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Die Deutsch-Amerikanische Freundschaft

"Unsere Amerikanischen Freunde" tönt es unisono von allen Parteien. Es ist wohl das Unwort in der Deutschen Politik. Doch es ist auch interessant darüber zu philosophieren, was dies ausdrückt. Unabhängig von den Amis, hat Freundschaft in der Politik nichts zu tun. Es gibt nationale Interessen und dann noch die offizielle Politik (die sich nicht mit dem Bürgerwillen decken muss). Mit der Freundschaft hat das aber nichts zu tun, eher mit Zweckallianzen. Warum sollen die Amis unsere Freunde sein? Warum reden wir nicht von unseren "österreichischen Freunden" oder "französischen Freunden"? Versuchen wir dem mal auf den Grund zu gehen. Hinweis: Dieser Artikel stammt von Ende 2002, kurz vor dem Beginn des Irakfeldzugs der USA. Alle politischen und zeitlichen Aussagen beziehen sich auf diese Zeit.

Theorie 1: Die Amerikaner haben uns von den Nazis befreit.

Amerikanische FreundschaftsbombenDas ist die am häufigsten gesagte Begründung. Doch irgendwie überzeugt sie nicht. Zuerst einmal haben wir den Amerikanern den Krieg erklärt, weil dies der Dreimächtepakt so forderte. Es ist also bestimmt nicht so gewesen, dass die Amis mal verkündet haben "Wir müssen die Deutschen von Hitler befreien" und deswegen mit uns Krieg angefangen haben. Ob die Amis von sich aus direkt in den Krieg eingegriffen hätten bleibt so Spekulation. Die Stimmung war 1941 in Amerika auf jeden Fall gegen einen eintritt in den europäischen Krieg.

Als zweites bleibt natürlich noch die Frage, warum es dann nicht auch die "Deutsch-Russische-Freundschaft" oder "Deutsch-englische Freundschaft" gibt. Was zeichnet die Amerikaner so aus? Wir haben ja auch gegen einige Dutzend andere Länder Krieg geführt. Nun könnte man meinen, dass die Amis anders Krieg geführt haben als die anderen Nationen. Ja, das haben sie auch: Sie haben deutsche Städte bombardiert. Was sie von den Engländern unterscheidet, die dies auch taten, ist die fehlende Ausrede.

Rufen wir uns den Bombenkrieg in Erinnerung, hier mal einige Fakten:

Nach der Genfer Landkriegsordnung und den Haager Konventionen ist all dies ein Kriegsverbrechen. Denn gezielte Angriffe gegen Zivilisten sind Kriegsverbrechen. Wenn nach dem Krieg Deutsche Soldaten die Zivilisten getötet haben, durch amerikanische Tribunale verurteilt wurden, warum haben diese nicht die Angehörige ihrer eigenen Luftwaffe verurteilt ?

Die Briten können sich wenigstens noch herausreden, sie wären zuerst bombardiert worden, als wäre ein Kriegsverbrechen durch ein anderes gedeckt. Doch nie wurden Bomben auf Amerika abgeworfen! Das hat auch nicht mit Deutschland zu tun, denn die Japaner, die keine Bombenkriege geführt haben, wurden ja auch bombardiert, sogar mit Atombomben!

Mehr noch: Diese "amerikanischen Freunde" haben den Sowjets nicht nur Ostpreußen als "Kriegsbeute" zugesprochen, sie haben ihnen auch eine eigene Besatzungszone zugesprochen. Dies obgleich sie wussten, mit wem sie es zu tun hatten. Die deutsche Teilung haben die Amerikaner mitzuverantworten.

Das die Amis auch nicht Krieg gegen die Nazis geführt haben, sondern gegen die Deutschen zeigt sich auch dem Verhalten nach dem Krieg. Wie lange hat es gedauert bis wir uns selbst wieder regieren dürften, wie lange blieben wir noch besetzt? Dass war ein Akt gegen die Deutschen, nicht gegen Nazis. Vor allem wenn man dies mit Italien vergleicht die ja auch eine faschistische Diktatur hatten.

