{"id":988,"date":"2006-09-02T08:56:03","date_gmt":"2006-09-02T06:56:03","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=988"},"modified":"2009-06-01T08:56:27","modified_gmt":"2009-06-01T06:56:27","slug":"canossa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2006\/09\/02\/canossa\/","title":{"rendered":"Canossa"},"content":{"rendered":"<p>Sie kennen sicher auch den Ausspruch &#8222;Nach Canossa gehen&#8220; im Sinne von Abbitte leisten oder sich der Gnade eines anderen ausliefern. Auf jeden Fall ist ein Gang nach Canossa f&uuml;r den Betroffenen nicht gerade angenehm. Nun ja ich habe mir vorgenommen mein Halbwissen in Wissen umzuwandeln und will Ihnen das weitergeben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/img\/gregro-vii.jpeg\" border=\"0\" alt=\"Gregor VII\" width=\"300\" height=\"359\" align=\"left\" \/>Alles begann im Jahre 1073 mit der Wahl des M&ouml;nches Hildebrand zum Papst Gregor VII. Die Wahl soll tumultartig gewesen sein und nach den damaligen Statuten irregul&auml;r. Hildebrand galt als Verfechter der Reform der Kirche und eine seiner Forderungen war, dass nur die Kirche selbst, d.h. im Endeffekt der Papst, &Auml;bte und Bisch&ouml;fe ernennen d&uuml;rfte. Weiterhin m&uuml;ssten alle F&uuml;rsten dem Papst die F&uuml;sse k&uuml;ssen und er d&uuml;rfte selbst K&ouml;nige absetzen wenn sie sich nicht an die Regeln der Kirche hielten. Diesem Edikt aus 21 S&auml;tzen folgte eine Drohung an den seit 1066 regierenden deutschen K&ouml;nig Heinrich den IV, welche ihn mit der Exkommunizierung bedrohte, da er die Bisch&ouml;fe selbst einsetzte.<\/p>\n<p>F&uuml;r Heinrich den IV war dies &uuml;berlebenotwendig. Den K&ouml;nig w&auml;hlten nicht nur F&uuml;rsten sondern auch Bisch&ouml;fe, die Herscher &uuml;ber ihre Kircheng&uuml;ter waren, die durchaus einen Machtfaktor darstellten. Daher versuchte jeder der Kaiser werden, oder es bleiben wollte, die Bischofsst&uuml;hle mit Personen seines Vertrauens besetzen.<\/p>\n<p>Heinrich der IV erhielt das Schreiben am Neujahrsmorgen des Jahres 1076 in Goslar. Er sah sich als K&ouml;nig und Kaiser in der st&auml;rkeren Position und setzte einen Reichstag ein. Viele Bisch&ouml;fe nahmen die Gelegenheit wahr sich am Papst zu r&auml;chen, der in den vergangenen Jahren sich auch mit anderen Reformationsbestrebungen unbeliebt gemacht hatte. Angesichts der Umst&auml;nde wie Hildebrand zu Gregor VII gew&auml;hlt wurde, gab es auch den Ansatzpunkt die Wahl f&uuml;r ung&uuml;ltig zu erkl&auml;ren. Weiterhin hatte der Papst der so auf die Trennung von weltlicher Macht pochte, Truppen f&uuml;r einen Feldzug in Sizilien zusammengezogen. Das alles f&uuml;hrte zu einem erbosten Schreiben in dem der Reichstag Gregor VII aufforderte vom Stuhle Petrus abzusteigen:<\/p>\n<p><em>Heinrich, nicht durch Anma&szlig;ung, sondern durch Gottes gerechte Anordnung K&ouml;nig, an Hildebrand, nicht mehr den Papst, sondern den falschen M&ouml;nch. [&#8230;] So steige du denn, der du durch diesen Fluch und das Urteil aller unserer Bisch&ouml;fe und unser eigenes verdammt bist, herab, verlasse den apostolischen Stuhl, den du dir angema&szlig;t hast. [&#8230;] Ich, Heinrich, durch die Gnade Gottes K&ouml;nig, sage dir zusammen mit allen meinen Bisch&ouml;fen: Steige herab, steige herab.