{"id":9953,"date":"2014-05-15T00:38:42","date_gmt":"2014-05-14T22:38:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=9953"},"modified":"2014-05-14T16:44:19","modified_gmt":"2014-05-14T14:44:19","slug":"bitte-das-glas-nicht-ganz-so-voll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/05\/15\/bitte-das-glas-nicht-ganz-so-voll\/","title":{"rendered":"Bitte das Glas nicht ganz so voll&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Heute will ich mich wieder einem theoretischen Thema widmen, einer weiteren Methode eine Rakete der Nutzlast anzupassen. Das Problem ist bekannt: Nutzlasten sind unterschiedlich gro&szlig; und wenn sie nur einen Teil der m&ouml;glichen Maximalnutzlast der Rakete ben&ouml;tigt wird der Start unn&ouml;tig teuer. Bei Arianespace ist das ein Problem, da es zunehmend schwieriger wird mit der Ariane 5 Doppelstarts durchzuf&uuml;hren. F&uuml;r die US-Regierung ist es ein Problem, weil im Arsenal einige L&uuml;cken klaffen, so gibt es keinen Tr&auml;ger zwischen 1,7 und 5,5 t LEO Nutzlast. Nun gibt es einige M&ouml;glichkeiten eine Rakete diesen Anforderungen anzupassen. Das bekannteste ist es Booster anzumontieren. Es gibt zahlreiche Beispiele daf&uuml;r: Die Delta, die Atlas II Serie, Ariane 4. Eine zweite, heute un&uuml;bliche M&ouml;glichkeit ist es die Oberstufe auszutauschen. Meist ist es so, dass man hier nicht viel Geld sparen kann. Doch in der Vergangenheit war dies sehr popul&auml;r, z.B. Die <a href=\"\/atlas.shtml\">Atlas<\/a> mit verschiedenen festen Oberstufen, Agena und <a href=\"\/centaur.shtml\">Centaur<\/a>. Eine dritte M&ouml;glichkeit will ich heute vorstellen und untersuchen. Sie wurde nur einmal eingesetzt und zwar bei der Ariane 4, doch auch hier nicht in Reinform. In abgewandelter Form gibt es das Konzept auch bei der Atlas III und V. Bevor sie weiterlesen, &uuml;berlegen sie mal was es sein k&ouml;nnte &#8230;<!--more--> Ich spreche vom Propellant off-loading und dem gleichzeitigen Weglassen von Triebwerken. Das Prinzip ist relativ einfach: wenn ich eine Rakete mit sehr vielen Triebwerken habe und ich ben&ouml;tige nicht die ganze Nutzlast, dann kann ich einige Triebwerke ausbauen und daf&uuml;r den Treibstoffvorrat reduzieren. Das geht nat&uuml;rlich nur, wenn es gen&uuml;gend Triebwerke gibt, bei einem oder zwei Triebwerken geht es kaum. Zudem muss auch die Geometrie stimmen. Bei drei Triebwerken in einer Reihe kann man leicht eines oder zwei weglassen, bei 5, angeordnet in W&uuml;rfelform eines, zwei, drei, vier.&nbsp; Bei vieren ist es dagegen so, dass der Schub dann nicht mehr Punktsymmetrisch zum Schwerpunkt verll&auml;uft. Der Vorteil: Die Triebwerke sind das teuerste an der Rakete. Die Einsparung ist daher signifikant. Denkbar ist auch der Einsatz bei einer Oberstufe, doch haben die meist nur ein Triebwerk und hier w&uuml;rde das Weglassen von Treibstoff die Nutzlast st&auml;rker absinken lassen als bei der ersten Stufe. Denn mit weniger Triebwerken muss die Rakete leichter werden. Bisher gab es nur zwei Umsetzungen, beide nicht in Reinform. Bei der<a href=\"\/ariane4.shtml\"> Ariane 4 <\/a>hat man die Erststufe gegen&uuml;ber der <a href=\"\/ariane23.shtml\">Ariane 1-3<\/a> um 50% verl&auml;ngert. Ohne Booster kann dann die Rakete gar nicht mehr abheben. Bei den Versionen mut keinen Boostern oder nur zwei musste man daher Treibstoff weglassen. Bei einer Ariane 40 war sie daher nur mit 165 anstatt 226 t Treibstoff betankt. Bei der <a href=\"\/atlas-v.shtml\">Atlas V <\/a>gibt es die Single Engine und Double engine Centaur. Hier ist aber die Single engine Standard und die Double engine braucht man nur bei sehr schweren Nutzlasten die ind en LEO gehen, da die bei der gr&ouml;&szlig;ten Atlas Version fast so viel wie die Stufe selbst wiegen k&ouml;nnen. Einen Einsatz der DEC-Version gab es noch nicht, das k&ouml;nnte sich mit den Crewtransporten &auml;ndern. Heute am einfachsten einzusetzen w&auml;re es bei der <a href=\"\/falcon9.shtml\">Falcon 9<\/a>, die ich als Basis f&uuml;r eine Simulation nehmen werde. Das ganze muss spekulativ sein, aber es geht nur um ein Beispiel. Als Basis nehme ich die von mir gesch&auml;tzten Werte der Rakete. Dazu kommen folgende annahmen:<\/p>\n<ul>\n<li>Das Weglassen eines Triebwerks reduziert die Leermasse um 700 kg<\/li>\n<li>Das Weglassen eines Triebwerks reduziert die Startmasse um 56 t, dies erfolgt durch Weglassen von 55,4 t Treibstoff in der ersten Stufe<\/li>\n<li>Die Geschwindigkeit diue n&ouml;tig ist um den Orbit zu erreichen ist die gleiche wie bei der Falcon 9<\/li>\n<li>Nutzlast f&uuml;r 9 Triebwerke sind die 13.230 kg nach SpaceX Angaben in einen Orbit mit v=7800 m\/s.