{"id":8959,"date":"2013-11-22T09:48:48","date_gmt":"2013-11-22T08:48:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=8959"},"modified":"2013-11-22T09:49:13","modified_gmt":"2013-11-22T08:49:13","slug":"wenn-forschung-und-entwicklung-zur-nebensache-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/11\/22\/wenn-forschung-und-entwicklung-zur-nebensache-wird\/","title":{"rendered":"Wenn Forschung und Entwicklung zur Nebensache wird"},"content":{"rendered":"<p>Die Einstellung der ASRG Entwicklung ist symptomatisch wie es in der NASA &#8211; &auml;hnliches k&ouml;nnte man aber auch von der ESA sagen &#8211; steht. Die Agentur stand mal daf&uuml;r progressiv Technologien zu entwickeln. Inzwischen ist dies weitgehend zum Erliegen gekommen, dieser Eindruck dr&auml;ngt sich einem auf, wenn man sich Meldungen anschaut. Nun hat die Raumfahrtagentur die Entwicklung von ARG eingestellt. ASRG sind Stromgeneratoren die &uuml;ber einen Sterling Motor Strom aus der Zerfallsw&auml;rme von Plutonium-238 erzeugen. Sie werden seit mindestens 10 Jahren untersucht, zumindest bin ich vor dieser Zeit auf die Technologie gesto&szlig;en. Nat&uuml;rlich ist der Wechsel ein Risiko. Anders als die bisherigen RTG sind mechanische Teile im Spiel, die verschlei&szlig;en oder sich festsetzen k&ouml;nnen. Doch in den Jahren die seitdem vergangen sind, h&auml;tte man ja einige Exemplare im Dauertest testen k&ouml;nnen. Selbst wenn dies nicht reicht, so h&auml;tte man einen ASRG zus&auml;tzlich in einer Mission mitf&uuml;hren k&ouml;nnen, z.B. bei Juno oder Curiosity. Wenn&#8217;s klappt hat man mehr Strom, wenn nicht ist man schlauer. Es ist ja nicht das erste Mal, dass die NASA eine Technologie bei der Energiegewinnung aus Pu-238 ad acta legt. So gab es auch mal die Idee Alkalimetalle (AMTEC) zu erhitzen und sie durch einen Beta-Aluminium-Festkr&ouml;per-Elektrolyten zu pumpen. Auch das versprach Wirkungsgrad von 13 bis 25%. Diese AMTEC wurden auch eingestellt.<!--more--><\/p>\n<p>Was beide Konzepte als Vorteil haben: Sie wandeln 20 bis 25% der W&auml;rme in Strom um. Bei den GPHS, die unver&auml;ndert seit 1986 im Einsatz sind, und deren Grundbauweise sich seit 40 Jahren nicht ge&auml;ndert hat, sind es 6%. Da die NASA etwa 90 Millionen Dollar f&uuml;r die Fertigung eines GPHS mit 285 Watt Leistung zahlt, vor allem aufgrund des Plutoniums, bei dem mit einem Mitteleinsatz von 10 Millionen Dollar pro Jahr 1-1,5 kg des Materials produziert werden (ein GPHS hat rund 7,5 kg davon) sollte der Vorteil offensichtlich sein. So wird die Stromversorgung billiger. Aber was macht die NASA? Ihr Statement lautet ohne Umschreibungen etwa so: &#8222;Nun buttern wir 10 Millionen Dollar pro Jahr in die Plutoniumgewinnung, dann haben wir bis 2019 gen&uuml;gend Material f&uuml;r einen GPHS-RTG, da brauchen wir keine neue Technologie&#8220;.<\/p>\n<p>Eine andere Sache ist die Mission ST-8, ST steht f&uuml;r Space Technology und es ist eine Mission zur Erprobung von neuen Technologien. Darunter befinden sich tolle Sachen wie Solar-Concentrator Arrays mit einer Leistung von 300 W\/kg, die Erprobung von FPGA als Ersatz f&uuml;r Prozessoren, da die Entwicklungskosten weltraumtauglicher Prozessen immer teurer wird, die St&uuml;ckzahlen aber gleich bleiben. Beides interessante Weiterentwicklungen. SLA erm&ouml;glichen leichte Solararrays, wichtig f&uuml;r Missionen ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem, dort w&uuml;rden sie durch die Linsen auch den Abfall der Leistung durch niedrige Temperaturen absenken. Daneben (und deswegen bin ich drauf gesto&szlig;en) auch f&uuml;r ionenantriebe, die um so mehr Nutzlast tragen k&ouml;nnen (bzw. schneller am Ziel sind) je leichter die Solararrays sind.<\/p>\n<p>Was f&uuml;r Arrays hat Juno? Normale mit besonders getesteten GaAs Zellen. Zum Schutz noch mit einer d&uuml;nnen Glasschicht bedeckt. Sie sind sogar schwerer als die von Dawn und die startete ja schon vor 6 Jahren. Dabei geht es anders, wie die Ultraflex Arrays von Phoenix beweist. Diese erreichen 180 W\/m\u00b2, die von Juno liegen bei 57 W\/m\u00b2 (Dawn: 80 W\/m\u00b2).