{"id":8636,"date":"2013-10-12T00:02:44","date_gmt":"2013-10-11T22:02:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=8636"},"modified":"2013-10-11T22:39:54","modified_gmt":"2013-10-11T20:39:54","slug":"die-space-shuttle-triebwerke-die-weiterentwicklung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/10\/12\/die-space-shuttle-triebwerke-die-weiterentwicklung\/","title":{"rendered":"Die Space Shuttle Triebwerke &#8211; die Weiterentwicklung"},"content":{"rendered":"<p>So weiter geht es in der Entwicklungsgeschichte der Space Shuttle Haupttriebwerke. Morgen zum ausruhen nur ein kleines R&auml;tsel und eine Tabelle, &uuml;ber die ihr ja mal nachdenken und diskutieren k&ouml;nnt.<!--more--><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" alt=\"Entwicklungsgeschichte 1\" src=\"\/img\/ssme-entwicklungsgeschichte1.jpg\" width=\"1000\" height=\"563\" align=\"right\" \/><\/p>\n<p>Die ersten Triebwerke waren f&uuml;r 100% Leistung zertifiziert. (470.000 Pfund Schub im Vakuum). Sie waren die FMOF Triebwerke (First Manned Orbital Flight). Sie entsprachen den Sicherheitsanforderungen, aber die Lebensdauer war deutlich geringer als urspr&uuml;nglich geplant. Die FMOF Triebwerke wurden nur in der Columbia eingesetzt und nach nur 6 Missionen ersetzt. Diese erste Generation hatte eine Lebensdauer von 14000 s bei vollem Schub. Abz&uuml;glich des Testprogramms reichte dies noch f&uuml;r 21 Fl&uuml;ge. Die NASA stufe aber die Einsatzdauer auf 10 Fl&uuml;ge ein. Die NASA beschloss ein Programm in drei Phasen, um Zuverl&auml;ssigkeit, Robustheit und Leistung zu steigern und die Wartungsintervalle zu reduzieren:<\/p>\n<ul>\n<li>Phase I: Reduzierung des Wartungsaufwandes<\/li>\n<li>Phase II: Erreichung des 109%-Schublevels und h&ouml;here Zuverl&auml;ssigkeit<\/li>\n<li>Phase III: Verbesserung der Sicherheit der Triebwerke<\/li>\n<\/ul>\n<p>W&auml;hrend die Testfl&uuml;ge erfolgten lief die erste Phase der Weiterentwicklungen genannt Phase I oder &#8222;Full level Power&#8220;. Ziel war es das 109% Schublevel zu erreichen. W&auml;hrend der Entwicklung war die Nutzlast des Orbiters bedingt durch Gewichtssteigerungen aber auch andere Faktoren von 65.000 auf 20.000 Pfund gesunken. Damit er &uuml;berhaupt die anstehenden Missionen durchf&uuml;hren konnte musste man sie schnellstm&ouml;glich anheben. Die Triebwerke sollten neben einem leichteren Tank (+4600 kg) und verbesserten Boostern (+1400 kg) die Nutzlast steigern. Jedes Prozent mehr Leistung steigerte die Nutzlast um etwa 500-700 kg. Die Challenger bekam die ersten Phase I Triebwerke. Es gab nicht weniger als 147 &Auml;nderungen an den Triebwerken. Betroffen waren vor allem die vier Turbopumpen, der Einspritzkopf und obere Teil der Brennkammer.<\/p>\n<p><!--werbungbeginn--> <!--#include virtual=\"nav\/werbung2.html\"--> <!