{"id":855,"date":"2007-07-31T13:52:53","date_gmt":"2007-07-31T11:52:53","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=855"},"modified":"2009-05-29T13:53:37","modified_gmt":"2009-05-29T11:53:37","slug":"deutsche-sprache-schwere-sprache-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/07\/31\/deutsche-sprache-schwere-sprache-2\/","title":{"rendered":"Deutsche Sprache, schwere Sprache"},"content":{"rendered":"<p>Gestern hat sich jemand im G&auml;stebuch verewigt, um eine Antwort an einen Kritiker zu geben, der meine Aufs&auml;tze unverst&auml;ndlich und als eine Zumutung empfindet. Vieles was er geschrieben hat, kann ich nur unterschreiben. Ich gebe gerne zu, dass ich die meisten Regeln f&uuml;r die Rechtschreibung vergessen habe, und mich auf die Rechtschreibkorrektur meines Programmes verlasse. Das meiste, was an Patzern aber auffindbar ist, hat seine Ursache aber nicht in den mangelnden Sprachkenntnissen. Sondern wohl eher an meiner Angewohnheit sehr lange S&auml;tze zu machen, und vor allem an dem Fakt, das eine Website ab einer gewissen Gr&ouml;&szlig;e mehr und mehr Zeit erfordert. In knapp einem Monat werde ich das 9 J&auml;hrige Jubil&auml;um feiern k&ouml;nnen. In dieser Zeit wurden es insgesamt 703 Seiten mit knapp 19 MByte an Text. Ich erw&auml;hne dies, damit mal Kritiker eine Vorstellung von dem Umfang haben. Einen Textanteil von 80 % bei den HTML Seiten vorausgesetzt; (Der Rest entf&auml;llt auf Tags und Einr&uuml;ckungen) und unter der Annahme, das eine eng bedruckte Din A4 Seite etwa 4000 Zeichen umfasst, entspricht dies insgesamt 3800 Seiten. Also in etwa so viel wie ein mehrb&auml;ndiges Lexikon an Umfang hat. Das habe ich alleine gemacht und dieses ist auch die Crux daran. Die meisten Fehler kommen dadurch, dass ich beim Surfen im Netz auf etwas sto&szlig;e. Ein Detail zu einer Raumsonde, ein altes Dokument, oder in letzter Zeit auch Informationen aus alten B&uuml;chern. Ich fange dann an, die schon bestehenden Aufs&auml;tze zu erg&auml;nzen, oder besser die Informationen hinein zuflicken. Denn ich habe nicht die Zeit, jeden Aufsatz dann von vorne bis hinten nochmals Korrektur zu lesen. Ich bin berufst&auml;tig und mache das in meiner Freizeit. Weiterhin habe ich seit einem Jahr auch zwei weitere Besch&auml;ftigungen: Den Chat mit Freunden aus aller Welt und das Produzieren von Lipsync Videos. So bemerkt man die Flickerei rasch. Es sieht inkonsistent aus, oder manchmal wiederholt es sich auch &#8211; wenn ich dieselbe Information mehrmals finde und das Einf&uuml;gen beim zweiten Mal vergessen habe. Dabei ist die Website schon seit geraumer Zeit eine Baustelle, es gibt eine Reihe von Artikeln die angefangen und nicht fertig gestellt sind, wie die Artikel &uuml;ber astronomische Satelliten, die irgendwann einmal alle besprochen sein sollen und bei denen ich nach und nach neue anf&uuml;ge oder Skylab wo noch alle Experimente nicht erw&auml;hnt wurden. Meine anderen beiden Webseiten verdienen auch eine Aktualisierung und auch dazu komme ich nicht. Warum blogge ich hier so gerne? Es ist so ziemlich die einzige Rubrik, die ich nebenher, in einer Pause machen kann. Ein Raumsondenaufsatz, welcher nur die Sonde beschreibt, ohne viel &uuml;ber die Mission zu erz&auml;hlen, ist ein Zeitaufwand von 3 vollen Arbeitstagen und ich rede dann wirklich von 8 h Tagen. Der gr&ouml;&szlig;te Teil ist darauf zu verwenden, die Dokumente, welche man im Netz findet zu lesen. Das eigentliche Schreiben, die Informationen herauszudestillieren und niederzuschreiben ist nur ein kleiner Teil der Arbeit. Das alles mache ich aus Idealismus. Die einzigen Einnahmen, die ich habe, stammen aus der Werbung. Diese Einnahmen, geteilt durch die Stundenzahl die ich investiere, entsprechen etwa einem Stundenlohn von 30-50 ct&#8220;&#8216;. Wenn ein Lektor f&uuml;r diesen Tarif arbeitet, dann soll er sich bitte melden!<!