{"id":8628,"date":"2013-10-11T00:41:30","date_gmt":"2013-10-10T22:41:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=8628"},"modified":"2013-10-10T09:30:02","modified_gmt":"2013-10-10T07:30:02","slug":"die-falcon-9-bergung-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/10\/11\/die-falcon-9-bergung-teil-2\/","title":{"rendered":"Die Falcon 9 Bergung Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>So, wie versprochen heute der zweite Teil &uuml;ber die Bergung und Wiederverwendung der Falcon 9. Morgen gehts dann weiter mit den SSME (&uuml;ber die es weitaus mehr Informationen als &uuml;ber alle Projekte von SpaceX gibt. Na ja die NASA, Rocketdyne und Boeing haben auch nichts zu verbergen.<\/p>\n<h2>Bergung der zweiten Stufe<\/h2>\n<p>In einem sp&auml;teren Ausbau soll die zweite Stufe auch geborgen werden. Hier ist das Flugprofil ein anderes. Diese Stufe braucht selbst f&uuml;r eine Landung auf dem Land nur wenig Treibstoff. Sie braucht nur so viel um den Orbit abzubremsen und wieder in die Atmosph&auml;re einzutreten. Diesen Eintritt muss sie ohne gr&ouml;&szlig;ere &Uuml;bertragung von Hitze und Druck &uuml;berstehen. Sie landet dann wie die erste Stufe auf Landebeinen nahe des Startortes.<!--more--><\/p>\n<p>Doch es gibt hier andere Probleme. Das erste ist das sich die Erde unter dem Orbit dreht. In Vielfachen von 12 Stunden (der Orbit f&uuml;hrt ja einmal um die Erde herum, das bedeutet er kreuzt z.B. beim Start den 0 und 180 L&auml;ngengrad bei einem Umlauf. Nach 12 Stunden hat sich die Erde um die H&auml;lfte einer 460 Grad Drehung gedreht und der 180 L&auml;ngengrad liegt unter dem Orbit, der raumfest ist) passiert die Stufe den Startort. Das bedeutet dass der Treibstoff &uuml;ber 12 Stunden nicht verdampft, was vor allem beim fl&uuml;chtigen Sauerstoff ein Problem ist. Das macht eine Isolierung der Stufe n&ouml;tig. Elon Musk spricht sogar von 24 Stunden bis zur R&uuml;ckkehr. W&auml;hrend erdnahe Bahnen so beschaffen sind, dass der erdn&auml;chste Punkt so liegt dass man dann abbremsen kann ist dies bei GTO-Bahnen nicht der Fall. Hier betr&auml;gt die Umlaufdauer 10 h 30 Minuten. Nach 21 Stunden sind also zwei Bahnen durchlaufen. Die 3 Stunden Unterschied bedeuten entweder, dass die Abbremsung erst in 19.000 km H&ouml;he erfolgt, was sehr viel Treibstoff kostet oder die Landung 3 Stunden (nach zwei Uml&auml;ufen) bzw. eineinhalb Stunden (bei einem Durchlauf) vor Erreichen des optimalen Zeitpunktes erfolgen muss. Bei einer Neigung von 27 Grad wie sie GTO-Bahnen vom Cape aus haben, entspricht dies einem Landeort 2230 km westlich von Cape Canaveral oder 4460 km westlich. Das sind 22,5 bzw. 45 L&auml;ngengrade. Der erste Ort liegt &uuml;ber Mexiko, s&uuml;dlich von Tucson Arizona, das erreichbar scheint, doch dazu m&uuml;sste die Inklination um 5,5 Grad erh&ouml;ht werden oder die Stufe die F&auml;higkeit haben rund 500 km in der Atmosph&auml;re zu gleiten. Das erste kostet Treibstoff (&uuml;ber 150 m\/s Geschwindigkeits&auml;nderung wenn dies im Apog&auml;um erfolgt), das zweite macht Fl&uuml;gel n&ouml;tig. Der zweite Punkt liegt mitten auf dem Pazifik, etwa zwei Drittel der Distanz zwischen der kalifornischen K&uuml;ste und Hawaii.