Theorie 2: Die Amis haben uns vor den Russen beschützt

Nach dem Krieg zerfiel nicht nur das Bündnis zwischen den Alliierten. Nein, es kam zum kalten Krieg, mit dem eisernen Vorhang durch Mitteleuropa. Da es noch keinen Friedensvertrag gab, stationierten die Amerikaner in Westdeutschland Besatzungstruppen, genauso wie Russland in Ostdeutschland. Die Amis machten das aber nicht, weil sie unsere Freunde sind, sondern weil sie den Kommunismus weltweit eindämmen wollen. Wegen dieser Politik haben sie auch in Korea und Vietnam Krieg geführt und auf der ganzen Welt Regimes oder "Freiheitsbewegungen" unterstützt die gegen den Kommunismus waren. Die Berliner Luftbrücke gab es vor allem um den Sowjets ihre Grenzen zu zeigen. Sie entsprang nicht aus "Freundschaft". Denn diese Freunde schauten tatenlos zu als es 1953 den Aufstand in der DDR gab und sie schauten auch dem Bau der Berliner Mauer tatenlos zu! Denn beides ereignete sich zwar auf deutschen Boden, aber nicht auf dem denn sie besetzt haben. Es gab keine Freundschaft zu den Deutschen sondern nur den Schutz der von ihnen besetzten Gebiete!

Wie souverän Deutschland ist zeigte sich auch in der Geschichte. Erst nach 4 Jahren dürften die Deutschen ein Parlament wählen. Erst nach 11 Jahren wieder eine eigene Armee aufstellen. (Die dann sogleich in die NATO eintreten musste). Trotzdem blieben Besatzungstruppen noch über 40 Jahre, bis es 1990, schlappe 46 Jahre nach Kriegsende mit der Wiedervereinigung auch eine vollständige staatliche Souveränität gab. Die Amis haben uns nicht beschützt. Wir waren nur das vorgeschobene Schlachtfeld im Falle eine Krieges. Im übrigen haben wie nie mit den USA einen Verteidigungspakt geschlossen sondern waren im US Hilfssoldatenclub Mitglied. Das im allgemeinen Sprachgebrauch NATO genannte Bündnis hat nämlich, wie der Golfkrieg beweist, nur eine Aufgabe: Die USA logistisch bei ihren Kriegen zu unterstützen.

wo sind die Amis?Stellen wir uns mal drei Fragen:

Dann hört man vor dem Irakkrieg, wir Deutschen sollen uns dankbar für die Wiedervereinigung zeigen. Diese verdanken wir den Amis. Ach ja? Waren es Amis die in Leipzig und Dresden auf die Straßen gingen? Die Amis haben in 50 Jahren Besatzungszeit nichts gemacht um die Widervereinigung zu ermöglichen.

Auch die Grenzen die wir heute haben, verdanken wir den Amis, welche die Annektion von Ostpreußen und Teilen Polens durch Russland abgesegnet haben, und dafür die Westgrenze Polens bis an die Oder verschoben haben. Machen so etwas Freunde? Ehrlich gesagt, verzichte ich dann lieber auf Freunde.

Theorie 3: Die Amis haben Deutschland wieder auf die Beine geholfen.

Manch einer führt nun den Marschallplan an. Doch Tatsache ist: Dieser galt ganz Europa und nicht nur Deutschland. Selbst wenn er aber nur Deutschland gegolten hätte, so wäre es nur ein Ausgleich für die von den Amerikanern verursachten Schäden im Krieg gewesen. Aber das war es nicht: Es war eine Anschubfinanzierung zu Erschließung eines lukrativen Marktes. Ähnlich wie die Amerikaner dies heute im Irak vorhaben. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass wenn man jemand auf die Beine hilft, nachdem man vorher alles kurz und klein gebombt hat, er sobald er etwas Wirtschaftskraft hat noch mehr Produkte braucht, die er von einem kaufen muss. Daher haben es die Amis auch im Irak sehr eilig mit der Wiederaufnahme der Ölförderung während humanitäre Hilfe warten kann und man Plünderern zuschaut - schließlich müssen sie das alles wieder bei den Amis einkaufen!

