{"id":865,"date":"2007-07-29T14:03:58","date_gmt":"2007-07-29T12:03:58","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=865"},"modified":"2009-05-29T14:04:27","modified_gmt":"2009-05-29T12:04:27","slug":"risikobewertungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/07\/29\/risikobewertungen\/","title":{"rendered":"Risikobewertungen"},"content":{"rendered":"\n<p> Der letzte Eintrag in meinem G&auml;stebuch veranlasst mich mal meinen geplanten Blog Eintrag &uuml;ber Vitamin-A zu verschieben und heute mal etwas &uuml;ber Risiken zu sagen. Zum einen finde ich es nat&uuml;rlich sch&ouml;n wenn nicht nur ich meine Zweifel an der Aussgae &uuml;ber die Strahlenbelastung durch Urankernmunition habe, zum anderen ist mir nat&uuml;rlich nicht entgangen, dass Kernkraftwerke die Kohlendioxidbelastung senken und es noch erheblich schwerer sein wird diese zu senken wenn man sie vom Netz nimmt. W&auml;re dem nicht so, so h&auml;tten sie auch nicht so lange Restlaufzwiten zugebilligt bekommen.<\/p>\n<p> Das ganze ist schlicht und einfach eine Abw&auml;gung von Vorteilen und Nachteilen, in diesem Falle eben auch von Risiken. Meine pers&ouml;nliche Meinung die ich satirisch &uuml;berspitzt (es nimmt doch wirklich nicht jemand wirklich den Vorschlag Helgoland in eine Kernkraftwerksinsel zu verwandeln ernst?) formuliert habe ist: Ich halte angesichts der Folgen eines GAU bei der dicht besiedelten Bundesrepublik und den Erfahrungen bei Tschernobyl f&uuml;r sehr hoch: Hoch an kosten, weil ganze Landstriche unbewohnbar werden, hoch an einer m&ouml;glichen gesundheitlichen Sch&auml;digung tausender. Die Chance daf&uuml;r liegt nach offiziellen Angaben bei 1\/60 in den n&auml;chsten 40 Jahren, dass ein Kraftwerk einen solchen GAU hat.<\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p> Andere m&ouml;gen dasselbe Risiko erheblich weniger bedrohlich sehen, zumal ja keines der Kernkraftwerke ja solange arbeiten wird und niemand &uuml;ber den Neubau redet. Da sind wir schon bei Risiken und ihren Bewertungen. Statistiker teilen Risiken in 3 Gruppen ein: Risiken mit den man t&auml;glich rechnet und gegen die man sich vorsieht. Das ist praktisch alles was uns im t&auml;glichen Leben passieren kann. Man kann von einer Leiter st&uuml;rzen und vergewissert sich (hoffentlich) ob sie mechanisch in Ordnung ist und fest steht. Man kann von einem Auto angefahren werden und schaut ob eines kommt, wenn man die Stra&szlig;e &uuml;berquert.<\/p>\n<p> Das zweite sind Risiken die nicht t&auml;glich vorkommen, aber mit denen man in seinem Leben rechnen muss mit einer nicht zu vernachl&auml;ssigbaren Wahrscheinlichkeit konfrontiert zu werden. Diese versucht man durch Versicherungen, Sicherheitsma&szlig;nahmen etc. zu Mininieren, aber man denkt nicht t&auml;glich dran. Dazu geh&ouml;rt alles wogegen man eine Versicherung abschlie&szlig;t: Br&auml;nde im Haus, Hochwasser, Sturmsch&auml;den.<\/p>\n<p> Das dritte sind Risiken die von vielen nur wenige w&auml;hrend eines Lebens ausgesetzt werden, an die denkt man nicht, zumindest nicht solange man nicht konkret mit ihnen konfrontiert wird: So wird niemand eine Versicherung gegen den direkten Einschlag eines Blitzes auf einen Menschen abschlie&szlig;en &#8211; das passiert in der Bundesrepublik nur etwa 30 mal im Jahr, selbst ein 6 er im Lotto ist bei w&ouml;chentlicher Spielweise wahrscheinlicher.<\/p>\n<p> Bei Menschen klappt dieses System sehr gut. Problematisch ist es wenn Regierungen genauso handeln. Versicherungen m&uuml;ssen sich n&auml;mlich durchaus auch mit der letzten Kategorie besch&auml;ftigen, auch wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit gering ist. N&auml;mlich dann wenn der Schaden recht gro&szlig; ist. Ich habe mich in <a href=\"weblog16.shtml\">Teil 16<\/a> mit den Folgen eines Asteroideneinschlages besch&auml;ftigt. Man kann diesen nur statistisch vorhersagen. Die Unsicherheit ist dabei gro&szlig;, doch typische Zahlen sind:<\/p>\n<p> Einschlag eines 100 m Asteroiden alle 0.1-0.5 