{"id":8498,"date":"2013-09-16T09:41:54","date_gmt":"2013-09-16T07:41:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=8498"},"modified":"2013-09-16T09:41:54","modified_gmt":"2013-09-16T07:41:54","slug":"wie-viel-aufloesung-brauchen-satelliten-und-welcher-aufwand-ist-dafuer-zu-treiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/09\/16\/wie-viel-aufloesung-brauchen-satelliten-und-welcher-aufwand-ist-dafuer-zu-treiben\/","title":{"rendered":"Wie viel Aufl&ouml;sung brauchen Satelliten und welcher Aufwand ist daf&uuml;r zu treiben?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.spacenews.com\/article\/military-space\/37204satellite-imagery-firms-in-us-and-europe-pushing-for-permission-to-sell\">Nach dieser Meldung<\/a> wollen Firmen Fotos mit einer h&ouml;heren Aufl&ouml;sung als bisher kommerziell verbreiten. Das erstaunt zuerst, sollte doch jede Firma dies selbst entscheiden k&ouml;nnen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Gr&ouml;&szlig;ter Kunde der US-firmen wie Digiglobe ist die NRO, die erst mal alles aufkauft und dann die Erlaubnis gibt es wieder in geringerer Aufl&ouml;sung zu verkaufen (wenn nicht gerade mal wieder ein Krieg ansteht, vor und w&auml;hrend des Afghanistan und Irak Krieges gab es zumindest keine Fotos dieser L&auml;nder). Bei Frankreich sind die Satelliten in &#8222;government-privat&#8220; Partnership finanziert. Warum von Frankreich die Rede ist, ist mir ein R&auml;tsel. Die Plejades haben 0,7 m Aufl&ouml;sung. Helios II haben 0,35 m Aufl&ouml;sung, sind aber reine Regierungsnutzlasten, von ihnen werden gar keine Aufnahmen ver&ouml;ffentlicht.<!--more--><\/p>\n<p>Doch darum geht es nicht. Sondern darum wie aufwendig es ist immer gr&ouml;&szlig;ere Aufl&ouml;sungen zu generieren. Im milit&auml;rischen Bereich werden da ja Wunderwerte gehandelt. Da nun auch die Geheimhaltung &uuml;ber Hexagon gefallen ist, wei&szlig; man das bei diesem ersten der busgro&szlig;en Spionagesatelliten es gar nicht um Aufl&ouml;sung ging, sondern um gro&szlig;e Fl&auml;chenabdeckung. Er hatte nur 60 cm Spitzenaufl&ouml;sung konnte aber &uuml;ber 20.000 km\u00b2 mit einem Foto ablichten, das man bis zu 100-fach vergr&ouml;&szlig;ern konnte.<\/p>\n<p>Fangen wir mit ein paar Grundlagen an. Zuerst kann man leicht die Aufl&ouml;sung eines Teleskops berechnen. F&uuml;r Linsenteleskope gilt: Eine Optik von 122 mm Durchmesser hat eine Aufl&ouml;sung von 1 Bodensekunde. Ein Objekt von 1 m Breite hat aus 202,65 km Entfernung gesehen, eine Winkelausdehnung von 1 Bogensekunde. Aus diesen Daten kann man leicht per Dreisatz die Aufl&ouml;sung f&uuml;r jede Optik und jede Entfernung berechnen. Das gilt so nur wenn es kein Hindernis im Strahlengang gibt. Bei Spiegelteleskopen mit einem Fangspiegel im Strahlengang muss man die obigen 122 durch 150 mm ersetzen, wenn der Spiegel sehr gro&szlig; ist (Durchmesser &gt; 25% des Objektivs), sogar 175. Er setzt als Hindernis den Kontrast herab.<\/p>\n<p>Man vermeidet diesen Nachteil wenn man ein Spiegelteleskop als Schiefspiegler konzipiert. Das optische System ist aufwendiger, aber der Tubus ist kompakter, weil der Strahlengang in Form eines &#8222;z&#8220; verl&auml;uft. So arbeiteten soweit bekannt die Teleskope an Bord der Spionage Satelliten und auch die HiRISE Kamera an Bord des Mars Reconnaissance Orbiters nach diesem Prinzip.