{"id":8416,"date":"2013-08-28T00:22:11","date_gmt":"2013-08-27T22:22:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=8416"},"modified":"2013-08-28T08:01:41","modified_gmt":"2013-08-28T06:01:41","slug":"wie-teuer-war-die-space-shuttle-entwicklung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/08\/28\/wie-teuer-war-die-space-shuttle-entwicklung\/","title":{"rendered":"Wie teuer war die Space Shuttle Entwicklung?"},"content":{"rendered":"<p>Derzeit bin ich in Heppenheimers Buch fast am Ende, und da macht er auch eine &Uuml;bersicht &uuml;ber die Kosten. Die sind recht genau ermittelbar, es gibt in den NASA Archiven gen&uuml;gend Material, wie sich das Budget verteilt und ich nutzte es auch mal um die Gesamtkosten des Space Shuttle Programms zu ermitteln. Ich kam auf eine andere Summe als das CAIB, das die Kosten mit 112,9 Milliarden Dollar und 172,8 Milliarden Dollar im Wert von 2000 ermittelte. Meine Ziffer waren 126.8 Milliarden Dollar bzw., 237.7 Milliarden im Wert von 2000.<!--more--><\/p>\n<p>Zuerst einmal die Erkl&auml;rung von zwei Zahlen. Man kann alle Ausgaben summieren und erh&auml;lt die ersten beiden niedrigeren Zahlen. Sie gehen nur um 14.1 Milliarden auseinander, das sind etwa 10%. Ich vermute, es liegt daran, dass ich alles dazurechnete was zum Shuttle Programm geh&ouml;rte. Das sind auch die Kosten f&uuml;r Vorstudien von 1969-1972.Daneben die Kosten f&uuml;r Entwicklungen die abgebrochen wurden, wie die Centaur G oder verbesserte SRM etc. St&auml;rker laufen die Zahlen auseinander wenn man die Summe inflationkorrigiert betrachtet. Dazu wird die Kaufkraft auf ein Bezugsjahr festgelegt, hier das Jahr 2000. Dazu braucht man einen Index, der den Wertverfall angibt und Heppenheimer hat gleich drei genannt.<\/p>\n<p>Die Space Shuttle Entwicklung sollte 5150 Millionen Dollar im Wert von 1972 kosten. Real waren es \/nach Heppenheimer) 9912 Millionen Dollar. Ich, wie auch andere Autoren kommen durch Auswertung der NASA Quellen, die das Budget aufschl&uuml;sseln, &uuml;brigens auf die h&ouml;here Summe von 13759,13 Millionen nur Entwicklungskosten und 15.648 Millionen Dollar, wenn man die Operationskosten mit einschlie&szlig;t, die ab 1978 entstehen (weitere Orbiter Flugtests, Erprobungsfl&uuml;ge, Transferkosten). H.O.Ruppe beziffert 1985 die Entwicklungskosten in Band 2 von &#8222;Grenzenlose Dimension Raumfahrt&#8220; S.654 auf 8,2 Milliarden Dollar im Wert von 1972,<\/p>\n<p>Demgegen&uuml;ber kommt Heppenheimer auf 5405,6 bis 6653,7 Millionen Dollar im Wert von 1972. Das interessante: Die Quelle f&uuml;r die Zahlen ist nicht die NASA mit ihren Ausgaben, sondern ein privater Brief von Robert F. Thompson an Charlies Donlan. Donlan war Mitglied der Space Task Group, Robert F. Thompson war Senatsmitglied. Das bedeutet, der Senat hatte niedrigere Zahlen als die NASA selbst ausweist.