Millionen Jahre: Das klingt nach nichts wor&uuml;ber man sich sorgen machen m&uuml;sste &#8230;. Ja wie der Supergau eines Atomkraftwerks, der eben statistisch gesehen alle 25000 Jahre vorkommt. Das dumme nur an beiden Zahlen: Man weis es nicht wann das n&auml;chste Ereignis ansteht. das kann morgen sein, oder in 100.000 Jahren. Bei Asteroiden hat man zumindest nach einer langen Schlafperiode nun mehr Geld f&uuml;r Suchprogramme bewilligt. Lange Zeit wurden die meisten Asteroiden von einem kleinen Teleskop der US-Air Force entdeckt, das diese Aufgabe vor allem deswegen inne hatte um Asteroiden von Satelliten unterscheiden zu k&ouml;nnen, nun f&auml;ngt man an den Himmel gezielt zu untersuchen, weil in den letzten Jahren einige gr&ouml;&szlig;ere K&ouml;rper nahe der Erde vorbeirauschten und man sie erst Tage vorher entdeckte, teilweise auch erst danach. Ein 100 m Asteroid erzeugt einen 1-2 km gro&szlig;en Krater und zerst&ouml;rt jegliches h&ouml;here Leben in einem 20-40 km Kreis. Die Folgen sind also noch gr&ouml;&szlig;er als bei einem Super-Gau. Man k&ouml;nnte bei gen&uuml;gend Vorwarnzeit (wozu man die Bahn kennen muss einen 100 m gro&szlig;en K&ouml;rper mit den heutigen konventionellen Methoden aber leicht von der Bahn ablenken). (siehe dazu <a href=\"weblog17.shtml\">Weblog Nr.17<\/a>). Trotzdem geniest die Suche nach solchen K&ouml;rpern erst nachdem man auf die Gefahr aufmerksam geworden ist gr&ouml;&szlig;ere Priorit&auml;t, dabei wusste man schon fr&uuml;her alleine von den Einschlagskratern auf der erde, dass das Risiko bestand und es mehr als die wenigen K&ouml;rper geben musste die man zuf&auml;lligerweise entdeckte weil man nie systematisch nach ihnen suchte: Astronomen nehmen normalerweise einen kleinen Ausschnitt des Himmels auf und zwar &uuml;ber stunden um lichtschw&auml;chste Objekte zu finden. F&uuml;r die Asteroidensuche m&uuml;sste man aber &uuml;ber einige Jahre den gesamten Himmel in gr&ouml;&szlig;eren Ausschnitten absuchen, wobei die Belichtungszeiten nur kurz bis mittellang sind um die Durchmusterung in absehbarer Zeit zu schaffen. Die ersten systematischen Suchprogramme haben daher auch zu einem Anstieg der bekannten Objekte gef&uuml;hrt. seit einem Jahr sucht nun mit &quot;Pan Starrs&quot; das erste nur daf&uuml;r konzipierte Teleskop nach Asteroiden : 4 relativ kleine 1.8 m Teleskope die zusammen eine Kamera mit 1.4 Milliarden Pixeln bilden und in 5 Jahren alle Asteroiden &uuml;ber 300 m Gr&ouml;&szlig;e detektieren sollte und sp&auml;ter alle Asteroiden &uuml;ber 200 m Gr&ouml;&szlig;e. F&uuml;r die 100 m Klasse wird man nochmals gr&ouml;&szlig;ere Teleskope oder mehr davon brauchen. <\/p>\n<p> Nun bei der Kernkraft ist es &auml;hnlich. Auch hier ist das Risiko gering, auch wenn es signifikant h&ouml;her ist als man noch in den 70 er und 80 er Jahren annahm &#8211; Damals ging man von einem Gau alle 1 Million Jahre pro Kernkraftwerk aus, die Zahl ist nun schon runter auf 25000 Jahre, obgleich ich denke dass die Kraftwerke heute sicherer als vor 20 Jahren sind. Schon alleine das zeigt, dass man eben in der Zeit wohl einige Risikobewertungen ge&auml;ndert hat. So muss man auch heute sich fragen, ob der Nutzen in Form von billigem Strom den Kosten wenn eines wirklich gravierende Mengen an Radioaktivit&auml;t freisetzt rechtfertigt. Das ist eine Entscheidung die jeder pers&ouml;nlich f&auml;llen muss, denn solange es eben keinen GAU gab redet man von ungelegten Eiern &#8211; Die Atomkraftwerke k&ouml;nnen noch 100 Jahre laufen und es passiert nichts oder morgen geht eines hoch, weil etwas v&ouml;llig unvorhergesehenes eintrat, das nicht in den 68 Bedienungshandb&uuml;chern steht oder die Technik versagt. Wer weis das schon?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der letzte Eintrag in meinem G&auml;stebuch veranlasst mich mal meinen geplanten Blog Eintrag &uuml;ber Vitamin-A zu verschieben und heute mal etwas &uuml;ber Risiken zu sagen. 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