{"id":868,"date":"2007-07-27T14:08:45","date_gmt":"2007-07-27T12:08:45","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=868"},"modified":"2009-05-29T14:09:19","modified_gmt":"2009-05-29T12:09:19","slug":"50-jahre-raumfahrt-teil-2-stufenentwicklung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/07\/27\/50-jahre-raumfahrt-teil-2-stufenentwicklung\/","title":{"rendered":"50 Jahre Raumfahrt: Teil 2: Stufenentwicklung"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"links\" style=\"float: right\" src=\"\/img\/saturn1b-stufentrennung.jpeg\" alt=\"Stufentrennung Saturn 1B\" width=\"480\" height=\"360\" \/>In der kleinen Serie &uuml;ber die Entwicklung der Raumfahrt anl&auml;sslich des Starts von Sputnik 1 am 4.10.1957 will ich mich heute mit der Entwicklung von Stufen besch&auml;ftigen, nachdem es letztes Mail nur um die Triebwerke ging. wir finden hier eine Parallelentwicklung zu den Triebwerken &#8211; In den ersten 10 Jahren tat sich am meisten, sp&auml;ter war die Entwicklung mehr evolution&auml;r &#8211; mit kleinen Ausnahmen.<\/p>\n<p>Vor 50 Jahren beherrschte man viele dinge noch nicht, die heute selbstverst&auml;ndlich sind: So die Z&uuml;ndung einer stufe im Vakuum unter Schwerelosigkeit. Das Wiederz&uuml;nden im Weltraum nach l&auml;ngerer Inaktivit&auml;t, die Verwendung kryogener Triebstoffe und moderner Feststofftreibstoffe. Regelungen des Schubvektors erfolgten meist durch kleinere zus&auml;tzliche Triebwerke.<\/p>\n<p>Die ersten interkontinentalen Raketen hatten auch andere Anforderungen: Sie sollten nur Geschosse beschleunigen, aber keinen Orbit erreichen. So kam man auf L&ouml;sungsans&auml;tze die eine mehrstufige Rakete (die man eigentlich f&uuml;r die hohen Geschwindigkeiten die eine Interkontinentalrakete erreichen muss) vermieden: Die Atlas besa&szlig; 3 Triebwerke, die gemeinsam gez&uuml;ndet wurden. Zwei schubkr&auml;ftige f&uuml;r den Betrieb am Boden, eines mit weniger Schub f&uuml;r den Vakuumbetrieb. Nachdem 80 % des Treibstoffs verbraucht waren wurden die ersten beiden abgesprengt, wodurch die Rakete um etwa ein Drittel leichter wurde. Die Sojus verfolgte ein anderes Konzept: Rund um einen zylindrischen Zentralblock sind 4 Au&szlig;enbl&ouml;cke von Kegelform angebracht. an jedem Block sitzen 4 Triebwerke von geringem Schub. (Mit Steuertriebwerken insgesamt 32 St&uuml;ck9. Auch hier werden alle Treibwerke gemeinsam gez&uuml;ndet. Da in einen Kegel weniger Treibstoff hineingeht als in einen Zylinder ist er leer, wenn der Zylinder noch etwa die H&auml;lfte seines Treibstoffs hat. Dann werden die Au&szlig;enbl&ouml;cke abgeworfen und die Zentralstufe beschleunigt alleine weiter. Dies vermindert die Leermasse weit st&auml;rker.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In den ersten 10 Jahren ist man dazu &uuml;bergegangen separate Steuerd&uuml;sen, wie sie noch Atlas und Sojus hatten durch beweglich aufgeh&auml;ngte Triebwerke zu ersetzen. Das Problem der Stufentrennung und Z&uuml;ndung in Schwerelosigkeit wurde gel&ouml;st indem man in den USA die Stufe mit kleinen Feststofftriebwerken beschleunigte und so praktisch eine geringe Schwerkraft f&uuml;r einige Sekunden herstellte in der man dann die Stufe z&uuml;ndete. Im Osten umging man das Problem, indem man die Stufe noch z&uuml;ndete, wenn die untere Stufe noch arbeitete. Da dann die Flammen auf die Untere Stufe treffen gibt es bei sowjetischen Raketen oft Gitterrohradapter wo diese zur Seite entweichen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p><a href=\"\/img\/s-ii-interstage.jpeg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"img\/s-ii-interstage.jpeg\" alt=\"\" \/><\/a>Das Problem der Z&uuml;ndung nach langen Inaktivit&auml;tszeiten wurde zuerst in den milit&auml;rischen Satelliten gel&ouml;st, die man im Westen fest mit ihrer Agena Oberstufe verband. Diese verwandte Treibstoffe die lagerf&auml;hig waren und sich bei Kontakt selbst entz&uuml;ndeten. Der Einsatz dieser Treibstoffe war einer der gro&szlig;en Neuerungen im ersten Jahrzehnt. Auch hier ging die Initiative vom Milit&auml;r aus, welches k&uuml;rzere Vorbereitungszeiten haben wollte. Das zweite war die Verwendung kryogener Treibstoffe. Im Westen wurde hier viel Lehrgeld (in Form von Verlusten und enormen Entwicklungskosten) bei der Centaur bezahlt. Das Isolationsproblem l&ouml;ste man bei ihr zuerst durch eine abwerfbare Isolation, sp&auml;ter durch eine d&uuml;nnere, aber fest aufgespr&uuml;hte Isolation. Auch sie musste wiederz&uuml;ndbar sein und war dies auch &#8211; doch gab es hier einige R&uuml;ckschl&auml;ge. Das bewegte die NASA dazu dieses &#8222;Feature&#8220; erst 1973 f&uuml;r ihre Raumsonden zu nutzen.