{"id":9658,"date":"2014-03-09T00:13:01","date_gmt":"2014-03-08T23:13:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=9658"},"modified":"2014-03-09T09:41:27","modified_gmt":"2014-03-09T08:41:27","slug":"gehts-auch-billiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/03\/09\/gehts-auch-billiger\/","title":{"rendered":"Geht&#8217;s auch billiger?"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin &uuml;berzeugter Anh&auml;nger der europ&auml;ischen Raumfahrt, aber in den letzten Jahren macht sie einem wenig Freude. Projekte scheinen ewig zu brauchen, zu teuer oder &uuml;berfl&uuml;ssig zu sein.<\/p>\n<p>Den Anlass lieferte die H-III. Da habe ich f&uuml;r einen <a href=\"\/H-IIII.shtml\">neuen Aufsatz<\/a> recherchiert. Die H-III wird von der JAXA als Nachfolger der H-IIA entwickelt. Derzeit l&auml;uft die Ausschreibung f&uuml;r die Rakete. Da bieten sich Parallelen zur Ariane 6 an. Denn beide Raketen werden in der gr&ouml;&szlig;ten Version 6,5 t transportieren, 2020\/21 zur Verf&uuml;gung stehen. Nur sonst gibt es ein paar Unterscheide:<!--more--><\/p>\n<ul>\n<li>Die H-III setzt ein neues LOX\/LH2 Triebwerk f&uuml;r die erste Stufe ein . Die Ariane 6 dagegen Feststoffbooster<\/li>\n<li>Die H-III ist flexibel erweiterbar und kann ohne Feststoffbooster mit zwei, vier oder sechs starten und deckt so eine Nutzlast zwischen 3 t SSO und 6,5 t GTO ab. Eine Erweiterung um zwei Erststufen (wie bei der Delta 4H) w&auml;re auch m&ouml;glich, dann w&uuml;rde die Nutzlast die H-IIB erreichen. Ariane 6 hat kein solches Konzept<\/li>\n<li>Die Entwicklungskosten der H-III sollen 1,9 Milliarden Dollar betragen. Die Ariane 6 dagegen 4 Milliarden Euro kosten (man will die Kosten auf 2-3 Milliarden Euro dr&uuml;cken, aber das ist noch nicht fix und immer noch teurer).<\/li>\n<li>Ein Start der H-III soll 50-65 Millionen Dollar kosten, der Ariane 6 dagegen 70 Millionen Euro (95 Millionen Dollar)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nun bei Startkosten muss man vorsichtig sein. Die erweisen sich sehr oft nur schwer prognostizierbar. So waren alle japanischen Tr&auml;ger bisher teurer als geplant und auch bei Ariane 5 und Atlas V \/ Delta 4 erweisen sich die Prognosen als falsch. Aber Japan hat es fertig gebracht, ihre Raketen preiswert zu entwickeln. Hier mal eine Aufstellung der Aufwendungen f&uuml;r die Entwicklung der H-Serie:<\/p>\n<table>\n<colgroup>\n<col \/>\n<col \/>\n<col \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr>\n<th>Tr&auml;ger<\/th>\n<th>Entwicklungszeitraum<\/th>\n<th>Kosten<\/th>\n<th>Nutzlast (GTO)<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>H-II<\/td>\n<td>1985-1994<\/td>\n<td>2.300 Millionen $<\/td>\n<td>4.000 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>H-IIA<\/td>\n<td>1995-2001<\/td>\n<td>1.500 Millionen $<\/td>\n<td>4.100 &#8211; 5.000 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>H-IIB<\/td>\n<td>2001-2009<\/td>\n<td>447 Millionen $<\/td>\n<td>8.000 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>H-III<\/td>\n<td>2014-2020<\/td>\n<td>1.900 Millionen $<\/td>\n<td>1.500 &#8211;&nbsp; 6.500 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der Trend in der H-II Serie ist das die Weiterentwicklung immer billiger wurde. Man hat die Rakete inkrementell verbessert. Bei der H-IIA waren es neue Feststoffbooster und Performancesteigerung bei der Zentralstufe, bei der H-IIB der geniale Coup einfach die erste Stufe zu verbeitern, zwei Triebwerke einzubauen und vier Booster anstatt zwei anzuflanschen. Die H-III wird weil es wieder eine Neuentwicklung ist teuer. Aber immer noch billiger als die Ariane 6.