{"id":8471,"date":"2013-09-12T00:28:42","date_gmt":"2013-09-11T22:28:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=8471"},"modified":"2013-09-10T18:30:07","modified_gmt":"2013-09-10T16:30:07","slug":"der-space-shuttle-triebwerkscontroller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/09\/12\/der-space-shuttle-triebwerkscontroller\/","title":{"rendered":"Der Space Shuttle Triebwerkscontroller"},"content":{"rendered":"<p>Eine Neuerung beim SSME war der Triebwerkscontroller. (Space Shuttle Main Engine Controller: SSMEC) Bisher waren Triebwerke von dem Bordcomputer in der Spitze der Rakete kontrolliert. Er hatte auch andere Aufgaben, wie die Berechnung der Aufstiegsbahn und die dadurch n&ouml;tigen Korrekturen. Die SSME erhielten einen eigenen Computer der nur die Triebwerke &uuml;berwachte und steuerte. Er erhielt vom Zentralrechner seine Instruktionen. Der Rechner war direkt an den Triebwerken angebracht. Das sparte Gewicht f&uuml;r die Verkabelung und St&ouml;rungen auf den Leitungen konnten sich so nicht so stark auswirken. Auf der anderen Seite war die Elektronik auch den Belastungen die Triebwerke verursachen ausgesetzt. Das waren Vibrationen und vergleichsweise hohe Temperaturen.<\/p>\n<p>Die Wahl auf einen Triebwerkscontroller fiel prim&auml;r nicht um den Bordcomputer zu entlasten, sondern um die Triebwerke zu &uuml;berwachen in einer Form, wie es bisher nicht m&ouml;glich war. Vorher war es nur m&ouml;glich, ein Triebwerk wenn es Abweichungen gab, abzuschalten. Doch wenn es soweit war, konnte es schon eine Besch&auml;digung geben. Da die Triebwerke mehrmals verwendet werden sollten, war dies nicht akzeptabel. Dar&uuml;ber hinaus konnte es schon zu sp&auml;t sein, um Sch&auml;den des Orbiters z.B. durch Splitter zu vermeiden. Der vierte Flug einer Falcon 9, bei dem ein Treibwerk so abgeschaltet wurde und Teile der Verkleidung sich abl&ouml;sten, zeigt den Nachteil dieser Methode. Der Triebwerkskontroller sollte nicht das Triebwerk als ganzes, sondern jedes Einzelbauteil, von dem Druck in den Leitungen &uuml;ber die Ventile, Vorbrenner, Turbinen und Turbopumpen bis zur Brennkammer &uuml;berwachen und ob die Parameter innerhalb der Vorgaben waren. So sollte ein Defekt, der meist in der Turbine begann und sich dann erst durch Druck- \/ Flussschwankungen in die Brennkammer fortsetzte, isoliert werden und das Triebwerk sauber heruntergefahren werden, bevor es zu einer Besch&auml;digung kommt.<!--more--><\/p>\n<p>Weitere Vorteile waren, das anders, als bei bisheriger Steuerelektronik, man &Auml;nderungen einfach per Software realisieren konnte. Der digitale Computer war etwas was man heutzutage als Microcontroller verstehen w&uuml;rde &#8211; ein Verbund eines Mikrocomputers mit analogen und digitalen Eing&auml;ngen (f&uuml;r Messwerte) und Ausg&auml;nge (f&uuml;r Telemetrie und Steuersignale). So war der SSMEC auch einfacher an den Bordcomputer anbindbar, anstatt einem auf analogen Bauteilen basierendem System, bei dem man Signale erst ins Digitalformat und zur&uuml;ck umwandeln musste. Der SSMEC versprach auch mehr Sicherheit, da die Triebwerke des Shuttles kaum Reserven hatten. Typischerweise legt man jedes System so aus, dass das &Uuml;berschreiten der Sollwerte nicht sofort zum Ausfall f&uuml;hrt. In der Raumfahrt ist ein Sicherheitsfaktor von 1,25 &uuml;blich. Bei Triebwerken wird dann oft wenn nach dem Erprobungsprogramm oder einigen Fl&uuml;gen Erfahrungen mit den auftretenden Maximalbelastungen vorliegen, diese Reserve ausgenutzt um den Schub zu steigern. So geschah dies bei den Triebwerken der Atlas, Delta und Ariane 1. Beim SSME gab es diese M&ouml;glichkeit nicht. Das Triebwerk war nahe an der Belastungsgrenze. Der Controller sollte so Sch&auml;den verhindern und trotzdem das Maximum an Leistung herausholen obwohl die Triebwerke &uuml;ber Stunden anstatt wie bisherige Typen &uuml;ber Minuten laufen mussten.