--werbungend--><\/p>\n<p>Die ersten Tests das 109% Schublevel zu erreichen fingen schon im Sommer 1979 an. Die 9% mehr Schub klingen nach nur wenig mehr. Sie w&uuml;rden die Gravitationsverluste senken, weil der Orbiter nun schneller einen Orbit erreicht. Absolut gesehen steigerten sie den Startschub kaum, da die beiden Booster etwa f&uuml;nfmal mehr Schub als die SSME liefern. Die 9% mehr Schub bedeuteten aber eine viel h&ouml;here Belastung der Turbopumpen. Die Wasserstoffturbopumpe musste in der Leistung von 61.409 auf 74.928 PS gesteigert werden &#8211; das waren 20% mehr und nicht nur 9%. der Grund: Sie musste nicht nur mehr Treibstoff f&ouml;rdern sondern den auch noch gegen einen gestiegenen Brennkammerdruck &#8211; die Leistung stieg quadratisch zum Schub an. So war es nicht verwunderlich, dass sich zuerst Probleme bei den Turbopumpen zeigten. Bekannte alte Ph&auml;nomene wie die Risse in den Turbinenbl&auml;ttern, subsynchone Wirbel und eine erh&ouml;hte Kugellagerreibung an der Sauerstoffhochdruckpumpe traten bei Erh&ouml;hung des Schubs auf 109% wieder auf.<\/p>\n<p>Da es Risse schon w&auml;hrend des Erprobungsprogrammes gegeben hatte und man diese nicht l&ouml;ste, sondern einfach die Bl&auml;tter nach 15 Eins&auml;tzen ausbaute, war dies problematisch. Es wurde beschlossen, diese Probleme bei der n&auml;chsten Generation anzugehen, und die Leistung auf 104% zu begrenzen, da die Triebwerke f&uuml;r den n&auml;chsten Orbiter, die Challenger, die schon 1983 ihren Jungfernflug hatte zur Verf&uuml;gung stehen mussten. 104,5% Schub war das h&ouml;chste Level, bei dem keine Probleme bei Tests auftreten. Diese Triebwerke wurden dann in alle folgenden Orbiter eingebaut. Die Columbia erhielt sie nach einer General&uuml;berholung bei Rockwelt. Die Phase I Triebwerke wurden von den F&auml;hren von 1982 bis zum Verlust der Challenger eingesetzt. Sie hatten Tests &uuml;ber 62.000 Sekunden vor dem ersten Einsatz absolviert, Davon entfielen 52 Starts mit 20.710 s auf die Rezertifikation mit 104% Schub.<\/p>\n<h3>Phase II<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" alt=\"Abbr&uuml;che\" src=\"\/img\/ssme-engine-statistik-fehler.jpg\" width=\"800\" height=\"253\" align=\"left\" \/>Nach der Challenger Explosion wurde die Phase III gestrichen und von Phase II das 109% Schubziel. Die gesamten Triebwerke, vor allem aber die Sicherheitsanforderungen wurden wie jedes andere Shuttlesystem durchleuchtet und das neue Dokument mit den Anforderungen war zehnmal umfangreicher als bisher. Die Leistung stand nun nicht mehr im Vordergrund. 18 &Auml;nderungen musste man nach dem neuen Sicherheitskonzept umsetzen. Bei der &Uuml;berpr&uuml;fung der Sicherheitsspielr&auml;ume identifizierte man 50 weitere Dinge die ge&auml;ndert werden mussten. Die Performancesteigerung die noch ein Hauptziel bei Phase I war, spielte nun keine Rolle mehr. In der Folge nahmen die Leistungsparameter sogar noch ab.<\/p>\n<p>Seitdem werden die Triebwerke bei 104% betrieben, maximal 107% sind in Notsituationen oder extrem schweren Nutzlasten zul&auml;ssig. Die ersten Phase II Triebwerke wurden bei Wiederaufnahme der Fl&uuml;ge bei STS-26 eingesetzt. Die Phase II Triebwerke hatten &Auml;nderungen am Einspritzkopf und den Verbindungen. Die Turbinenbl&auml;tter die bisher immer wieder Risse aufwiesen und im fr&uuml;hen Testprogramm auch brachen, wurden erheblich belastbarer. In der Elektronik gab es die entscheidendste &Auml;nderung: Das Triebwerk erhielt einen neuen Triebwerkscontroller. Er setzte den Motorola MC68000 Prozessor ein und hatte erheblich mehr Speicher.<\/p>\n<p>Die Tests f&uuml;r Phase II (auch Return To Flight) umfassten 234 Starts mit 90.241 s. Phase II Triebwerke absolvierten die meisten Fl&uuml;ge. Das Programm lief von 1983 bis 1995. 