{"id":8480,"date":"2013-09-13T00:50:19","date_gmt":"2013-09-12T22:50:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=8480"},"modified":"2013-12-25T14:50:42","modified_gmt":"2013-12-25T13:50:42","slug":"die-nsa-hardware","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/09\/13\/die-nsa-hardware\/","title":{"rendered":"Die NSA Hardware"},"content":{"rendered":"<p>W&auml;hrend die Politik beteuert, dass unsere Daten sicher seien, kommen nun immer mehr Details ans Tageslicht. Noch wei&szlig; man wenig &uuml;ber das Prism Programm, doch seit einigen Tagen etwas mehr &uuml;ber die Hardware, die die NSA einsetzt. Eine US-Hackgruppe hat eine Board zugespielt bekommen und zusammen mit dem Chaos Computer Club die Funktionsweise entschl&uuml;sselt.<\/p>\n<p>Bei dem Board handelt es sich genauer gesagt um einen Einschub f&uuml;r einen Server im klassischen 19 Zoll Format mit einer H&ouml;he von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/H%C3%B6heneinheit\">1 HE<\/a>. Die Schnittstellen sind spartanisch, es gibt nur zwei Netzwerkschnittstellen und eine propriet&auml;re Schnittstelle f&uuml;r den Anschluss eines Massenspeichers. Auf dem Einschub selbst gab es eine 3,5 Zoll Festplatte, eine Mini-SATA in einem Steckplatz auf dem Board und dass eigentliche Board selbst. Es gelang den Einschub nach au&szlig;en zu schmuggeln, da er offensichtlich repariert werden musste &#8211; das Netzteil war defekt.<!--more--><\/p>\n<p>Die meisten Geheimnisse konnten schon die US-Hacker aufkl&auml;ren, unter anderem die Arbeit der Chips. Die erste &Uuml;berraschung war, das fast keine Standardhardware verbaut war. Alle Chips waren zudem gel&ouml;tet, was f&uuml;r eine Massenfertigung im gro&szlig;en Stil spricht. Eine zentrale Lage hatte ein DSP-Prozessor von Texas Instruments. Es handelt sich um einen der Prozessoren der Reihe C667. Allerdings passte die Typennummer zu keinem bekannten Exemplar. Eine Anfrage bei Texas Instruments blieb unbeantwortet. Die Zahl der L&ouml;tpunkte unter dem Chip und die Leitungen zu den ARM Chips deuten aber daraufhin, dass er mit 256 anstatt 64 Bit arbeitet. Neben dem Prozessor sind 4 GByte RAM fest verl&ouml;tet.<\/p>\n<p>Den meisten Platz nehmen aber 16 weitere Prozessoren von Freescale ein. Auch hier passte die Typennummer zu keinem auf dem Markt befindlichen Muster. Ifentifizierbar waren sie jedoch als ARM Cores. Der Hersteller (Freesacale) gab ebenfalls keine Ausk&uuml;nfte. Offener war dagegen ARM, die selbst ja keine Chips herstellen, sondern nur entwerfen und lizensieren. Demnach ist die Bezeichnung vergeben f&uuml;r einen Nachfolger eines breit eingesetzten Kryptographieprozessors. Dieser 32 Bit Chip wird eingesetzt in Festplatten und WLAN Stationen. Er verschl&uuml;sselt und entschl&uuml;sselt den Inhalt nach dem AES Verfahren mit 128, 256 oder 512 Bit breiten Schl&uuml;sseln. Bei Festplatten sind die Leistungsdaten recht gut bekannt, da man hier die Geschwindigkeit messen kann. Er erreicht 100 MByte\/s beim entschl&uuml;sseln und 40 MByte beim Verschl&uuml;sseln.<\/p>\n<p>Die Seriennummer des Designs steht nun f&uuml;r einen 356 Bit Prozessor mit acht Kernen, der von ARM f&uuml;r die Ver- und Entschl&uuml;sselung von 10 Gigabit Ethernet in Echtzeit entwickelt wurde. Er ist nicht nur erheblich schneller, sondern anders als sein Vorg&auml;nger auch beim entschl&uuml;sseln genauso schnell wie beim verschl&uuml;sseln. Beide Prozessoren erledigen diesen Job direkt in Hardware. Laut ARM wurde der Kern an einige Firmen lizensiert, darunter auch Freescale, aber keine hat bisher ein Produkt auf den Markt gebracht. Na ja au&szlig;er diesem Exemplar f&uuml;r die NSA.<\/p>\n<p>Auf der kleinen 16 GByte SSD befand ich ein Betriebssystem mit einigen Programmen. Das Betriebssystem ist UNIX-basiert, hat jedoch nur wenige &Auml;hnlichkeiten mit bekannten Linux Distributionen. Nicht verwunderlich, da es nur eine Linux Distribution f&uuml;r den DSP 6670 gibt. Dies ist Ti LINUXMCSDK. Doch Ti hat auch Linuxe f&uuml;r ARM Cores und wahrscheinlich aus beiden ein neues Betriebssystem f&uuml;r beide Chips entwickelt. Wozu die Platine f&auml;hig ist fanden die Hacker bald aus. &Uuml;ber Telnet kam man auf die Konsole und da gab es Programme wie &#8222;NetDump&#8220;, &#8222;Decrypt256&#8220; etc. Sehr bald fanden sie heraus, dass man mit Decrypte256 256 Bit breite AES Schl&uuml;ssel aus den Hash-Werten rekonstruieren kann. In 73,5 Stunden ermittelte die