<\/p>\n<p>Doch das Hauptthema ist dass selbst diese Zahlen variieren, und zwar je nachdem welchen Indes man einsetzt:<\/p>\n<ul>\n<li>6097,2 Millionen Dollar nach dem &#8222;Consumer Price Index&#8220;<\/li>\n<li>6653,6 nach dem NASA Comptroller Index<\/li>\n<li>5406,6 nach den aktuellen Programmkosten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nimmt man also nur die letzte Ziffer, so war das Shuttleprogram nur um 300 Millionen Dollar, weniger als 10% der geplanten Summe. Von den drei Indizes ist nur einer allgemein bekannt, der Consumer Price Index, der auch verwendet wird, wenn bei uns in den Nachrichten von der Inflationsrate die Rede ist. Er basiert auf den Preissteigerungen f&uuml;r einen &#8222;Korb&#8220; von Dingen die man kaufen muss bzw. Verbrauchskosten wie bei Strom oder Heiz&ouml;l. Die NASA hatte einen eigenen Index, der h&ouml;her lag bei 6653,6 Millionen Dollar, das ist ein Indiz daf&uuml;r, dass innerhalb der NASA die Kosten st&auml;rker anstiegen als wie f&uuml;r den Verbraucher. Interessanterweise hatte das Shuttleprogramm noch einen eigenen Index, der nur 5406,6 Millionen Dollar auswies.<\/p>\n<p>Das zeigt recht deutlich wie man die Kosten kleinrechnet. Als Mike Griffin NASA Administrator war, ver&ouml;ffentlichte er mal ein Excel Sheet mit dem die NASA ihre Wertsteigerungen berechnet. Es basiert auf der Bruttosozialprodukt, also dem Anstieg der Produktivit&auml;t. Meiner Ansicht nach eine schlechte Wahl, denn die hat mit den Preissteigerungen ja nichts zu tun. Die Produktivit&auml;t kann durch technische Fortschritte, aber auch einfach durch den Anstieg der Bev&ouml;lkerung (die USA sind nach wie vor Einwanderungsland) ansteigen. Vor allem m&uuml;sste wenn man den GDP nimmt ja implizieren, dass das Einkommen der Bev&ouml;lkerung konstant bleibt, also der Lebensstandard gleich bleibt.<\/p>\n<p>F&uuml;r das Shuttle Programm hat eine andere <a href=\"http:\/\/www.space.com\/12166-space-shuttle-program-cost-promises-209-billion.html\">quelle<\/a> Gesamtkosten von 209 Milliarden Dollar errechnet, auch ich komme, wenn ich die Enzwicklungskosten auf 1972 beziehe, nach dem NASA GDP Index auf 8.165 Millionen Dollar ohne Operationskosten, recht nahe an der Angabe von Ruppe.\u00a0 Wie kommt der Unterschied zustande. Nun zum einen nat&uuml;rlich wie man die Inflation berechnet (siehe oben). Das zweite, und das hat auch Heppenheimer getan, ist was man als Entwicklungskosten nimmt. Ich, wie auch andere w&uuml;rden wohl die Gesamtaufwendungen f&uuml;r das Shuttle Programm bis zum Jungfernflug nehmen, man m&uuml;sste eigentlich sogar die ersten vier Fl&uuml;ge dazu nehmen, denn diese gelten auch als Testfl&uuml;ge. Doch schon als das Programm genehmigt wurde, da waren die in den 5150 Millionen nicht mit drin. Der Bau von zwei Development Orbitern und drei Einsatzorbitern war nicht dabei, das sollte weitere 1000 Millionen Dollar kosten. Dann mussten noch Anlagen gebaut werden, die mit 800 Millionen veranschlagt waren, davon 300 Millionen f&uuml;r die NASA. (Quelle: Space Shuttle Total Cost Breakout , GAO Report #093513, February 1975, page 19) Ber&uuml;cksichtigt man dies und nimmt eine &auml;hnliche Preissteigerung an, so kommt man auf Entwicklungskosten\u00a0 von bis 8333,3 bis 7637 Millionen Dollar, je nach Index.