231 Triebwerkseins&auml;tze gab es (entsprechend 77 Fl&uuml;gen). Neu war auch dass nun nach jedem Flug die Triebwerke demontiert und vor dem neuen Start wieder eingebaut wurden. Das hatte zwei Gr&uuml;nde zum einen gab es vorher Konflikte mit anderen Arbeiten im Heck des Orbiters, die nun wegfielen. Zum zweiten kam man nun an die einzelnen Komponenten leichter heran.<\/p>\n<h3>Block I<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" alt=\"Upgrades\" src=\"\/img\/ssme-entwicklungsgeschichte2.jpg\" width=\"1000\" height=\"558\" align=\"right\" \/>Was blieben, waren die Lagerprobleme der HPTOP und die Turbopumpen waren durch ihr leichtgewichtiges Geh&auml;use anf&auml;llig f&uuml;r eine totale Zerst&ouml;rung wenn ein Fehler auftrat. Dies sollte in der n&auml;chsten Generation angegangen werden. Nun galt das Hauptaugenmerk nicht der Leistung, (man nahm sogar einen Verlust in Kauf), sondern der Sicherheit und Zuverl&auml;ssigkeit und den Wartungskosten. Man konzentrierte sich auf die Komponenten, die vorher die meisten Probleme gemacht hatten: Turbopumpen, Einspritzverteiler, Brennkammer. In zwei Bl&ouml;cken (genannt Block I und Block II) sollte Rocketdyne diese Verbesserungen umsetzen. Die Wahrscheinlichkeit eines triebwerksbedingten Totalverlusts sollte von 1\/404 (Ausgangslage) &uuml;ber 1\/608 (Block I) auf 1\/1283 (Block II) sinken. Bei allen &Auml;nderungen stand die Reduktion der Teile, vor allem Schwei&szlig;verbindungen im Vordergrund. Das Gewicht der Triebwerke stieg dagegen an.<\/p>\n<p>Bei den \u201ePhase II Block I\u201c Triebwerken wurden eine neue LOX Turbopumpe eingef&uuml;hrt die zum einen viel weniger Schwei&szlig;verbindungen hatte (7 anstatt 300) und zum anderen einen Einspritzkopf der den Spitzendruck und Stress reduzierte. Er hatte 52 Teile weniger und es wurden 74 Schwei&szlig;n&auml;hte eliminiert. Er war um 40% preiswerter in der Fertigung. Die neue HPOTP war nun schwerer, aber weitgehend gegossen anstatt geschwei&szlig;t. Sie wurde v&ouml;llig neu entwickelt. Sie enthielt auch Siliziumcarbidlager die weniger Reibung und mehr H&auml;rte hatten.<\/p>\n<p>Die Berfestigung des W&auml;rmeaustauschers ersetzte sieben Schwei&szlig;verbindungen und erlaubte einfacheren Austausch und Wartung. Neue Lager bestanden nun aus Siliziumcarbid (30% h&auml;rter und 40% leichter als die vorherigen Stahlkugellager). Neue Hei&szlig;gassensoren wurden eingef&uuml;hrt. Sie waren vorher die Quelle zahlreicher Abbr&uuml;che. Es gab f&uuml;nf nach Z&uuml;ndung der Triebwerke und einen im Flug die alle auf fehlerhafte Sensorwerte zur&uuml;ckzuf&uuml;hren waren. Diese fielen nun weg. Blenden im Injektor wurden entfernt. Sie dienten der Reduktion von Verbrennungsinstabilit&auml;ten. &#8222;bomb Tests&#8220;, bei denen man mit Sprengs&auml;tzen eine Instabilit&auml;t erzeugte zeigten aber, dass man ohne sie auskam.<\/p>\n<p>Der erster Einsatz von Block I fand mit STS-70 (1995) statt.