<\/p>\n<p>In sonnensynchronen Bahnen muss man mehr Abbremsen, als bei geostation&auml;ren und LEO Bahnen, da das Perig&auml;um h&ouml;her liegt. Bei einem niedrigen Perig&auml;um in 200 km H&ouml;he wie bei einer ISS-Transferbahn oder GTO Bahn muss die Geschwindigkeit um 150 m\/s erniedrigt werden, bei einer&nbsp; 200 x 400 km ISS Transferbahn sind es 80 m\/s, bei einer 800 km hohen SSO Bahn aber 700 m\/s.<\/p>\n<p><!--werbungbeginn--> <!--#include virtual=\"nav\/werbung2.html\"--> <!--werbungend--><\/p>\n<p>Dazu kommt der Hitzeschutzschild. Sinnvollerweise wird man nicht die ganze Stufe damit belegen. Videos zeigen, dass nur das der Bug belegt ist, also dort wo der Adapter zum Satelliten ist (der nat&uuml;rlich vorher abgetrennt werden muss. Da der Schwerpunkt bei den Triebwerken liegt wird man die Stufe aber w&auml;hrend des Abstiegs stabilisieren m&uuml;ssen, damit sie sich nicht dreht, was weiteren Treibstoff kostet. Basierend auf dem Hitzeschutzschild von Curiosity, der aus demselben Material PICA (von der NASA entwickelt) besteht und der Eintrittsgeschwindigkeit sollte der Hitzeschutzschild etwa 380 kg Masse addieren, was recht wenig ist, das l&auml;sst es zu auch noch einen Teil hinter dem Heck zu isolieren zu dem auch Plasma gelangen kann. Vermieden muss ein Erhitzen des Sauerstoffs, der schob bei -183\u00b0C siedet und in den gasf&ouml;rmigen Zustand &uuml;bergeht.<\/p>\n<p>Nach der Abbremsung &auml;hnelt die Landung der Erststufe, mit dem kleinen Unterschied, dass das Schub\/Gewichtsverh&auml;ltnis noch ung&uuml;nstiger ist. Das bedeutet der Impuls ist noch st&auml;rker. Selbst bei er einer sehr schweren Oberstufe wird der Schub des Triebwerks mindestens eine Beschleunigung von 50 m\/s ergeben. Man muss also noch mehr als bei der erststufe auf dem Punkt abbremsen. Eine Zehntelsekunde zu sp&auml;t und die Stufe landet mit 18 km\/h zu hoher Geschwindigkeit (entspricht einem Fall aus 1,25 m H&ouml;he), eine Zehntelsekunde zu fr&uuml;h und die Stufe erreicht nur 5 m H&ouml;he und hebt dann wieder ab.<\/p>\n<p>Gem&auml;&szlig; Elon Musk soll die Bergung der zweiten Stufe weitere 10% Nutzlast kosten (40%), das ist allerdings ein Wert ohne Nutzlastangabe. Da die Oberstufe mit in den Orbit gelangt und der Treibstoffbedarf wie oben erl&auml;utert vom Orbit abh&auml;ngig ist. Es ist anzunehmen, dass dies der Wert f&uuml;r einen LEO ist. Das entspricht 1315 kg Zusatzmasse. Bei polaren Orbits d&uuml;rften es schon weitere 1300 kg sein wegen des h&ouml;heren Treibstoffverbrauchs. Gelichzeitig sinkt die Nutzlast f&uuml;r polare Orbits ab und d&uuml;rfte bei der nicht wiederverwendbaren Version nur noch 9000 kg betragen. Das bedeutet sie sinkt hier um insgesamt 2600 kg oder 19% ab. Bei GTO Bahnen braucht man nur wenig mehr Treibstoff, etwa 150 kg. Doch da hier die &#8222;normale&#8220; Nutzlast nur 4850 kg betr&auml;gt w&auml;re hier eine Einbu&szlig;e von 1450 kg schon 30% weniger Nutzlast. Entscheidender ist, dass es kaum noch so leichte Satelliten (3,4 t) mehr gibt. Daher d&uuml;rfte die Option der Bergung der Zweitstufe eher sinn bei der Falcon Heavy machen.