<\/p>\n<p>Den Auftrag f&uuml;r den SSMEC vergab Rocketdyne an Honeywell, da sie nicht die Kompetenz f&uuml;r Steuerungsrechner hatten. Honeywell setzte einen schon damals bew&auml;hrten, also veralteten Rechner ein. Es war eine Anpassung des HDC-601. Dieser Computer war nicht neu, er wurde als Avionikcomputer schon 1969 entwickelt. Der HDC-601 von Honeywell konnte in 2 Mikrosekunden addieren, in 9 multiplizieren und in 16 dividieren. Die Geschwindigkeit war damit in etwa vergleichbar mit einem Intel 8086, einem der ersten 16 Bit Prozessoren. Wie dieser war er ein 16 Bit Prozessor. Er verf&uuml;gte aber nur &uuml;ber 16 kWorte (32 Kbyte) RAM. Er basierte in der Architektur auf der Honeywell Serie 16, die 1966 erschien. Die Software war abw&auml;rtskompatibel zur 516 Serie. Er wurde als Avionics Rechner bei der Luftwaffe verwendet wie bei einem Zielverfolgungsprogramm.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th>Parameter<\/th>\n<th>Wert<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gewicht:<\/td>\n<td>89,5 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>mittlerer Stromverbrauch:<\/td>\n<td>693 Watt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Speicher:<\/td>\n<td>16 KWorte<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Taktfrequenz<\/td>\n<td>1 MHz<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zykluszeit f&uuml;r eine Messung aller Parameter (Plan \/ Betrieb)<\/td>\n<td>15,4 ms, 20 ms, davon 19 ms ausgesch&ouml;pft.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Kan&auml;le f&uuml;r Drucksensoren<\/td>\n<td>27 aktiv, 30 vorhanden<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Kan&auml;le f&uuml;r Temperatursensoren<\/td>\n<td>13 aktiv, 17 vorhanden<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Flussgeschwindigkeit und Flussrate Sensoren<\/td>\n<td>6 + 8, von 15 vorhandenen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Sensoren f&uuml;r Ventilpositionen<\/td>\n<td>13<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Aktoren: Z&uuml;nder<\/td>\n<td>6<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Aktoren: Ein\/Ausschalter f&uuml;r Ventile<\/td>\n<td>12<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Aktoren: Ein\/Ausschalter f&uuml;r Servoschalter<\/td>\n<td>15<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Aktoren f&uuml;r proportionalgeregelte Ventile<\/td>\n<td>10<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Kommandokan&auml;le<\/td>\n<td>3<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Instruktionen<\/td>\n<td>87<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Register<\/td>\n<td>zwei arithmetische, ein Index Register<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Speicherzugriff<\/td>\n<td>390 ns Zugriffszeit, 1 Mikrosekunde Zykluszeit<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Inteerupts<\/td>\n<td>17 externe<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Kompatibel zu<\/td>\n<td>DDP 516 Software und Digital I\/O<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Speicher bestand pro Kanal aus je zwei Modulen von 8 KWorten zu je 17 Bit aus &#8222;plated Wire Memory&#8220;. Das waren d&uuml;nne Dr&auml;hte die mit einer magnetischen Legierung &uuml;berzogen waren. Sie erlaubten es, ohne Magnetkerne Information in Form einer Magnetisierung der Legierung zu speichern und funktionierten wie diese, waren aber leichter maschinell herzustellen. Eine Platine hatte Dr&auml;hte in einem Abstand von nur 0,254 mm (1\/100 Zoll) aufgespannt. 