<\/p>\n<p>Wie viel die Ariane 5 Entwicklung gekostet hat, ist schwer nachzuvollziehen, weil es nach den beiden misslungen Jungfernfl&uuml;gen der Generic und Evolution Variante jeweils noch Rettungsprogramme gab, dazu Kosten f&uuml;r das Pero 2000 Program, Evolution Programm etc. Ein Artikel der JAXA listet die Ariane 5 als Vergleich und kommt auf 8800 bis 9900 Millionen Dollar, was eher die Untergrenze sein d&uuml;rfte. Alleine die n&auml;chste Oberstufe ESC B wird weitere <a href=\"http:\/\/www.spacenews.com\/article\/launch-report\/39156esa-puts-price-tag-on-ariane-5-me-completion\">1 Milliarde Euro kosten<\/a>, mindestens 300 Millionen hat man schon ausgegeben. Das ist mehr als die JAXA f&uuml;r eine komplette neue Rakete ausgeben will! Da man die Oberstufe weiterverwenden k&ouml;nnte, wenn man sie sauber konzipiert w&auml;re f&uuml;r die Ariane 6 nur noch die Entwicklung eines Boosters und der Startanlagen &uuml;brig. Der Booster wird eine vergr&ouml;&szlig;erte Version der Vega Erststufe sein. Ich hatte ja mal schon <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/01\/22\/die-ariane-6-ist-billig-zu-entwickeln\/comment-page-1\/\">vorgerechnet<\/a>, das bei einer zeitgem&auml;&szlig;en Oberstufe (also nicht dem derzeitigen Vorschlag von Bremen f&uuml;r die ESC-B) vier Vega P80FW in der ersten Stufe und einer in der zweiten Stufe die n&ouml;tige Performance h&auml;tten. F&uuml;r die Ariane 6 sind 2-3 Booster in der ersten Stufe angedacht. Wenn man also die Stufe um ein Drittel bis 50% verl&auml;ngert passt es. Daf&uuml;r 4 Milliarden ausgeben, wenn die gesamte Vega Entwicklung nur 770 Millionen Euro kostete. Noch komischer ist, dass dann die Rakete mit maximal 4 Feststoffboostern mehr kosten soll das die japanische H-III mit Sechs Boostern und zwei LOX\/LH2 Triebwerken vom Schub des Vulcain 2.<\/p>\n<p>Blicken wir ins andere Ressort das mich interessiert: Die Erforschung der Planeten. Da warten wir seit Jahren auf BepiColumbo. Der Start wurde schon mehrfach verschoben und ist nun f&uuml;r 2015 vorgesehen. Teurer wird&#8217;s auch. Am meisten &auml;rgert mich aber Exomars. Exomars startete als Projekt nach den beiden MER Landern. Wie so oft kommt man auf ein Projekt wenn andere erfolgreich vormachen wie das in der &Ouml;ffentlichkeit einschl&auml;gt. Aus dem einfachen Rover im Stil der MER mit etwas besseren Instrumenten wurde nach und nach ein teures Projekt auch wenn sich am Rover nicht viel &auml;nderte. Er soll nun immer noch 300 kg wiegen &#8211; also ein Bruchteil von Curiosity. Man ging eine Kooperation mit der NASA ein die einen Orbiter starten wollte, da der als Kommunikationsrelais dienen kann und auch eine Technologiekapsel mitf&uuml;hren sollten, die das Landeverfahren erproben sollte.