{"id":8694,"date":"2013-10-25T00:47:28","date_gmt":"2013-10-24T22:47:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=8694"},"modified":"2013-10-25T08:47:09","modified_gmt":"2013-10-25T06:47:09","slug":"eine-idee-fuer-ein-langfristiges-venusprogramm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/10\/25\/eine-idee-fuer-ein-langfristiges-venusprogramm\/","title":{"rendered":"Eine Idee f&uuml;r ein langfristiges Venusprogramm"},"content":{"rendered":"<p>Betrachtet man es aus himmelsmechanischer Sicht so ist unverst&auml;ndlich, warum die Venus so stiefm&uuml;tterlich behandelt wird. Sie ist nach dem Mond am leichtesten erreichbar. Um in eine zumindest elliptische Umlaufbahn einzuschwenken braucht man nicht mehr Energie als bei Mond und Mars und die Flugzeit ist mit 4-6 Monaten auch recht kurz. Die ersten Raumsonden, die zu den Planeten aufbrachen taten dies auch zur Venus.<\/p>\n<p>Mit der dicken Atmosph&auml;re hat zumindest bei den Amerikanern dann ein Desinteresse eingesetzt, das nicht nur mit der Wissenschaft zu tun hat, sondern auch der &Ouml;ffentlichkeitsarbeit: man kann die Venus nicht als Planeten verkaufen bei der es eventuell Leben geben k&ouml;nnte oder zumindest mal gegeben hat. Das hat man ja mit Erfolg beim Mars geschafft und probiert es gerade bei Europa und Titan. Es gibt wegen der Wolken auch keine &#8222;Pretty nice Pictures&#8220;. Beispielsweise wird mit MAVEN im November zum ersten Mal (nach gut 50 Jahren Marsforschung mit Raumsonden) eine US-Raumsonde ohne Kamera starten.<!--more--><\/p>\n<p>Die Venus teilt so ein bisschen des Schicksals des Mondes, zumindest was die NASA angeht. Auch hier war das Interesse nach dem Apolloprogramm eingebrochen. Beim Mond gibt es als Nachfolge des Constellationprogramms nun mehr robotische Missionen. Constellation ist eingestellt, doch die Missionen blieben. Zumindest jetzt noch. Doch bei der Venus ist keine Besserung in Sicht. Es gab seit Magellan, und das ist auch schon 23 Jahre her, nur zwei Missionen: <a href=\"\/venus-express1.shtml\">Venus Express<\/a> und Akatsuki, bei der aber noch offen ist ob sie nach einer Extrarunde in einen Orbit einschwenkt (Japan hat bisher nicht allzu viel Gl&uuml;ck mit ihren Planetensonden gehabt: <a href=\"\/nozomi.shtml\">Nozomi<\/a> ging verloren, <a href=\"\/hayabusa.shtml\">Hayabusa<\/a> fast und brachte nur wenig Material zur Erde und <a href=\"\/akatsuki.shtml\">Akatsuki<\/a> hat die Z&uuml;ndung in den Orbit verpasst.)<\/p>\n<p>Daher mein Vorschlag f&uuml;r ein langfristiges Venus Erforschungsprogramm<\/p>\n<p>Den Anfang macht ein Venus Radarorbiter. Als <a href=\"\/magellan.shtml\">Magellan<\/a> die Venus umkreiste, gab es noch kein Phased Array f&uuml;r Radaraufnahmen. Heute erreicht ein Kleinsatellit wie SARLupe 1m Aufl&ouml;sung bei Spots, Wenn man einen bestehenden Bus, wie eben SAR-Lupe umbauen k&ouml;nnte h&auml;tte man einen preiswerten Radarorbiter. Ein Problem dessen ist die schwankende Datenrate. Bei Venus und Mars schwankt die Entfernung der Planeten von der Erde stark. Bei der Venus zwischen 41 und 260 Millionen km. Das korrespondiert mit der Schwankung der Datenrate um den Faktor 40!. Da die Venus so langsam rotiert