{"id":9793,"date":"2014-04-12T08:40:06","date_gmt":"2014-04-12T06:40:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=9793"},"modified":"2014-04-12T11:04:49","modified_gmt":"2014-04-12T09:04:49","slug":"die-revisitzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/04\/12\/die-revisitzeit\/","title":{"rendered":"Die Revisitzeit"},"content":{"rendered":"<p>Zeit mal wieder einen Grundlagenartikel zu schreiben. Heute geht es um einen Fachbegriff, die Revisittime, was ist das und warum ist sie so wichtig. Fangen wir mit den Grundlagen an, einer Satellitenbahn. Jede Satellitenbahn ist eine Bahn im Raum (eigentlich ist es eine geradlinige Bewegung, die jedoch durch die Gravitation zu einer Ellipse verbogen wird. Sie ist stabil im Raum, das hei&szlig;t bezogen auf die Sterne bewegt sich der Satellit nur in einem Kreis um die Erde, der Kreis rotiert aber nicht im Raum. Nun umreist er aber die Erde und die Erde bewegt sich. Zum einen bewegt sie sich um die Sonne, einmal in einem Jahr, zum anderen dreht sie sich selbst, dies unter der Bahn des Satelliten hinweg. Der Effekt ist nun folgender: Beim ersten Umlauf solle der Satellit wenn er von S&uuml;den kommt den &Auml;quator beim 0 L&auml;ngengrad &uuml;berqueren. Die &Uuml;berquerung des &Auml;quators beim ersten Umlauf auf dem 0 L&auml;ngengrad soll f&uuml;r alle Beispiel gelten. Wenn er nach (sagen wir mal 2 Stunden) wieder vom S&uuml;den her zum &Auml;quator kommt, hat sich die Erde aber weiter gedreht, was wir auch an unseren Zeitzonen sehen. Wenn die Sonne bei uns um 12 Uhr im Zenit steht ist sie in Moskau schon wieder herabgestiegen und es ist nachmittags und in Spanien hat sie den Zenit noch nicht erreicht, es ist noch nicht Mittag. Da sich die Erde in 24 Stunden um die eigene Achse dreht hat sie sich in 2 Stunden um ein Zw&ouml;lftel des Erdumfangs weiter gedreht, das sind 30 L&auml;ngengrade. Die Erde dreht sich von Westen nach Osten, das hei&szlig;t nach 2 Stunden &uuml;berquert er den 22,5 L&auml;ngengrad westlicher L&auml;nge.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" alt=\"\" src=\"\/img\/landsatbahnen.jpeg\" width=\"501\" height=\"347\" \/>Bei dieser Bahn, die genau ein Zw&ouml;lftel eines Tages umfasst, wird nach genau 12 Uml&auml;ufen ein Tag vergangen sein, genau 24 Stunden und er &uuml;berquert erneut den &Auml;quator beim 0 L&auml;ngengrad. Man kann dies nun verallgemeinern. Ein bestimmtes Gebiet auf der Erde wird der Satellit nach einem Tag erneut passieren. Er hat eine Revisittime von einem Tag. Das ist die minimal m&ouml;glichste, au&szlig;er es gen&uuml;gen einem Infrarotaufnahmen, denn er &uuml;berquert ja den &Auml;quator bei jedem Umlauf zweimal, beim ersten bei von S&uuml;den kommend bei 0 Grad und dann von Norden kommend eine Stunde (ein halber Umlauf) sp&auml;ter bei 195 Grad &#8211; w&uuml;rde sich die Erde nicht drehen, so w&auml;re es der 180 Breitengrad, doch es ist schon eine Stunde vergangen und so ist es der 195-ste. Dieser Punkt liegt um 13 Zeitzonen vom ersten entfernt, es ist dort also Nacht. Das nur Infrarotaufnahmen gen&uuml;gen und man so auch nachts beobachten kann ist z.B. bei Wettersatelliten gegeben. Mit zwei St&uuml;ck kann man so alle Sechs Stunden die erde komplett abbilden.<\/p>\n<p>Diese kurze Revisitzeit hat aber auch Nachteile. Nehmen wir einen Erderkundungssatelliten der in 894 km H&ouml;he seine Kreise zieht. In dieser H&ouml;he betr&auml;gt die Umlaufszeit genau 6171,4 s, das ist ein Vierzehntel des Tages. Zwar w&uuml;rde nach einem Tag er erneut dasselbe Gebiet passieren, doch jeder Orbit ist am &Auml;quator 2860 km vom n&auml;chsten entfernt. Im schlimmsten Fall ist ein Gebiet das man fotografieren m&ouml;chte die H&auml;lfte dieser Distanz vom Fu&szlig;punkt entfernt (w&auml;re es mehr als die H&auml;lfte, so w&auml;re es einfacher beim vorherigen oder nachfolgenden Orbit aus geringerer Distanz zu fotografieren. In dieser H&ouml;he geht das zwar, man sieht das Gebiet auch, aber es ist durch die Kugelgestalt der Erde verzerrt und man sieht es nicht senkrecht von oben, sondern schr&auml;g von der Seite.