{"id":8576,"date":"2013-10-04T00:11:29","date_gmt":"2013-10-03T22:11:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=8576"},"modified":"2013-10-04T09:21:47","modified_gmt":"2013-10-04T07:21:47","slug":"die-ssme-das-sicherheitskonzept","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/10\/04\/die-ssme-das-sicherheitskonzept\/","title":{"rendered":"Die SSME: Das Sicherheitskonzept"},"content":{"rendered":"<p>So, ich habe nun einen Aufsatz &uuml;ber die SSME fertiggestellt und muss ihn noch Korrekturlesen. Er ist ziemlich umfangreich geworden, &uuml;ber 90 Kbyte, nimmt man noch den &uuml;ber den Triebwerkscontroller hinzu dann sind es fast 110 kbyte &#8211; das w&uuml;rde bei einem anderen Autor wahrscheinlich schon f&uuml;r ein komplettes &#8222;Typenbuch SSME&#8220; &nbsp;reichen. Ich habe eigentlich nur aufgeh&ouml;rt, weil ich seit Abschalten der NASA Server nur noch auf meine schon gesicherten Dokumente zur&uuml;ckgreifen konnte. Daher werdet ihr in der n&auml;chsten Zeit noch einige Splitter mehr aus dem Aufsatz hier vorfinden:<!--more--><\/p>\n<p>Der Orbiter hatte drei Triebwerke in einer Dreiecksanordnung. Diese war fail-operational und fail safe. Beide Begriffe sind in bemannten Programmen wichtig. Fail operational bedeutet, eine Komponente kann ausfallen und die Mission ist nicht gef&auml;hrdet. Fail safe bedeutet, eine Komponente kann ausfallen, die Mission ist zwar nun nicht mehr m&ouml;glich, aber es gibt keine Gefahr f&uuml;r die Besatzung. Fail Safe bedeutete bei den SSME-Triebwerken, dass ihre Funktion durch den Triebwerkskontroller &uuml;berwacht wurde und er sie abschaltete, bevor das Triebwerk sich explosiv zerlegte. Dazu wurden Dr&uuml;cke, Temperaturen, Fl&uuml;sse etc. &uuml;berwacht und beim &Uuml;berschreiten von &#8222;roten Linien&#8220;, also Grenzwerten wurde das Abschalten ausgel&ouml;st.<\/p>\n<p>Bedingt waren drei Triebwerke auch fail operational. Es konnte ein Triebwerk nach 150 bis 180 s ausfallen. Nach 360 bis 400 s konnte ein Zweites ausfallen. Da in den ersten 123 s w&auml;hrend des Betriebs der SRB in jedem Falle keine Rettung m&ouml;glich war, waren die Triebwerke w&auml;hrend der gr&ouml;&szlig;ten Teil der Mission fail operational. Bei einem fr&uuml;hzeitigen Ausfall eines oder zweier Triebwerke konnte der Orbiter mit den verbliebenen zum Landeplatz zur&uuml;ckkehren, bei einem sp&auml;ten Abbruch konnte er noch einen niedrigeren als geplanten Orbit erreichen. Das kam einmal vor bei der Mission STS-51F als ein Triebwerk nach 345 s aufgrund eines Sensorausfalls abgeschaltet wurde. Die Anordnung der Triebwerke erlaubte es auch, das der bei einem Ausfall entstehende asymmetrische Schub durch Schwenken kompensiert werden konnte.<\/p>\n<p>Wie bei jedem Triebwerk ermittelte man die Sicherheit auch durch theoretische Untersuchungen. Man &uuml;berlegte f&uuml;r jede Komponente, jedes Konstruktionsdetail welcher Fehler auftreten k&ouml;nnte, dann wie man diesen Fehler vermeiden oder seine Auswirkungen begrenzen konnte und sch&auml;tze die Eintrittswahrscheinlichkeit ab.