<\/p>\n<h3>Block II<\/h3>\n<p>Block II umfasste eine neue Hochdruck Wasserstoffpumpe und eine neue Brennkammer. Da es bei Ersteren zu Entwicklungsverz&ouml;gerungen kam, schob man als Zwischenl&ouml;sung Block IIA ein. Block IIA Triebwerke haben schon die neue Brennkammer mit 500 weniger Schwei&szlig;n&auml;hten als die alte. Die neue Brennkammer hatte einen um 12% vergr&ouml;&szlig;erten D&uuml;senhals. Er reduzierte den Thermischen Stress und den Druck und erh&ouml;hte die Lebensdauer zahlreicher Komponenten. Daf&uuml;r sank das Expansionsverh&auml;ltnis von 77,5 auf 69 und auch der spezifische Impuls um 10 m\/s. Alleine f&uuml;r Block II akkumulierte die Tests der Hochdruck LH2-Turbopumpe 150.843 Testsekunden. Die ersten Eins&auml;tze von Block IIA war 1998 mit STS-89, der letzte STS-109 im M&auml;rz 2002. 49 Triebwerkseins&auml;tze gab es. Das Testprogramm umfasste mehr als 100.000 s.<\/p>\n<p>Bock II f&uuml;hrte dann die neue Wasserstoffturbopumpe ein. Man &uuml;bernahm die Dinge die man bei der Sauerstoffhochdruckpumpe schon erfolgreich umgesetzt hatte. Auch sie wies nun 387 weniger Schwei&szlig;n&auml;he auf. Das reduzierte den Aufwand f&uuml;r die Wartung um 57%. Ihr erster Einsatz war 2001 mit STS-104. Bei STS-110 waren zum ersten Mal alle drei Triebwerke vom Block II. Diese Triebwerke hatten ein &Uuml;berholungsintervall von 10 Fl&uuml;gen. Das Testprogramm umfasste 150.843 s. Ein Teil der Block I Triebwerke wurde zu Block II\/IIA Triebwerken umgebaut. Das Gewicht der Triebwerk stieg dagegen von 3401 auf 3514 kg an.<\/p>\n<h3>AHMS<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" alt=\"Kosten\" src=\"\/img\/shuttle-entwicklungsgeschichte3.jpg\" width=\"800\" height=\"508\" align=\"right\" \/>Eine weitere Verbesserung zum Zeitpunkt des Verlusts der Columbia war ein Upgrade der Triebwerkskontroller. Leistungsf&auml;hige Signalverarbeitungsprozessoren sollten die bisherigen Mikroprozessoren ersetzen. Dies lief unter der Bezeichnung <b>A<\/b>dvanced <b>H<\/b>ealth <b>M<\/b>anagement <b>S<\/b>ystem (AHMS). Man erhoffte sich dadurch eine betr&auml;chtliche Erh&ouml;hung der Sicherheit. Die Prozessoren sollten f&auml;hig sein, abnorme Werte von normalen Schwankungen zu erkennen und rechtzeitig die Triebwerke abzuschalten, bevor es zu einer Katastrophe kommt. Das Risiko f&uuml;r die Besatzung sollte so noch weiter sinken. Der Triebwerkscontroller war schon bei der ersten Generation ein wichtiger Bestandteil des Triebwerks. Bedingt durch den Betrieb mit hohem Brennkammerdruck und damit sehr hohen Anforderungen auch an die Turbopumpe, verbunden mit einem relativ niedrigen Gewicht gab es nur geringe strukturelle Reserven. Die &Uuml;berwachung des Triebwerks und das Abschalten schon beim Verdacht auf abweichende Werte war daher ein wichtiger Bestandteil des Sicherheitskonzepts. Das einzige Abschalten eines Triebwerks beim Einsatz beruhte aber auf dem Ausfall der Sensoren, welche die Temperatur in den Turbopumpen messen sollten.<\/p>\n<p>Das AHMS war erheblich leistungsf&auml;higer als die alten Triebwerkscontroller. STS-1 flog mit einem 16 Bit Minicomputer mit dem technischen Stand von 1969, 1988 wurde der Block II Shuttle Mainengine Controller eingef&uuml;hrt der auf einer Motorola MC68000 CPU basierte. Diese Rechner konnten Abweichungen von Vorgabegrenzen feststellen, sogenannte &#8222;Red Lines&#8220;. Was sie nicht konnten, weil ihre Rechenleistung und Speicher nicht ausreichte, war es Werte &uuml;ber l&auml;ngere Zeit zu beobachten. Die Auswertung zahlreicher Bodentests