<\/p>\n<p>Die USA stiegen aus, die beiden Starts blieben und die exorbitanten Kosten in H&ouml;he von 1,2 Milliarden Euro. Etwas viel f&uuml;r einen Rover. Vor allem wenn es nur eine weitere Marssonde ist. Sorry, aber zum Mars flogen bisher die meisten Raumsonden. Jedes Startfenster eine oder zwei weitere. Warum nicht woanders hin? Wie w&auml;re es mit einem Venusradarorbiter mit einer kleinen Landesonde die beim Abstieg Bilder macht? Das w&auml;re technologisch vor Europa zu schaffen (man denke an die deutsch Erfahrung mit Radarsatelliten) und w&uuml;rde mehr der Forschung bringen, w&auml;re spektakul&auml;r (neue Bilder von der Venusoberfl&auml;che!) und bestimmt billiger. Oder man geht ins &auml;u&szlig;ere Sonnensystem. 20917 w&auml;re das n&auml;chste Startfenster Jupiter-Saturn. Eine Raumsonde zu Saturn k&ouml;nnte wie Voyager und Cassini vorher den Jupiter untersuchen und dort in einen Orbit einschwenken. Wenn man JUICE baut, warum kopiert man sie nicht und draus wird ein Saturnorbiter. Man ben&ouml;tigt dann nur wegen der Entfernung einen RTG, doch zum einen gibt es ja auch europ&auml;ische Kernreaktoren, zum anderen kann man Americium nehmen, Eventuell kann man das Material auch kaufen. China hat offenbar welches f&uuml;r ihre Mondsonden. Russland verscherbelt ja keines mehr und die USA m&uuml;ssen selbst erst die Produktion hochfahren. Also selber produzieren w&auml;re wohl besser.<\/p>\n<p>Es geht in Europa anders. Das beweist die Entwicklung der Ariane 1-4 die preiswert war oder Mars und Venus Express, ebenso leistungsf&auml;hig und preiswert. Aber wenn man ein Projekt pusht (Exomars war mehrmals vor dem Aus wegen der Finanzen, aber die ESA Direktion will es einfach) oder ein Staat egal was ist eine neue Rakete haben will 8Frankreich bei der Ariane 6), dann finanziert man es eben. Das gilt auch f&uuml;r andere Nonsens Projekt wie das Servicemodul f&uuml;r die Orion. Es ist teurer als nachgebaute ATV. Die Technologie nutzt nichts, wenn man keinen eigenen Raumtransporter baut, und ob die USA sp&auml;tere Servicemodule aus Europa kaufen? fraglich. Genauso fraglich wie das man neben dem einen geplanten Mondflug &uuml;berhaupt was mit der Orion macht. Au&szlig;er dem Orion ist nichts geplant, kein Habitat Modul f&uuml;r l&auml;ngere Reisen, kein Mond L&auml;nder, keine Mars- oder Asteroidenexpedition. Doch Hauptsache man hat was entwickelt oder meint irgendwie in der bemannten Raumfahrt beteiligt zu sein ohne sie wirklich zu betreiben. Das ist die Chaospolitik der ESA, die wiederum der Spielball ihrer Mitgliedsstaaten ist und da wollen Frankreich und Deutschland eben derzeit unterschiedliche Dinge, also f&auml;ngt man zwei unsinnige Projekte gleichzeitig an.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/1f66407faa034f5ca2081b37bf36836e\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin &uuml;berzeugter Anh&auml;nger der europ&auml;ischen Raumfahrt, aber in den letzten Jahren macht sie einem wenig Freude. Projekte scheinen ewig zu brauchen, zu teuer oder &uuml;berfl&uuml;ssig zu sein. Den Anlass lieferte die H-III. Da habe ich f&uuml;r einen neuen Aufsatz recherchiert. Die H-III wird von der JAXA als Nachfolger der H-IIA entwickelt. 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