{"id":9824,"date":"2014-04-19T00:48:55","date_gmt":"2014-04-18T22:48:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=9824"},"modified":"2014-04-17T10:53:17","modified_gmt":"2014-04-17T08:53:17","slug":"warum-die-vektorrechner-ausstarben-gruende-fuer-den-niedergang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/04\/19\/warum-die-vektorrechner-ausstarben-gruende-fuer-den-niedergang\/","title":{"rendered":"Warum die Vektorrechner ausstarben &#8211; Gr&uuml;nde f&uuml;r den Niedergang"},"content":{"rendered":"<p>Die Gr&uuml;nde f&uuml;r den Niedergang sind relativ offensichtlich. Einer lag in dem Aufbau der Hardware, Seymour Cray verwandte f&uuml;r die Cray Chips in ECL-Technologie f&uuml;r den Speicher und die Logik. ECL (Emittergekoppelte Logik) waren die schnellsten verf&uuml;gbaren Schaltungen, die es gab. Sie haben aber zwei Nachteile. Zum einen haben sie eine sehr hohe Verlustleistung, die auch anliegt, wenn nicht geschaltet wird (bei einem Computer sind ja niemals alle Schaltungen gleichzeitig aktiv, am extremsten ist dies beim Speicher, bei dem nur die Bausteine aktiv sind, von denen gerade Daten geholt oder gespeichert werden, dass sind bei einem Supercomputer einige Dutzend von rund 70.000 Chips. Zum zweiten eignet sich ECL nicht f&uuml;r eine hohe Integrationsdichte, eben aufgrund der hohen Verlustleistung. Schon als die Cray 1 entwarfen wurde hinken ECL-RAMs um eine bis zwei Generationen bei der Speicherdichte dem Metalloxidhalbleitern (MOS) hinterher, aus der &#8222;normale&#8220; Mikroprozessoren und Speicherbausteine entstanden. Dabei waren sie durch kleinere St&uuml;ckzahlen teurer und die Chips f&uuml;r die Logik waren noch teurer, denn sie wurden im Auftrag gefertigt.<!--more--><\/p>\n<p>Das w&auml;re kein Problem gewesen, denn f&uuml;r einen Supercomputer konnte man zweistellige Millionenbetr&auml;ge verlangen. Doch die Geschwindigkeit der ECL-Logik konnte kaum noch gesteigert werden. Sie betrug 1976 bei der Cray 1 12,5 ns und erreichte bei dem letzten Vektorrechner von Cray 2,2 ns. Das war die T90 die 1993 erschien. Der Takt wurde um den Faktor 6 gesteigert werden, aber bei Mikroprozessoren war es so, dass die schnellsten Exemplare 1976 rund 3 MHz Takt hatten und 1993 waren es 150 MHz, also der Faktor 50. Mikroprozessoren holten rapide bei den Taktfrequenzen auf. Durch die h&ouml;here Integrationsdichte gab es nun auch 64-Bit Prozessoren, w&auml;hrend es 1976 noch 16-Bit Prozessoren waren. Sie konnten nun auf gen&uuml;gend Speicher zugreifen und durch die h&ouml;here Verarbeitungsbreite auch die Flie&szlig;kommazahlen schnell verarbeiten. Kurzum: Mikroprozessoren hatten nun den Takt der Vektorrechner erreicht und durch die hohe Integrationsdichte konnte man nun auch die ben&ouml;tigten Gatter auf einen Chip packen um einen Vektorprozessor zu ersetzen.<\/p>\n<p>Die ECL-Technologie hatte noch einen Nachteil: die CPU war nicht auf einem Chip untergebracht, auch nicht auf einem Bord, sondern auf mehreren S&auml;ulen, eben aufgrund der niedrigen Integrationsdichte. Bei 2,2 ns Takt einer Cray T90 spielen dann aber schon die Signallaufzeiten innerhalb eines Computers eine rolle. In 2,2 ns legt ein Signal in einem Kabel gerade mal 50 cm zur&uuml;ck. Wenig, wenn der ganze Computer im Takt arbeiten soll. Die Computer mussten kleiner werden, sodass die W&auml;rmeabgabe und K&uuml;hlung noch schwieriger wurde. Die Cray hatte eine Standfl&auml;che von 1,50 m\u00b2 und emittierte 180 kW, h&auml;tte man die Fl&auml;che mit Kochfeldern belegt, sie h&auml;tten bei voller Leistung nur die H&auml;lfte der W&auml;rme abgegeben. Der ganze Rechner musste in eine inerte Fl&uuml;ssigkeit zur K&uuml;hlung gepackt werden. Kleiner ging es nun nicht mehr.<\/p>\n<p>Auch der Speicher machte Probleme. Die Hersteller von Supercomputerm wechselten wegen des rapiden Fortschritts bei MOS Speicher zumindest beim Speicher in den Achtzigern auf schnelle statische RAMs, manchmal auch auf die h&ouml;her integrierten, aber noch langsameren DRAM. Das Problem bei diesem langsamen Speicher war, dass man nun die langsame Zugriffszeit mit einer hohen Bandbreite kompensieren musste. Wenn der Rechner eine Zykluszeit von 5 ns hatte und das RAM eine von 150 ns, dann durfte er eben nur alle 30 Zyklen auf dieselben Chips zugreifen. Es gab sehr viele B&auml;nke auf die nacheinander zugegriffen wurde (256 bis 1024), jede musste einzeln verdrahtet werden und so erhielt man zwar eine beeindruckende Bandbreite, aber handelte sich Probleme beim Verdrahten ein. Zudem klappte das nur bei linearem Zugriff.