zeigten, dass viele Fehlfunktionen schon eine Sekunde oder noch fr&uuml;her erkennbar waren. Um sie zu erkennen mussten die Prozessoren aber nicht einfach den aktuellen Wert gegen eine Referenz vergleichen, sondern sie mussten f&auml;hig sein den zeitlichen Verlauf der letzten Sekunden zu analysieren und ein verd&auml;chtiges Muster erkennen. Das konnte das AHMS. Ein weiterer Pluspunkt war, das bedingt durch die hohen Belastungen Probleme nur bei dem h&ouml;chsten Schub auftraten. Das zeugte sich schon bei den Phase 1 Triebwerken, die problemlos bei 104,5% liefen, aber bei denen sich Probleme h&auml;uften wenn man auf 109% Schub ging. Die Taktik des AHMS war es daher zuerst nicht das Triebwerk abzuschalten sondern im Schub auf 85% zu drosseln. Danach w&auml;re man auf das 67% Level gegangen und erst dann h&auml;tte man abgeschaltet. Die Folge war eine viel h&ouml;here Sicherheit eine Zielbahn zu erreichen, da nun ein Fehler nicht zum Abschalten, sondern nur zu einem reduzierten Schub f&uuml;hrt, der je nach Nutzlast durch eine l&auml;ngere Betriebszeit aufgefangen werden kann. Durch die Columbia Katastrophe wurde dieses Upgrade zeitlich verz&ouml;gert. Das AHMS wurde erstmals 2006 eingesetzt. (STS-116, dort nur im Beobachtermodus).<\/p>\n<h3>Block III<\/h3>\n<p>Als Anfang des Jahrtausends sie ISS aufgebaut wurde, und es klar war, dass man diese &uuml;ber ihre Betriebsdauer versorgen musste und Besatzungen auswechseln, beschloss die NASA die Shuttles bis 2020 zu betreiben. Dadurch waren umfangreiche Upgrades geplant. So sollten die SRB um ein Segment verl&auml;ngert werden um die Nutzlast zu steigern. Auch die Triebwerke sollten weiter verbessert werden.<\/p>\n<p>Nach dem Verlust der Columbia erfolgte 2006 der Beschluss die Shuttles auszumustern (damals f&uuml;r 2009\/10 geplant). Es wurde als folge auch die Entwicklung eines verbesserten Shuttle Triebwerks (Block III) mit einem Ausfallrisiko von unter 1 zu 3.000 eingestellt. Auch Block III w&auml;re vor allem zuverl&auml;ssiger gewesen. Es gab eine neue D&uuml;se. Sie war das einzige System das bisher nicht ver&auml;ndert wurde. Die neue D&uuml;se sollte schneller zu produzieren sein (24 anstatt 36 Monate). Die alte D&uuml;se kostet alleine in der Fertigung 7 Millionen Dollar und wurde nach 12 bis 15 Missionen ausgewechselt. Die K&uuml;hlung w&uuml;rde &uuml;berarbeitet werden und zwei Wege gehen anstatt einen, wodurch vor allem der thermische Stress sinkt. Der spezifische Impuls dagegen um 5 m\/s steigen. Eine neue Brennkammer sollte 50% sicherer sein und man &uuml;berlegte erneut, den D&uuml;sendurchmesser zu erh&ouml;hen. Der geringere Brennkammerdruck h&auml;tte die Anforderungen f&uuml;r die Turbopumpen gesenkt, die als das anf&auml;lligste System galten. Das h&auml;tte das Expansionsverh&auml;ltnis auf 57 gesenkt. Der spezifische Impuls w&uuml;rde erneut um 5 bis 15 m\/s sinken. Die D&uuml;se beruht auf einem russischen Entwurf f&uuml;r das RD-0120 und es war geplant um Entwicklungskosten zu sparen sie in Russland &uuml;ber Aerojet als Subkontraktor fertigen zu lassen. Die neue D&uuml;se sollte weniger als 4 Millionen Dollar kosten.