{"id":826,"date":"2009-05-29T13:17:47","date_gmt":"2009-05-29T11:17:47","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=826"},"modified":"2010-08-16T15:00:56","modified_gmt":"2010-08-16T13:00:56","slug":"ein-aufklruengssystem-fuer-die-bundeswehr-und-co","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/05\/29\/ein-aufklruengssystem-fuer-die-bundeswehr-und-co\/","title":{"rendered":"Ein Aufkl&auml;r&uuml;ngssystem f&uuml;r die Bundeswehr und Co"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Bundeswehr hat ja inzwischen ein komplettes System von f&uuml;nf SAR-Lupe Satelliten. Diese nehmen von ausgew&auml;hlten Zielen Aufnahmen mit einer Aufl&ouml;sung von 1 m auf. Die Anzahl der &uuml;bertragenen Streifen ist allerdings begrenzt und damit auch die Abdeckung durch das System. Gerade die Piraten&uuml;berf&auml;lle vor der K&uuml;ste Somalias zeigen, dass sich heute die Anforderungen wandeln &#8211; es wird auch wichtiger gr&ouml;&szlig;ere Gebiete der Erde h&auml;ufig zu &uuml;berwachen, als vielmehr in Krisenregionen bestimmte punktf&ouml;rmige Ziele mit hoher Aufl&ouml;sung auszukundschaften.<\/p>\n<p> <!--more--><\/p>\n<p>Ich denke die Bundeswehr wird wie in der Vergangenheit auf zivile Erderkundungssatelliten zur&uuml;ckgreifen, um niedrig aufl&ouml;sende Aufnahmen zu erhalten. Da es sicher auch einen Bedarf seitens anderer Regierungsorganisationen (Landwirtschaft\/Forst, St&auml;dtebau) an solchen Aufnahmen gibt, w&auml;re ein rein deutsches Fernerkundungssystem sicher w&uuml;nschenswert.<\/p>\n<p>Die Frage: Muss es dazu ein teurer, tonnenschwerer Satellit sein?<\/p>\n<p>Nein. Es gibt zwei Beispiele wie dies auch im kleinen Ma&szlig;stab geht. Das eine ist die europ&auml;ische Probe-1 Mission. Bei einer Masse von nur 94 kg beinhaltet dieser Satellit 25 kg Instrumente (acht St&uuml;ck), darunter eine Kamera mit 5 m Bodenaufl&ouml;sung. Das zweite ist das deutsche System Rapideye. Die f&uuml;nf Satelliten haben jeweils 156 kg Masse und liefern Aufnahmen in mehreren Spektralb&auml;ndern mit 5 m Aufl&ouml;sung. Beide Projekte zeigen, dass es heute m&ouml;glich ist einen kleinen Satelliten zu bauen, der eine Bodenaufl&ouml;sung von einigen Metern besitzt. Daher hier mal ein Vorschlag f&uuml;r ein analoges System<\/p>\n<p>Zuerst einmal sollten die Anforderungen definiert werden. Eine Aufl&ouml;sung von einigen Metern zu erreichen ist technisch kein Problem &#8211; aus einer 700-800 km hohen Umlaufbahn liefert ein 20 cm Teleskop, das etwa 10 kg wiegt eine Aufl&ouml;sung von 2-3 m. Das Problem liegt in der Daten&uuml;bertragung. Man kann sich leicht ausrechnen, dass um die ganze Erde in dieser Aufl&ouml;sung kartieren zu k&ouml;nnen, man sehr hohe Datenraten ben&ouml;tigt. Sofern man nicht einen geostation&auml;ren Relaissatelliten verwendet, der das Projekt enorm verteuert ist es also essentiell m&ouml;glichst viele Daten zu &uuml;bertragen und vor allem sehr h&auml;ufig Kontakt zum Satelliten zu haben.<\/p>\n<p>Mein Vorschlag ist daher dass die DLR zuerst einmal in das Bodensegment investiert. Derzeit setzt Deutschland zwar leistungsf&auml;hige Empfangsanlagen ein, die bei TerraSAR z.B. 300 MBit\/s empfangen, aber diese haben bei der geographischen Breite von Deutschland nicht bei jedem Orbit Funkkontakt. Sinnvoll w&auml;re daher eine polnahe Empfangsantenne z.B. beim ESA Empfangskomplex in Kiruna. Bei einer 700 km hohen sonnensynchronen Umlaufbahn betr&auml;gt der Empfangsbereich rund 3000 km Radius um die Station, das ist angesichts der Poln&auml;he ein Kontakt pro Umlauf. Eine 12 m Antenne kann dann bei einem 20 W Sender im Rundstrahlbetreib noch 110 MBit\/s empfangen. Bei einer 16 m Antenne w&auml;ren es 190 MBit\/s. Etwa 840 Sekunden ist ein Satellit maximal pro Orbit im Empfangsbereich. Bei rund 5900 Sekunden Umlaufsdauer kann eine Antenne so die Daten von 7 Satelliten empfangen, wenn diese im Orbit versetzt sind. <\/p>\n<p>Es bietet sich daher an 6-7 Satelliten auf einmal zu starten. Ich habe einmal sechs angenommen, die mit einer Vega in einen 700 km hohen Orbit ausgesetzt werden. Die Nutzlast der Vega f&uuml;r diesen Orbit betr&auml;gt 1500 kg. Wenn jeder Satellit rund 200 kg wiegt, so l&auml;sst dies noch Spielraum f&uuml;r einen Smart-Dispenser und Gewichts&uuml;berschreitungen.