<\/p>\n<p>Da irhe Kosten nur weniger als 25% der Rakete betragen, zum Nutzlastverlust auch Kosten f&uuml;r den Hitzeschutzschild, Bergung und Inspektion \/ Erneuerung von Teilen kommen, ist der wirtschaftliche Nutzen eher zweifelhaft.<\/p>\n<h2>Grasshopper<\/h2>\n<p>Grasshopper wird in zwei Stufen die Bergung erproben. In der derzeitigen Form (Grasshopper 1.0) verwendet er nicht mal das Merkin 1D Triebwerk und die verl&auml;ngerte Stufe. Hier ist die Treibstoffzuladung so gew&auml;hlt, dass bei Schubreduktion ein Schub\/Gewichtsverh&auml;ltnis von 1 unterschreitet. Das ist bei der Stufe nicht so, dort wird es immer gr&ouml;&szlig;er als 1 sein. Damit &auml;hnelt die Landung von Grasshopper 1.0 nicht sehr der sp&auml;teren Landung.<\/p>\n<p>Das senkrechte Aufsteigen und Schweben ist zwar sch&ouml;n anzusehen und spektakul&auml;r, aber technisch sehr einfach zu realisieren. F&uuml;r eine weiche Landung braucht man nur Daten &uuml;ber H&ouml;he und Geschwindigkeit. Wenn man aus der Luft kommt k&ouml;nnen diese Daten Radar und Beschleunigungsmesser liefern. Eine moderne Variante w&auml;re GPS, das Geschwindigkeits und H&ouml;hendaten liefert. Wenn man wie Grasshopper vom Boden startet braucht man nur Beschleunigungsmesser, da man &uuml;ber die Integration der Beschleunigung die H&ouml;he ermitteln kann.&nbsp; Das sinken mit einer konstanten Geschwindigkeit erfolgt nun so, dass man den Schub einfach so &uuml;ber eine Feedbacksteuerung steuert, dass die Beschleunigung auf einen festgelegten konstanten Wert abnimmt. Das Schweben das die Beschleunigung 0 betr&auml;gt. Dazu braucht man keine ausgekl&uuml;gelte Tehnik, dieses Prinzip setzten schon die Surveyor Mondsonden, die beiden Viking Lander, Phoenix und Curiosity ein. Die Surveyors starteten 1967 und bewerkstelligten das mit einfachen analoigen Feedbacksystemen.<\/p>\n<p>Grasshoper 1.1 soll dann die derzeitige Erststufe einsetzen und vom SpacePort in USA der Mohave W&uuml;ste starten. Erst er wird realit&auml;tsnah die Man&ouml;ver erproben und dazu auch bis in 90 km H&ouml;he aufsteigen. Dazu geh&ouml;rt auch dass er nicht senkrecht aufsteigt und landet sondern auch die Neigung und vertikale Bewegung erprobt. Eine der Herausforderungen ist auch, dass die Steuerung viel feiner sein muss. Die Falcon 9 Erststufe wird bei der nicht wiederverwendbaren Version zum Brennschluss noch etwa 130 t Masse beschleunigen, bei der Landung sind es weniger als 40 t, alle Steuerbewegungen wirken sich also dreimal st&auml;rker aus und beim Flug ist keine Punktlandung gefrpdert und der Schwerpunkt liegt h&ouml;her, da immer eine vollbetankte Oberstufe auf der Erststufe sitzt. Er wird wenn er Erfolg hat gr&ouml;&szlig;ere Teile des Konzepts unter realen Bedingungen erproben.