<\/p>\n<p>Man kann aus den obigen Daten leicht berechnen, dass schon ein kleines Teleskop, wie es Amateure haben (10 bis 25 cm &Ouml;ffnung) und bei dem der Tubus nur einige Kilogramm wiegt aus einer stabilen, aber niedrigen Umlaufbahn in 500-600 km H&ouml;he Aufnahmen mit einer Aufl&ouml;sung von 2 m anfertigen und es gibt auch einige Satelliten mit nur wenigen Hundert Kilogramm Gewicht die das leisten. (z.B. Rapideye)<\/p>\n<p>Ebenso klar ist, dass die Optik immer gr&ouml;&szlig;er werden muss, wenn man eine gr&ouml;&szlig;ere Aufl&ouml;sung haben will. F&uuml;r 30 cm aus 600 km Entfernung braucht man im g&uuml;nstigsten Fall ein Teleskop von 1,20 m Durchmesser. Wenn man weiter weg ist, ein noch gr&ouml;&szlig;eres System. Nun steigt aber das Gewicht rasch an. Bei astronomischen Teleskopen rechnet man mit einem Anstieg um den Faktor 6 bei Verdopplung des Durchmessers. Das ist nicht die dritte Potenz, aber immerhin die 2,6-te Potenz. Die Kamera HiRise wiegt 65 kg und hat einen Durchmesser von 70 cm. Das 1,20 m Teleskop w&uuml;rde so rund 260 kg wiegen &#8211; das w&auml;re durchaus kein Problem wenn der Satellit einige Tonnen wiegt. Davon kann man ausgehen, denn die letzten dieser Art wurden mit Delta II und Sojus Tr&auml;gern gestartet. Bei 20 cm Aufl&ouml;sung liegt das Gewicht schon bei 750 kg f&uuml;r die Optik, bei 10 cm sind es dann &uuml;ber 4,5 t. Dann kommt man in einen Bereich indem der ganze Satellit eher ein Anh&auml;ngsel an der Optik ist, so wie bei Hubble wo das Servicemodul am Teleskop h&auml;ngt. Auch beim Plejades Teleskop mit einem nur mittelgro&szlig;en Teleskop wurde der Satellit um das Teleskop herumgebaut.<\/p>\n<p>Von der Optik her w&auml;re es beim Start mit einer leistungsf&auml;higen Tr&auml;gerrakete sicher kein Problem 15 cm Aufl&ouml;sung zu erreichen, eventuell sogar 10 cm wenn die Tr&auml;gerrakete 7 t oder mehr in den Orbit bef&ouml;rdern kann.<\/p>\n<p>Das Problem ist jedoch ein anderes. Das erste ist, das nicht nur die Aufl&ouml;sung f&uuml;r einen Satelliten wichtig ist, sondern auch die Frequenz der Beobachtungen bzw. wie viel Fl&auml;che er aufnehmen kann. Und da gibt es nun bei h&ouml;herer Aufl&ouml;sung Probleme. Je h&ouml;her die Aufl&ouml;sung, desto kleiner das Gesichtsfeld. Damit braucht der Satellit l&auml;nger eine bestimmte Fl&auml;che abzubilden. Weiterhin ist es aufwendiger ihn zu drehen. Das kann n&ouml;tig sein, wenn man ein Gebiet von der Seite beobachten will, weil man nicht warten will oder kann bis man es erneut senkrecht passiert. Spezielle Weitwinkeloptiken, wie sie z.B. beim <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schmidt-Teleskop\">Schmidt-Teleskopen<\/a> zum Einsatz kommen k&ouml;nnen das ausgleichen. Die Hexagon Kamera bildete einen Streifen von 5,2 Grad ab, und das bei einer &Ouml;ffnung von 50,8 cm und einer Brennweite von 152,4 cm. 5.2 Grad, das sind etwa 11-fache Vergr&ouml;&szlig;erung und wer selbst ein Teleskop hat, das wesentlich kleiner ist und schon 30-40-fach vergr&ouml;&szlig;ert, wei&szlig; was das bedeutet. Als angenehmer Nebeneffekt sind diese Kameras auch sehr lichtstark.<\/p>\n<p>Trotzdem begegnet man bei h&ouml;herer Aufl&ouml;sung bald einer neuen Schwierigkeit. Soweit mir bekannt, arbeiten alle zivilen Satelliten mit einer besonderen Art von Zeilenscannern. Zeilenscanner kennen sie von dem Flachbettscanner. Die Bewegung erledigt beim Satelliten die Eigenbewegung des Satelliten. Ein Satellit der sich auf einer erdnahen Umlaufbahn bewegt, hat eine Geschwindigkeit von 7 km relativ zur Erdoberfl&auml;che, wird Deutschland also in 120 s passieren. Nehmen wir an, er h&auml;tte die Kamera von Hexagon an Bord, dann w&uuml;rde er aus 