4 Module eines Stacks hatten auf jeder Seite einen solchen Rahmen und bildeten so 8 x 1024 Bit, eine f&uuml;nfte bildete aus ihnen mit den Signalen eines zweiten Stacks ein Wort und steuerte das Parit&auml;tsbit bei, mit dem Speicherfehler erkannt werden konnten. Der Speicher zerst&ouml;rungsfrei auslesbar.<\/p>\n<p>Zum Hauptrechner des Shuttles gab es drei redundante Datenleitungen mit einer Datenrate von 1 MBit\/s. Daten wurden in Form von 16 Bit W&ouml;rtern mit einem Parit&auml;tsbit in Form des Manchestercodes &uuml;bertragen. Pro Zeitscheibe wurden in 2,4 ms ein Block mit 128 Datenw&ouml;rtern zum GPC &uuml;bertragen.<\/p>\n<p>Ein Watchdog Timer, angetrieben von einer Realzeituhr lief nach 18 ms aus und gab ein Signal ab, das den Backup-Rechner aktivierte. Damit dies nicht passierte, wurde er vom aktiven Rechner alle 10 ms zur&uuml;ckgesetzt. Die Realzeituhr selbst hing am 1 MHz Taktsignal und z&auml;hlte bei einem 13 Bit Z&auml;hlregister von 4999 auf 0 herunter. Erreichte sie 0 l&ouml;ste sie einen Interrupt aus der sie wieder auf den Startwert brachte. Das war alle 5 ms der Fall.<\/p>\n<p>Analoge Daten wurden durch Schaltungen digitalisiert und die Ausgaben waren alle 10 Bits breit und wurden in einem 16 Bit Wort abgelegt. Das Konvertieren dauerte 106 Mikrosekunden f&uuml;r einen Wert. Er repr&auml;sentierte eine Spannung von -5 bis +5 Volt. Umdrehungsraten wurden digital gemessen, indem ein Umlauf eines Turbinenblatts das Heraufz&auml;hlen eines Z&auml;hlers stoppte, der mit einer Frequenz von 1,5 MHz erh&ouml;ht wurde. Der Wert wurde in ein 16 Bit Datenwort gespeichert. Temperaturen wurden durch temperaturabh&auml;ngige Widerst&auml;nde an 17 Stellen gemessen, Dr&uuml;cke durch 32 Dehnungsmesstreifen. Sie entsprachen 50 bzw.- 80% der Kapazit&auml;t der Inputschaltungen. Die Daten wurden dann von der Multiplexerschaltung zu einem Packet zusammengefasst, das zusammen in einem Rahmen &uuml;bertragen wurde.<\/p>\n<p>Ausgaben f&uuml;r die Steuerung bestanden auf einzelnen 16 Bit Worten. 4 Bits waren das Kommando und die restlichen 12 Bits die Daten. Es gab zwei M&ouml;glichkeiten. Das eine war das Ein\/Ausschalten, dann repr&auml;sentierte ein Bit an einer bestimmten Position das Ein\/Ausschalten und die Position welches Ventil oder welcher Aktor betroffen war. Das zweite war das &Ouml;ffnen nach Wert, dann steckte diese Information in den 12 Bits. Sie wurden &uuml;ber eine D\/A Schaltung in eine Spannung von -6 bis +6 Volt, was bei einem Ventil der Position zwischen 0 und 100% offen entsprach. Das Digitalisieren dauerte 10 Mikrosekunden und der Wert wurde weitere 80 Mikrosekunden gehalten, damit die Mechanik ausreichend Zeit hatte zu reagieren. 4 Solche Servoschalter gab es, sie waren dreifach redundant.<\/p>\n<p>Die Platinen steckten in einem inneren K&auml;fig und waren mit zwei Platinen f&uuml;r die Verbindungen zwischen den Platinen abgedeckt. Die Signalwege waren maximal 1,20 m lang. Dieser innere Kasten sa&szlig; in einem &auml;u&szlig;eren Kasten an dem die Anschl&uuml;sse nach Au&szlig;en und die redundante Stromversorgung angebracht war, welche aus Wechselstrom die drei Betriebsspannungen von 5,8 und 20 Volt generiert. Diese war dann von Verkleidungsplatten die mit Teflonschaum zur Reduktion der W&auml;rme&uuml;bertragung und Ersch&uuml;tterungen ausgekleidet war, abgedeckt. Der Innere Kasten mit dem Computer hatte Abmessungen von 30 x 30 cm, der &auml;u&szlig;ere 30 x 46 cm. Insgesamt bestand der Rechner aus 72 einzelnen Platinen mit 12.000 Teilen, davon 3.000 integrierten Schaltungen. Gummi isolierte den so verpackten Rechner zus&auml;tzlich vor Vibrationen.