kann man nicht in der Erdn&auml;he die Gebiete in hoher Aufl&ouml;sung kartieren, die bei Erdferne nur mit einer geringe Datenrate (=geringe Aufl&ouml;sung) erfasst wurden. Immerhin verschiebt sich das Gebiet das man erfasst pro Passage des erdn&auml;chsten Punktes leicht. &Uuml;ber eine l&auml;ngere Mission (nehmen wir mal 5 Jahre an, das sind 3 Oppositionsperioden) kann man so ein gr&ouml;&szlig;eres Gebiet im Detail erfassen, den Rest in niedriger Aufl&ouml;sung, die bei Einsatz gro&szlig;er Sender und des Ka Bandes erheblich h&ouml;her als bei Magellan sein kann. Unter 10 m pro Punkt sollte erreichbar sein.<\/p>\n<p>Durch den Umbau eines bestehenden Satelliten wie SAR-Lupe sollte sowohl das Gewicht klein bleiben (Sojus als Tr&auml;ger reicht aus) wie auch die Kosten.<\/p>\n<p>Ein Startfenster (584 Tage) sp&auml;ter startet dann die n&auml;chste Sonde, Was die meisten wohl interessiert, ist wie es auf der Venus aussieht. Das kann ein Radarorbiter nicht leisten. das einzige was wir bis jetzt haben sind wenige Aufnahmen von Venera 9+10 und 13+14 mit einem Fischaugenobjektiv gewonnen und grob aufl&ouml;send. Auch wenn Amateure aus diesen Bildern erstaunliches herausgekitzelt haben.<\/p>\n<p>Auf der anderen Site wird keine Sonde sehr lange auf der Venus leben. Ob es dann eine Stunde mehr oder weniger ist, ist egal. Mein Vorschlag: Eine Raumsonde, so einfach aufgebaut wie die <a href=\"\/pioneer-venus.shtml\">Pionieer Venus Atmosph&auml;renkapseln,<\/a> ausgestattet mit einigen Kameras. Sie soll w&auml;hrend der letzten Phase des Abstiegs Bilder machen und dann noch nach der Landung 15 Minuten &uuml;berleben um sie und ein Landepanorma zu &uuml;bertragen. Damit die Datenausbeute hoch ist, m&uuml;ssen die Umst&auml;nde g&uuml;nstig sein. Das bedeutet an Bord der Landesonde starke Sender, vor allem aber eine gro&szlig;e Empfangsantenne und kleine Distanz bei der Empfangssonde. Das k&ouml;nnte der Radarorbiter sein, der sich schon im Orbit befindet. Es gibt zwei M&ouml;glichkeiten &#8211; er kann schon in seinem operativen Orbit sein, z.B. einer 1000 km Kreisbahn. Nur ist dann zwar die Datenrate hoch, aber die Sonde hat in 18 Minuten das Landegebiet passiert. Das Timing ist also extrem kritisch. Etwas besser ist es wenn der Orbiter noch in einer Umlaufbahn ist, die noch elliptisch ist. Dann g&auml;be es Funkkontakt &uuml;ber die gesamte Missionszeit plus der M&ouml;glichkeit weitere Daten zu &uuml;bertragen wenn die Mission l&auml;nger als 15 Minuten &uuml;berlebt. Die Datenrate ist dann geringer, aber es ist sicherer. Zuletzt kann der Bus der Sonde selbt noch die Daten empfangen. Er wird aber weiter entfernt sein, weil er relativ zur Venus eine hohe Geschwindigkeit hat und sie ist noch dazu sehr variabel und steigt rasch an.<\/p>\n<p>Derzeit favorisiere ich L&ouml;sung 2, der Radarorbiter bleibt w&auml;hrend der ersten 584 Tage auf einer leicht elliptischen Umlaufbahn, z.B. mit einer Entfernung von maximal 6000 km. Das ergibt trotzdem noch eine hohe Datenrate und es gibt Funkkontakt &uuml;ber mindestens 90 Minuten, also bei typischen Abstiegszeiten rund 30-40 Minuten nach der Landung. Damit sind dann selbst bei Rundstrahlantennen als Sender bei einer f&uuml;r die Radardaten n&ouml;tigen gro&szlig;en Empfangsantenne mehrere Megabit pro Sekunde m&ouml;glich, ausreichend f&uuml;r zahlreiche mittel bis hochaufl&ouml;sende Aufnahmen.