{"id":9128,"date":"2013-12-17T00:16:35","date_gmt":"2013-12-16T23:16:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=9128"},"modified":"2013-12-25T14:49:32","modified_gmt":"2013-12-25T13:49:32","slug":"bewegung-in-der-iss-versorgung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/12\/17\/bewegung-in-der-iss-versorgung\/","title":{"rendered":"Bewegung in der ISS-Versorgung"},"content":{"rendered":"<p>Vor ein paar Jahren h&auml;tte der Vorschlag der neu gegr&uuml;ndeten Firma &#8222;Space Transportation Services&#8220; (STS) wohl eine Eingangsbest&auml;tigung der NASA bekommen und dann nach einigen Wochen eine h&ouml;ffliche Ablehnung. Doch die Zeiten haben sich ge&auml;ndert. Das Budget ist nach dem Haushaltsrestriktionsgesetz auf Jahre festgeschrieben, sinkt also inflationskorrigiert, gleichzeitig sollen neue teure Programme wie die SLS finanziert werden. Zum zweiten Mal hintereinander hat die NASA nur etwas mehr als H&auml;lfte des beantragten CCDev Budgets bekommen, was den bemannten Jungfernflug erneut weiter in die Zukunft verschiebt.<\/p>\n<p>So sah man sich das Angebot von STS doch genauer an. Fr&uuml;her h&auml;tte man nicht mal das getan. Die Firma will wenn die Vertr&auml;ge des CRS auslaufen, die weitere Versorgung des US-Anteils der ISS &uuml;bernehmen, wahrscheinlich auch den europ&auml;ischen Abteil, das die ESA ja lieber ein Servicemodul f&uuml;r das MPCV entwickelt. Das geht nat&uuml;rlich nur wenn man preiswerter ist &#8211; und das ist STS mit Sicherheit.<!--more--><\/p>\n<p>Die Firma setzt auf einen komplett neuen Ansatz: Ein Transporter der nur 1-3 Monate an der ISS angekoppelt ist, muss weder weltraumt&auml;gliche Komponenten enthalten, die f&uuml;r jahrelangen Einsatz qualifiziert sind, noch druckdicht &uuml;ber Jahrzehnte sein. Die Firma will einen Transporter konstruieren der kompatibel zu mehreren Tr&auml;gerraketen ist, bei leistungsf&auml;higeren soll die Nutzlast ansteigen. Sie fertigt nur den Transporter, anders als die beiden bisherigen Versorger bucht sie f&uuml;r den Start bei den verf&uuml;gbaren Launch Service Providern.<\/p>\n<p>Ein Punkt war es die bef&ouml;rderte Fracht zu maximieren, so besteht der Frachtzylinder aus Teilen vergleichbar den&nbsp; Space Shuttles ET. Die Firma hat von Boeing die Fertigungswerkzeuge gekauft und will daraus einen Zylinder von 4,19 m Durchmesser, das ist genau 50% des ET-Durchmessers und 7 m L&auml;nge fertigen. Vorne wird dieser durch einen Standard Berthering Mechanismus abgeschlossen, hinten durch einen halbkugelf&ouml;rmigen Tankdom. Wie beim Shuttletank ist er mit einer Isolierung bespr&uuml;ht, diesmal um ein zu starkes Ausk&uuml;hlen und Aufheizen zu verhindern. Der Shuttle-ET ist f&uuml;r einen Druckunterschied von 4 bar qualifiziert, das reicht aus. Sollte ein Mikrometeorit die H&uuml;lle durchschlagen, was w&auml;hrend der kurzen Missionsdauer unwahrscheinlich ist, so wird ein automatisches System die T&uuml;r zur ISS verschlie&szlig;en. So wiegt der Beh&auml;lter nur rund 1900 kg, w&auml;hrend das in den Abmessungen vergleichbare MPLM etwa zweieinhalb mal schwerer ist.