<\/p>\n<p>Die Zahl der Anschl&uuml;sse war enorm: 449 zur Bodenausr&uuml;stung, 339 Eingangskan&auml;le, 227 Ausgangskan&auml;le zur Steuerung, 23 Leitungen zum Bordrechner und 12 Stromanschl&uuml;sse.<\/p>\n<p>Die NASA war nicht sehr erfreut mit der Wahl, da Honeywell zum gleichen Zeitpunkt massive Probleme bei der Fertigung des Viking Bordrechners hatte. Rocketdyne konnte auch nicht die Firma in dem Ma&szlig;e beaufsichtigen, weil Computer nicht ihre Kernkompetenz waren. So war beim ersten Review die Software zu langsam, sie hatte eine Zykluszeit von 18,34 ms anstatt 15,4 ms in den Designvorgaben. Honeywell reagierte darauf, dass diese auf einer Software mit minimalem Ressourcenverbrauch beruhe und es ohne\u00a0Verlust an Sicherheit m&ouml;glich sein die Antwortzeit auf 25 bis 30 ms zu erh&ouml;hen. Das war zwar immer noch k&uuml;rzer als die Zykluszeit des Bordcomputers (GPC) von 40 ms, aber doch doppelt so lang wie geplant. Diese Zeitscheibe bedeutete: In dieser Zeit nahm das System eine Messung von Betriebsparametern vor, bewertete sie und konnte reagieren z. B. Abschalten oder den Fluss reduzieren, aber auch Triebwerke Schwenken oder den Schub regulieren. Je k&uuml;rzer sie war desto geringer war die Gefahr, dass ein Ereignis zu einer Katastrophe f&uuml;hren konnte. Sp&auml;ter wurde da Honeywell das Ziel von 15,4 ms nicht erreichen konnte die Dauer der Zeitscheibe auf 20 ms erh&ouml;ht. Sie hatte vier kleinere Zeitscheiben von 5 ms f&uuml;r einzelne Subaufgaben.<\/p>\n<p>Der Zyklus begann mit einem Selbsttest gefolgt von dem Steuern der Triebwerke und zwei kurzen Perioden in denen Eingabesignale eingelesen wurden. Das waren die ersten 5 ms des Zyklus. In den zweiten 5 ms wurde zuerst das Triebwerke auf &Uuml;berscheiten von Grenzwerten &uuml;berwacht, dann folgten zwei Ausgabesektionen, die sich bis in den dritten 5 ms Block erstreckten. Im Rest dieses und des n&auml;chsten Frames folgte das Verarbeiten von Eingabedaten die man im ersten Zyklus gewann, kurz unterbrochen von der &Uuml;berwachung der Betriebsspannung. Am Schluss folgte ein erneuter Selbsttest und die letzte Millisekunde war &#8222;Freizeit&#8220;.\u00a0 Dies korrespondierte mit der Arbeit der Input-elektronik, die zwischen 0 und 6 ms Eingangsdaten anlegte, zwischen 7 und 9 ms Ausgangsdaten akzeptierte und zwischen 11,5 und 13,5 ms die Eingangsspannungen zur Kontrolle ablegte. Es gab keinen Bootzyklus, sondern diesen einen Zyklus. So konnte der B-Rechner auch innerhalb von 20 ms einspringen.<\/p>\n<p>Der HDC-601 war fail operational, fail safe ausgelegt. Das bedeutet, es gab zwei Rechner A und B mit zwei Bussystemen. Es konnte jederzeit einer ausfallen und dies konnte vom zweiten aufgefangen werden (fail operational). Fiel auch der zweite aus, so schalteten die Haupttriebwerke kontrolliert ab, ohne dabei besch&auml;digt zu werden (fail safe). Dazu war ein Rechner A verantwortlich f&uuml;r die Steuerung der Triebwerke und der zweite &uuml;berwachte zum einen die Werte der Triebwerke wie auch das Funktionieren des ersten Rechners und schaltete diesen bei einer Fehlfunktion ab und &uuml;bernahm das Kommando. Der Bus wurde von beiden gemeinsam genutzt. Diese Konstruktion war erheblich effizienter als eigenst&auml;ndige Rechner die jeweils individuell mit den Triebwerken verbunden waren.