<\/em><\/p>\n<p>Der Brief traf am 14.2.1976 zu Beginn der Fastenperoide in Rom ein und die k&ouml;niglichen Gesandten mussten um ihr Leben f&uuml;rchten. Gregor setzte als Antwort Heinrich den IV als K&ouml;nig ab, verh&auml;ngte &uuml;ber ihn den Kirchenbann und enthob alle von der Gefolgeschaft zu Heinrich dem IV.<\/p>\n<p><em>?[&#8230;] und da&szlig; mir um deinetwillen von Gott Gewalt gegeben ist, zu binden und zu l&ouml;sen, im Himmel und auf Erden. In dieser festen Zuversicht [&#8230;] spreche ich K&ouml;nig Heinrich, des Kaisers Heinrich Sohn, der sich gegen deine Kirche mit unerh&ouml;rtem Hochmut erhoben hat, die Herrschaft &uuml;ber Deutschland und Italien ab, und ich l&ouml;se alle Christen vom Eid, den sie ihm geleistet haben oder noch leisten werden, und untersage, ihm f&uuml;rderhin als K&ouml;nig zu dienen. [&#8230;] Und weil er [&#8230;] mit Gebannten Gemeinschaft h&auml;lt, vielerlei Unrecht tut, meine Ermahnungen, die ich um seines Heiles willen an ihn gerichtet habe, verachtet, [&#8230;] sich von deiner Kirche trennt und sie zu spalten sucht, darum binde ich als dein Stellvertreter ihn mit der Fessel des Fluchs [&#8230;].?<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/img\/heinrich-iv.jpeg\" border=\"0\" alt=\"Heinrich IV\" width=\"300\" height=\"521\" align=\"right\" \/>Es folgten nun Briefwechsel seitens Heinrich und Gregors um Verb&uuml;ndete zu gewinnen. Heinrich versuchte die s&uuml;ditalienischen Bisch&ouml;fe zu gewinnen und Gregor versuchte die deutschen Bisch&ouml;fe zu gewinnen. Er war erfolgreicher und 10 Bisch&ouml;fe wandten sich von Heinrich ab und drohten, wenn er nicht binnen eines Jahres den Bann l&ouml;sen kann, einen Gegenk&ouml;nig zu w&auml;hlen und luden Gregor VII nach Deutschland ein, um seinen Streit direkt mit Heinrich zu schlichten. Dies tat auch Gregor. Ihm reiste Heinrich entgegen, weil er vermeiden wollte, dass Gregor zu seinen Anh&auml;ngern nach Deutschland kam, er aber in Norditalien, welches damals zum deutschen Reich geh&ouml;rte, treue Verb&uuml;ndete hatte. Er hatte 1075 dort 10 Erzbisch&ouml;fe ernannt.?Als er die Alpen &uuml;berquerte fand er in der Lombardei Bisch&ouml;fe, die mit ihm gegen den Papst vorgehen wollten. Der f&uuml;rchtete um seine Sicherheit und zog sich von Mantua auf eine Burg nach Canossa zur&uuml;ck. Dort tauchte Heinrich am 26.1.1077 auf &#8211; jedoch nicht mit einem Heer, sondern trotz der Winterk&auml;lte im B&uuml;sergewand und begehrte eingelassen zu werden. Gregor lehnte dies ab. Er tat dies auch am n&auml;chsten und &uuml;bern&auml;chsten Tag. Am vierten Tag sprachen die Freunde Gregors von &#8222;Grausamkeit&#8220; und &#8222;tyrannischer Barbarei&#8220; und Gregor gab nach. Er gab ihm die Absolution und nahm mit Heinrich das Abendmal ein. Heinrich musste versprechen den Klagen deutscher F&uuml;rsten nachzugeben, und dem Rat Gregors zu folgen und bekam daf&uuml;r freies Geleit auf seiner R&uuml;ckreise. Die Bu&szlig;e war ein formaler Akt, den Heinrich vollzog und den Papst Gregor VII. nicht ablehnen konnte. Heinrich erkannte dass er um seine Macht zu festigen dem Anliegen Gregors vorerst nachgeben musste.