<\/p>\n<p>Folgende Szenarien habe ich mir &uuml;berlegt:<\/p>\n<ul>\n<li>Erfassung der gesamten Erdoberfl&auml;che monochrom t&auml;gliche Abdeckung<\/li>\n<li>Erfassung der Landmasse der Erde (30 % der Oberfl&auml;che) multispektral in 4 B&auml;ndern, 2 Tages Zyklus<\/li>\n<li>Erfassung der Landmasse der Erde (30 % der Oberfl&auml;che) in 16 B&auml;ndern, 7 Tages Zyklus<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das ist mit einem Instrument erreichbar, bei dem ein Zeilenscanner zum Einsatz kommt. Dabei sind verschiedene Zeilen mit verschiedenen Filtern belegt. Die Modi unterscheiden sich nur darin welche Zeilen ausgelesen werden und wie oft.<\/p>\n<p>Das Verh&auml;ltnis der Datenmengen betr&auml;gt:<\/p>\n<ul>\n<li>Szenario 1: 100 %<\/li>\n<li>Szenario 2: 60 %<\/li>\n<li>Szenario 4: 70 %<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei sechs Satelliten gibt es rund 20 Stunden Funkkontakt pro Tag. Bei 110 MBit\/s sind das 7920 GBit pro Tag bei sechs Satelliten. Bei einer JPEG Komprimierung von 8:1, 12 Bits pro Pixel sind das bei streifenf&ouml;rmiger Abdeckung (auch wenn sich diese dann in h&ouml;heren Breiten stark &uuml;berlappen) dann rund 20 m. Ber&uuml;cksichtigt man, dass mit zunehmender geographischer Breite immer geringere Gebiete abgedeckt werden m&uuml;ssen, kann man die Aufl&ouml;sung auf rund 16 m erh&ouml;hen. Das ist nicht gerade hochaufl&ouml;send. Doch ohne Problem machbar. F&uuml;r die Abdeckung BRD w&auml;re auch ein alternatives Szenario 4 denkbar:<\/p>\n<p>Abdeckung von 500.000 km? alle 7 Tage mit 4 m Aufl&ouml;sung in 16 B&auml;ndern. Das erfordert nur 2 % mehr Daten. Dies w&auml;re ausreichend f&uuml;r viele Zwecke. Eine h&ouml;here Aufl&ouml;sung von etwa 2-3 m w&auml;re angesichts der Satellitenmasse von rund 200 kg und einem Instrumentenanteil von rund 30-40 kg denkbar. Bei 2 m Aufl&ouml;sung fallen rund 6 % mehr Daten an. Ab dieser Grenze w&auml;re der Satellit dann auch als Erg&auml;nzung zum SAR-Lupe\/Terrasar System zu verstehen. Wobei nat&uuml;rlich die Fl&auml;che in diesem Modus begrenzt sein muss, oder multispektrale Aufnahmen wegfallen m&uuml;ssten.<\/p>\n<p>Idealerweise ist der hochaufl&ouml;sende Modus einer mit einem ganzzahligen Verh&auml;ltnis zum Normalmodus, hier 2 m zu 16 m. Das erlaubt es einen Pixel-Summationsmodus (8 Pixel auf 1 Pixel) f&uuml;r den Normalmodus einzusetzen.<\/p>\n<p>Bei einem Funkkontakt pro Orbit ben&ouml;tigt ein Satellit die M&ouml;glichkeit rund 11-19 GByte zu speichern, was mit handels&uuml;blichen SSD f&uuml;r PC&#8217;s kein Problem darstellt. Auch entsprechende Zeilenscanner mit der geforderten Datenrate existieren. Bei dem Modell Fairchild 212341 (24000 Pixel\/Zeile, 64 Zeilen, 8.75 ?m pro Pixel) existiert z.B. eine solche Summierungsm&ouml;glichkeit (Binning Capability) und die Datenrate erreicht 300 MPixel\/s. (maximal w&uuml;rden 82 MPixel beim 2 m Modus in monochrom ben&ouml;tigt, in diesem Modus w&auml;re also ein Betrieb mit 3 Spektralkan&auml;len noch denkbar). Bei Einsatz dieses Chips mit 8.75 ?m Pixelgr&ouml;&szlig;e ben&ouml;tigt man eine Optik von 3000 mm Brennweite und 210 mm &Ouml;ffnung als Schiefspiegler (ohne Fangspiegel im Strahlungsgang) bzw. 260 mm &Ouml;ffnung als Cassegrain-Konstruktion (mit Fangspiegel im Strahlungsgang, der eine Obstruktion, ein Absinken des Kontrastes und der Aufl&ouml;sung verursacht). Ein derartiges Instrument w&auml;re wegen der gefalteten Strahleng&auml;nge durchaus in einem rund 1.5 m hohen Satelliten unterzubringen. <\/p>\n<p>Technisch w&auml;re es kein Problem, und angesichts der Kosten von Rapideye in H&ouml;he von rund 150 Millionen Euro f&uuml;r f&uuml;nf Satelliten in der gleichen Gr&ouml;&szlig;enordnung sollte dies auch finanzierbar sein. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundeswehr hat ja inzwischen ein komplettes System von f&uuml;nf SAR-Lupe Satelliten. Diese nehmen von ausgew&auml;hlten Zielen Aufnahmen mit einer Aufl&ouml;sung von 1 m auf. Die Anzahl der &uuml;bertragenen Streifen ist allerdings begrenzt und damit auch die Abdeckung durch das System. 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