<\/p>\n<h2>Res&uuml;mee<\/h2>\n<p>Zusammenfassend kann man sagen, dass die Wasserung technisch umsetzbar w&auml;re, im Detail h&auml;ngt das nat&uuml;rlich von dem Aufbau der Stufe, den anliegenden Kr&auml;ften und den Belastungsgrenzen ab. Die Frage ist nur, ob es sich finanziell lohnt. Nach Musks Angaben korrespondiert dies mit einer Kostenreduktion von 25%. Zieht man die 15% Nutzlasteinbu&szlig;e ab, so sind es 10% &#8211; aber nur im Mittel. Denn 15% weniger Nutzlast senkt die GTO Nutzlast auf 4,1 t ab, was den Kreis der Nutzlasten noch weiter einschr&auml;nkt. Wenn sich die Angabe auf LEO bezieht, so w&auml;ren es im GTO sogar nur 3,8 t. Man wird also darauf verzichten, wenn die Nutzlast zu schwer ist, was in vielen F&auml;llen der Fall sein d&uuml;rfte. Selbst wenn nicht. so ist nicht gesagt, dass sie klappt. Wenn sie klappt, hat man dann 10% der Kosten der Rakete zur&uuml;ckgewonnen, wenn der Kunde vom Preisnachlas partizipiert, sonst 25%.<\/p>\n<p>Ob die Landung am Land m&ouml;glich ist, ist unwahrscheinlicher. Der Aufwand ist h&ouml;her, das Risiko gr&ouml;&szlig;er und nach dem was die Stufe bei der Abtrennung bei 30% Nutzlasteinbu&szlig;e wiegen darf erscheinen die Treibstoffvorr&auml;te zu klein. Es gibt auch keinen Spielraum f&uuml;r Abweichungen vom Landeplatz, der bei der Wasserung unkritisch ist. Landeellipsen f&uuml;r die Shuttle SRB waren 9,63 x 14,44 km gro&szlig;. In diesem Gebiet gingen sie mit 99% Wahrscheinlichkeit nieder. Das bedeutet, das System muss f&auml;hig sein mit einer starken Abweichung von der Sollposition zurechtzukommen und trotzdem eine kleine Landeplattform nach einem Flug von &uuml;ber 1000 km zu treffen.<\/p>\n<p>Wie immer bei SpaceX ist dies mangels genauer Daten reine Spekulation. Daran hat sich leider nicht viel ge&auml;ndert. So habe ich gestern versucht aus den Zeichnungen auf der Website die Abmessungen der Stufen zu rekonstruieren und komme auf unterschiedliche L&auml;ngen bei Falcon 9 und <a href=\"\/falcon-heavy.shtml\">Falcon Heavy<\/a>. Die Trockenmassen sind nach wie vor unbekannt und nat&uuml;rlich auch wie das ganze ablaufen soll.<\/p>\n<p>Links:<\/p>\n<p><a href=\"\/http:\/\/shitelonsays.com\/transcript\/spacex-press-conference-september-29-2013-2013-09-29\">http:\/\/shitelonsays.com\/transcript\/spacex-press-conference-september-29-2013-2013-09-29<\/a><br \/>\n<a href=\"\/http:\/\/www.popularmechanics.com\/science\/space\/rockets\/elon-musk-on-spacexs-reusable-rocket-plans-6653023\"> http:\/\/www.popularmechanics.com\/science\/space\/rockets\/elon-musk-on-spacexs-reusable-rocket-plans-6653023<\/a><\/p>\n<p><a href=\"\/http:\/\/www.spacex.com\/\">SpaceX<\/a><\/p>\n<p><!--VG WORT Beginn--> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/fb4f5ae6e900456eb10f8d02f3c3cd86\" width=\"1\" height=\"1\" \/> <!--CRC: 4e9661b6ba6e4c71aece99b106f99262; --> <!--VG WORT Ende--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, wie versprochen heute der zweite Teil &uuml;ber die Bergung und Wiederverwendung der Falcon 9. 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