600 km H&ouml;he in den 120 s einen 840 x 55 km gro&szlig;en Streifen abbilden. Die Aufl&ouml;sung betr&uuml;ge dann 71 cm. Das bedeutet aber auch: bei einer Geschwindigkeit von 7000 m\/s relativ zum Erdboden ist ein Detail von 71 cm Gr&ouml;&szlig;e innerhalb einer Zehntausendstel Sekunde an dem Detektor vorbeigehuscht. Die Belichtungszeit muss daher weit unterhalb einer Zehntausendstel Sekunde liegen. Doch selbst lichtempfindliche CCD haben nicht so kurze Belichtungszeiten. Was eingesetzt werden, sind daher besondere Zeilensensoren. Sie schieben die Ladung die der Belichtung entspricht spaltenweise nach oben, synchron zu der Bewegung So wird die Belichtung addiert. Das klappt recht gut, doch wenn man herunter geht mit der Aufl&ouml;sung wird man bald anstatt 16 Zeilen viel mehr brauchen und die Belichtungszeit wird immer k&uuml;rzer. Dann wird das Eigenrauschen immer bedeutsamer. Diese TDI-Sensoren wurden f&uuml;r Flie&szlig;b&auml;nder entwickelt um z.B. Flaschen auf Defekte zu untersuchen wenn sie in hoher Geschwindigkeit an der Kamera vorbeiziehen.<\/p>\n<p>Die L&ouml;sung ist Bewegungskompensation, die auch bei des US-Spionagesatelliten von Anfang an eingesetzt wurde. Man bewegt entweder den Sensor oder das ganze Teleskop synchron zur Bewegung. Dann kann man auch auf andere Sensoren ausweichen, wie ganze Sensorfelder aus Full-Frame CCD. So sind dann sicher noch h&ouml;here Aufl&ouml;sungen m&ouml;glich, aber wie man sieht, wird es technisch aufwendig.<\/p>\n<p>Das letzte Problem ist, dass die Datenmenge quadratisch ansteigt. Zwar wird die Breite des Streifens (in Pixeln)\u00a0 immer gleich bleiben. Doch wenn man schon ein Teleskop hat das beweglich ist kann man es auch quer zur Flugrichtung schwenken. Hexagon konnte 120 Grad Streifen von 560 km Breite mit einem Bild erstellen. Heute w&uuml;rde man die Daten auf SSD speichern, doch man muss sie auch mal &uuml;bertragen und da wirds dann doch eng. Worldview sendet schon mit 800 Mbit\/s, aber die Empfangsstation hat maximal einmal pro Umlauf kontakt f&uuml;r einige Minuten. Die Plejades Satelliten m&uuml;ssen die Rohdatenmenge von 4,5 Gigabit\/s auf 1,5 GBit\/s komprimieren, weil dies die maximale Daten&uuml;bertragungsrate zum Massenspeicher ist. Selbst wenn sie dort abgelegt werden k&ouml;nnen, muss man sie auch mal zum Boden &uuml;bertragen. Ab einer bestimmten Aufl&ouml;sung braucht man einen eigenen Kommunikationssatelliten (besser zwei oder drei) im geostation&auml;ren Orbit um die ganzen Daten auch loszuwerden. Beim obigen Beispiel mit nur 71 cm Aufl&ouml;sung werden in 120 s 91,6 Milliarden Bildpunkte gewonnen. Bei 16 Bits pro Bildpunkt immerhin eine kontinuierliche Datenrate von 1,52 GByte\/s &#8211; jenseits dessen was heute selbst auf SSD abgelegt werden kann. So sind heutige Satelliten schon in ihren F&auml;higkeiten beschr&auml;nkt. Die Plejades Satelliten mit dieser Aufl&ouml;sung machen maximal 20 x 70 gro&szlig;e Aufnahmen.<\/p>\n<p>Daher wird man immer nur kleine Szenen aufnehmen. Zugegebenerweise ist das ja auch gew&uuml;nscht, denn die W&uuml;ste Sahara will man sicher nicht in 30 cm Aufl&ouml;sung anschauen. die Gro&szlig;st&auml;dte der Welt vielleicht schon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dieser Meldung wollen Firmen Fotos mit einer h&ouml;heren Aufl&ouml;sung als bisher kommerziell verbreiten. Das erstaunt zuerst, sollte doch jede Firma dies selbst entscheiden k&ouml;nnen. Doch ganz so einfach ist es nicht. 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