{"id":8883,"date":"2013-11-09T00:21:25","date_gmt":"2013-11-08T23:21:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=8883"},"modified":"2013-11-09T19:16:56","modified_gmt":"2013-11-09T18:16:56","slug":"in-memoriam-der-erste-supercomputer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/11\/09\/in-memoriam-der-erste-supercomputer\/","title":{"rendered":"In Memoriam: der erste Supercomputer"},"content":{"rendered":"<p>Es gab mal eine Zeit, da konnten &#8222;Computer Experten&#8220; mehr als nur Windows neu installieren, Hacker den ganzen Tag programmierten, anstatt zu surfen und Informatikunterreicht nicht darin bestand Studenten Excel beizubringen. In diesen &#8222;good old days&#8220;, als man sich noch in die Benutzung eines Computers einarbeiten musste, las der Autor zum ersten Mal von einem &#8222;Supercomputer&#8220;. ein Supercomputer, das war damals eine Cray 1.<\/p>\n<p>Mich fasziniere diese Maschine von Anfang an. Das fing schon mit dem Aussehen an. Er sah nicht wie ein Computer aus. Ein gr&ouml;&szlig;erer Computer, so ab den Superiminis war damals ein Rechner eine gro&szlig;e Kiste von Schrankform, eventuell vorne noch mit einigen Lichtern. Dazu kamen dann noch einige kleinere Schr&auml;nke mit den so eindrucksvoll rotierenden Magnetb&auml;ndern und einige Kommoden mit Wechselplatten.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" alt=\"\" src=\"\/img\/seymour-cray-cray1.jpg\" width=\"500\" height=\"626\" align=\"left\" \/>Die Cray 1 sah aus wie eine angeschnittene Sitzgarnitur um eine S&auml;ule, wie sie sicher auf einem Flughafen stehen k&ouml;nnte. Sie sah sch&ouml;n aus. Eigentlich war die Cray 1 kein kompletter Rechner. Auf heute &uuml;bertragen, war er nur das Motherboard. Man brauchte einen Minicomputer um ihn &uuml;berhaupt zu starten und dann doch Wechselplatten f&uuml;r die Datenspeicherungen. Die meisten Institutionen, die ihn einsetzen nutzen einen Gro&szlig;rechner nur als Ein\/Ausgabesystem.<\/p>\n<p>Die Cray war der erste speziell auf Geschwindigkeit gez&uuml;chtete Rechner der allgemein bekannt wurde. Es gab vorher schon Rechner bei denen die Geschwindigkeit Priorit&auml;t hatte, doch die Cray 1 wurde erfolgreicher als alle vorhergehenden Versuche. Erst vor einem Jahr habe ich mich genauer mit der <a href=\"\/cray-1.shtml\">Architektur des Rechners<\/a> besch&auml;ftigt. Die Cray selbst bestand nur aus drei Chips: Einem NAND Gatter f&uuml;r die Logik, einem schnell 64 Bit Speicher f&uuml;r die Register und einem &#8222;langsamen&#8220; 1024 Bit Baustein f&uuml;r den Speicher. Der &#8222;langsame&#8220; Speicher ist in etwa so schnell wie heutiger Speicher.<\/p>\n<p>Die hohe Geschwindigkeit wurde erreicht durch mehrere Faktoren. Zum einen die Halbleitertechnologie. Die Cray 1 setzte auf ECL, in der alle Bausteine gefertigt wurde. ECL (Emitter Coupled Logik). Bei dieser geht ein Transistor nie in den S&auml;ttigungszustand. Dadurch schaltet er viel schneller, verbraucht aber wenn nicht geschaltet wird ebenfalls Strom, w&auml;hrend andere Transistoren dann nur eine geringe Verlustleistung aufwiesen. Der Preis war. dass die Cray 1 aktiv gek&uuml;hlt wurde. Ein Geflecht von Leitungen mit einen Fluorkohlenasserstoff durchzog den Rechner. In der &#8222;Sitzkruppe&#8220; sa&szlig; der Tank und der Kompressor zur Verfl&uuml;ssigung des Gases. Die Cray hatte eine Verlustleistung von 115 kW. Diese wurde auf einer Fl&auml;che von rund 12 m\u00b2 abgegeben, was eine leistungsf&auml;hige Klimaanlage erforderte. Zudem wurde durch das Freon der Rechner schwer. Die gr&ouml;&szlig;te Version wog 5,5 t. In Garching wurde unter der Decke ein St&uuml;tztr&auml;ger eingezogen um das Gewicht abzufangen.<\/p>\n<p>Die Form wurde durch den Taktzyklus von 12,5 ns bestimmt. Da alle Teile des Rechners im Takt sein mussten, d&uuml;rfte keine Verbindung l&auml;nger als 1,82 m sein. Daraus war der Rechner ein Kreissegment (kein geschlossener Kreis, sonst kam man nicht an die Module im Tower ran).<\/p>\n<p>Das zweite war die Architektur. Neben den skalaren Operationen konnte man auch viele Operanden im Reisverschlussverfahren einer Operation unterziehen. Dann f&uuml;hrte der Rechner pro Takt eine Operation aus. Dieses Vektorprinzip war nicht neu, doch die Cray 1 setzte es am besten um indem man sich den Luxus leistete acht Vektorregister f&uuml;r je 64 Werte mit je 64 Bit anzulegen. (Das waren bei 64 Bit pro Chip f&uuml;r die Register alleine 512 Chips). Vorherige Implementationen machten es im Speicher, der jedoch selbst bei der ECL Technologie achtmal langsamer als die Register war. Mit diesem Vektorprinzip erreichte die Cray 1 typisch 80 MFlops Peak. Unter geschickter Nutzung der Architektur (bei den Vektorregistern konnte ein Register gleichzeitig Quelle und Ziel sein und man konnte die Skalareinheiten parallel betreiben erreichte sie eine Maximalgeschwindigkeit von 160 MFlops.