{"id":862,"date":"2007-07-30T14:01:43","date_gmt":"2007-07-30T12:01:43","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=862"},"modified":"2009-05-29T14:02:31","modified_gmt":"2009-05-29T12:02:31","slug":"die-germanen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/07\/30\/die-germanen\/","title":{"rendered":"Die Germanen"},"content":{"rendered":"<p> So lautete der Titel einer vierteiligen Reihe auf Arte, die im modernen &quot;Edutainment&quot; spiel das Leben der Germanen in 4 Epochen zeigte. Ich m&ouml;chte mich einem Aspekt heute widmen und zwar der Tatsache, dass es dem r&ouml;mischen Reich nicht gelang &quot;Germanien&quot; zu besetzen. Ich habe &quot;Germanien&quot; in G&auml;nsef&uuml;sschen geschrieben, weil es das damals nicht so gab. Es gab auch nicht DIE Germanen. Es gab zahlreiche St&auml;mme mit einer gemeinsamen Runensprache und gemeinsamen Sagen und Gebr&auml;uchen, so wie es verschiedene keltische St&auml;mme gab. Doch es gab kein Germanisches Reich und sich selbst bezeichneten sie sich auch nicht so &#8211; die Germanen waren nur ein Stamm von vielen der von C&auml;sar als Gattungsbegriff benutzt wurde. Vielleicht um sie bedrohlicher erscheinen zu lassen, denn mit einem stamm wurden die R&ouml;mer immer wieder fertig, nicht jedoch mit der Gesamtheit.<\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p> Schon um 100 vor Christus machten die R&ouml;mer Bekanntschaft mit den Germanen. Die Kimber und Teutonen zogen durch Gallien nach Norditalien. Eine r&ouml;mische Armee die sie aufhalten sollte wurde zerschlagen. Sie suchten Siedlungsland und sollten dieses auch nach einer List des r&ouml;mischen Konsuls angeblich bekommen, wurden dann jedoch in einen Hinterhalt gelockt, bei dem sie aber in der Schlacht bei Noreia siegreich waren. Auch das zweite Zusammentreffen einige Jahre sp&auml;ter war f&uuml;r sie siegreich, nicht jedoch das dritte bei dem die R&ouml;mer Kimbern und Teutonen separat angriffen. Hier zeigte sich schon die gr&ouml;&szlig;te Schw&auml;che, jeder stamme k&auml;mpfte einzeln und oftmals auch gegeneinander.<\/p>\n<p> Trotzdem hinterlie&szlig; dies gro&szlig;en Eindruck bei den R&ouml;mern. Man schrieb 102 v.Christus, die R&ouml;mer hatten damals schon Karthago und Griechenland besiegt, verf&uuml;gten &uuml;ber Gebiete in Afrika, Spanien und Sizilien und waren eine Gro&szlig;macht im Mittelmeerraum. Trotzdem konnten zwei kleine germanische St&auml;mme r&ouml;mische Armeen vernichtend schlagen und bis nach Oberitalien vordringen. w&auml;ren die beiden St&auml;mme wirklich auf eine Eroberung aus gewesen so w&auml;re Rom in einer &uuml;blen Lage gewesen, doch die beiden St&auml;mme zogen 12 Jahre lang auf der Suche nach Siedlungsland getrennt durch Gallien und die Schweiz.<\/p>\n<p> C&auml;sar kam bei seinem gallischen Feldzug in Kontakt mit den Sueben, die er schlagen konnte. Trotzdem wagte er es nicht den Rhein zu &uuml;berschreiten um dort seine Eroberungsfeldz&uuml;ge fortzusetzen. Er lie&szlig; eine Pontonbr&uuml;cke als Beweis bauen, dass sie jederzeit &uuml;bersetzen k&ouml;nnten, riss sie aber nach dieser Demonstration der Macht ab. Das war 58 v.Chr. Danach war das r&ouml;mische Reich fast ein halbes Jahrhundert erst einmal mit verschiedenen B&uuml;rgerkriegen besch&auml;ftigt. Unter Augustos kam der Gedanke erneut auf die Grenzen zu erweitern. Tiberius unternahm Feldz&uuml;ge bis zur Nordsee und Ostsee und beanspruchte danach Germanien erobert zu haben. Zahlreiche direkt am Rhein liegende St&auml;mme unterwarfen sich den R&ouml;mern und es kam zur Gr&uuml;ndung von Milit&auml;rlagern rechts des Rheines. Doch die Behandlung der &quot;besiegten&quot; gegen die es nie eine richtige Schlacht gab durch die R&ouml;mer und ihren Statthalter Varus f&uuml;hrte dazu dass sich ausnahmsweise mehrere germanische St&auml;mme zusammenschlossen und die R&ouml;mer in einen Hinterhalt lockten und dort 3 Legionen vernichtend schlugen. <\/p>\n<p> Nach einigen Rachfeldz&uuml;gen zog man sich daraufhin auf die nat&uuml;rlichen Grenzen Rhein und Donau zur&uuml;ck. Von den 24 Legionen der r&ouml;mischen Armee welche das gesamte Weltreich absichern sollten (das sich von England bis Nordafrika in Nord-S&uuml;d Ausrichtung und von Spanien bis zu Syrien in Ost-West Ausdehnung erstreckte waren nicht mehr als 9 nur an diesen beiden Fl&uuml;ssen stationiert um die Grenzen zu sichern.