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Die Bundeswehr

Eigentlich war 30 Jahre lang alles in Ordnung. Es gab den Feind im Osten, dessen Rüstung man kannte und zur Abwehr dessen man die Bundeswehr brauchte. Und weil ziemlich viele Divisionen der Russen in der DDR stationiert waren, musste die Bundeswehr groß sein und bis an die Zähne bewaffnet (wenn auch weitaus weniger stark als der Osten). Damals - vor 1990 war die Bundeswehr 498.000 Mann stark. Dazu kam noch Volksarmee der DDR, sodass in der heutigen Bundesrepublik über 600.000 Mann unter Waffen standen!

Dann zerfiel der Osten und die DDR schloss sich der Bundesrepublik an. Seit 1999 sind auch Polen und die Tschechei Mitglied der NATO und damit ist Deutschland nur noch von Bündnispartnern umgeben. Die Bundeswehr braucht man also nicht mehr, um Deutschland gegen einen Nachbarstaat zu verteidigen.

Entsprechend wurde die Bundeswehr verkleinert, überzählige Panzer verkauft (wie man während der EU-Krise erfuhr, hat das griechische Militär nun mehr Panzer als die Bundeswehr). Als letzter Schritt wurde die Wehrpflicht ausgesetzt und die Bundeswehr auch für Frauen geöffnet. Aktuell (2013) hat sie weniger als 187.000 Soldaten. Rechnet man die DDR-Streitkräfte (Volksarmee) dazu, da ja nun die ehemalige DDR Bestandteil der Bundesrepublik ist, so sind dies weniger als ein Drittel des Standes von 1990. Das nenne ich doch mal Abrüstung.

Dem guten Ruf der Truppe hat der Abbau nicht geschadet. Wenn wieder mal eine Oder-Flut ansteht, weil die Politik nicht fähig ist, Rückstaugebiete auszuweisen und dann jeder schreit "nicht auf meinem Gelände" dann ist die Bundeswehr da und stapelt Sandsäcke oder bringt das schwere Gerät in Stellung. Wenn die Bundeswehr am Tag der offenen Tür einmal die Tore öffnet, herrscht natürlich ein großer Publikumsandrang und auch das Outfit wie die Tarnanzüge, BW Kampfstiefel sind beliebt. Inzwischen gibt es sogar die Waffen frei zu kaufen – allerdings nur als Softair Gewehr. Kurz: unsere Bundeswehr wird gesellschaftlich akzeptiert und honoriert.

Auf der anderen Seite hat, obwohl die Armee drastisch verkleinert wurde, ihr Auftrag sich ausgeweitet. Waren früher nur Landesverteidigung bzw. die Beteiligung bei nicht militärischen (im Sinne eines Angriffskrieges) UN-Missionen möglich, so hat spätestens mit dem NATO-Einsatz im Kosovo ein Paradigmenwechsel eingesetzt. Nun soll die Bundeswehr international eingesetzt werden, auch bei bewaffneten Missionen oder in Kriegsgebieten wie Afghanistan (es hat ja lange gedauert, bis ein Verteidigungsminister (Gutenberg) das als „Krieg“ bezeichnet, wenn es nach den Generälen geht, wäre es immer noch ein "asymmetrischer Konflikt" oder "asymmetrische Kriegsführung"

Gerade an diesem Kurs "wir müssen überall mitmachen", habe ich einiges zu kritisieren. Natürlich ist es schön, wenn man sich auf die Verfassung, Pardon, das Grundgesetz zurückzieht und sagt, da steht nur was von Landesverteidigung drin. Japan hat nach dem Zweiten Weltkrieg dasselbe Paradigma sich verordnet und ist dabei geblieben. Meiner Ansicht nach macht man es sich aber dann zu leicht. Natürlich muss man in der Welt Verantwortung übernehmen, und dazu gehört auch die Teilnahme an nicht friedlichen Missionen. Man sollte allerdings die Konsequenzen jedes Einsatzes absehen und nicht bei jedem mitmachen. Afghanistan ist ein gutes Beispiel. Man kann bis zu Alexander dem Großen zurückgehen, um zu sehen, dass man in diesem Land nichts als Ärger hat. Selbst wenn bei Politikern, das Geschichtsbewusstsein nicht so ausgeprägt ist, dann sollten die letzten 20 Jahre Krieg in Afghanistan vor 9/11 ihnen doch eine Lehre sein. Die UdSSR wurde nicht mit den Mudschaheddin fertig, danach haben sie sich selbst weiter bekriegt. Die Verbündeten der USA waren ja nichts anderes als Warlords, die gegen die Taliban verloren haben, die sogenannte Nordfront. 5 Jahre später, 2018 herrscht immer noch Krieg. Nun Taliban gegen Afghanische Regierung. Im Prinzip ist das Land seit 1979 im Dauerkriegszustand.