<\/p>\n<p>Es gab auch Ideen, die SSME durch ein neues Triebwerk f&uuml;r die n&auml;chsten 20 Jahre zu ersetzen. Es sollte mehr Schub, aber einen geringeren spezifischen Impuls und damit geringere Anforderungen an alle Subsysteme aufweisen. Eine Vorentwicklung, das RS-83 mit 3370 kN Schub wurde von Rocketdyne untersucht.<\/p>\n<p>Die Weiterentwicklung des SSME hat zwar einige Betriebsparameter verschlechtert, so spezifischer Impuls oder das Gewicht, doch die Sicherheit betr&auml;chtlich erh&ouml;ht und was ebenso wichtig ist: Die Zahl der Arbeitsstunden f&uuml;r die &Uuml;berholung der Triebwerke wurde um 57% gesenkt. Die SSME blieben aber wie die Abbildung zeigt, der arbeitsintensivste Teil des Orbiters bei der &Uuml;berholung. Trotzdem waren die neuen Triebwerke ein wichtiger Beitrag zur Reduktion der Fixkosten des Space Shuttleprogrammes.<\/p>\n<h3>Zusammenfassung<\/h3>\n<p>Die SSME sind die zuverl&auml;ssigsten Triebwerke im Einsatz mit einer bewiesenen Flugzuverl&auml;ssigkeit von 99,85%. Nimmt man noch die Bodentests dazu, so kommt man auf eine Zuverl&auml;ssigkeit von 0,9996. Diese Zahl ber&uuml;cksichtigt aber nicht Abschaltungen bei Tests. Es sind insgesamt 3171 Z&uuml;ndungen erfolgt. Die kumulierte Betriebszeit betr&auml;gt 1.095.677 s, entsprechend 702 Missionen. Anders ausgedr&uuml;ckt: die Eins&auml;tze machten weniger als 20% der Gesamtbetriebszeit aus. Alleine das Testprogramm f&uuml;r die n&auml;chste Block III Generation umfasste weitere 60.000 s, entsprechend rund 39 Missionen. Die Tests wurden 2009 eingestellt und der Teststand f&uuml;r Tests des J-2X umgebaut.<\/p>\n<p>Die Zahl der Triebwerke ist schwer zu ermitteln. Nach einem Rocketdyne Chart sind es 46 Flugexemplare. Maximal 19 Eins&auml;tze gab es bei einem Triebwerk. Die letzten Exemplare waren f&uuml;r 20 Eins&auml;tze qualifiziert. Das 55-Missionen Entwurfsziel wurde also nicht erreicht. 16 Triebwerke waren zuletzt aktiv. Die durchschnittliche Flugzahl betr&auml;gt bei 46 Triebwerken 8,8 Eins&auml;tze pro Triebwerk, also nur ein Sechstel der spezifizierten Lebensdauer. Einzelne Subsysteme haben eine noch geringere Lebensdauer. Die Wasserstoffturbopumpe hatte 1993 eine Lebensdauer von 16 Eins&auml;tzen entsprechend 8400 s Betriebszeit. Sie wurde aber nach sieben Eins&auml;tzen ausgewechselt.Die letzten Triebwerke waren die zuverl&auml;ssigsten. Die HPFTP hatte eine Lebensdauer von 26 Eins&auml;tzen, die HPOTP eine von 56 Eins&auml;tzen, die anderen Komponenten &uuml;bertrafen alle das Designziel von 55 Eins&auml;tzen. Controller, Einspritzkopf, Ventile und Pneumatik sogar eine von &uuml;ber 100 Eins&auml;tzen.<\/p>\n<p>Dazu kommt noch eine unbekannte Zahl von Triebwerken f&uuml;r die Entwicklung und Zertifizierung.<\/p>\n<table class=\"auto-style2\" style=\"width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<th>Ort<\/th>\n<th>Tests<\/th>\n<th>Testdauer in Sekunden<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>A1 Teststand in Santa Susa Coca<\/td>\n<td>1007<\/td>\n<td>344.458 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>A2 Teststand in Santa Susa Coca<\/td>\n<td>920<\/td>\n<td>301.495 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>B1 Teststand in Santa Susa Coca<\/td>\n<td>363<\/td>\n<td>165.279 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Main Propulsion Test Article<\/td>\n<td>18 Tests mit je 3 Triebwerken = 54 Tests<\/td>\n<td>10.804 