<\/p>\n<p>Um den HDC zu entlasten, der erheblich langsamer als der Bordrechner GPC war, verf&uuml;gte der GPC &uuml;ber einen direkten Hauptspeicherzugriff auf den Speicher des SSMEC.<\/p>\n<p>Das Testprogramm umfasste 35 Minuten Belastung unter einem Druckspektrum von 153 dbi Druck mit 10 bis 10.000 Hz. Die Empfindlichkeit gegen&uuml;ber Vibrationen wurde mit einem Sch&uuml;tteltest mit zuf&auml;llige verteilten Frequenzen zwischen 20 und 20000 Hz getestet. Dabei wurde auch die Gummiisolierung angebracht, die das operationelle Exemplar vor Ersch&uuml;tterungen sch&uuml;tzen soll. Es folgten 60 Zyklen in der Vakuumkammer, bei der verschiedene Temperaturzyklen bei Start, Landung und im Weltraum simuliert wurden. Die maximalen Temperaturunterschiede lagen bei -62 bis +93\u00b0C. Die elektromagnetische Empfindlichkeitstest erfolgten ebenfalls in der Flugkonfiguration, in der eine Aluminiumfolie elektromagnetische St&ouml;reinfl&uuml;sse um den Faktor 2 reduzierte. Dem folgten dann mit den Serienexemplaren Akzeptanztests, bei dem die Flughardware ebenfalls getestet wurde. Nur waren die Bedingungen nicht so extrem und erreichten bei den Temperaturtests z.B. nur Extreme von -21 bis + 52\u00b0C.<\/p>\n<p>Der SSMEC musste schon vor dem Jungfernflug bereit stehen. Er war bei allen 630 Hot-Fire Tests der Haupttriebwerke beteiligt und steuerte diese. Damit hatte er schon vor dem Jungfernflug 100.000 Betriebssekunden auf dem Buckel. Vorher nutzte man f&uuml;r die gleichen Tests DDP-516 Minicomputer in Racks, zu denen die Rechner softwarekompatibel waren. Ausgeliefert wurden drei Batches. Beim Jungfernflug hatten alle A-Rechner zusammen 40.000 Betriebsstunden absolviert, die B-Rechner 42.000 Stunden. Die C-Exemplare waren f&uuml;r den operationellen Betrieb vorgesehen. 15 Exemplare wurden daf&uuml;r bestellt.<\/p>\n<p>Die Software wuchs beim Shuttle GPC rasch an. Vor dem Jungfernflug waren noch 500 Worte frei, 1975 belegte sie noch 10.203 Worte. Sie passte immerhin noch in den Speicher. Beim Shuttle Bordrechner war dies nicht der Fall.<\/p>\n<p>Wie der Rechner im Orbiter wurde auch der SSMEC nach wenigen Jahren durch den SSMEC Block II ausgetauscht. Der Sprung in der Entwicklung war noch gr&ouml;&szlig;er als beim GPC, vor allem wagte man den Austausch der Hardware gegen eine neue, nicht befehlskompatible. Seit 1988 wurde ein Motorola MC 68000 mit je zwei 64 K gro&szlig;en CMOS RAM Speichern eingesetzt. der SSMEC Block II wird in C als Programmiersprache anstatt Assembler programmiert.\u00a0Ein geplantes Upgrade bis 2005 sollte diese durch digitale Signalprozessoren (DSP) erg&auml;nzen und die Sicherheit weiter steigern. Man erhoffte sich von den DSP ein so rechtzeitiges Bemerken von Anomalien, dass man die Triebwerke in jedem Falle sauber abschalten kann bevor der Besatzung eine Gefahr droht. Man erhoffte sich dadurch eine Reduktion des Risikos die Besatzung zu verlieren um die H&auml;lfte.