sind auch weitergehende L&ouml;sungen wie die Kommunikation mit zwei Parabolantennen oder Laserterminals m&ouml;glich, dann kann maan leicht mehrere Gigabit\/s &uuml;bertragen. Ein Relaysatellit kann die H&auml;lfte des Orbits abdecken, zwei fast den ganzen, mit kleinen L&uuml;cken. Drei in jedem Falle den ganzen Orbit.<\/p>\n<h3>Kostenabsch&auml;tzung<\/h3>\n<p>Ich beziehe mich hier auf die schon gemachten Berechnungen f&uuml;r die 50 t Ariane im Beitrag &uuml;ber das Mondprogramm: 200 Millionen Euro f&uuml;r die 50 t Ariane, Gem&auml;&szlig; dem Gesetz der Lernkurve w&uuml;rden zwei zus&auml;tzliche Ariane 5 pro Jahr einen Ariane 5 Start auf 148 Millionen Euro verbilligen. Ein ATV kostet 280 Millionen Euro und das CRV 420 Millionen Euro.<\/p>\n<p>Das Columbusmodul kostet 880 Millionen Euro. Bei den gestarteten kommt aber jeweils noch ein ATV Modul dazu, dass man auf 200 Millionen Euro sch&auml;tzen kann. Allerdings haben wir nicht ein Modul, sondern sieben identische und acht ATV Module. die in 6 Monatsabstand gestartet werden, das m&uuml;sste sie bedeutend verbilligen. Ich rechne mit 1 Milliarde pro St&uuml;cck, auch da sie gr&ouml;&szlig;er als Colombos sind.<\/p>\n<p>Dann kommen noch die Datenrelays Satelliten. Auch wenn die ESA gerne was besonderes nimmt, es w&uuml;rden auch drei normale Kommunikationssatelliten reichen, die mit Start unter 300 Millionen Euro kosten. Dann sind wir bei folgenden Kosten<\/p>\n<p>Einmalig \/ Aufbauphase<\/p>\n<ul>\n<li>9 x 1 Milliarde Euro f&uuml;r die Module<\/li>\n<li>9 x 240 Millionen Euro f&uuml;r die Starts der Module<\/li>\n<li>7 x 420 Millionen Euro f&uuml;r die CRV<\/li>\n<li>7 x 148 Millionen Euro f&uuml;r die Ariane 5 der CRV<\/li>\n<li>3 x 300 Millionen Euro f&uuml;r die Datenrelaysatelliten<\/li>\n<li>Summe: 16.036 Millionen Euro<\/li>\n<\/ul>\n<p>Laufende Kosten<\/p>\n<ul>\n<li>2 x CRV pro Jahr (420+148 Millionen Euro)<\/li>\n<li>1 x Super-ATV pro Jahr (280+240 Millionen Euro)<\/li>\n<li>Summe:1656 Millionen Euro pro Jahr<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dazu kommt noch eine unbekannte Menge an Missionskosten f&uuml;r Astronautenausbildung, Mission Control, Experimente, Ersatzteile etc.<\/p>\n<p>Die ISS kostet die NASA derzeit 3 Milliarden Dollar pro Jahr, und zwar ohne CRS und CCdev, also nur f&uuml;r Sitze auf der Sojus und die Kosten f&uuml;r die Station (die Versorgung &uuml;bernehmen ja gr&ouml;&szlig;tenteils Russland und die Juniorpartner). &Uuml;bertr&auml;gt man das auf die europ&auml;ische Station so wird es wirklich teuer. Was deutlich billiger ist ist der Aufbau. Das liegt prim&auml;r daran, dass man die kosten durch standardisierte Elemente senkt und nicht &uuml;ber 30 Fl&uuml;ge zum Aufbau braucht, sondern nur neun.<\/p>\n<p>Richtig billig wird&#8217;s nicht, aber ich denke damit hat keiner gerechnet. Eine billige L&ouml;sung w&auml;re wahrscheinlich so was wie das mal in der Fr&uuml;hphase der ISS-Beteiligung (damals hie&szlig; sie noch &#8222;Freedom&#8220;) geplante freifliegende Labor das von Hermes angeflogen worden w&auml;re und in dem sich Astronauten nur kurz aufhalten sollten und automatische Experimente zu warten und Proben zu bergen ( neues Material zu bringen. Nur das w&auml;re so gro&szlig; wie Columbus gewesen, also viel kleiner als diese Station, sondern eher mit dem zu vergleichen was China mit Shenzhou und Tiangong betreibt.<\/p>\n<p>In der Summe kostet es viel, ohne das es viel Nutzen (auch Prestigenutzen) bringt. Derzeit gibt die ESA ungef&auml;hr 540 Millionen Euro pro Jahr (2011) f&uuml;r den Posten &#8222;bemannte Raumfahrt&#8220; aus. Das ist weniger als ein Drittel der Aufwendungen.<\/p>\n<p>Immerhin es h&auml;tte einen Zusatznutzen &#8211; die Ariane 6 w&auml;re vom Tisch. Das Programm macht die Fertigung von 10 Boostern, drei EPC und zwei ESC-B Oberstufen und vier Vinci Triebwerken mehr pro Jahr aus. Dadurch m&uuml;sste die Ariane 5, die diese Komponenten verwendet automatisch billiger werden, denn daf&uuml;r werden derzeit (bei 5,5 Starts pro Jahr) 11 Booster, 5,5 EPC und 5 Oberstufen pro Jahr gefertigt. Gem&auml;&szlig; Lernkurve w&uuml;rde dies die Rakete auf 140-148 Millionen Euro verbilligen. Zusch&uuml;sse w&auml;ren nicht mehr n&ouml;tig und sie w&auml;re genauso teuer pro Kilogramm Nutzlast wie die kommende Ariane 6. Wenn erst mal Falcon heavy, Langer Marsch 5 und Angara 7 zur Verf&uuml;gung stehen, dann wird man auch sicher gen&uuml;gend schwere Satelliten f&uuml;r die 50 t Ariane finden, denn diese sind haben ja noch eine gr&ouml;&szlig;ere Nutzlast als die Ariane 5 ME.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Also da ihr mich schon nach einem Nach-Mondprogramm Einsatz der Komponenten gefragt habt, her eine m&ouml;gliche Vision. Sie mag nicht besonders originell sein, aber wenn man nach einer L&ouml;sung sucht die m&ouml;glichst wenige Neuentwicklungen braucht wohl eine der wenigen M&ouml;glichkeiten. 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