Platine so den Schl&uuml;ssel f&uuml;r das eigene WLAN Netz. (Das Passwort ist so nicht ermittelbar, doch mit dem Schl&uuml;ssel kommt man ins Wlan). Das erscheint langsam, und es gibt auch einen Service, der dies in 24 Stunden schaffen soll. Dieser nutzt aber einen Cluster aus Tausenden von Rechnern in der Cloud, w&auml;hrend es hier nur eine Platine eines 42 HE gro&szlig;en Servers ist. eines dieser Racks sollte es also schon in zwei Stunden schaffen und die NSA hat sicher mehr als einen dieser Server. Es scheint eine Arbeitsteilung zu geben: Der DSP von Ti generiert Kombinationen, die dann an die 16 ARM Chips weitergegeben werden und jeder &uuml;berpr&uuml;ft eine Kombination um sie mit dem Hash zu vergleichen. Das geht solange bis die korrekte Kombination gefunden ist. Je schneller ein Schl&uuml;ssel ausprobiert werden kann, desto schneller ist das Wlan geknackt.<\/p>\n<p>Die Entschl&uuml;sselung der Arbeit der Festplatte war dagegen ein Werk des Chaos Computer Clubs. W&auml;hrend man bei den Chips noch den Hersteller ausmachen konnte, hatte die Festplatte vom &#8222;Typ Conner TD-10K24A3&#8220;. &#8222;Conner&#8220; als Festplattenhersteller existiert aber schon seit 1996 nicht mehr, als sie mit Seagate verschmolz. Offensichtlich wurde der Firmenname als Deckname neu verwendet, damit die Fertigung der Platten f&uuml;r die NSA nicht bei den Auftr&auml;gen und Bilanzen auff&auml;llt. Die US-Gruppe konnte die Platte aber mit keinem Betriebssystem und keinem Rechner ansprechen. Da sie leer war konnte man auch mit den Programmen auf der SSD keine Daten auslesen.<\/p>\n<p>Der Chaos Computer Club hatte jedoch ein Mitglied, das hauptberuflich in einem Datenrettungszentrum arbeitete. Er konnte das Geheimnis in zahlreichen Nach-Feierabend Untersuchungen l&uuml;ften. Grund f&uuml;r die Nicht-Operabilit&auml;t war die Formatierung der Festplatte. Alle Sektoren habe eine Gr&ouml;&szlig;e von 1536 Bytes. Normal sind dagegen 512 Bytes. Die Struktur konnte zuerst nicht entschl&uuml;sselt werden, da man die Festplatte (wohl aus Sicherheitsgr&uuml;nden) bis auf Bit ebene gel&ouml;scht hatte. Ein Aufruf von DumpEth brachte sie aber in heftige Aktivit&auml;t. Als man dies abbrach, konnte man die Struktur entschl&uuml;sseln. Der &auml;u&szlig;ere Bereich enth&auml;lt 64 Byte gro&szlig;e Inhaltseintr&auml;ge. 32 Byte bestehen aus dem TCP Header, 32 Bytes aus der Sektoradresse des Datenblocks, in der ein IP Datenblock von 1500 Bytes untergebracht ist. Dieser hat eine Gr&ouml;&szlig;e von 1536 Bytes, 1500 Bytes f&uuml;r die Nutzdaten und 32 Bytes f&uuml;r die Adresse des zeitlich folgenden Sektors.<\/p>\n<p>Die gesamte Struktur ist auf das Protokollieren von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Transmission_Control_Protocol\">IP Daten<\/a> ausgelegt. Dadurch das der Header im Verzeichnis steht kann man recht schnell alle Rahmen bestimmen, die zu einer bestimmten IP Adresse oder einer bestimmten Verbindung (Port) geh&ouml;ren.<\/p>\n<p>Der Chaos Computer Club h&auml;ngte das Board an einen Rechner der synthetisch erzeugte Daten &uuml;ber Netz schickte, dadurch war die Vollst&auml;ndigkeit des Mitschnitts genau bestimmbar. Nach 3 Stunden war die 1 Terabyte Festplatte bei Gigabit Ethernet voll. Es fehlte nicht ein Rahmen. Es war klar, das bei 10 Gigabit die Festplatte nicht mithalten konnte, so schnell ist keine Festplatte, selbst bei optimierter Struktur. Doch bei stufenweiser Erh&ouml;hung der Datenrate konnte die Platte bis 2,2 Gigabit\/s (275 MByte\/s) alle Rahmen mitschneiden &#8211; zum Vergleich die schnellsten SATA Platten f&uuml;r Server erreichen in den &auml;u&szlig;eren Zonen 200 MByte\/s.<\/p>\n<p>so wie es aussieht hat die NSA also Spezialhardware konstruieren lassen, nur mit dem Ziel Netzwerkverkehr mitzuschneiden und zu entschl&uuml;sseln. Angesichts der Kapazit&auml;ten (es gibt ja ganze Geb&auml;udekomplexe nur f&uuml;r die Rechner) kann einem da schon Angst und Bange werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W&auml;hrend die Politik beteuert, dass unsere Daten sicher seien, kommen nun immer mehr Details ans Tageslicht. Noch wei&szlig; man wenig &uuml;ber das Prism Programm, doch seit einigen Tagen etwas mehr &uuml;ber die Hardware, die die NSA einsetzt. Eine US-Hackgruppe hat eine Board zugespielt bekommen und zusammen mit dem Chaos Computer Club die Funktionsweise entschl&uuml;sselt. 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