{"id":828,"date":"2007-08-05T13:23:01","date_gmt":"2007-08-05T11:23:01","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=828"},"modified":"2009-05-29T13:23:56","modified_gmt":"2009-05-29T11:23:56","slug":"50-jahre-raumfahrt-kommunikationssatelliten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/08\/05\/50-jahre-raumfahrt-kommunikationssatelliten\/","title":{"rendered":"50 Jahre Raumfahrt: Kommunikationssatelliten"},"content":{"rendered":"\n<p>In diesem Teil zu 50 Jahre Raumfahrt geht es um Kommunikationssatelliten. Die ersten Versuche Satelliten zur Kommunikation zu nutzen fanden fast unmittelbar nach dem Beginn des Raumfahrtzeitalters statt. Der erste Versuch ist das Experiment Score: Einen Testflug einer Atlas D nutzte man um einen 183 kg schweren Satelliten am 18.12.1958 in eine elliptische Umlaufbahn zu bringen. Man sandte an diesen Satelliten Sprechfunkt und er verst&auml;rkte das Signal und sendete es &uuml;ber eine Niedriggewinnantenne zur&uuml;ck. Da er sich bis zu 1800 km von der Erde entfernte konnte man so sehr lange Strecken &uuml;berb&uuml;cken.<\/p>\n<p>Satelliten die einen elliptischen Orbit hatten bestimmten denn auch die Versuche der ersten Jahre. Der wohl bekannteste war Telstar, der benutzt wurde um die erste Life &#8211; TV &Uuml;bertragung zwischen Europa und Amerika zu bewerkstelligen. Im erdfernsten Punkt seiner elliptischen Bahn war er f&uuml;r einige Zeit im Empfangsbereich beider Kontinente.<\/p>\n<p>Andere Versuche der fr&uuml;hen 60 er Jahren waren die Echo Satelliten &#8211; passive Satelliten die eigentlich aus einem riesigen Ballon bestanden und in 1000 km H&ouml;he als Reflektoren f&uuml;r Funkwellen genutzt wurden.<\/p>\n<p>Dosch schon 1948 erkannte Arthur C. Clarke, dass ein Satellit in 36000 km H&ouml;he sich so schnell um die erde dreht wie diese selbst f&uuml;r eine Umdrehung braucht und daher von der Erde aus gesehen am Himmel &quot;festgenagelt&quot; ist. Das hat zwei Vorteile. Als erstes muss man die Antennen nicht nachf&uuml;hren und zum zweiten ist er dauernd erreichbar. Bei einem Telstar&quot; System h&auml;tte man sehr viele Satelliten auf elliptischen Bahnen ben&ouml;tigt, bei diesem geostation&auml;ren Orbit nur 3 um die ganze Welt (mit Ausnahme der polnahen Gebiete) abzudecken.<\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p>Nahe der Pole ist der Satellit so niedrig &uuml;ber dem Horizont bzw. unter dem Horizont, dass ein empfang sehr gest&ouml;rt ist. Daher setzte die UdSSR auf Satelliten in elliptischen Bahnen f&uuml;r die Kommnukationsverbindungen nach Sibirien, das ja auch sehr weit n&ouml;rdlich liegen kann.<\/p>\n<p>Der einzige Nachteil dieser Bahn ist, dass die Nutzlast in sie nur etwa ein Viertel bis ein F&uuml;nftel einer erdnahen Bahn ist. Trotzdem begann schon 1964 als Syncom 3 in einen geostation&auml;ren Orbit bef&ouml;rdert wurde. Zwei Versuche vorher scheiterten (Syncom 1 verstummte nach Z&uuml;nden eines Antriebs und Syncom 2 gelangte nur in eine geneigte Bahn anstatt &uuml;ber dem &Auml;quator). Seinen Nutzen bewies er noch im selben Jahr, als er die Olympiade von Tokio in die USA &uuml;bertrug.