{"id":9735,"date":"2014-04-01T00:01:46","date_gmt":"2014-03-31T22:01:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=9735"},"modified":"2014-04-02T08:06:29","modified_gmt":"2014-04-02T06:06:29","slug":"raumsonde-mars-dust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/04\/01\/raumsonde-mars-dust\/","title":{"rendered":"Raumsonde &#8222;Mars Dust&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Die n&auml;chste Runde f&uuml;r Discovery Class Sonne ist er&ouml;ffnet, nachdem die NASA den n&auml;chsten Rover um zwei Jahre nach hinten verschoben hat. Einer der ersten Kandidaten ist die Mars Dust Mission, die gerade wegen des amerikanisch-russischen Verh&auml;ltnis in den Schlagzeilen ist.<\/p>\n<p>Das Projekt war das Ergebnis einer gemeinschaftlichen russisch-amerikanischen Studie die vor kurzem im renommierten Journal &#8222;<a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0032063313002328\">Planetary and Space Science<\/a>&#8220; ver&ouml;ffentlicht wurde. Russische Wissenschaftler erhofften sich eine Argumentationshilfe f&uuml;r eine Phobos Grund 2 Mission, die nach 2020 starten soll, amerikanische Wissenschaftler wollten simulieren was mit Meteoriteneinschl&auml;gen passiert, vor allem dem Auswurfmaterial um festzustellen in welchem Radius sich verteilt und Russland wollte wissen ob Phobos solches Material aufsammeln k&ouml;nnte.<\/p>\n<p>Das Ergebnis war, das durch die d&uuml;nne Atmosph&auml;re und geringe Fluchtgeschwindigkeit sehr viel Material bis in gro&szlig;e H&ouml;hen gelangt und vor allem der Marsmond Phobos eine Menge Marsmaterial &#8222;aufgesammelt&#8220; hat. Bis zu einem Viertel des lockeren Materials an der Oberfl&auml;che von Phobos k&ouml;nnte vom Mars stammen.<!--more--><\/p>\n<p>Das inspirierte Wissenschaftler am Ames Forschungszentrum der NASA zu dem Vorschlag einer Mission die Material von Phobos zur Erde bringt. Anders als bei der Phobos Grunt Mission ist man vor allem am Marsmaterial interessiert. Seit Jahrzehnten taucht ja eine Solche Mission bei den Langzeitplanungen der NASA auf, doch es fehlt die Finanzierung einer solchen auf mehrere Milliarden Dollar gesch&auml;tzte Mission.<\/p>\n<p>Am Ames Forschungszentrum, das ja schon Erfahrungen mit 2Low Cost Missionen&#8220; hat, wie Pioneer Venus oder Pioneer 10+11, zuletzt LADEE, &uuml;berlegte man sich wie man im Rahmen einer Discovery Class Mission Bodenproben vom Phobos zur erde zur&uuml;ckbringen kann. Das setzt eine Obergrenze von 500 Millionen Dollar ohne Tr&auml;gerrakete. Michael Carpenter, Wissenschaftler an der Uni von Arizona schrieb in seinem Blog: &#8222;At first we looked after existing Hardware we could use. MAVEN should be usable, since it too needed a lot of fuel and is also a cost capped Mission&#8220;. <a href=\"\/maven.shtml\">MAVEN<\/a>, die derzeit auf dem Weg zum Mars ist wird allerdings nur auf einer Marsumlaufbahn bleiben, und nicht zur Erde zur&uuml;ckkehren. MAVEN erwies sich als an der Grenze der Nutzlast einer Atlas 551, trotz Umstellung des Antriebssystems auf einen diergolen Treibstoff und Gewicht zu sparen. Die wissenschaftliche Nutzlast musste radikal verschlankt werden und auf eine Weitwinkel- und Telekamera beschr&auml;nkt werden.<\/p>\n<p>Doch das Hauptproblem war: wie gewinnt man Bodenproben und bringt sie zur Erde zur&uuml;ck. Dazu Carpenter: &#8222;We looked at previous Missions which sampled extraterrestial Material. NASA launched in the nineties the Stardust and Genesis Missions. The Capsules of these could be used. Also we thought about buying a capsule form Japan which recently developed one for their Hayabusa Mission, this might be cheapier than rebuild 20 year old hardware&#8220;.<\/p>\n<p>Doch das Kernproblem war: wie gewinnt man Bodenproben und vor allem in einer Menge die ausreichend f&uuml;r Analysen ist (wie oben beschrieben ist man ja an der Marsmaterie interessiert und die macht nur einen Teil der Oberfl&auml;chenmaterie aus, wobei die Sch&auml;tzung mit einem Viertel schon optimistisch ist, es k&ouml;nnen auch nur wenige Prozent sein). Bohrungen schieden wegen der Kosten f&uuml;r die zu entwickelnde Hardware ebenso aus wie Greifer. Es w&uuml;rde aber auch Staub ausreichen. Carpenter &#8222;On Earth you would use an vacuum cleaner. But in Space it won&#8217;t work, unlike his name suggest, a vacuum cleaner won&#8217;t function in vacuum&#8220;. Dann las jemand von in den neulich <a href=\"http:\/\/www.nro.gov\/foia\/declass\/HEXAGON.html\">ver&ouml;ffentlichten Unterlagen der NRO &uuml;ber das KH-9 Projekt<\/a> die nun freigegeben wurden und kam auf die Idee: Warum nutzt man nicht die Technologie, die man f&uuml;r den Filmtransport entwickelt hat? Bei den Spionagesatelliten wurde Film von der Filmrolle durch die Kamera gezogen, belichtet und dann in eine R&uuml;ckkehrkapsel verfrachtet die schlie&szlig;lich geborgen wurde. Daf&uuml;r gibt es funktionierende Hardware. Das System f&uuml;r KH-9 war viel zu schwer, doch man konnte aus einem Museum sich noch eine funktionierende Kamera f&uuml;r das KH-2 System ausleihen. Diese hielt auch die Gewichtsgrenzen ein. Die KH-2 Kamera kann rund 36 kg Film transportieren.