Dass man da nicht mitmachen sollte, war zumindest für mich klar. Anders sieht es bei Kosovo Einsatz aus und hätte es (wenn man sich beteiligt hätte), auch beim Libyeneinsatz ausgesehen.

Was ich höchst bedenklich finde, ist der derzeitige Umbau der Bundeswehr, am besten noch erkennbar an dem beschafften Gerät. Natürlich kommt der Eurofighter. Schließlich hat man ihn seit über 10 Jahren geplant und die Kosten scheinen da egal zu sein. Ganz ohne Luftwaffe geht es auch nicht. Selbst die Schweiz hat eine. Doch ein billigeres oder zumindest universeller einsetzbares Flugzeug, das nicht nur die Phantom, sondern auch die Tornado ersetzt, wäre sicher die bessere Entscheidung ist.

Für die neue Bundeswehr, die überall aktiv ist, braucht man aber mobile Einheiten. Dazu gehören die A400 Transporter,  der neue hoch mobile Schützenpanzer Puma, die Anschaffung von Drohnen (bewaffnet und unbewaffnet) etc. Wenn man das hat, schreit es gerade dazu verwendet zu werden. Sinnvoll hätte ich allenfalls die Aufrüstung der Marine gehalten, da wie man bei den Piraten bei Somalia sieht die Seewege immer unsicherer werden. Dazu braucht man keine großen Schiffe, da reichen auch kleine Boote wie Korvetten und vielleicht wäre mal ein Hubschrauberträger um ein größeres Seegebiet zu überwachen. Ein solches Schiff ist nicht so groß und teuer, wie ein Flugzeugträger und auch eher kleinere Nationen wie Spanien oder Japan haben einen Hubschrauberträger.

Das Einzige, was der Beteiligung an Aktionen entgegensteht, ist, dass man nur wenige Soldaten entbehren kann. Mit Afghanistan sowie den anderen kleineren Einsätzen im Rahmen von UN-Missionen ist die Bundeswehr schon an der Kapazitätsgrenze. Dabei sind es nur 5710 Soldaten. Das liegt wohl daran, dass man im modernen Krieg für einen kämpfenden Soldaten zehn weitere braucht, die Unterstützung leisten. So lösen sich manche Probleme von selbst. Wie man im Sommer 2018 erfahren konnte, hat die Bundeswehr ja auch das Problem Leute zu finden, die sich verpflichten wollen. Nun wird darüber nachgedacht, wie man EU-Bürger aufnehmen könnte.

Inzwischen (der obere Teil des Aufsatzes ist von 2013, nun schreiben wir 2018) kam die Bundeswehr immer mehr in die Schlagzahlen als "Gurkentruppe". Sie soll nur noch begrenzt einsatztauglich sein. Tiger-Hubschrauber können nicht starten, nur ein Drittel der Tornados ist einsatzbereit, der A-400M kommt zu spät und hat ebenfalls Probleme, selbst bei einem Flug mit der Ministerin. Dazu kommt Trumps Forderung nach Verteidigungsausgaben in Höhe von 2 % des Bruttoinlandsproduktes, was de Faktor eine Erhöhung des Wehretats um 80 Prozent bedeutet. Zudem gibt es etliche Skandale rund um die Personalführung. Beginnend von rechtsradikalen Gruppen in der Bundeswehr bis hin zu sexuellen Übergriffen.

Nun das hängt zusammen: Man hat nach 1990 nicht nur abgerüstet, man hat auch für das, was man schon beschafft hat, nicht mehr so viele Ersatzteile vorrätig gehalten. All das kostet Geld. Dass die Bundeswehr mehr Geld braucht, alleine um die Ausrüstung in Schuss zu halten und einsatzbereit zu sein, dürfte klar sein. Wenn man sich der politischen Forderung der USA beugt und darüber Geld ausgeben will, dann meiner Meinung nach nicht für neue Waffensysteme. Stattdessen sollte die Entlohnung der Soldaten (und seit es eine Freiwlligenarmee ist auch Soldatinnen) besser sein. Schließlich ist es nun ein Job wie jeder andere nur riskanter. Wenn man mehr Gerät anschaffen will, dann würde ich den Fokus auf solches legen, das "vielseitig" nutzbar ist. Das sind Geräte, mit denen man Brücken bauen kann, Infrastruktur ersetzen. Das braucht auch eine Armee, vor allem wenn sie bei UN-Missionen in Entwicklungsländern zum Einsatz kommt, in der es keine Infrastruktur existiert. Das wäre dann nämlich auch bei Naturkatastrophen bei uns nutzbar. Vor allem aber denke ich hat die Bundeswehr keinen Bedarf an richtig schwerem Gerät wie Kampfpanzern oder Jagdflugzeugen. Bei der immer stärkeren Fokussierung auf Auslandseinsätze und UN-Missionen anstatt Landesverteidigung braucht sie mehr gepanzerte Mannschaftsfahrzeuge, Hubschrauber und vielleicht auch eine Marine, die noch besser Handelswege sichern kann.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.

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