<\/p>\n<p> Im Jahre 83 v.chr. drangen die R&ouml;mer erneut nach Schwaben vor um die Grenze zu verk&uuml;rzen. Sp&auml;ter bauten sie dort den 500 km langen Limes mit 900 Wacht&uuml;rmen um die Grenze zu sichern. Weitere Bestrebungen Land zu erobern gab es nicht mehr. Der Limes wurde in er folge immer wieder &uuml;berrannt und schlie&szlig;lich als es einen innerr&ouml;mischen B&uuml;rgerkrieg gab 260 n.chr ganz aufgegeben. Zu dieser Zeit war das r&ouml;mische Reich schon weitgehend geschw&auml;cht und die Germanen begannen sich zu Gro&szlig;reichen zusammen zu schlie&szlig;en. Als schlie&szlig;lich die V&ouml;lkerwanderung einsetzte durch den Druck der Hunnen hatten die R&ouml;mer den Germanen nichts mehr entgegenzusetzen. Sie fielen in England ein als die R&ouml;mer es 406\/7 verlie&szlig;en, sie nahmen sich einfach r&ouml;mische Provinzen. Die Vandalen lie&szlig;en sich zuerst in Spanien nieder (V)Andalusien, dann gingen sie nach Afrika. Die Franken lie&szlig;en sich in Nordfrankreich nieder. Die Westgoten und Burgunden in Frankreich und die Langobarden in der Lombardei. 406 n.Chr. pl&uuml;nderten die Westgoten unter Alarich Rom, das erste mal seit 483 v.Chr. und 471. n. Chr. setzten die Vandalen den letzten r&ouml;mischen Kaiser ab.<\/p>\n<p> Das besondere an dieser Geschichte &uuml;ber 500 Jahren ist, dass es den R&ouml;mern nie gelang die Germanen zu unterwerfen, obgleich sie in vielen Feldz&uuml;gen siegreich waren. Dabei fanden die Auseinandersetzungen statt als Rom schon eine Weltmacht war &#8211; Sie hatten die rivalisierenden Gro&szlig;reiche ihrer Zeit &#8211; Karthago und die 3 diadochenreiche niedergerungen. Gegner mit gr&ouml;&szlig;eren und disziplinierten Truppen als es die Germanen waren. Die Kelten konnten bezwungen werden, obwohl sie viel mit den Germanen in Kampfesweise aber auch Zersplitterung in St&auml;mme gemeinsam hatten. Warum gelang es nicht bei den Germanen? Sicherlich nicht wegen des Gel&auml;ndes wie immer angef&uuml;hrt wurde. Sicherlich, damals gab es in Deutschland viel mehr W&auml;lder als heute, doch die Germanen betrieben auch damals schon Landwirtschaft und auch in Gallien gab es noch gro&szlig;e W&auml;lder. Wirtschaftlich interessant war damals Germanien auch &#8211; wegen der Salz und eisenvorkommen und dem Bernstein an der Ostsee (dem Hauptgrund f&uuml;r die Feldz&uuml;ge zur Ostsee rund um Christus Geburt. Es war wohl die Einsicht, dass anders als bislang geschlagene Gegner es bei den Germanen nicht reicht nur siegreich zu sein. Sie lie&szlig;en sich eben nicht &quot;romanisieren&quot; und eingliedern, auch wenn sie sich im Laufe der Jahrhunderte mit den R&ouml;mern arrangierten und eine Wirtschaftsgemeinschaft bildeten.<\/p>\n<p> Das war eben kein einfacher Eroberungsfeldzug der hier m&ouml;glich. Genauso taten sich die R&ouml;mer schwer gegen die Briten im Norden Englands und die Parthern und sp&auml;ter Persern im Osten. Keiner dieser beiden V&ouml;lker band jedoch solche Kr&auml;fte &uuml;ber Jahrhunderte. Zahlreiche Germanen dienten im r&ouml;mischen Heer als S&ouml;ldner, sie zeichneten sich durch gro&szlig;e Tapferkeit und Loyalit&auml;t aus und stellten schlie&szlig;lich die kaiserliche Leibwache. <\/p>\n<p> Die germanischen Reiche unter denen sich sp&auml;ter das Frankenreich als gr&ouml;&szlig;tes herausbildete traten die Nachfolge des westr&ouml;mischen Reiches an. Sp&auml;ter erwuchs daraus sogar die kulturnachfolge, denn der deutsche Kaiser war der Kaiser des &quot;Heiliges R&ouml;misches Reich deutscher Nation&quot;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So lautete der Titel einer vierteiligen Reihe auf Arte, die im modernen &quot;Edutainment&quot; spiel das Leben der Germanen in 4 Epochen zeigte. Ich m&ouml;chte mich einem Aspekt heute widmen und zwar der Tatsache, dass es dem r&ouml;mischen Reich nicht gelang &quot;Germanien&quot; zu besetzen. 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