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>A23Teststand in Santa Susa Coca<\/td>\n<td>320<\/td>\n<td>57.742 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Technology Test Bed im MSFC<\/td>\n<td>66<\/td>\n<td>7.979 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Flight Redindess firings von Orbitern im KSC<\/td>\n<td>7 Tests mit je 3 Triebwerken = 21 Tests<\/td>\n<td>449 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>On Pad Aborts im KSC<\/td>\n<td>5 Abbr&uuml;che mit je 3 Triebwerken = 15 Tests<\/td>\n<td>45 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Space Shuttle Starts<\/td>\n<td>135 Starts mit je 3 Triebwerken = 405 Tests<\/td>\n<td>207.466 s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>Gesamt<\/strong><\/td>\n<td><strong>3.171 Z&uuml;ndungen<\/strong><\/td>\n<td><strong>1.095.677 s<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gesamt<\/td>\n<td>61 Triebwerke Entwicklung + 46 Flugtriebwerke<\/td>\n<td>10.240 s durchschnittliche Betriebszeit pro Triebwerk (rund 20 Missionen)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h3>Quellen:<\/h3>\n<p>Quellen: NASA-TP-1932 19820003911: Space Shuttle Main Engine Controller<\/p>\n<p>Space Shuttle Main Engine &#8211; The Relentless Pursuit of Improvement<\/p>\n<p>Space Shuttle Main Engine &#8211; Thirty Years Of Innovation<\/p>\n<p>NASA N91-28270: SPACE SHUTTLE MAIN ENGINE CERTIFICATION FOR MANNED SPACE FLIGHT<\/p>\n<p>SHUTTLE PROPULSION OVERVIEW \u2013 THE DESIGN CHALLENGES<\/p>\n<p>Space Shuttle Technical Conference Part 2<\/p>\n<p>Space shuttle Main Engine: Certification for Manned Space Flight<\/p>\n<p>R.A. Heppenheimer: The development of the Space Shuttle 1972 bis 1981<\/p>\n<p>Boeing: Space Shuttle Main Engine Orientation<\/p>\n<p><!--artikel--> <!--VG WORT Beginn--> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/53c2bd04c67b4a148a4f6b56dd9f812a\" width=\"1\" height=\"1\" \/> <!--CRC: 1b10083be0ca43468e1d7288613f2dd4; --> <!--VG WORT Ende--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So weiter geht es in der Entwicklungsgeschichte der Space Shuttle Haupttriebwerke. 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September 2025","format":false,"excerpt":"Der heutige Blog ist nicht neu, das, was ich schreibe habe ich schon einige Male geschrieben, aber ebenso wie ich zum wiederholten Male Artikel \u00fcber den Fortschritt oder fehlenden Fortschritt in anderen Webseiten lese, denke ich kann man einiges noch mal aufkochen. Ich will das als eine Folge von fiktiven\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/b2e94ef07fec4d7190886846bcbb4589","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18439,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/10\/14\/nachlese-elfter-teststart-des-starships-ift-11\/","url_meta":{"origin":8636,"position":5},"title":"Nachlese elfter Teststart des Starships IFT-11","author":"Bernd Leitenberger","date":"14. Oktober 2025","format":false,"excerpt":"Die Nachlese zum gestrigen Starship-Start kann ich recht kurz machen, denn diesmal klappte noch mehr als beim letzten Mal. Dauerhaft, zusammen mit dem Artikel f\u00fcr den Flugplan und Abbildungen findet ihr das ganze auch auf der Website. 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