{"id":9434,"date":"2014-02-25T00:41:43","date_gmt":"2014-02-24T23:41:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=9434"},"modified":"2014-02-24T11:34:57","modified_gmt":"2014-02-24T10:34:57","slug":"wernher-von-braun-wuerde-im-grabe-rotieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/02\/25\/wernher-von-braun-wuerde-im-grabe-rotieren\/","title":{"rendered":"Wernher von Braun w&uuml;rde im Grabe rotieren &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>\u2026 W&uuml;sste er um Deutschlands Raketenentwicklung in den letzten 40 Jahren. Die Beteiligung begann mit der Europarakete, wo Deutschland die kleinste Stufe baute. Das ist zwar der kleinste Teil an der Rakete (wenn man nur die Massen der Stufen betrachtet), aber da es die Letzte ist auch der anspruchsvolle in der Hinsicht auf die Maximierung der Nutzlast. Die dritte Stufe war auf der H&ouml;he der Zeit, ein Mix von Neuerungen wie der Explosionsverformung von Tanks und konservativen Bauformen wie separaten Steuertriebwerken und einem fest eingebauten Haupttriebwerk. Ob die Stufe funktioniert h&auml;tte, wei&szlig; man nicht. Zweimal zerlegte es sie bei der Z&uuml;ndung, einmal arbeitete sie, hatte aber einen Performanceabfall und der Satellit erreichte keinen Orbit, auch weil die Nutzlastverkleidung sich nicht l&ouml;ste.<!--more--><\/p>\n<p>Bei der Entwicklung von Ariane 1 &auml;nderte sich die politische Haltung. Bei der Europa war man mit einem eigenen System beteiligt, die finanzielle Beteiligung stieg sogar von 18,9 auf 45,6% an. Deutschland hielt an der Rakete fest, w&auml;hrend England und Italien aus dem Projekt ausstiegen. Bei der Ariane 1 bekam Frankreich, das den gr&ouml;&szlig;ten Teil des Projektes, trug auch die Systemf&uuml;hrerschaft. Frankreich verteilte nur Unterauftr&auml;ge verteilte. Frankreich begann eine Politik, welche die Nation bis heute beibeh&auml;lt: bei den neuen Tr&auml;gern darauf zu achten, dass aus Frankreich die technischen Neuerungen kommen, selbst wenn man wie bei der Vega nicht der Hauptfinanzier ist. Deutschland begann zum gleichen Zeitpunkt eine Fehlentwicklung, die bis heute anh&auml;lt: Unsummen in die bemannte Raumfahrt zu finanzieren. Es begann mit dem Spacelab, setzte sich &uuml;ber eigene Spacelabmissionen fort und das endete mit Columbus.<\/p>\n<p>Bei Ariane 1 war Deutschland zu 20% beteiligt, fertigte Schubger&uuml;st und Wassertank der ersten Stufen, Treibstofftank der zweiten Stufe, integrierte diese und baute die Brennkammer der dritten Stufe. Dazu kamen die Gasgeneratoren und Turbopumpen f&uuml;r die Viking Triebwerke.&nbsp;Bei Ariane 4 wuchs die Beteiligung noch, man integrierte nun auch die Fl&uuml;ssigbooster und baute deren Strukturen. Was Deutschland bei Ariane 1-4 jedoch nicht entwickelte, war eine ganze Stufe alleine, oder zumindest das Kernst&uuml;ck: ein ganzes Triebwerk.<\/p>\n<p>Als der Bau von Ariane 5 endg&uuml;ltig beschlossen wurde, war schon der Erfolg von Ariane abzusehen. Arianespace hatte ein volles Backlog, auch wenn zu diesem Zeitpunkt Ariane 4 noch nicht geflogen war. Es gab durchaus Offerten seitens Frankreich Deutschland mehr abzutreten, so die von SNECMA das Vulcain zusammen mit MBB zu entwickeln. Doch Deutschland wollte wieder nur Juniorpartner sein, sonst k&ouml;nnte man sich ja nicht eine Woche D-2 Mission im All leisten! Was bekam man? Deutschland d&uuml;rfte eine Stufe komplett bauen, die technisch uninteressante EPS, die technologisch nicht weiter entwickelt ist, als die dritte Stufe der Europa 1 \u2013 nur eben 25 Jahre nach deren Entwicklung. Dann d&uuml;rfte man noch die Boosterh&uuml;lsen bauen, das bedeutet im wesentlichen: Stahl auf genau 8 mm Breite zu walzen sowie einige andere Strukturen wie Tankabschlussdome, die Struktur der VEB und die Speltra, die nur bei den Testfl&uuml;gen zum Einsatz kam. Dazu einige Hydraulikanlagen und kleine Lagereglungstriebwerke f&uuml;r die VEB \u2013 das war es bei einer Beteiligung in der H&ouml;he von &uuml;ber 1 Milliarde Euro.<\/p>\n<p>Frankreich entwickelte, nachdem man bei der Ariane 1 mit dem H10 das erste Triebwerk mit kryogenen Treibstoffen baute, nun das 16-mal schubst&auml;rkere Vulcain, mit dem h&ouml;chsten spezifischen Impuls aller Gasgeneratortriebwerke, die leichtgewichtige EPC und bei den Boostern das Kernst&uuml;ck \u2013 die beweglichen D&uuml;sen, das Einzige technologisch interessante an den Boostern.