<\/p>\n<p>Monatelang t&uuml;ftelte man allerdings wie man Staub aufnehmen kann. Der Film wurde durch eine d&uuml;nne Schicht Mylarfolie ersetzt, die Verringerung der Dicke erlaubt es an der Oberfl&auml;che gebundenen Staub mitaufzurollen, ohne das Transportsystem zu ver&auml;ndern. Doch bald gab es Ern&uuml;chterung. Alle getesteten Kleber fielen nach einem Monat simulierten Weltraumbedingungen (Vakuum, Erhitzung auf +90 und Abk&uuml;hlung auf -110 Grad) aus. Teilweise bildeten sie feste Krusten die den Film beim Transport h&auml;ngen lie&szlig;en, im besten Fall verloren sie jegliche Haftf&auml;higkeit. Schlussendlich versuchte man es mit einer anderen Technik: Die Folie wurde auf der Unterseite aluminisiert und elektrostatisch aufgeladen. Nun zog sie sogar Staub an, ohne das sie damit in Kontakt kam, doch beschr&auml;nkte sich dies auf sehr kleine Partikel bis maximal 100 Mikrometer Durchmesser. Mittels Kleber hoffte man noch gr&ouml;&szlig;ere Staubk&ouml;rner bis zu 500 Mikrometer Gr&ouml;&szlig;e aufnehmen zu k&ouml;nnen. Daf&uuml;r vereinfachte sich der Transport, man kann auf einen Mechanismus verzichten der gr&ouml;&szlig;ere Partikel zur&uuml;ckh&auml;lt und durch Abfahren eines Spannungsprogramms kann man nacheinander von einer Fl&auml;che zuerst den feinen Stauvb aufnehmen und dann sukzessive gr&ouml;&szlig;ere Partikel. Trotzdem wird die Menge sehr klein sein etwa 2-3% des Gewichts der Folie, das w&auml;ren bei 36 kg Folie rund 720 bis 1080 g.<\/p>\n<p>Zwei Probleme gab es jedoch. Zum einen war der KH-2 Mechanismus sehr schwer und wog 110 kg, was zusammen mit der Kapsel dann die Nutzlastkapazit&auml;t der Atlas 551 sprengte, wenn man MAVEN als Basis nutzt. Eine Neuentwicklung w&auml;re aber zu teuer. Zum zweiten m&uuml;sste sich Maven jeweils f&uuml;r eine Bodenprobenentnahme auf die Seite legen, wodurch die Kommunikationsverbindung unterbrochen ist. Zumindest f&uuml;r erstes Problem gab es eine L&ouml;sung: Roskosmos wollte sich an dem Projekt beteiligen, auch weil die Phobos Grunt 2 Mission nicht stattfinden wird. Putin pers&ouml;nlich soll das Projekt abgelehnt haben: nach drei fehlgeschlagenen Sonden zu Phobos w&auml;re der Himmelsk&ouml;rper schon als Ungl&uuml;cksbringer gebrandmarkt, so eine inoffizielle Stellungnahme. Russland w&uuml;rde eine Proton Tr&auml;gerrakete und eine Fregatoberstufe zur Verf&uuml;gung stellen. Beides zusammen erh&ouml;ht die Nutzlast zum Mars von 4,7 auf 6 t und verringert die Kosten f&uuml;r die NASA. Bedingung war ein Anteil von 20% an den Bodenproben und die Mitf&uuml;hrung der Fernerkundungsinstrumente von Phobos Grunt. Dieses Mehrgewicht von 40 kg war bei dem nun &uuml;ppigeren Gewichtsbudget tragbar und so kam man zu einer Einigung bis &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; ja bis Russland die Krim annektierte. War das Projekt vorher der hei&szlig;este Kandidaten f&uuml;r die n&auml;chste Runde der Mars Scout Missionen, &uuml;ber die im September entschieden wird, so ist es nun ein krasser Au&szlig;enseiter, angesichts der abgek&uuml;hlten russisch-amerikanischen Beziehungen. Zwar wurde gerade betont wie wichtig die Mission sei, gerade um zu zeigen, dass man jenseits der Politik zusammenarbeiten kann, doch leider scheint man gerade das Gegenteil vorzuhaben. So wird derzeit <a href=\"http:\/\/www.aviationweek.com\/Article.aspx?id=\/article-xml\/AW_03_24_2014_p28-673866.xml\"> erwogen die RD-180 in den USA zu bauen<\/a>, obwohl alleine der Aufbau der Produktion 1 Milliarde Dollar kosten soll. Die Maxime scheint zu sein: Keine Abh&auml;ngigkeit von Russland. das hat schon fr&uuml;her Programme beendet, so die erste Zusammenarbeit die mit Apollo-Sojus begann als unter Carter ein Konfrontationskurs begann, der unter Reagan noch schlimmer wurde.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/132cb02522f44ed89cc5d699a2673462\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die n&auml;chste Runde f&uuml;r Discovery Class Sonne ist er&ouml;ffnet, nachdem die NASA den n&auml;chsten Rover um zwei Jahre nach hinten verschoben hat. Einer der ersten Kandidaten ist die Mars Dust Mission, die gerade wegen des amerikanisch-russischen Verh&auml;ltnis in den Schlagzeilen ist. 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