<\/p>\n<p>Nur bei bemannten Triebwerken &uuml;blich ist ein Test nach der Entwicklung. Die SSME durchliefen danach ein Zertifizierungsprogramm, bei dem es darum ging mit den nun nicht mehr ver&auml;nderten Triebwerken (w&auml;hrend der Entwicklung wurden laufend Komponenten ausgetauscht) viele Tests unter Realbedingungen zu absolvieren und auch &uuml;ber die geplante Lebenszeit.<\/p>\n<p>Schon bei Entwicklungsbeginn gab es die Forderung dass die Triebwerke insgesamt (Entwicklung und Flug Zertifikation) 65.000 s Testzeit akkumuliert haben m&uuml;ssen bevor der Erststart erfolgt. Das entsprach mehr als 40 Missionen. Noch mehr waren es nur beim F-1 das auf &uuml;ber 243.000 s kam. Auch sp&auml;ter gab es weitere Tests sowohl w&auml;hrend der Weiterentwicklung wie auch der Qualit&auml;tskontrolle. Mit dem letzten Flug der Atlantis waren insgesamt &uuml;ber 1 Million Testsekunden aufgelaufen. Davon entfielen gerade mal ein F&uuml;nftel auf den Einsatz. Bei unbemannten Triebwerken sind wesentlich weniger Tests &uuml;blich. Wie der Vergleicher einiger Triebwerke zeigt:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th><\/th>\n<th>SSME<\/th>\n<th>F-1<\/th>\n<th>J-2<\/th>\n<th>RS-68<\/th>\n<th>RL-10<\/th>\n<th>Viking<\/th>\n<th>RD-0120<\/th>\n<th>NK-15<\/th>\n<th>NK-33\/43<\/th>\n<th>RD-180<\/th>\n<th>Merlin 1D<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Testsekunden vor dem ersten Flug<\/td>\n<td>110.000 s<\/td>\n<td>243.000 s<\/td>\n<td>120.000<\/td>\n<td>11.000 s<\/td>\n<td>71.000 s<\/td>\n<td>87.000 s<\/td>\n<td>163.000 s<\/td>\n<td>40.220 s<\/td>\n<td>55.000 s<\/td>\n<td>20.018 s<\/td>\n<td>4.742 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Testsekunden nach dem ersten Flug<\/td>\n<td>718.400 s<\/td>\n<td>30.000 s<\/td>\n<td>3.807<\/td>\n<td>6.810 s<\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td>6.851 s<\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Anzahl der Tests vor dem ersten Flug<\/td>\n<td>726 s<\/td>\n<td>2805<\/td>\n<td>1730<\/td>\n<td>188<\/td>\n<td>707<\/td>\n<td>278<\/td>\n<td>793<\/td>\n<td>450<\/td>\n<td>350<\/td>\n<td>119<\/td>\n<td>34<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Entwicklungszeit (Jahre)<\/td>\n<td>9<\/td>\n<td>8<\/td>\n<td>6<\/td>\n<td>5-6<\/td>\n<td>3<\/td>\n<td>10<\/td>\n<td>11<\/td>\n<td>5<\/td>\n<td>5<\/td>\n<td>4<\/td>\n<td>4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Einsatz auf bemanntem Programm<\/td>\n<td>Ja<\/td>\n<td>Ja<\/td>\n<td>Ja<\/td>\n<td>Nein<\/td>\n<td>Nein<\/td>\n<td>geplant<\/td>\n<td>Ja<\/td>\n<td>Ja<\/td>\n<td>Ja<\/td>\n<td>Nein<\/td>\n<td>Nein<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Jedes Flugtriebwerk wurde auch vor der ersten Verwendung mehrmals getestet. Alleine die dabei akkumulierte Testdauer war l&auml;nger das die maximale Betriebsdauer jedes anderen US-Triebwerks.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, ich habe nun einen Aufsatz &uuml;ber die SSME fertiggestellt und muss ihn noch Korrekturlesen. Er ist ziemlich umfangreich geworden, &uuml;ber 90 Kbyte, nimmt man noch den &uuml;ber den Triebwerkscontroller hinzu dann sind es fast 110 kbyte &#8211; das w&uuml;rde bei einem anderen Autor wahrscheinlich schon f&uuml;r ein komplettes &#8222;Typenbuch SSME&#8220; &nbsp;reichen. 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