<\/p>\n<p>Moderne Feststofftreibstoffe auf Basis von Ammoniumperchlorat \/ Aluminium \/ Kunststoffen setzt man seit Mitte der 60 er Jahre ein. Sie sind immer wichtiger geworden und heute setzen viele Raketen gro&szlig;e Feststoffbooster als 0.te Stufe ein. M&ouml;glich wurden sie nur durch die Verwendung von Segmenten die man dicht verbinden musste &#8211; Eine fehlerhafte Verbindung verursachte den Verlust der Challenger 1986.<\/p>\n<p>Im Westen war die wohl einzige gro&szlig;e technische Neuentwicklung im Stufenbau nach den ersten 10 Jahren das Space Shuttle. Betrachtet man es nur als Raketenstufe so bringt es zwei neue Aspekte: Die Trennung von Treibstofftank (billig herzustellen) von Triebwerk (teure Produktion) und die Wiederverwendbarkeit eines Hochleistungstriebwerks. Zwar konnte man ein Triebwerk bisher auch mehrmals einsetzen &#8211; typisch f&uuml;r ein modernes Triebwerk mit fl&uuml;ssigen Treibstoffen ist, dass man es etwa 10 mal einsetzen kann, das wird auch genutzt um es vor dem Start zu testen. Aber das SSME isst das einzige Triebwerk das wirklich im Einsatz mehrfach eingesetzt wird und dies sogar 55 mal erlauben soll.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: right\" src=\"\/img\/s-ic.jpeg\" alt=\"S-IC\" width=\"363\" height=\"483\" \/>Im Osten sieht die Erfolgsbilanz der letzten 40 Jahre besser aus. Der Grund war, dass man im &#8222;Rennen&#8220; um den Weltraum, wie man sicher ohne Untertreibung die ersten 10-15 Jahre Raumfahrt beschreiben kann viele Kompromisse einging um schnell gleichzuziehen. Wasserstoff als Treibstoff wurde erst bei der Energija 1987 erstmals eingesetzt. Analoges gilt f&uuml;r wiederverwendbare Treibwerke &#8211; Hier die RD-170 in den Boostern. Stufen die nach l&auml;ngerer Zeit der Inaktivit&auml;t z&uuml;nden gab es ebenfalls einige Jahre nach dem Amerikanern und auch die Triebwerksentwicklung verlief langsamer. Ein Triebwerk wie das RD-170 mit der Leistung des F-1 gab es erst 20 Jahre nach den USA.<\/p>\n<p>Auff&auml;llig ist auch bei den milit&auml;rischen Raketen dass die UdSSR hier eine andere Philosophie verfolgten. W&auml;hrend im Westen schon Mitte der 60 er Jahre Feststoffraketen den Haupanteil der ICBM&#8217;s stellten setzte man in Russland auf lagerf&auml;hige fl&uuml;ssige Treibstoffe. Zivile Tr&auml;gerraketen im Westen setzen heute vor allem Feststoffbooster und Wasserstoff\/Sauerstoff ein. In Russland denkt man bei der Konzeption neuer Raketen vorwiegend noch an die bewahrte und gut handelbare Kombination Kerosin und fl&uuml;ssiger Sauerstoff.<\/p>\n<p>Sind hier noch gro&szlig;e Impulse zu erwarten? Ich denke vom technischen Aspekt eher nicht. Wirtschaftlich mag sich noch einiges tun, eventuell werden in einigen Jahren die ersten Stufen durch wiederverwendbare Antriebe ersetzt werden. Diskutiert wird dies seit langem und geplant wurde es ebenso lange. Bislang sprachen vor allem die Kosten dagegen. Dies mag sich &auml;ndern wenn man die Stufen nicht einfach hart &#8222;wassert&#8220; wie dies bislang erfolgte, sondern wie ein Space Shuttle im Gleitflug landet, so dass man die Checks nach der Landung erheblich reduzieren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der kleinen Serie &uuml;ber die Entwicklung der Raumfahrt anl&auml;sslich des Starts von Sputnik 1 am 4.10.1957 will ich mich heute mit der Entwicklung von Stufen besch&auml;ftigen, nachdem es letztes Mail nur um die Triebwerke ging. wir finden hier eine Parallelentwicklung zu den Triebwerken &#8211; In den ersten 10 Jahren tat sich am meisten, sp&auml;ter [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-868","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":160,"today_views":0},"jetpack-related-posts":[{"id":16806,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2023\/05\/25\/eine-renaissance-fuer-nukleare-triebwerke\/","url_meta":{"origin":868,"position":0},"title":"Eine Renaissance f&uuml;r Nukleare Triebwerke?","author":"Bernd Leitenberger","date":"25.05.2023","format":false,"excerpt":"Ich habe mich k\u00fcrzlich wieder \u00fcber einen Artikel in der c\u2019t, der Computer- und Technikzeitschrift die ich lese, ge\u00e4rgert. 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