{"id":9690,"date":"2014-03-16T00:02:51","date_gmt":"2014-03-15T23:02:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=9690"},"modified":"2014-03-16T17:14:43","modified_gmt":"2014-03-16T16:14:43","slug":"warum-ist-bemannte-raumfahrt-so-teuer-und-hat-nicht-die-unbemannte-raumfahrt-verdraengt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/03\/16\/warum-ist-bemannte-raumfahrt-so-teuer-und-hat-nicht-die-unbemannte-raumfahrt-verdraengt\/","title":{"rendered":"Warum ist bemannte Raumfahrt so teuer und hat nicht die unbemannte Raumfahrt verdr&auml;ngt?"},"content":{"rendered":"<p>Diese Frage scheint zuerst nicht so sinnvoll zu sein, wo wie wenn man fragt &#8222;Warum unterschl&auml;gt ein Pr&auml;sident von Bayern M&uuml;nchen 28,5 Millionen Euro?&#8220;. Aber vom Prinzip her m&uuml;sste bemannte Raumfahrt viel billiger als die unbemannte sein. Warum?<\/p>\n<p>Nun Raumfahrt ist aus einigen Gr&uuml;nden teuer. Wenn wir mal vom Start selbst absehen, der ja schon teuer ist sind auch die Nutzlasten ziemlich teuer und hier liegt es an den Umst&auml;nden:<\/p>\n<p>Die Satelliten und alle Experimente, Untersysteme bis hin zum Level einer Schraube oder eines Transistors m&uuml;ssen &uuml;ber lange Zeit st&ouml;rungsfrei funktionieren oder wenn sie ausfallen muss f&uuml;r Redundanz gesorgt sein, denn eine Reparatur oder nur ein Austausch ist nicht m&ouml;glich.<!--more--><\/p>\n<p>Dazu ist die Hardware hohen Temperaturschwankungen, Schwerelosigkeit, einem Vakuum und kosmischer Strahlung ausgesetzt. Das f&uuml;hrt dazu, dass man oft neue L&ouml;sungen braucht, weil Bauteile die auf der Erde eingesetzt wird unter diesen Bedingungen viel schneller ausfallen. Man denkt daran an Elektronik, aber auch normale Solarzellen verlieren im Weltraum in 6 Monaten die H&auml;lfte ihrer Leistung. Man braucht spezielle f&uuml;r Satelliten.<\/p>\n<p>Wie sieht es nun aus wenn wir Experimente nicht in einen Satelliten einbauen sondern in eine Raumstation? Es vereinfacht sich vieles, denn nun ist man in einem druckdichten Zylinder. Die H&uuml;lle absorbiert die meisten kosmischen Strahlen, denn die Astronauten m&uuml;ssen auch vor ihnen gesch&uuml;tzt werden. Die Atmosph&auml;re sorgt daf&uuml;r das kein Vakuum herrscht und weil Menschen drin leben sind die Temperaturen geregelt und liegen um Zimmertemperatur. Nur die Schwerelosigkeit bleibt, k&ouml;nnte aber durch Rotation der Sonde auch abgestellt werden.<\/p>\n<p>Wenn etwas ausf&auml;llt, dann ist nun jemand da der das reparieren kann und Ersatzteile kann man mit einem Transporter hochschicken. Vor allem eben braucht man keine teure weltraumqualifizierte Hardware. Das ist nicht nur in der Theorie so, sondern auch in der Praxis. Vor vielen Jahren habe ich mal einen Artikel &uuml;ber die Computer auf der ISS gelesen. Nicht das zentrale Computersystem der Station, sondern die Rechner die die Astronauten nutzten. Das waren &#8222;normale&#8220; Thinkpads von IBM (damals noch nicht an Lebovo verkauft). Man hatte nur Nicht benutzte Anschl&uuml;sse versiegelt und elektrisch auf Masse geschlossen. er einzige Nachteil ist dass man nicht nur den Satelliten in den Orbit bringen muss, sondern auch die Besatzung bzw. eine Raumstation. Allerdings ist zumindest bei wissenschaftlichen Nutzlasten der Start das preiswerteste.<\/p>\n<p>Also im Prinzip m&uuml;ssten sich die Erforschung von der unbemannten auf die bemannte Raumfahrt verschoben haben und Forscher m&uuml;ssten sich rei&szlig;en auf der ISS Experimente durchzuf&uuml;hren. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Warum?