{"id":975,"date":"2006-08-28T08:45:58","date_gmt":"2006-08-28T06:45:58","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=975"},"modified":"2009-06-01T08:46:21","modified_gmt":"2009-06-01T06:46:21","slug":"da-waren-es-nur-noch-acht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2006\/08\/28\/da-waren-es-nur-noch-acht\/","title":{"rendered":"Da waren es nur noch acht"},"content":{"rendered":"<p>Haben Sie es bemerkt ??Unser Sonnensystem ist kleiner geworden. Bei dem alle 3 Jahre stattfindenden Treffen der internationalen astronomischen Union (IAU) in Prag waren die meisten Astronomen der Meinung das Pluto sein Planetenstatus aberkannt werden sollte. Das ist der offizielle Schlusspunkt der Diskussion &uuml;ber Plutos Planetenstatus die es seit etwa 10 Jahren gab. Eine genauere Beschreibung finden Sie in meinem Aufsatz &uuml;ber <a href=\"pluto.shtml\">Pluto<\/a>. Pluto war schon immer ein Sonderling im Planetensystem. Er wurde 1930 entdeckt und seine Bahndaten zeigten bald, dass er sich zeitweise innerhalb der Neptunbahn befand, aber durch seine starke Bahnneigung niemals sich Neptun n&auml;hern konnte. Sein Durchmesser wurde immer kleiner gesch&auml;tzt. Man konnte Pluto nicht durch Teleskope aufl&ouml;sen, so dass man nur seine Helligkeit kannte. zuerst nahm man an er w&auml;re wie unser Mond aus dunklem Gestein und gab einen Durchmesser von 5900-6800 km an. Dann entdeckte man dass die Oberfl&auml;che aus Eis bestand und Sterne die er bedecken sollte, wurden nicht bedeckt und der Durchmesser nahm immer mehr ab. Der aktuell g&uuml;ltige Wert ist seit etwa 10 Jahren recht konstant und liegt bei 2316 km. Pluto hat eine geringe Dichte von etwa 1.7-2 g\/cm? und besteht daher zu einem gro&szlig;en Teil aus Eis. Pluto hat auch einen Mond, Charon, der mit 1205 km Durchmesser relativ gro&szlig; ist, und ihn nahe den Planeten sehr nahe umkreist, so dass man ihn erst 1978 photographisch trennen konnte.<\/p>\n<p>Lange vermutete man Pluto w&auml;re ein entlaufener Neptunmond, zumal Neptun auch Triton umkreist &#8211; Ein 2760 km gro&szlig;er Mond in einer retrograden Bahn, d.h. umgekehrt zur Drehrichtung der meisten anderen Planetenmonde. Diese seltsame Bahn f&uuml;hrte zu der Spekulation, dass einem gr&ouml;&szlig;eren Mond bei Neptun irgendwann etwas zugesto&szlig;en sein musste, z.B. die Kollision mit einem anderen Objekt. Als eine der Folgen wurde die Bahn von Triton ver&auml;ndert und andere Bruchst&uuml;cke wurden aus dem System geschleudert und bildeten Pluto und Charon. Die Aufnahmen von Voyager 2 aus dem Jahre 1989 zeigen zumindest eines sehr junge Oberfl&auml;che bei Triton, die man erwarten w&uuml;rde, wenn dieses Ereignis recht sp&auml;t eintrat. Seit man aber weitere gro&szlig;e Planetoiden jenseits von Pluto fand kam man wieder von dieser Theorie ab.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"border: 0pt none;\" src=\"\/img\/pluto-kbo.jpeg\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"398\" height=\"378\" align=\"left\" \/>Doch warum ist nun Pluto der Planetenstatus aberkannt worden ??Nun daran waren Entdeckungen seit Mitte der 90 er Jahre schuld. In den 50 er Jahren postulierte der Planetenforscher Gerald Kuiper einen zweiten Planetoideng&uuml;rtel jenseits von Neptun und Eisbrocken, die sich dort nicht mehr rechtzeitig zu einem Planeten bilden konnten. Aufgrund der langsamen Bewegung und der 20 mal gr&ouml;&szlig;eren Entfernung als beim Asteroideng&uuml;rtel entdeckte man lange Zeit keine Objekte dieses G&uuml;rtels weil sie auf Fotoplatten zu lichtschwach waren und sich kaum zwischen zwei Aufnahmen bewegten. Die Einf&uuml;hrung von lichtempfindlichen CCD?Detektoren und sp&auml;ter von Computerdurchmusterungen die Aufnahmen automatisch nach Objekten, die sich bewegen absuchten hat innerhalb des letzten Jahrzehntes zur Entdeckung von sehr vielen dieser Objekten gef&uuml;hrt. 1992 wurde das erste entdeckt, bis jetzt gibt es etwa 800. Die Bahnen fallen in 3 Gruppen:?Etwa ein Drittel befindet sich in Bahnen mit einer Halbachse von 40 AE wie Pluto, zwei Drittel auf Bahnen mit Neigungen von 30 Grad und Halbachsen von 41 bis 50 AE und einige verstreute auf sehr elliptischen Bahnen mit n&auml;chsten Bahnpunkten von 35 AE und gr&ouml;&szlig;ten Entfernungen von 1000 AE. Pluto selbst zieht in 39 AE seine Kreise.