<\/li>\n<\/ul>\n<table cellpadding=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<th class=\"auto-style1\">Triebwerke<\/th>\n<th class=\"auto-style1\">Nutzlast<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">9<\/td>\n<td class=\"auto-style2\">13.230 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">8<\/td>\n<td class=\"auto-style2\">11.350 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">7<\/td>\n<td class=\"auto-style2\">9.440 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">6<\/td>\n<td class=\"auto-style2\">7.510 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">5<\/td>\n<td class=\"auto-style2\">5.550 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td class=\"auto-style1\">4<\/td>\n<td class=\"auto-style2\">3.590 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Wie man sieht f&auml;llt die Nutzlast um 1,9 bis 2 t pro weggelassenem Triebwerk. Mit vier Triebwerken in der ersten Stufe und einem in der zweiten h&auml;tte diese &#8222;Falcon 4&#8220; die H&auml;lfte der Triebwerke der Falcon 9, aber nur ein Viertel der Nutzlast. Trotzdem lohnt es sich, wenn man die Nutzlastkapazit&auml;t nicht braucht. So wird der n&auml;chste Start 6 Orbcomm Satelliten zu je 170 kg Masse in einen 750 km hohen 47 Grad geneigten Orbit entlassen &#8211; die Nutzlast der Falcon 9 in diesen Orbit m&uuml;sste um die 10 t betragen, doch die Satelliten wiegen gerade mal etwas mehr als eine Tonne. Eine Kostenabsch&auml;tzung ist schwierig. Nach SpaceX Angaben kostet die erste Stufe 70% des Starts. Die Triebwerke d&uuml;rften das teuerste daran sein. Nimmt man eine Verteilung von 1\/3 f&uuml;r Strukturen und 2\/3 f&uuml;r Triebwerke an, so w&uuml;rde jedes weggelassene Triebwerk den Start um 5,2% verbilligen. Rechnet man noch die Kosten f&uuml;r den weggelassenen Treibstoff (1 Dollar pro Kilogramm) oben drauf, denn man weglassen kann so sind es 6%. Wie bei auch der Verwendung von Boostern: die gr&ouml;&szlig;te Version ist die kosteng&uuml;nstigste pro Kilogramm, trotzdem w&uuml;rde die 4-Triebwerke Version f&uuml;r den Orbcomm Start ausreichen (geht man unter vier Triebwerke so wiegt die erste Stufe weniger als die zweite und die Brennzeit wird arg kurz) rund 30% der Startkosten einsparen. Man k&ouml;nnte noch weiter gehen, und dann auch die Tanks verk&uuml;rzen, sinnvoll wenn sie aus Segmenten bestehen, dann kommt man zu dem modularen Raketenkonzept, dass ich mal <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/modulare-rakete.shtml\">skizziert habe<\/a>. Dann w&auml;re auch die Nutzlasteinbu&szlig;e nicht so hoch. W&uuml;rde die Falcon 9 zwei Triebwerke in der Oberstufe einsetzen so w&auml;re auch daran zu denken hier Treibstoff wegzulassen und daf&uuml;r eines Triebwerke. Da die Oberstufe f&uuml;r die Nutzlast entscheidend ist, sinkt dann die Nutzlast eher noch st&auml;rker ab. Die Ideale Rakete f&uuml;r dieses Vorhaben w&auml;re &uuml;brigens die <a href=\"saturn1.shtml\">Saturn <\/a>I gewesen: sie hatte acht Triebwerke in der ersten und sechs in der zweiten Stufe.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/573ab762fc8a41e291aee9194b356fe2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute will ich mich wieder einem theoretischen Thema widmen, einer weiteren Methode eine Rakete der Nutzlast anzupassen. Das Problem ist bekannt: Nutzlasten sind unterschiedlich gro&szlig; und wenn sie nur einen Teil der m&ouml;glichen Maximalnutzlast der Rakete ben&ouml;tigt wird der Start unn&ouml;tig teuer. 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