<\/p>\n<p>In der Tat gab es ja nicht wenige Versuche bemannte Missionen f&uuml;r die Wissenschaft zu nutzen. Schon die ersten Mercury Missionen hatten kleine wissenschaftliche Experimente. Das wurde auch bei den Gemini Missionen beibehalten. Doch es waren wenige und die Mission stand im Vordergrund. Bei Apollo war die Hauptaufgabe aber die Experimente auf dem Mond zu installieren, die dann l&auml;nger funktionierten als die Apollomissionen. Die ALSEP Experimente wurden erst 1977 abgeschaltet, um Kosten zu sparen. Die Astronauten waren nur Gep&auml;cktr&auml;ger und Installateure.<\/p>\n<p>Die erste wirkliche Mission in der die Wissenschaft im Vordergrund stand war Skylab. Die Astronauten arbeiteten pro Tag rund 8 Stunden an den Experimenten. Fast 100 gab es an Bord der Station. Das Arbeitspensum erstaunt, sind dies doch bei drei Astronauten 120 Stunden pro Woche. Der Rekord bei der ISS betr&auml;gt bei 6 Astronauten dagegen <a href=\"http:\/\/www.spacesafetymagazine.com\/2013\/07\/16\/nasa-inspector-general-report-calls-iss-research\/\">derzeit 37,5 Stunden.<\/a> Auch hinsichtlich der Untersuchungen kann Skylab mithalten. Die NASA nennt 100 pro Jahr bei 6 Personen. Skylab hatte 82 Experimente mit 270 Untersuchungen (die NASA spricht bei der ISS leider nur von &gt;100 Investigations, was keinen R&uuml;ckschluss erlaubt) und war nur ein halbes Jahr in Betrieb.<\/p>\n<p>Die Space Shuttles hatten dann die M&ouml;glichkeit erstmals die Experimente zu wechseln und verschiedene Spacelabfl&uuml;ge durchzuf&uuml;hren. Doch da die F&auml;hren nur f&uuml;r Kurzzeitmissionen ausgelegt hat war dies relativ unwirtschaftlich. Doch auch bei den Shuttles war man effizient. Von 6-7 Mann Besatzung waren vier f&uuml;r die Experimente zust&auml;ndig die im Schichtbetrieb jeweils 12 Stunden daran arbeiteten.<\/p>\n<p>Nicht vergessen sollte man noch das Milit&auml;r, das schon immer die bemannte Raumfahrt nutzen wollte. In den USA gab es Pl&auml;ne die Gemini Kapseln f&uuml;r Aufkl&auml;rungsmissionen zu nutzen wobei man im verwegendsten Konzept den zweiten Sitz durch eine Kameraausr&uuml;stung ersetzt h&auml;tte die der dann noch einzige Astronaut bedient h&auml;tte. Sp&auml;ter kam dann noch die Idee einer eigenen Raumstation f&uuml;r diesen Zweck. Immerhin in Russland hat man dies auch durchgezogen. Drei der Saljut Stationen (Saljut 2,3 und 5) waren rein milit&auml;rischer Natur. In den damaligen Zeiten als man Aufnahmen auf Film machte war der Vorteil offensichtlich: Die Besatzung konnte hochaufl&ouml;sende Kameras dann bedienen wenn man auch was fotografieren konnte. Sie konnte Film auswechseln und eingreifen wenn Film h&auml;ngen blieb oder es andere Probleme gab.<\/p>\n<p>Bei der ISS gibt es dagegen keinen Run auf die Station. Nach dem letzten Bericht sind von den US-M&ouml;glichkeiten nur 75% intern und 40% extern genutzt. Und das vier Jahre nach Fertigstellung der Station. Also viel Platz noch &uuml;brig. Ich denke nicht das es an Crewzeit fehlt auch wenn ein Report amn das GAO von der NASA vorrechnet, dass die Besatzung derzeit so mit Routineaufgaben zugekleistert ist, das ein siebter Mann das Kontingent f&uuml;r die Forschung nicht um ein Siebtel, sondern satte 94% erh&ouml;hen w&uuml;rde. Bei mehr Experimenten m&uuml;sste man dann eben die Priorit&auml;ten richtig setzen. Warum gibt es dann nicht den gro&szlig;en Run? Bisher ist die Forschung eher unspektakul&auml;r an Bord der ISS. Eher gibt es Promotionsaktionen wie das Aussetzen von Cubesats oder die (zweimal gescheiterte) Installation von &uuml;bers Internet bedienbaren Kameras an der Au&szlig;enseite. Das Problem der ISS ist, das sie in einer