<\/p>\n<p>Es war nur eine Frage der Zeit bis man nach den ersten relativ kleinen Planetoiden dieses G&uuml;rtels, den man Kuiperg&uuml;rtel nannte, auch gr&ouml;&szlig;ere entdeckte und auch welche die wie Pluto einen Mond aufwiesen. Inzwischen kennt man mindestens 8 Planetoiden mit einem Mond und 8 haben auch einen Durchmesser von mehr als 1000 km, d.h. sind durchaus in der gleichen Gr&ouml;&szlig;enordnung wie Pluto.<\/p>\n<p>Im Jahre 2005 entdeckte man das Objekt 2003 UB 313, von den Entdeckern vorl&auml;ufig &#8222;Xena&#8220; getauft. Es war der erste dieser Planetoiden der gr&ouml;&szlig;er als Pluto war. Damit kam die Diskussion die erneut in Gang, die Pluto und Charon nur gro&szlig;e Vertreter dieses Kuiperg&uuml;rtels zu sehen. Warum sollte Pluto alleine ein Planet sein, wenn Xena doch gr&ouml;&szlig;er als Pluto war ?<\/p>\n<p>So gab es einen Vorschlag f&uuml;r die 2006 er IAO Sitzung, anders als bisher einfach aus historischen Gr&uuml;nden einen K&ouml;rper Planeten zu nennen und einen anderen nicht, ein Kriterium einzuf&uuml;hren. Demnach sollte ein Planet folgendes aufweisen:<\/p>\n<ul>\n<li>ann&auml;hernd runde Gestalt haben (gegeben bei mehr als 800 km Durchmesser und mehr als 5 x 10<sup>20<\/sup> kg Masse)<\/li>\n<li>Die Sonne und nicht einen anderen K&ouml;rper umkreisen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach dieser Definition w&auml;re nach dem Vorschlag der Astronomen die diese Definition ausarbeiteten, auch Ceres, der gr&ouml;&szlig;te Asteroid ein Planet und neben Pluto auch Charon und Xena (Pluto und Charon werden wegen der &auml;hnlichen Gr&ouml;&szlig;e auch als Doppelplanetensystem angesehen). Das fand keinen Zuspruch und man erarbeitete in einer heftigen Diskussion eine weitere Definition:<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Planet muss auch das dominierende Objekt in der Region sein in der er sich befindet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das ist nicht bei Ceres gegeben &#8211; Es gibt andere Asteroiden die fast genauso gro&szlig; sind und auch nicht bei Pluto und Xena. Daf&uuml;r hat man eine neue Gruppe eingef&uuml;hrt, die man &#8222;Zwergplaneten&#8220; Gruppe taufte. In diese kommen alle K&ouml;rper welche die ersten beiden, aber nicht das letzte Kriterium erf&uuml;llen. Dies sind vorerst Ceres, Pluto und Xena. Charon gilt weiterhin als Plutomond. Es gibt aber noch mindestens 3 weitere Kuiperg&uuml;rtel Asteroiden, welche gro&szlig; genug sind um das Kriterium zu erf&uuml;llen. Nur ob sie rund sind, weis man noch nicht so genau.<\/p>\n<p>&Auml;rgern d&uuml;rfte es die Amerikaner:?Pluto war der einzige Planet der von einem Amerikaner entdeckt wurde und derzeit ist die Raumsonde New Horizons zu Pluto unterwegs. Als sie am 19.1. dieses Jahres startete, war sie eine Planetensonde. Nun ist sie nur noch eine Planetoidensonde &#8211; oder die erste Zwergplanetensonde, je nachdem wie man es sieht.<\/p>\n<p>Meiner Meinung nach h&auml;tte man die alte Definition belassen k&ouml;nnen und einfach sagen k&ouml;nnen:?das ist historisch so gewachsen, das lassen wir einfach so. Schlie&szlig;lich nennt man auf dem Mond ausgedehnte Lavagebiete Mare, lateinisch f&uuml;r Meer, weil man sie fr&uuml;her f&uuml;r Meere hielt. Auf dem Mars gibt es benannte Regionen die keinen geologischen Hintergrund haben, einfach weil sie im Teleskop abgegrenzt erschienen. Die Herzsprung Russel Reihe war mal alphabetisch gedacht, hat aber heute die Reihenfolge O-B-A-F-G-K-M-R-N-S &#8211; es fehlen Buchstaben und die Reihenfolge stimmt nicht mehr. Niemand hat die Sternklassen seitdem umbenannt. Warum also sollte man nicht auch Pluto weiterhin als Planeten ansehen, einfach aus historischen Gr&uuml;nden, schlie&szlig;lich war er das seit 76 Jahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben Sie es bemerkt ??Unser Sonnensystem ist kleiner geworden. Bei dem alle 3 Jahre stattfindenden Treffen der internationalen astronomischen Union (IAU) in Prag waren die meisten Astronomen der Meinung das Pluto sein Planetenstatus aberkannt werden sollte. Das ist der offizielle Schlusspunkt der Diskussion &uuml;ber Plutos Planetenstatus die es seit etwa 10 Jahren gab. 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