<\/p>\n<p>Das Advanced Health Monitor System (AHMS), das als Ersatz geplant war, sollte den SSMEC nicht ersetzen, sondern als HMC (Health Monitor Computer) ihn erg&auml;nzen. Es sollte die Wahrscheinlichkeit das ein Orbit erreicht wird erh&ouml;hen und die Sicherheit bei Abbr&uuml;chen erh&ouml;hen. Eine verst&auml;rkte &Uuml;berwachung der Triebwerke erlaubte eine neue Strategie. Vorher war es so, dass abnormale Werte zu einem Abschalten der Triebwerke f&uuml;hrten. Nun wollte man stattdessen das betroffene Triebwerk im Schub herunterfahren, Es konnte ja bis auf 65% des Schubs reduziert werden. Geplant waren zwei Level von 67 und 85%. Damit stieg die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Orbit erreichte deutlich an. Das Risiko eines Abbruchs sollte um 23% sinken. Die DSP erlaubten das Monitoring von Parametern, also ob sie sich &uuml;ber l&auml;ngere Zeit auff&auml;llig ver&auml;nderten und l&ouml;sten dann die Anpassung der Leistung aus, bevor es zum Abschalten kam. Das war bei dem alten System nicht m&ouml;glich. Hier gab es definierte &#8222;Red Lines&#8220;. Unterschritt oder &uuml;berschritt ein Me&szlig;wert einen vorgegebenen Grenzwert l&ouml;ste er eine Aktion aus, die meistens das Abschalten des ganzen Triebwerks bedeutete. Es wurde nur der wert bestimmt der in diesem 20 ms Zyklus anlag, aber keine Historie gef&uuml;hrt, ob z. B. der Druck langsam anstieg.<\/p>\n<p>Der HMC besteht aus vier Karten mit DSP Prozessoren und vier Karten mit Speicher. Auf diesen befinden sich unter anderem 1 GByte NAND-Flash Speicher. Die Signale werden durch eine weitere I\/O Platine auf den Bus &uuml;bertragen<\/p>\n<h2><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Neuerung beim SSME war der Triebwerkscontroller. (Space Shuttle Main Engine Controller: SSMEC) Bisher waren Triebwerke von dem Bordcomputer in der Spitze der Rakete kontrolliert. Er hatte auch andere Aufgaben, wie die Berechnung der Aufstiegsbahn und die dadurch n&ouml;tigen Korrekturen. Die SSME erhielten einen eigenen Computer der nur die Triebwerke &uuml;berwachte und steuerte. Er erhielt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[3285,3284,411,3282,3283],"class_list":["post-8471","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-ddp-516","tag-hdc-601","tag-ssme","tag-ssmec","tag-triebwerkscontroller","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":432,"today_views":0},"jetpack-related-posts":[{"id":18820,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/08\/16\/raketenentwicklung-nach-dogma-anstatt-wissenschaft-2\/","url_meta":{"origin":8471,"position":0},"title":"Raketenentwicklung nach Dogma anstatt Wissenschaft (2)","author":"Bernd Leitenberger","date":"16. August 2026","format":false,"excerpt":"Kommen wir nun zum Starship. Im ersten Teil habe ich beschrieben, wie Elon Musk das Dogma \u201eWiederverwendung\u201c bei der Falcon\u202f9 durchsetzte. Die Falcon\u202f9 war nicht f\u00fcr die Wiederverwendung ausgelegt. SpaceX hat auch keine Computersimulationen gemacht, um die Konstruktion auf die zu erwartenden Lasten zu optimieren, die viel h\u00f6her als beim\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/77ceed95fbe443b0a0ab1fc66656dfd4","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18705,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/06\/12\/wir-bauen-und-ein-fast-vollstaendig-wiederverwendbare-rakete-1\/","url_meta":{"origin":8471,"position":1},"title":"Wir bauen und ein (fast) vollst&auml;ndig wiederverwendbare Rakete (1)","author":"Bernd Leitenberger","date":"12. Juni 2026","format":false,"excerpt":"Nachdem wir mit dem Starship nun schon den zweiten Versuch haben, ein vollst\u00e4ndig wiederverwendbares Tr\u00e4gersystem zu entwickeln, m\u00f6chte ich heute mal zeigen, wie ich dies angehen w\u00fcrde. Aber zuerst einmal zu der Historie und wie ich zu meinen \u00dcberlegungen komme. Also dieser Blog wird wieder Grundlagenwissen vermitteln. Als man 