<\/p>\n<p>Doch der Konflikt schwellte weiter. Gregor kam nicht nach Deutschland um die Einigkeit des Reiches auf einem Reichstag wieder herszustellen und Heinrich konnte die deutschen F&uuml;rsten nicht davon abhalten, am 15.3.1078 einen Gegenk&ouml;nig, Rudolf von Rheinfelden, Herzog von Schwaben zu w&auml;hlen. Obwohl Gregor dies nicht unterst&uuml;tzt hatte, hatten doch seine Legaten an der Wahl teilgenommen. 1080 unterst&uuml;tzte dann Gregor offiziell Rudolph und belegte Heinrich erneut mit einem Bann und prophezeite seinen Tod am 1.8.1080. Im Juni 1080 trat in Ravenna eine Synode auf Betreiben von Heinrich zusammen, und sie w&auml;hlten Wibert als Clemens III zum Gegenpapst. Kurz darauf kam es zur Schlacht zwischen den beiden K&ouml;nigen bei der Rudolph die rechte Hand (die Schwurhand) verlor und an der Blutung starb. Darin sah man im damaligen Verst&auml;ndnis ein Gottesurteil denn mit dieser Hand hatte er vorher Heinrich die Treue geschworen. Am gleichen Tag dem 25.10.1080 verlor auch Gregors Heer, das Clemens III?gefangen nehmen sollte, eine Schlacht bei Volna gegen die Truppen Heinrichs.<\/p>\n<p>Gregor hatte damit keine Tr&uuml;mpfe mehr. Schon im n&auml;chsten Jahr zog Heinrich gegen Rom. Die Kriege kosteten die Kirche viel Geld und dies holte man bei den Bist&uuml;mern, als Folge schwenkten viele von ihnen auf die Seite von Heinrich und Clemens. 1083 gelang es Heinrichs Truppen die Engelsburg zu erobern und noch mehr liefen zu Clemens &uuml;ber und die Kardin&auml;le zwangen Gregor, eine Synode einzuberufen. Im M&auml;rz 1083 wurden Heinrich die Tore Roms ge&ouml;ffnet, Gregor abgesetzt und Clemens III am 24.3.1984 zum Papst gew&auml;hlt. Er k&uuml;rte eine Woche sp&auml;ter am Ostersonntag 1084 Heinrich zum deutschen Kaiser. Gregor hatte sich auf die Engelsburg zur&uuml;ckgezogen, die von Heinrichs Truppen belagert wurde. Inzwischen kam ein Heer von Normannen, unterst&uuml;tzt von Sarazenen, also unchristlichen Truppen unter der Leitung von Herzog Robert Guiscard aus S&uuml;ditalien nach Rom gezogen, das Gregor ergeben war. Heinrich zog sich mit Clemens nach Tivoli zur&uuml;ck. Die Normannen pl&uuml;nderten und brandschatzen Rom, worauf Gregeor die letzten Symapathien verlor und Gregor ging ins Asyl nach Salerno, das er bis zu seinem fr&uuml;hen Tod am 25.5.1083 nicht mehr verlie&szlig;. Seine letzten Worte sollen gewesen sein &#8222;Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht geha&szlig;t, deshalb sterbe ich in der Verbannung&#8220;.<\/p>\n<p>Heinrich hatte am Schluss gewonnen, obwohl er sich Gregor in Canossa unterwarf. Dieser Ausgang ist eigentlich das Gegenteil von dem was man heute unter dem Spruch &#8222;Nach Canossa gehen&#8220; versteht &#8211; Es war ein taktisches Man&ouml;ver um aus einer st&auml;rkeren Position den Gegner zu besiegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie kennen sicher auch den Ausspruch &#8222;Nach Canossa gehen&#8220; im Sinne von Abbitte leisten oder sich der Gnade eines anderen ausliefern. Auf jeden Fall ist ein Gang nach Canossa f&uuml;r den Betroffenen nicht gerade angenehm. Nun ja ich habe mir vorgenommen mein Halbwissen in Wissen umzuwandeln und will Ihnen das weitergeben. 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