<\/p>\n<p>Weitere 15 Jahre sp&auml;ter standen neue Entscheidungen an. &Uuml;ber den Ausbau der Ariane 5 und die Neuentwicklung der Vega. Die Vega hielt das DLR f&uuml;r &uuml;berfl&uuml;ssig, es gab doch die ausgemusterten russischen Tr&auml;ger, die auch von deutschen Firmen vermarktet werden. Zugegebenerweise gab es auch in anderen L&auml;ndern Vorbehalte gegen die Vega. Italien wurde Systemf&uuml;hrer und konnte Frankreich &uuml;berzeugen, indem man die Konzeption der ersten Stufe von gek&uuml;rzten Ariane 5 Boostern auf die Filamenttechnologie umstellte, welche auch die oberen Stufen einsetzten. Frankreich beteiligte sich an der ersten Stufe. Warum? Vielleicht weil man wie bisher sich neue Technologien aneignen will? Erst als die Vega flog, die russischen Tr&auml;ger nicht mehr billig waren und es nicht mehr viele der seit drei&szlig;ig Jahren nicht mehr produzierten Raketen gibt, ist man beim DLR aufgewacht und vergab Studien f&uuml;r eine deutsche Oberstufe. Angesichts des technologischen R&uuml;ckstandes, den Deutschland inzwischen aufwies, h&auml;tte eine deutsche Oberstufe obwohl mit fl&uuml;ssigen anstatt festen Treibstoffen die Nutzlast der Vega abgesenkt anstatt gesteigert.<\/p>\n<p>Gleichzeitig stand der Ausbau der Ariane 5 an. Der wichtigste Teil, neben kleineren Verbesserungen, war die Einf&uuml;hrung von zwei Stufen. Die ESC-A welche Teile der Ariane 4 einsetzte erg&auml;nzt durch einen neuen Wasserstofftank und die ESC-B mit einem neuen schubkr&auml;ftigen Triebwerk mit dem Expander Cycle, dem Ersten in Europa und wieder einen Weltrekord f&uuml;r Schub und spezifischen Impuls in dieser Klasse setzend. Wer entwickelt das Vinci? Nat&uuml;rlich Frankreich. Wer macht den uninteressanten Teil, die Strukturen? Nat&uuml;rlich Deutschland! Schlimmer noch, durch die Tatsache, dass man Jahrzehnte lang in Bremen nur kleine Stufen mit lagerf&auml;higen Treibstoffen und Druckf&ouml;rderung baute, scheint es bei Astrium Bremen, Nachfolgefirma von ERNO, welche die dritte Stufe der Europa und die EPS entwickelte, es nicht m&ouml;glich zu sein, die leichtgewichtige Stufe zu produzieren die eine LOX\/LH2 Stufe wegen des gro&szlig;en Wasserstofftanks erfordert. Beide Stufen setzen daher Rekordmassen beim Trockengewicht und kosten mindestens 1,5 t (ESC-A) bis &gt; 2 t Nutzlast (ESC-B).<\/p>\n<p>Nun steht die Ariane 6 an und zum ersten Mal knistert es nicht nur zwischen CNES und DLR, sondern die Interessen laufen auseinander. Das DLR will die Ariane 5 ME, weil Deutschland an dieser Rakete einen Anteil von 29% hat. Allerdings fertigt man nichts Anspruchsvolles. Insbesondere ist das Neue an der Ariane 5 ME die Oberstufe, die in Bremen integriert wird und von der die Strukturen von Astrium Bremen stammen. Systemintegration, also das Zusammenbauen ist ein lukrativer Job, aber man eignet sich keine neuen Technologien an. Bisher war nur wichtig, wie viel Deutschland von den Auftr&auml;gen bekommt, aber nicht was man macht. Das r&auml;cht sich nun nach einigen Jahrzehnten.<\/p>\n<p>Frankreich will die Ariane 6 mit der Feststofftechnologie der Vega bauen und dem Vinci Triebwerk. Da die Nutzlast kleiner ist und die Oberstufe st&auml;rker beschleunigen muss, schlie&szlig;lich sitzt sie nicht auf einer EPC, sondern einer Feststoffbooster mit schlechteren Performancewerten muss man dort die leichten Strukturen einsetzen, die Air Liquide beherrscht, aber eben nicht Astrium Bremen. Deutschland k&ouml;nnte nichts zur Ariane 6 beitragen, denn selbst zaghafte Versuche die Edelstahlbooster der Ariane 6 mit der neuen Filament-CFK-Technologie zu verbinden seitens MT Aerospace wurden nicht gef&ouml;rdert. Deutschland k&ouml;nnte nur die Performance der Ariane 6 senken und ist f&uuml;r das Projekt so wichtig, wie der Hersteller von Bleigewichten f&uuml;r einen Rennwagen.<\/p>\n<p>So verwundert es nicht, dass man gegen die neue Rakete ist, daf&uuml;r will Frankreich nicht mehr die ISS nach 2020 mittragen. Dort ist Deutschland am st&auml;rksten von allen ESA-Mitgliedern beteiligt.<\/p>\n<p>Das Fazit nach 50 Jahren Raketenentwicklung in Deutschland ist ern&uuml;chternd. Man hat mindestens 4 Milliarden Euro f&uuml;r die Programme ausgegeben. Daf&uuml;r hat man als schubst&auml;rksten Antrieb das Aestus entwickelt, mit ganzen 28,7 kN Schub! Selbst die Einfachmodule der privat finanzierten OTRAG-Rakete waren da schubst&auml;rker.<\/p>\n<p>W&uuml;sste Wernher von Braun, dass siebzig Jahre nach dem Erstflug der A-4 ihr Antrieb noch immer zehnmal schubst&auml;rker ist, als alles was man seitdem in Deutschland entwickelt hat, er w&uuml;rde wohl im Grab rotieren.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/93ddabbaf2b045eab66ed6adb05aea8a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 W&uuml;sste er um Deutschlands Raketenentwicklung in den letzten 40 Jahren. Die Beteiligung begann mit der Europarakete, wo Deutschland die kleinste Stufe baute. 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