<\/p>\n<p>Zwei Landesonden k&ouml;nnten von einer mit einer Sojus gestarteten Bussonde mitgef&uuml;hrt werden. wenn die Sendefrequenzen und Landegebiete abgestimmt werden kann man von beiden gleichzeitig Daten empfangen, ansonsten muss man viel Treibstoff investieren um den Landezeitpunkt der zweiten Sonde verschieben oder deren Daten &uuml;ber den vorbeifliegenden Bus &uuml;bertragen. Der k&ouml;nnte auf der Sonnenumlaufbahn dann nach der Passage noch das interplanetare Medium untersuchen.<\/p>\n<p>Die n&auml;chste Sonde kann dann etwas sp&auml;ter kommen, denn sie basiert auf den Erfahrungen eines Instruments auf dem Radarorbiter. Es wird seit langem postuliert, dass die Venus Atmosph&auml;re im Infraroten durchsichtig ist. Ich bin da skeptisch, die ISS-Aufnahmen von Cassini von Titan sehen zumindest sehr verschmiert aus und angesichts der dicken Atmosph&auml;re erwarte ich &auml;hnliches von der Venus. Aber man kann es erproben indem man ein niedrig aufl&ouml;sendes IR-Spektrometer, empfindlich f&uuml;r die fraglichen Fenster beim Radarorbiter erprobt.<\/p>\n<p>Wenn es m&ouml;glich ist kann man dann ein abbildendes Instrument das die Venus in diesen fenstern beobachtet mit der dritten Sonde starten. Erg&auml;nzt k&ouml;nnte es durch Kameras in verschiedenen UV,IR und Visuellen Kan&auml;len. &Uuml;ber die genaue Auslegung muss man sich Gedanken machen. Denkbar w&auml;re eine normale Kamera mit einigen engbandigen Spektralfiltern die Fenster entsprechen durch die man tiefer sieht. Denkbar w&auml;re auch ein abbildendes Spektrometer von dem man in der Regel nur die Spektralkan&auml;le nimmt die eine Durchsicht versprechen. Andere Instrumente um im Sichtbaren und UV Bereich Aufnahmen zu machen oder die Venusumgebung zu erforschen wie Teilchenmessger&auml;te.<\/p>\n<p>Das w&auml;ren die Missionen die aufeinander aufbauen k&ouml;nnen und im Abstand von jeweils einem Startfenster (584 Tage) gestartet werden k&ouml;nnen. Die Missionen k&ouml;nnen auch international geplant sein. So gibt es die besten Radarger&auml;te in Europa, die USA haben Erfahrung mit Landekapseln, Russland k&ouml;nnte Tr&auml;gerraketen und den Bus f&uuml;r die Landekapseln stellen und Japan k&ouml;nnte sich beim Orbiter mit den Spektrometern beteiligen. Radarorbiter und der Orbiter mit den Spektrometern k&ouml;nnte auch am Mond\/Mars einsetzen, ich bin ja sowieso daf&uuml;r Missionen so auszulegen dass man m&ouml;glichst viel erneut verwenden kann.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/ddc29959815a4f9c812438f0bb88740c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Betrachtet man es aus himmelsmechanischer Sicht so ist unverst&auml;ndlich, warum die Venus so stiefm&uuml;tterlich behandelt wird. Sie ist nach dem Mond am leichtesten erreichbar. Um in eine zumindest elliptische Umlaufbahn einzuschwenken braucht man nicht mehr Energie als bei Mond und Mars und die Flugzeit ist mit 4-6 Monaten auch recht kurz. 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