--more--><\/p>\n<p>Da sind wir beim zweiten Teil angekommen, der mir am Herzen liegt. Die Verrohung der Sitten im Internet. W&uuml;rde ich das Gegenst&uuml;ck zur Website im t&auml;glichen Leben publizieren, auf einem Print Medium, dann w&auml;re das wohl undenkbar. Stellen sie sich vor, ich st&auml;nde auf ihrem Marktplatz, mit einem riesigen Stapeln B&uuml;chern, jedes 3800 Seiten dick. Jeder der vorbeikommt, bekommt eines geschenkt und dazu noch einen Reklamezettel. W&uuml;rden sie dann ins G&auml;stebuch reinschreiben, dass sie das Deutsch zum Kotzen finden? Wahrscheinlich nicht, selbst wenn sie dieser Meinung sind. Dazu geh&ouml;rt dann etwas mehr Mut, als im Internet, wo man alles anonym tun kann. Vielleicht w&uuml;rden sie angesichts des Umfang des Buches auch die Arbeit sehen, die darin steckt und die liegt nicht im perfekten Deutsch, sondern in Tausenden von Recherchestunden. Manchmal denke ich mir, ich k&ouml;nnte es auch lassen. In dem Themenbereich der mich am meisten interessiert, n&auml;mlich Planetensonden und Tr&auml;gerraketen ist eigentlich fast alles beschrieben. Es g&auml;be nur noch neue Missionen zu erg&auml;nzen, das ist dann eine Arbeit de ich nebenbei machen kann, denn viele Missionen wird es in den n&auml;chsten Jahren nicht geben.<\/p>\n<p>Aber in einem hat der Autor des G&auml;stebucheintrages recht: In der Art, wie man in Deutschland mit Leuten umgeht, die nicht grammatikalisch und orthografisch korrektes Deutsch schreiben: Wie oft habe ich schon Argumentationen geh&ouml;rt, die in etwa so lauteten: &#8222;Wenn schon das Deutsch falsch ist, dann m&uuml;ssen die Informationen erst recht falsch sein&#8220;. Nun, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ich habe nur nicht die Zeit und die Lust mich um beides zu k&uuml;mmern. Solange, ich gebeten werde Fachartikel f&uuml;r das Amsat DL Journal oder Telepolis zu schreiben, solange mir zugetragen wird, dass DLR Experten mit Kopien meiner Raumfahrtaufs&auml;tze auf der ILA gesichtet wurden und solange es mindestens zwei Plagiate basierend auf meinen Webseiten gibt (davon eines pikanterweise ein Lehrbuch f&uuml;r Raumfahrtantriebe), solange jucken mich solche Aussagen recht wenig.<\/p>\n<p>Aber es geht ja nicht nur um mich, es sind zahlreiche andere betroffen. Grund daf&uuml;r ist, dass meiner Meinung nach Deutsch unn&ouml;tig kompliziert ist. Aber auch ein gewisser Hochmut der &#8222;humanistisch&#8220; gebildeten auf diejenigen, die mehr mit Naturwissenschaft am Hut haben. Es ist in Deutschland keine Schande, nicht mal Basiswissen in Physik, Biologie und Chemie zu haben, aber wehe man weis nicht einige der Werke Goethes aufzuz&auml;hlen und mit ein paar Zitaten auf seinen Werken aufzutrumpfen. Diese Menschen die das Deutsche so lieben, haben aber kein Problem zu sagen: &#8222;<em>Ich m&ouml;chte keine Chemie in Lebensmitteln<\/em>&#8222;. Das ist sogar, wenn man nur den sprachlichen Teil der Aussage ansieht, Humbug, den Chemie ist die Lehre von der Zusammensetzung der Stoffe und ihren Reaktionen. Der Satz macht also gar keinen Sinn. Naturwissenschaftlich ist es noch gr&ouml;&szlig;erer Unsinn, den nat&uuml;rlich geh&ouml;rt auch die Natur und ihre Reaktionen zu den Bereichen, welche die Chemie erforscht. Die Biochemie ist sogar ein sehr wichtiges Fachgebiet. Was derjenige sagen wollte, m&uuml;sste so formuliert werden: &#8222;<em>Ich m&ouml;chte keine Stoffe in Lebensmitteln, die nicht nat&uuml;rlichen Ursprungs sind und die nicht nat&uuml;rlicherweise dort vorkommen<\/em>&#8222;. Das ist korrektes Deutsch, aber das klingt nicht so sch&ouml;n. Aber wir wollen doch ganz korrekt sein, liebe Deutschlehrer und Besserwisser gelle? Dabei ist eine naturwissenschaftlich-technische Bildung in der heutigen Berufswelt viel wichtiger als die Kenntnis der deutschen Klassiker oder aller Rechtschreibregeln. Wie viele arbeitslose Germanisten gibt es ? Manchmal habe ich den Verdacht, diese Leute m&uuml;ssen ihren Frust dar&uuml;ber dann an Webseiten wie meiner ablassen.<\/p>\n<p>Ach ja, wegen dem Aufwand der Korrektur, und des sehr kleinen Publikums wird nichts, von dem was ich so schreibe, mal als Buch geben. Aber sie k&ouml;nnen den Autor indirekt unterst&uuml;tzen, indem sie wenn sie sowieso etwas &uuml;ber E-Bay oder Amazon kaufen wollen, dies &uuml;ber einen Sprung &uuml;ber Link von meiner Seite tun. F&uuml;r diesen Eintrag habe ich heute fast genauso viel Zeit zum Korrekturlesen investiert wie f&uuml;r das Schreiben. Lohnt sich das?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern hat sich jemand im G&auml;stebuch verewigt, um eine Antwort an einen Kritiker zu geben, der meine Aufs&auml;tze unverst&auml;ndlich und als eine Zumutung empfindet. Vieles was er geschrieben hat, kann ich nur unterschreiben. Ich gebe gerne zu, dass ich die meisten Regeln f&uuml;r die Rechtschreibung vergessen habe, und mich auf die Rechtschreibkorrektur meines Programmes verlasse. 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