<\/p>\n<p>Ehrlich gesagt h&auml;tte ich mich gewundert, wenn das Space Shuttle Programm nur um 7-30% teurer wurde. Daf&uuml;r gab es zu viele Indizien, die dagegen sprachen. Das Programm wurde schon im ersten Jahr durch eine fehlende Anfangsfinanzierung um 1 Jahr gestreckt, wenn man den geplanten Jungfernflug als Ma&szlig;stab nimmt. In den sp&auml;ten Siebzigern addierten Verz&ouml;gerungen bei den Haupttriebwerken, mit mindestens f&uuml;nf ausgebrochenen Br&auml;nden und einem zerst&ouml;rten Teststand ein Jahr und der Shuttle Manager beantragte 1979 eine zus&auml;tzliche Finanzspritze von 222 Millionen Dollar, um ein weiteres Jahr Verz&ouml;gerungen zu vermeiden. Dann kamen die Probleme mit den Hitzeschutzkacheln. Rockwell wollte nachdem sie eine L&ouml;sung fanden, auch alle schon installierten, aber als unproblematisch bekannten Kacheln auswechseln, was Alan Lovelace, damals Debuty Administrator mit einer Verz&ouml;gerung von zweieinhalb Monaten und zus&auml;tzlichen Kosten von 500 Millionen Dollar assoziierte.<\/p>\n<p>Angesichts dessen, das zum Ende des Programms dann die Leute bereit standen, um die operationellen Fl&uuml;ge durchzuf&uuml;hren und das waren tausende und diese ihre Gehaltschecks bekamen, egal ob sie arbeiteten oder nicht, w&auml;re es verwunderlich, wenn eine Programmverz&ouml;gerung von dreieinhalb Jahren nur so wenige kosten addiert, vor allem wenn man die zus&auml;tzlichen Kosten berechnet, die entstanden weil bei den Haupttriebwerken und dem Thermalschutz neue Kosten anfielen, weil es zuerst nicht so klappte wie geplant.<\/p>\n<p>Was bleibt ist ein Lehrst&uuml;ck, n&auml;mlich wie man Kosten g&uuml;nstig rechnet. N&auml;mlich durch Wahl des geeigneten Indexes f&uuml;r die Inflationsrate und Weglassen von Posten. Was man dabei aber auch nicht vergessen sollte, ist das man das Space Shuttle schon um es genehmigt zu bekommen &#8222;g&uuml;nstig rechnete&#8220;, den vorherige Konzepte kosteten fast das doppelte und nun sollte es damit Nixon daf&uuml;r eintrat maximal 1 Milliarde pro Jahr kosten. Real gesehen ist es angesichts der Gr&ouml;&szlig;e noch relativ preiswert. Die Saturn V Entwicklung kostete 6540 Millionen Dollar, dazu kam noch der gr&ouml;&szlig;te Teil der 900 Millionen Dollar f&uuml;r die Triebwerksentwicklung, und das waren Summen die 5 Jahre vor der Genehmigung des Shuttles anfielen, also wenn man den Inflationsindex nimmt, noch h&ouml;her 1972 gewesen w&auml;ren. Dabei handelte es sich &#8222;nur&#8220; um eine Rakete. Wie sollte ein Transportsystem, das fast genauo viel wiegt so viel billiger werden, wenn dabei ein bemanntes Raumfahrzeug auch dabei ist?<\/p>\n<p>Was das Shuttleprogramm auch markiert ist eine Z&auml;sar in der &Ouml;ffentlichkeitsarbeit. Bei den vorherigen bemannten Programm, aber auch den meisten unbemannten Programmen gab es vorher exakte Zahlen was diese kosteten. Beim Space Shuttle h&ouml;rte das auf. Nach dem Verlust der Challenger wurden auch die Flugkosten nicht mehr ver&ouml;ffentlicht. Daf&uuml;r hat man mehrmals Posten in andere Ressorts verschoben oder die kosten in mehrere Budgets, wie Flugdurchf&uuml;hrung und Upgrades oder Bodensegment aufzuteilen.Daran hat sich ledier bis heute nichts ge&auml;ndert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit bin ich in Heppenheimers Buch fast am Ende, und da macht er auch eine &Uuml;bersicht &uuml;ber die Kosten. 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