<\/p>\n<p>Innen hat die Firma auf Racks verzichtet und die Verpackungsbeutel auch. Beides macht bei bisherigen Transportern etwa ein Drittel der bef&ouml;rderten Bruttomasse aus. Stattdessen wird der Beh&auml;lter voll bepackt und Hohlraum mit Polystyrolkugeln gef&uuml;llt. Das Material ist leicht (1,04 kg\/m\u00b3) und man br&auml;uchte davon nur 100 kg davon, um den ganzen Beh&auml;lter zu f&uuml;llen. Das ist jedoch nicht geplant, die letzte Schicht wird durch ein Netz gesichert. James Livermoore, Pr&auml;sident der Firma erkl&auml;rt &#8222;This is proven Technology, with Styropor nearly everything is shipped. If NASA wants, we can cut the material in every shape, but we prefer small balls, coated with a Glue&#8220;. Der Kleber von dem die Rede ist, soll verhindern dass die Kugeln in der Schwerlosigkeit &uuml;berall herumfliegen. Es ist der gleiche Kleber wie auf den Post-It zetteln &#8211; stark genug um die leichten Kugeln aneinander zu binden, aber trotzdem leicht abl&ouml;sbar. So kann die Nutzlast maximiert werden.<\/p>\n<p>Das teuerste an einem Transporter ist aber der Bus, im Normalfall ein Satellitenbus der den Frachtbeh&auml;lter zur ISS bringt. Hier bricht STS radikal mit der Vergangenheit. &#8222;The Servicemodule uses Commercial-Off-The-Shelf Technology.- It will be active for about one Week, probably much less, we think we can dock in 3 days and undock in one day. We don&#8217;t see the need for expensive Space-qualified Technology&#8220;. So verwendet sie normale Embedded Rechner mit Atom-CPU, normalen Speicher. Anstatt Hydrazin nutzt er Wasserstoffperoxid und Kerosin als Treibstoff &#8211; beides ist hypergol, die Selbstzersetzung des Wasserstoffperoxids sorgt zudem f&uuml;r den ausreichenden Tankdruck in diesem Tank, beim Kerosinrank wird eine Stickstoffdruckgasflasche eingesetzt. Die Mischung wird durch einen Platindraht in der Brennkammer entz&uuml;ndet, der als Katalysator wirkt. Das Solarpanel setzt normale Siliziumzellen ein, keine weltraumqualifizierten Galliumarsenidzellen. Es verliert nach 3 Monaten stark an Leistung doch eine Mission wird wahrscheinlich maximal einen Monat dauern. So will STS das ganze Servicemodul recht preiswert fertigen. Es soll 2 bis 2,5 t wiegen je nach H&ouml;he der Umlaufbahn in der die Rakete den Frachter aussetzt. Das l&auml;sst bei einer Startmasse von 12 t noch rekordverd&auml;chtige 7,5 bis 8 t f&uuml;r die Fracht &uuml;brig.<\/p>\n<p>Eine aktive Steuerung wird es nicht geben. Der gesamte Transporter wird durch einen Funkkanal von der Bodenstation aus gesteuert und sp&auml;ter von der Besatzung. Er verf&uuml;gt einen Radarverfolgungssender und GPS-Empf&auml;nger\/Sender im Avionikteil und Lichter (Blinklichter und feste Leuchten) am Vorderteil, dazu noch eine Videokamera &uuml;ber der Kopplungsstelle. Die Bodenkontrolle steuert den Transporter nach GPS-Angaben und Radarverfolgung bis in den Nahbereich der ISS. In 3,5 km Entfernung &uuml;bernimmt die Besatzung, nachdem ein Link aufgebaut wird und die GPS-Differenzdaten ausgetauscht werden. Das Signal der Kamera wird zur ISS &uuml;bertragen und selbst bei Nacht ist der Transporter durch die Lampen sichtbar. Er wird so von der Besatzung mit einem Joystick bis auf 10 m an die ISS herandirigiert, dann vom Canadaram gepackt und angekoppelt.<\/p>\n<p>Vor allem aber ist der Transport billig. Die Firma rechnet mit Startkosten von 260 Millionen Dollar bei einem Start mit einer Atlas 400er Serie, 200 Millionen Dollar bei einer Proton oder Zenit und 140 Millionen beim Start mit einer Falcon 9. In allen drei F&auml;llen k&ouml;nnen mindestens 7,5 t Fracht transportiert werden. Bei einer Rakete mit 20 t Nutzlast wie der Atlas 551 oder Proton kann man den Beh&auml;lter um 3 m verl&auml;ngern und die Zahl der Tanks im Servicemodul erh&ouml;hen. Dann k&ouml;nnten 14 t Fracht bef&ouml;rdert werden. Das w&uuml;rde mit der Atlas 551 rund 320 Millionen Dollar kosten und mit der Proton 210 Millionen Dollar.