<\/p>\n<p>Sehr bald fanden sich dann auch Investoren die Satelliten bauen lie&szlig;en und starteten, nat&uuml;rlich zuerst in den USA. Auch INTELSAT, eine internationale Gesellschaft begann recht fr&uuml;h mit dem Bau von Satelliten. Bis heute gilt, dass ein solcher Satellit zwar eine enorme Investition bedeutet (Mit Versicherungen und Start zwischen 200 und 400 Millionen US-$ pro St&uuml;ck), er aber nach einem Bruchteil seiner zu erwartenden Betriebsdauer sich amortisiert hat. Die Leistungen sind dabei enorm gestiegen, wie der Vergleich des ersten und des aktuellen INTELSAT Modells beweisen:<\/p>\n<table class=\"style1\">\n<tr>\n<td>Modell<\/td>\n<td>INTELSAT !<\/td>\n<td>INTELSAT 9<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Startmasse<\/td>\n<td>68 kg<\/td>\n<td>5575 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Orbitmasse<\/td>\n<td>34 kg<\/td>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Durchmesser<\/td>\n<td>0.71 m<\/td>\n<td>2.4 x 2.9 m mit Solarpanels 45 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>H&ouml;he<\/td>\n<td>0.59 m<\/td>\n<td>7.5 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Kapazit&auml;t<\/td>\n<td>240 Telefongespr&auml;che<\/td>\n<td>45 C und<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>oder<\/td>\n<td>1 C Band Kanal<\/td>\n<td>16 Ku Band Kan&auml;le<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>&quot;Design&quot;-Lebensdauer<\/td>\n<td>1.5 Jahre<\/td>\n<td>13 Jahre<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Die Verdienstm&ouml;glichkeiten durch Satellitenkommunikation waren den auch die eigentlich Triebfeder f&uuml;r die <a href=\"ariane4.shtml\">Ariane<\/a> Entwicklung, nachdem die NASA die ersten europ&auml;ischen Kommunikationssatelliten nur starten wollte wenn diese nicht f&uuml;r regul&auml;re kommerzielle Aktivit&auml;ten eingesetzt werden. Bis heute werden die Tr&auml;gerraketen weitgehend f&uuml;r diese Satelliten in der Leistung gesteigert. F&uuml;r die wenigen gro&szlig;en NASA und ESA Nutzlasten lohnt sich die Entwicklung von <a href=\"ariane-5-evolution.shtml\">Ariane 5<\/a> und <a href=\"atlas-centaur.shtml\">Atlas V <\/a>nicht.<\/p>\n<p>Heute haben Kommunikationssatelliten sehr starke Konkurrenz durch Tiefseekabel, seit man durch Glasfasern sehr gro&szlig;e Datenmengen &uuml;bertragen kann. Sie sind dann noch ungeschlagen wenn nicht Punkt zu Punkt Verbindungen gefordert werden, sondern das Broadcasten von Sendungen wie es z.B. beim Fernsehen oder Rundfunk der Fall ist. Weiterhin sind sie &uuml;berall verf&uuml;gbar, auch dort wo man keine Telefon- oder Datenleitung zur Verf&uuml;gung hat.<\/p>\n<p>Das Senden von Fernsehen an kleine Antennen begann interessanterweise in Europa mit TV-SAT und TDF, da man jedoch eine neue Fernsehnorm einf&uuml;hren wollte misslang dieser Ansatz. Kurz darauf steig Astra ins Gesch&auml;ft ein und konnte mit etwas geringerer Sendeleistung erheblich mehr Kan&auml;le zur Verf&uuml;gung stellen. Damals ben&ouml;tigte man noch 90 cm gro&szlig;e Antennen bei 50 Watt Sendleistung. Heute reichen bei 150 W Sendeleistung Antennen von weniger als 60 cm Durchmesser aus. Amerika zog erst 10 Jahre sp&auml;ter nach, da dort das Fernsehen per Kabel viel verbreiteter war als in Europa.