1969\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/f7302b0d057d42bdb3f42e6720314906","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18369,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/08\/29\/nachlese-zehnter-teststart-starship-ift-10\/","url_meta":{"origin":8471,"position":2},"title":"Nachlese zehnter Teststart Starship IFT-10","author":"Bernd Leitenberger","date":"29. August 2025","format":false,"excerpt":"Am Morgen (in den USA noch Vortag) des 27.8.2025 startete nach zwei Tagen Verz\u00f6gerung das zehnte Starship zum Testflug IFT-10. Wenn man es genau nimmt ist es sogar das 11-te Starship, denn das urspr\u00fcnglich vorgesehene Starship mit der Seriennummer 26 explodierte bei einem Probecountdown am 18., Juni. So musste das\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/99a61bf9c489499b8003952db7f5e97c","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18714,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/06\/15\/wir-bauen-und-ein-fast-vollstaendig-wiederverwendbare-rakete-2\/","url_meta":{"origin":8471,"position":3},"title":"Wir bauen und ein (fast) vollst&auml;ndig wiederverwendbare Rakete (2)","author":"Bernd Leitenberger","date":"15. Juni 2026","format":false,"excerpt":"Nach den Vor\u00fcberlegungen im vorletzten Aufsatz, geht es nun weiter mit einem konkreten Konzept. Kommen wir nun zur Umsetzung. Basis ist das BE-4, daher hier erst mal einige Werte zum BE-4 nach der englischsprachigen Wikipedia: 2460 kN Schub auf Meeresh\u00f6he. Der Vakuumschub ist unbekannt, d\u00fcrfte aber nach Erfahrungswerten 10 \u2013\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"\/img\/booster-be4.png","width":350,"height":200,"srcset":"\/img\/booster-be4.png 1x, \/img\/booster-be4.png 1.5x, \/img\/booster-be4.png 2x"},"classes":[]},{"id":18666,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/05\/24\/nachlese-starship-ift-12\/","url_meta":{"origin":8471,"position":4},"title":"Nachlese Starship IFT-12","author":"Bernd Leitenberger","date":"24. Mai 2026","format":false,"excerpt":"Am 23.3.2026 (MESZ) fand nach drei Tagen Versp\u00e4tung darunter einem Scrub nach Beginn des Countdowns am Vortag der 12-te Start eines Starship IFT-12 statt. Die SuperHeavy hatte die Seriennummer 19, die eigentlich daf\u00fcr vorgesehene mit der Seriennummer 18 wurde am 21.11.2025 bei einem routinem\u00e4\u00dfigen Drucktest zerst\u00f6rt. Das Starship hatte die\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/f19d187cb3874c0e865293c1db843fb9","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":16806,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2023\/05\/25\/eine-renaissance-fuer-nukleare-triebwerke\/","url_meta":{"origin":8471,"position":5},"title":"Eine Renaissance f&uuml;r Nukleare Triebwerke?","author":"Bernd Leitenberger","date":"25. Mai 2023","format":false,"excerpt":"Ich habe mich k\u00fcrzlich wieder \u00fcber einen Artikel in der c\u2019t, der Computer- und Technikzeitschrift die ich lese, ge\u00e4rgert. Eigentlich hatte ich vor hier den Artikel auseinander zu nehmen der vor allem enorm flach ist, also es fehlt wirklich an Tiefgang. Daneben hat er auch etliche inhaltliche Fehler. Aber da\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/08781b7d95af4fb1b2892f03df517480","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8471","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8471"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8471\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8471"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8471"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8471"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}