<\/p>\n<p>Beides sind Beispiele daf&uuml;r, wie die NASA auf alte Technologien setzt. Man muss nicht alles neu entwickeln, so finde ich die Idee bei Juno nicht strahlungsresistente Elektronik zu entwickeln, sondern einfach alles in eine Schachtel aus Titan zu packen die dann abschirmt gut, so was habe ich n&auml;mlich im kleinen (nur f&uuml;r den Bordcomputer) auch vorgeschlagen. Denn besondere Elektronik w&uuml;rde eben nur Juno und sonst keine weitere Sonde in absehbarer Zeit ben&ouml;tigen. Aber man sollte die Technologien entwickeln um zuk&uuml;nftige Missionen besser durchf&uuml;hren zu k&ouml;nnen, also entweder billiger oder schneller oder mehr Daten zu gewinnen. Dazu geh&ouml;ren leistungsf&auml;higere RTG und Solarzellen. Dazu geh&ouml;rt auch die Nutzung des Ka-Bandes. Seit gut 10 Jahren wird das getestet, aber es ersetzt nicht oder erg&auml;nzt auch nur das X-Band. Dabei zeigen die bisherigen Tests z.B. mit dem MRO, dass die Datenrate erheblich h&ouml;her, selbst unter Ber&uuml;cksichtigung der st&auml;rkeren Signalabschw&auml;chung und der geringeren Verf&uuml;gbarkeit. Was man bracht ist nur angepasste Kommunikationsstrategien, da es sein kann, dass man die Daten nochmals wegen schlechtem Wetter &uuml;bertragen muss.&nbsp; Auch Juno sendet nur im X-Band. der Ka-Band Sender wird nur zur Durchleuchtung des Jupiters genutzt.<\/p>\n<p>&Auml;hnliches zeigt sich im Missionsdesign. Man startet mit chemischen Triebwerk oder macht Vorbeifl&uuml;ge an der Erde um Geschwindigkeit zu gewinnen, gefolgt von einigen Korrekturman&ouml;vern. Ionentriebwerke wurden nur zweimal bei Deep Space 1 und Dawn eingesetzt und beide Sonden starteten zuerst mal chemisch auf eine Fluchtbahn, was die Nutzlast schon auf ein Drittel reduziert. Die Frage ist, warum man nicht gleich vom LEO heraufspiralt. Das w&uuml;rde einigerma&szlig;en fix schon mit heute verf&uuml;gbaren Solararrays gehen und gerade Juno zeigt, dass man mit dem &uuml;blichen &#8222;Gespenst&#8220; des Van Allen Gp&uuml;rtels keine Gefahren verbunden sind. Jupiters Strahleng&uuml;rtel ist da eine ganz andere Dimension. Trotzdem &uuml;berstehen dort die Solararrays es &#8211; 100 Mrad werden schon von 0,3 mm Glas auf 3 MRad reduziert. Das bewirkt eine Reduktion der Effizienz in einem Jahr um 9,4%. Ein Jahr wird keine Raumsonde im Van Allen G&uuml;rtel sein. Und dort betr&auml;gt die Dosis im Mittel 0,7 bis 1,5 mSi\/Tag, das sind 0,07 bis 0,15 rad pro Tag. 100 MRad die Juno erh&auml;lt, sind 100 Millionen Rad&#8230; Selbst strahlengeh&auml;rtete Elektronik vertr&auml;gt heute 10 bis 100 kRad. Kein Wunder denn der GEO-Orbit liegt ja noch im &auml;u&szlig;eren Van Allen G&uuml;rtel. Die Frage ist also, warum man nicht gleich einen Schritt weiter geht und gleich vom LEO-Orbit aus startet und so Kosten spart. Bei Missionen ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem kann man auch die sonst &uuml;bersch&uuml;ssige Leistung brauchen &#8211; siehe Juno.<\/p>\n<p>Was fehlt ist das Wagnis, neue Wege zu gehen. Neue Technologien zuerst zu erproben (wie bei den Space Technologie Missionen oder indem man sie zus&auml;tzlich bei vorhandenen Sonden einsetzt (Ka-Band, ASRG). aber dann auch sie bei neuen Sonden im Routinebetrieb einsetzt. Was bisher l&auml;uft ist &#8222;das haben wir schon immer so gemacht, warum was &auml;ndern?&#8220;. Das bedeutet auch, gerade im &auml;u&szlig;eren Sonnensystem wo man viele dieser Technologien braucht (ASRG um die kosten f&uuml;r Stromversorgung zu senken, SLA um eine gr&ouml;&szlig;ere Nutzlast mit Ionentreibwerken zu transportieren \/ als weiter Stromversorgung, Ka-Band f&uuml;r h&ouml;here Datenraten, die sonst wegen der gro&szlig;en Entfernung stark abnehmen) wird es daher nur wenige neue Sonden geben. So bleiben sie teuer und selten. So wird die NASA mit ihrem neuen Programm das 10 Millionen Dollar pro Jahr kostet bis 2019, also in 6-7 Jahren, gerade mal so viel Plutonium zusammenbekommen wie man f&uuml;r einen GPHS (285 Watt Leistung) braucht. Davon hatte Cassini drei und Galileo zwei an Bord. Zusammen mit 10 kg die man braucht und einem MMRTG der f&uuml;r den Curiosity Nachfolger ben&ouml;tigt wird sind dass dann zwei GPHS mit 470 Watt Leistung. Die vorhandenen 10 kg w&uuml;rden mit ARTG dagegen f&uuml;r eine Leistung von 1300 bis 1400 W reichen und man h&auml;tte 70 Millionen Dollar gespart.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/de1692ee7c3e4073900acc1cc7b3e396\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Einstellung der ASRG Entwicklung ist symptomatisch wie es in der NASA &#8211; &auml;hnliches k&ouml;nnte man aber auch von der ESA sagen &#8211; steht. Die Agentur stand mal daf&uuml;r progressiv Technologien zu entwickeln. Inzwischen ist dies weitgehend zum Erliegen gekommen, dieser Eindruck dr&auml;ngt sich einem auf, wenn man sich Meldungen anschaut. 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