<\/p>\n<p>In der ganzen Zeit gab es allerdings auch immer wieder Projekte die nicht erfolgreich waren. Neben dem deutsch-franz&ouml;sischen Experiment TV-SAT \/ TDF waren dies vor allem die beiden Mobilfunknetze Iridium und Globalstar. Die Idee: Satelliten in einem niedrigen Orbit sind so erdnah, dass man mit Mobiltelefonen &uuml;ber Satellit weltweit &#8211; auch in der W&uuml;ste oder Antarktis &#8211; telefonieren kann. Allerdings braucht man wegen des geringen Erdabstandes sehr viele Satelliten. Bei Iridium 77, bei Globalstar waren es 24. Beide Unternehmen konnten lange nicht so viele Kunden gewinnen wir erhofft und gingen in Konkurs. Einen &auml;hnlichen plan verfolgte schon die NASA in den 70 er Jahren. Ein Satellit mit einer entfaltbaren 65 m Antenne sollte im Erdorbit zusammengebaut und dann in den geostation&auml;ren Orbit gebracht werden. Er h&auml;tte das Telefonieren per Handy in en USA f&uuml;r maximal 230.000 Teilnehmer gleichzeitig erm&ouml;glicht. Heute betreibt man lieber viele Kleine irdische Antennen daf&uuml;r. Diese sind zwar wesentlich teurer als ein einziger Satellit, doch die Kapazit&auml;t des Netzes ist auch viel gr&ouml;&szlig;er. Bei der heutigen Telefonitis w&auml;ren 230.000 gleichzeitig gef&uuml;hrte Gespr&auml;che in einem Netz mit 300 Millionen potentieller Teilnehmer viel zu wenig.<\/p>\n<p>Die gesteigerte Send- und Empfangsleistung von Satelliten macht es heute sogar m&ouml;glich Internet per Satellit durchzuf&uuml;hren. Bis vor einigen Monaten ging das nur mit dem Downstream, also dem Empfang von Daten und der Upstream musste &uuml;ber eine Telefonleitung erfolgen. Die neueste Generation kann auch den Upstream mit geringer Sendeleistung empfangen, so dass es Komplettangebote gibt, die jedoch nichts f&uuml;r Power-Sauger sind. Der Betreiber beh&auml;lt sich vor dann die Leitung zu kappen. Das ist verst&auml;ndlich, denn rechnet man die Preise f&uuml;r ein Angebot hoch, so ist klar, dass dies bei einem 24 h Betrieb nicht wirtschaftlich ist und nur geht wenn viele Benutzer sich einen Up\/Downstream teilen.<\/p>\n<p>Ein Ende der Entwicklung ist noch nicht abzusehen. ein typischer Kommunikationssatellit wog vor 25 Jahren etwa 1200 kg. Heute wiegt er 4000-5000 kg und es gibt durchaus gr&ouml;&szlig;ere Exemplare. Dies hat die Tr&auml;gerraktenentwicklung in gleicher Weise vorangetrieben: Eine Ariane 1 hatte eine maximale Nutzlastkapazit&auml;t von 1800 kg, eine Ariane 5 eine von 9600 kg. Daher ist man bestrebt die Lebensdauer zu verl&auml;ngern. Inzwischen ist der Treibstoff f&uuml;r die Korrektur der Bahn der limitierende Faktor. Es gibt zum einen das Bestreben diesen durch Ionentriebwerke zu senken, zum anderen sollen Module an ausgediente Kommunikationssatelliten andocken und f&uuml;r diese die Lageregelung &uuml;bernehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Teil zu 50 Jahre Raumfahrt geht es um Kommunikationssatelliten. Die ersten Versuche Satelliten zur Kommunikation zu nutzen fanden fast unmittelbar nach dem Beginn des Raumfahrtzeitalters statt. 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