<\/p>\n<p>Die Firma rechnet vor, das im ung&uuml;nstigsten Fall 6 Fl&uuml;ge die 40 t transportieren k&ouml;nnten, &uuml;ber die die NASA derzeit Vertr&auml;ge mit OSC und SpaceX abgeschlossen hat, daf&uuml;r aber im ung&uuml;nstigsten Fall nur 1560 Millionen Dollar zu berappen sind, anstatt 3500 die die NASA derzeit zahlt. Im g&uuml;nstigsten Fall (drei Starts zu je 14 t mit der Proton) w&auml;ren es nur 630 Millionen Dollar. In beiden F&auml;llen k&auml;men noch 200 Millionen Dollar Entwicklungskosten dazu.<\/p>\n<p>Die NASA hat das Konzept gepr&uuml;ft und f&uuml;r das n&auml;chste Haushaltsjahr eine Startfinanzierung angek&uuml;ndigt. Der Grund ist leicht einzusehen &#8211; der Vorschlag spart viel Geld, das man braucht um das CCDev vorw&auml;rts zu bringen. Es gilt als ausgemachte Sache, dass die weiteren Transportauftr&auml;ge teurer werden. Beide Firmen sind nun etabliert und werden ihre Preise anheben.<\/p>\n<p>Schlussendlich setzt sich auch bei der NASA die Erkenntnis durch, das ein Versorgungstransporter f&uuml;r die ISS nicht die Anforderung erf&uuml;llen muss, die jahrelang autonom arbeitende Satelliten erf&uuml;llen m&uuml;ssen. Nur die Sicherheit der Besatzung muss gew&auml;hrleistet sein. Das scheint bei der Verwendung der Tankteilen gegeben zu sein, es gab ja schon mal die Idee aus dem ET eine Raumstation aufzubauen. Er muss sogar h&ouml;here Belastungen aushalten als ein ISS-Modul, da er beim Start mit f&uuml;nfmal dichteren Sauerstoff gef&uuml;llt ist.<\/p>\n<p>In einer ersten Stellungnahme f&uuml;hrt die NASA weitere Vorteile an. &#8222;.. an unexpected Plus is the Payload capacity and the much lower workload for the Astronauts for Docking and Undocking Manoevers. We need only one Transport per Year instead of three to four. Also we can expand with the lower Costs and lower Launchfrequency the Crew up to to ten Persons.&#8220;. Man wird also die M&ouml;glichkeit ausn&uuml;tzen dass die bisherigen CCDev Vehikel f&uuml;r den Transport von sechs bis sieben Personen ausgelegt sind. Eventuell k&ouml;nnte dieser neue Anbieter zu einer Renaissance der ISS f&uuml;hren. Zum einen gibt es ja kein anderes bemanntes Raumfahrtprojekt am Horizont, zum anderen steht nun ein weiterer Dockingadapter zur Verf&uuml;gung. Es gibt derzeit zwei, wovon einer als Ausweichplatz ausgelegt ist, (bisher aber noch nie genutzt weil bis zu drei Transporter im US-Teil andocken m&uuml;ssen. Hier k&ouml;nnte ein weiterer Verbindungsknoten mit Kopplungsdapter angebaut werden und neue Module. Zwei im Rohbau fertige gibt es ja schon, sie wurden nicht mehr gestartet um Kosten zu sparen. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/8976538b35da4d5ba78b46de17e4a95e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor ein paar Jahren h&auml;tte der Vorschlag der neu gegr&uuml;ndeten Firma &#8222;Space Transportation Services&#8220; (STS) wohl eine Eingangsbest&auml;tigung der NASA bekommen und dann nach einigen Wochen eine h&ouml;ffliche Ablehnung. Doch die Zeiten haben sich ge&auml;ndert. 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