<\/p>\n<p>Der Effekt ist um so kleiner je h&ouml;her man ist, allerdings sinkt dann auch die Aufl&ouml;sung. Wenn die Verzerrung nicht st&ouml;rt, kann man damit leben. Wettersatelliten umkreisten lange Zeit die Erde in 1100 bis 1300 km H&ouml;he um ein m&ouml;glichst gro&szlig;es Gebiet abzubilden. Was macht man aber wenn man dies nicht m&ouml;chte? Nun man kann eine Umlaufbahn einschlagen, deren Umlaufzeit keinen gemeinsamen Teiler mit der der Rotation hat. Der einfachste Fall w&auml;re eine Umlaufbahn mit 14,5 Uml&auml;ufen pro Tag (726 km H&ouml;he). Nach 14,5 Uml&auml;ufen ist ein Tag vergangen. Der Satellit hat aber noch einen halben Umlauf vor sich, bis er wieder vom S&uuml;den zum &Auml;quator kommt. Derzeit ist er auch am &Auml;quator, doch beim 174 L&auml;ngengrad auf der Nachtseite. Wenn der halbe Umlauf vor&uuml;ber ist, hat sich die Erde um 12,4 Grad weiter gedreht, das sind 1378 km am &Auml;quator. Der Effekt: Dasselbe Gebiet wird nun jeden zweiten Tag genau &uuml;berflogen, aber w&auml;hrend bei einem geraden Teiler von Erdrotation und Umlaufszeit auf einer Karte die Bahnen sehr gro&szlig;e Abst&auml;nde haben, sind es bei diesem Satelliten doppelt so viele und anstatt 2860 km trennen maximal 1378 km die Punkte wo der &Auml;quator &uuml;berflogen wird. Je weiter man sich vom &Auml;quator entfernt, desto kleiner wird der Abstand, weil Kreise parallel zum &Auml;quator einen immer kleineren Umfang haben. Die Revisittime ist in diesem Falle 2 Tage, daf&uuml;r muss man wenn man ein Gebiet nicht direkt passiert, maximal 689 km vom Fu&szlig;punkt aus schr&auml;g schauen. Man erkauft sich also eine bessere r&auml;umliche Abdeckung durch eine schlechtere zeitliche.<\/p>\n<p>Die ersten Erderkundungssatelliten Landsat 1-3 umkreisten die Erde in 915 km H&ouml;he. Die Umlaufszeit betr&auml;gt in dieser H&ouml;he 1 Stunde 43 min 18 s, das sind 6198 s oder 13,94 Uml&auml;ufe. Der kleine Unterschied zu 14 bewirkt , dass der Satellit den &Auml;quator nach 86722 s in der N&auml;he des ersten Umlaufs erneut passiert (beim 15 Umlauf), doch in den 322 s die dies l&auml;nger als der Tag ist, hat sich die Erde um 150 km weiter gedreht. Der Satellit machte Aufnahmen von 185 km Breite, so &uuml;berlappte sich das Band mit dem des ersten Umlaufs um rund 35 km und schloss nach Westen an. Nach 18 Tagen hat der Satellit genau 251 Umlaufe durchlaufen und die Erde 18, er passiert nun erneut das Gebiet das er beim ersten Umlauf passiert hat &#8211; dieser Satellit hat eine Revisitzeit von 18 Tagen, er kann aber die ganze Erde in achtzehn Tagen verzerrungsfrei abbilden. Eine Besonderheit hat aber die Bahn: Da sie nach einem Tag nur um 150 km verschoben ist, kann man einen Tag sp&auml;ter das Gebiet leicht schr&auml;g aufnehmen, jeden Tag nimmt dann die Distanz um 150 km zu. Nimmt man noch die M&ouml;glichkeit schr&auml;g in die andere Richtung zu schauen, so kann ein Landsat der ersten Generation an drei aufeinanderfolgenden tagen ein Gebiet weitgehend verzerrungsfrei fotografieren, danach wird die distanz immer gr&ouml;&szlig;er um ein Maximum nach 9 Tagen zu erreichen und dann wieder abzunehmen.<\/p>\n<p>Heute sind die Satelliten n&auml;her an der Erde ran, auch weil man Aufl&ouml;sungen von wenigen Metern haben will (bei Landsat waren es noch 40\/80 m). Will man nun eine geringe Revisitzeit haben, dann braucht man mehr Satelliten, weshalb heute gerne auf kleinere flotten wie die 5 SARLupe oder 5 Rapideye Satelliten zur&uuml;ckgegriffen werden. Oder L&auml;nder nutzen ihre Systeme im Verbund. F&uuml;r die laufende &Uuml;berwachung der Erde auf Ver&auml;nderungen der Vegetation, der Bebauung oder mineralogische Suche braucht man keine kurze Revisittime, aber bei Katastrophen um schnell die &Uuml;berflutungssch&auml;den, die Auswirkungen von St&uuml;rmen feststellen zu k&ouml;nnen, oder zur Suche von Tr&uuml;mmern im indischen Ozean oder um den Aufmarsch von Truppen an der russisch\/ukrainischen Grenze festzustellen, ist eine kurze Revisitzeit doch ganz n&uuml;tzlich.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/9cc931c8ffce48faba608318f7dd405a\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeit mal wieder einen Grundlagenartikel zu schreiben. Heute geht es um einen Fachbegriff, die Revisittime, was ist das und warum ist sie so wichtig. Fangen wir mit den Grundlagen an, einer Satellitenbahn. 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