{"id":92,"date":"2008-01-14T10:21:17","date_gmt":"2008-01-14T09:21:17","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/01\/14\/merkur-und-messenger\/"},"modified":"2008-01-14T10:40:49","modified_gmt":"2008-01-14T09:40:49","slug":"merkur-und-messenger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/01\/14\/merkur-und-messenger\/","title":{"rendered":"Merkur und MESSENGER"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"\/img\/messenger-merkur-flyby-2.jpeg\" align=\"left\" hspace=\"10\" vspace=\"10\" \/>Heute fliegt Messenger zum ersten Mal an Merkur vorbei, dem Planet den sie ab 2011 umkreisen   soll. Seit gestern arbeitet die Raumsonde autonom ihr &uuml;ber 55 Stunden ablaufendes   Beobachtungsprogramm ab. Da MESSENGER weder die Instrumente noch die Antenne schwenken kann,   bedeutet die Ausrichtung der Sonde auf Merkur gleichzeitig einen Verlust der Funkverbindung zur   erde (nicht ganz, es gibt nach wie vor eine Verbindung zum Senden von Statusdaten &uuml;ber eine   Rundstrahlantenne, aber eben keine Beobachtungsdaten.)<\/p>\n<p>Messenger sieht Merkur zuerst als schmale Sichel und fliegt ein Gebiet an, das man schon von   Mariner 10 kennt. Nach dem Vorbeiflug sieht man aber neue Gebiete, die man von Mariner 10 nicht   kennt. Mariner 10 passierte zwar Merkur von 1973-1975 insgesamt dreimal, fotografierte jedoch   immer dieselbe Seite von Merkur. Das lag an dem gew&auml;hlten Orbit. Er wurde beim ersten Vorbeiflug   so gew&auml;hlt, dass er genau 176 Tage Umlaufszeit hatte, mit einem sonnenn&auml;chsten Punkt in 67   Millionen km Entfernung. An genau diesem Punkt passierte dann Mariner 10 den Merkur. Da dieser in   59 Tagen um seine Achse rotiert, hatte er, als er wieder dort ankam genau 3 Umdrehungen absolviert   und man sah die gleichen Gebiete bei gleichem Sonnenstand.<\/p>\n<p>Merkur ist das Stiefkind der Planetenforschung. MESSENGER ist erst die zweite Sonde die ihn   besucht. <a href=\"\/mariner10.shtml\">Mariner 10<\/a> Fotos zeigten einen sehr langweiligen K&ouml;rper,   voller Einschlagskrater mit geringer geologischer Aktivit&auml;t. Allerdings gab es auch   Besonderheiten. So hat Merkur eine f&uuml;r seine Gr&ouml;&szlig;e relativ starkes Magnetfeld.<\/p>\n<p>Das Desinteresse an Merkur in den letzten 30 Jahren kann nicht an seiner Erreichbarkeit liegen:   Nat&uuml;rlich ist Merkur direkt schwer zu erreichen: Man braucht f&uuml;r einen direkten Flug fast dieselbe   Geschwindigkeit wie zu Jupiter. Aber das ist da die Venus auf dem Weg liegt, kein Problem &#8211; die   Venus kann den Kurs soweit &auml;ndern, dass man zu Merkur kommt. Dies setzte schon Mariner 10 ein.   Mehrere Vorbeifl&uuml;ge an Merkur reduzieren dann die Geschwindigkeit relativ zum Planeten reduzieren.   Das dauert Jahre wie MESSENGER zeigt &#8211; doch auch zu Saturn und anderen Zielen sind Raumsonden &uuml;ber   Jahre unterwegs.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist schlicht und einfach das Desinteresse an einem Himmelsk&ouml;rper, den man als biologisch tot   und archaisch ansieht. Merkur teilt dieses Schicksal mit dem Mond : Von 1976 bis 2006 starteten   nur 3 Sonden zum Mond, der direkt vor unserer Haust&uuml;r liegt. Seitdem gibt es wieder eine gewisse   Wiederbelebung der Mondforschung. Vor allem weil er relativ einfach f&uuml;r neue Raumfahrtnationen wie   Indien und China erreichbar ist und Bushs &#8222;R&uuml;ckkehr zum Mond&#8220; ja eine weitergehende Kenntnis   notwendig macht, m&ouml;chte man die Auswahl von Landepl&auml;tzen nicht dem Zufall &uuml;berlassen.<\/p>\n<p>MESSENGER wird nicht die einzige Raumsonde zu Merkur bleiben. Die ESA arbeitet an Bepi-Colombo,   einer Doppelsonde bestehend aus einem europ&auml;ischen Orbiter f&uuml;r Untersuchungen der Oberfl&auml;che und   einer kleineren Tochtersonde f&uuml;r Magnetfeld und Plasmauntersuchungen von Japan. Eine zuerst   geplante Landesonde wurde relativ fr&uuml;h aus Kostengr&uuml;nden gestrichen. Der Start wird jedoch nicht   vor 2013 erfolgen. Anders als bei MESSENGER wird man Ionentriebwerke nutzen um Merkur zu   erreichen. Auch Bepi Colombo wird 6 Jahre zu Merkur brauchen.<\/p>\n<p>Schon der erste Vorbeiflug von MESSENGER wird sicher unsere Kenntnisse von Merkur stark   erweitern. Nicht nur das man den Anteil an beobachteter Oberfl&auml;che um 50 % vergr&ouml;&szlig;ert. Einige   Instrumente werden erstmals bei Merkur eingesetzt werden, wie ein Laser-H&ouml;henmesser zur Gewinnung   eines Oberfl&auml;chenprofils oder Gammastrahlen und R&ouml;ntgenspektrometer zur Bestimmung der   Zusammensetzung der Kruste oder das IR Spektrometer zur Suche nach den Mineralien die auf Merkur   vorkommen. Es ist zu hoffen, das nach Bepi-Colombo nicht wieder ein 30 Jahre langes Vergessen   einsetzt, sondern man viellicht als n&auml;chste Stufe an einen Lander geht.<\/p>\n<p>Auf meiner <a href=\"\/messenger.shtml\">Messenger Seite<\/a> findet man auch einen  Plan des   zeitlichen Ablaufs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute fliegt Messenger zum ersten Mal an Merkur vorbei, dem Planet den sie ab 2011 umkreisen soll. Seit gestern arbeitet die Raumsonde autonom ihr &uuml;ber 55 Stunden ablaufendes Beobachtungsprogramm ab. 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