Umlaufbahn ist die niemanden n&uuml;tzt und nur die Nutzlast maximiert. Erdbeobachtungssatelliten sind in sonnensynchronen Umlaufbahnen die h&ouml;her sind (600 bis 800 km), vor allem aber &uuml;ber 90 Grad geneigt. astronomische Satelliten kommen noch mit der Umlaufbahn zurecht, auch wenn f&uuml;r bestimmte Typen es besser ist, wenn sie weit weg von der Erde sind. Doch hier st&ouml;ren die durch die Besatzung induzierten Schwingungen der Station. Au&szlig;er der Erforschung des Menschen oder Tieren\/Pflanzen die ja nur wegen der bemannten Raumfahrt m&ouml;glich ist, bleibet dann nur noch die Werkstoffforschung als sinnvoller Einsatz &uuml;brig.<\/p>\n<p>Nun es gab ja mal den Versuch die Vorteile eines bemannten Systems zu nutzen. Anfang der Achtziger konzipierte man Satelliten zum Teil so, dass man sie im Orbit reparieren konnte, was bei Solar Max und Hubble auch geschah. Doch weil diese Eins&auml;tze von Space Shuttles teuer waren belie&szlig; man es bei diesen beiden. Dazu kommt, dass die heutige ISS in einem Orbit ist, das selbst wenn man Satelliten auf diese Weise warten k&ouml;nnte, die meisten unerreichbar sind (s.o.). Eventuell w&auml;re es sinnvoll, wenn man einen billigen bemannten Zugang bekommt. So k&ouml;nnte man eine Ministation (gerade gro&szlig; genug um die Besatzung f&uuml;r einige Tage unterzubringen im SSO und GEO starten und wenn ein Satellit ausf&auml;llt dann mit einer Dragon Ersatzteile. Wenn der Satellit so ausgelegt ist, dass man ihn reparieren kann, dann k&ouml;nnte sich das lohnen. Ein CRS-Start wird derzeit mit 133 Millionen Dollar bezahlt, wenn man f&uuml;r denselben Preis bemannt starten k&ouml;nnte, dann w&uuml;rde es sich lohnen auf diese Weise einen oder zwei Satelliten pro Mission zu reparieren, mit neuen Instrumenten versehen und aufzutanken. Beim GEO Orbit ist der Aufwand gr&ouml;&szlig;er (Geschwindigkeit) w&auml;hrend Telekommunikationssatelliten preiswerter (bezogen auf dei Startmasse) als Beobachtungssatelliten sind. Hier m&uuml;sste man die Wirtschaftlichkeit genau ausrechnen.<\/p>\n<p>Gegen die ISS selbst spricht neben ihrer Bahn auch der b&uuml;rokratische aufwand. Zwar hat die ISS den Vorteil dass die Forschung dort billiger ist &#8211; man muss nicht erst einen Satellit Drumherum bauen und den genehmigt bekommen, aber der Etat f&uuml;r Forschung ist klein (225 Millionen Dollar, der 3 Milliarden Dollar Kosten nur auf NASA Seite) und bedingt durch die Gr&ouml;&szlig;e der Station die vielen beteiligten Partner und Zentren dauert es ziemlich lange bis man ein Experiment oben hat und selbst dann ist nicht garantiert wie lange es dort bleibt oder ob es die Betreuung bekommt die man braucht. Auch dies m&uuml;sste man bei einer reinen Reparaturstation ver&auml;ndern. Eher wird es aber anders laufen, dass der letzte Punkt, der heute noch bemannt durchgef&uuml;hrt wird, die Werkstoffforschung auch unbemannt durchgef&uuml;hrt wird und die Menschen nur noch zu Stippvisiten kommen um Proben zu bergen und tauschen. So wird es wohl auch in Zukunft nix mit der Synergie von bemannter Raumfahrt und Forschung.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/cc455b3072ee43e2973c068d4b71e88f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Frage scheint zuerst nicht so sinnvoll zu sein, wo wie wenn man fragt &#8222;Warum unterschl&auml;gt ein Pr&auml;sident von Bayern M&uuml;nchen 28,5 Millionen Euro?&#8220;. Aber vom Prinzip her m&uuml;sste bemannte Raumfahrt viel billiger als die unbemannte sein. Warum? Nun Raumfahrt ist aus einigen Gr&uuml;nden teuer. 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