<\/p>\n<p>Das letzte Problem war hausgemacht. Die Architektur wurde kaum ge&auml;ndert. Die letzte Cray die als Vektorrechner aufgebaut wurde hatte wie die erste acht Vektorregister mit 64 Eintr&auml;gen. Die h&ouml;here Integration schlug sich also nicht in mehr Registern nieder oder mehr Recheneinheiten &#8211; beides h&auml;tte mehr Parallelit&auml;t erlaubt. Caches, wie sie Mikroprozessoren einsetzten wurden selten eingesetzt. Mit ihnen kann man die Langsamkeit des Speichers kompensieren, indem man die Daten die man aktuell braucht, in einen kleinen, aber schnellen Speicher kopiert. stattdessen setzte man nach wie vor auf einen gro&szlig;en gemeinsamen Speicher der direkt angesprochen werden konnte.<\/p>\n<p>Auch entwickelte man die skalaren und normalen Flie&szlig;kommeinheiten kaum weiter. Damit blieb das Problemm dass man die hohe Geschwindigkeit nur mit die Vektorregister nutzende Software erreichte. dagegen waren Mikroprozessoren ohne Vektorprozesoren f&auml;hig diese normalen Berechnungen genauso schnell zu erledigen. Sie waren nicht so spezialisiert.<\/p>\n<p>Kombinierte man dies mit dem Kostenvorteil &#8211; es mussten keine eigenen Chips entwickelt werden, man konnte auch bei den Fertigungskosten durch die hohen St&uuml;ckzahlen sparen, so ist klar, dass MPP siegen w&uuml;rde. Heute ist nur NEC dem Vektorprinzip treu geblieben. Immerhin hat NEC aus einem Vektorprozessor 256 GFlops herausgekitzelt. Ein CPU Kern einer XEON CPU schafft bei bestimmten Operationen maximal 14 GFlops. (2014).<\/p>\n<p>Das man den Takt nicht weiter reduzieren konnte, holte &uuml;brigens zehn Jahre sp&auml;ter die Mikroprozessoren ein. Nachdem der Pentium 4 die 3 GHz Grenze erreichte, wurde sie kaum noch gesteigert. Auch hier setzte man nun auf immer mehr Kerne. So richtig hat die Vektorarchitektur nicht in die Mikrocomputer eingezogen. Es gab zwar Ans&auml;tze wie SIMD (Single Instruktion, Multiple Data) oder VLIW (Very long Instruktion Word) die beide den Ansatz haben, mehrere Daten in einer Instruktion zu verarbeiten, doch dann sind es 4 oder 8 Datenworte, nicht 64 wie bei einem Vektorrechner, obwohl dies sicher eine M&ouml;glichkeit w&auml;re, die Effizienz zu steigern. Am ehesten vergleichbar ist die Architektur von Grafikkarten. Sie sind zwar v&ouml;llig anders aufgebaut, haben aber einige Gemeinsamkeiten:<\/p>\n<p>Es gibt keinen Cache, sie leben dagegen von sehr schnellem (DDR5) Speicher, dessen Gr&ouml;&szlig;e daher eher klein ist<\/p>\n<p>Sie haben eine sehr hohe Speicherbandbreite und transferieren 128 bis 512 Bits auf einmal<\/p>\n<p>Anstatt einer Vektor CPU, die nacheinander die Daten verarbeitet, haben sie hunderte bis &uuml;ber 1000 kleine Recheneinheiten (GPU) die parallel jeweils unterschiedliche Daten verarbeitet.<\/p>\n<p>Wie Vektorrechner erreichen diese GPU ihre hohe Geschwindigkeit nur bei spezialisierter Software, die massiv parallel ausgef&uuml;hrt wird, wie Videodekodierung oder -encodierung.<\/p>\n<p>Cray Research gibt es heute noch, eine Zeitlang war die Firma Bestandteil von Silicon Graphics, wurde sp&auml;ter aber wieder ausgegliedert. Die Firma baut bis heute Supercomputer. Das Know-How liegt aber nicht in den Prozessoren &#8211; es werden AMD Opterons oder Intel Xeons verwendet, sondern in der Technologie diese und den Hauptspeicher zu verbinden, dass der Zugriff m&ouml;glichst schnell geht. Auch die japanischen Firmen, die zwar nicht den internationalen Erfolg von Cray hatten, aber zeitweise die schnellsten Rechner bauten gab auf, bis auf NEC, die bis heute Vektorrechner anbietet.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/4f9e919b019e46c2a9b70818392a67b2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gr&uuml;nde f&uuml;r den Niedergang sind relativ offensichtlich. Einer lag in dem Aufbau der Hardware, Seymour Cray verwandte f&uuml;r die Cray Chips in ECL-Technologie f&uuml;r den Speicher und die Logik. ECL (Emittergekoppelte Logik) waren die schnellsten verf&uuml;gbaren Schaltungen, die es gab. Sie haben aber zwei Nachteile. 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