<\/p>\n<p>Seymour Cray ging nach der Cray 1 an eine neue Architektur, die Cray 2. Sie sollte noch kompakter werden. Der ganze Computer passte nun in einen Kreisringsegment von 115 cm H&ouml;he und 135 cm Durchmesser. Das war nur m&ouml;glich indem nun die Platinen in K&uuml;hlmittel schwammen. Erstmals setzte Cray normalen CMOS Speicher ein, wenn auch die Logik weiterhin in ECL war. Damit die langsamen Speicherbausteine die Cray 2 nicht ausbremsten, f&uuml;hrte Seymour Cray Caches ein und sprach den Speicher in Banks an, damit jeder Zugriff auf eine andere Bank ging. Sehr viel anders funktioniert DDR-Ram heute auch nicht.<\/p>\n<p>Erfolgreicher waren aber Weiterentwicklungen der Cray 1, die man in der Firma entwickelte, weil sich die Einf&uuml;hrung der Cray 2 verz&ouml;gerte. Man verdoppelte zuerst nur die Zahl der Vektorprozessoren (Cray X-MP, sp&auml;ter vervierfachte und verachtfachte man sie (Cray Y-MP) und stellte auf CMOS Speicher um, denn man schon bei der Cray 1S eingef&uuml;hrt hatte. Sie n&auml;herten sich schnell der Performance der Cray 2, waren aber preiswerter und softwarekompatibel. Seymour Cray verlies dann Cray Research. Bei der Entwicklung der Cray 3 setzte er auf eine falsche Karte. Er meinte Galliumarsenid als Halbeliter w&auml;re nun reif Silizium abzul&ouml;sen. Auf dem Papier war es in allen Belangen &uuml;berlegen, aber es war noch nicht so weit (bis heute hat es nur Nischengebiete erobert). Dazu kam, dass nun Anfang der Neunziger Jahre abger&uuml;stet wurde. Gr&ouml;&szlig;ter Kunde war bisher das US-Milit&auml;r gewesen, das mit Supercomputern Atombomben simulierte und Flugzeuge konstruierte. Das fiel nun weg. Es wurde nur eine Cray 3 teilweise fertiggestellt und diese wurde nicht bezahlt, was zum Bankrott f&uuml;hrte. Cray Research baute noch lange Rechner auf Basis der Cray 1.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" alt=\"Leibnitz Rechenzentrum\" src=\"\/img\/leibnitz-rechenzentrum2012.jpg\" width=\"800\" height=\"422\" align=\"left\" \/>Dann wechselte die Firma auf das was heute in jedem Supercomputer ist: normale PC-Prozessoren, davon aber tausende. Davon hielt Cray niemals etwas &#8222;Wenn sie einen Acker umpfl&uuml;gen wollen &#8211; was nehmen sie: zwei starke Ochsen oder hundert H&uuml;hner&#8220;. aber es war technisch anders nicht m&ouml;glich. Die Schaltzeiten der Gatter erh&ouml;hten sich in den 15 Jahren zwischen der ersten und letzten Version der Cray kaum, dazu kam der &uuml;ber Module verteilte Rechner, wo die Signalleitungen weitere Verz&ouml;gerungen addierten. Man kam an einen Punkt den auch PC-Prozessoren 12 Jahre sp&auml;ter erreichten &#8211; man konnte die Taktfrequenzen nicht mehr steigen und mehr Geschwindigkeit gab es nur doch mehr Recheneinheiten und dann ging man eben gleich von einigen Vektorprozessoren in propriet&auml;rer teurer Technologie auf viele Prozessoren &uuml;ber.<\/p>\n<p>Heute sind Supercomputer nicht mehr Sexy. Wenn sich der Rechner von meinem PC nur noch dadurch unterscheidet dass man tausende oder hunderttausend Prozessoren hat, dann ist das nichts mehr als ein Cluster und sie brauchen immer mehr Platz, eine Cray 2 belegte 1,5 m\u00b2 Fl&auml;che, der neueste Rechner im Leibnitz Rechenzentrum von IBM dagegen eine ganze Halle. (Bild links)<\/p>\n<p>Rein Rechnerisch h&auml;ngt heute jeder PC die schnellsten Rechner ab die Cray jemals produzierte. Mein Rechner hat einen Athlon 5050e (2 x 2,6 GHz), der war schon nicht taufrisch als ich ich 2009 kaufte. Nach Linpack hat er rund 823 GFlops pro Kern. Dank verlangsamter Software reicht er heute gerade noch f&uuml;r Surfen im Internet \ud83d\ude42<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/41ea7d2d0f12452cbce5e25a106ba3fe\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gab mal eine Zeit, da konnten &#8222;Computer Experten&#8220; mehr als nur Windows neu installieren, Hacker den ganzen Tag programmierten, anstatt zu surfen und Informatikunterreicht nicht darin bestand Studenten Excel beizubringen. 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