Als Folge haben die Amerikaner aus Deutschland eine einträgliche Kolonie gemacht, ja sie sogar kulturell übernommen. Jeder einzelne Dollar floss mehrfach wieder in die USA zurück. Doch das ist ein anderes Thema auf dieser Website.

Theorie 4: Die Amis haben den Deutschen Demokratie und Freiheit gebracht

Demokratie kannten wir schon vor den Amis. In der Weimarer Republik dürften im Gegensatz zu den Amerikanern sogar Frauen wählen. Auch ist unser Wahlrecht wesentlich weiter entwickelt als das der Amis. Doch das nur am Rande. Die Amis betrachten sich immer als die Mutter der Demokratie und das Land mit der besten Regierungsform und der größten Freiheit.

Dem ist nicht so. Noch immer sind Amerikaner mit schwarzer oder roter Hautfarbe benachteiligt. Doch fangen wir einmal mit der Demokratie an. Natürlich gibt es in Amerika eine demokratische Regierungsform. Meiner Erfahrung nach muss man aber nicht ansehen, was die USA für eine Regierungsform auf dem Papier haben, sondern wie sich dies in der Praxis darstellt.

Zwei Dinge finde ich bedenklich. Zum einen haben die Amerikaner den Hang Präsidenten und andere Volksvertreter zu wählen die sich nicht durch Besonnenheit und Intelligenz auszeichnen sondern mehr durch eine Rambomentalität und Schwarz-Weiss Denken. Eine Nation die Nullen wie Reagan und George W. Bush oder Paranoiker wie Nixon in das höchste Amt das sie zu bieten haben wählt ist zwar demokratisch dem Buchstaben nach, zeigt aber in ihrem Votum wenig Verantwortung. Die Amis müssen von anderen Völkern erst einmal Toleranz, Verantwortung und eine kritische Einstellung zur Regierung übernehmen. Sie können anderen Ländern nichts bringen, dass sie selbst nur auf dem Papier haben.

Ein zweites Problem hat sich bislang in allen Kriegen seit dem Korea Krieg gezeigt. Bei allen folgenden Konflikten stand die Öffentlichkeit vor dem Konflikt immer überwiegend hinter der Regierung. Das mag Zufall sein. Doch in meinen Augen repräsentiert es eher eine Grundeinstellung: Die Vorstellung ein Krieg sein ein legitimes Mittel um Regierungen zu stürzen und die Überzeugung man sei so technisch überlegen, dass man den Krieg ohne größere eigene Verluste führen kann. Wenn dann wie im Falle des Vietnamkriegs und Irakkriegs dem nicht so ist und der Krieg teuer und verlustreich ist beginnt ein Umdenkprozess und man stellt sich die Fragen die man vor dem Krieg nicht gestellt hat und der Widerstand wächst. doch dann ist es zu spät.

Das korrespondiert mit einem andern Phänomen: Die Selbstzentriertheit der USA. Es liegt in der Natur dass man sich zuerst einmal für das eigene Land interessiert. Das ist auch bei uns so. Durch die Weltmachtstellung der USA gibt es aber einen Konflikt. Zum einen spielt in den Medien fast nur die Berichterstattung über das eigene Land eine Rolle und im Schulsystem ist Geschichte vor allem amerikanische Geschichte. Zum zweiten beeinflusst diese Nation die Politik und die Regierungen anderer Länder und exportiert ihre Kultur in alle Welt.

Das gefährliche an Amerika ist die Gleichgültigkeit der Menschen der Welt und Weltpolitik gegenüber. Diese interessieren sich zwar nicht für andere Völker und halten ihr Land für das beste der Welt. Dessen Werte und Gesetze sollten weltweit gelten. Bei der Wirtschaft haben sie dies ja schon geschafft: Die Globalisierung ist ja in Wirklichkeit eine Übertragung des amerikanischen "Hire and Fire" Systems auf die Weltwirtschaft. Aber leider kümmern sie sich auch nicht um die Welt. Ihre Vorstellung von Demokratie und American Way of life weicht ja schon von denen ab die viele Europäer haben. Trotzdem meinen Sie nun überall einmarschieren zu können und alles würde zu einem zweiten Disneyland, nur mit echten Einwohnern.

Unsere heutige Demokratie wurde auf jeden Fall wie das Grundgesetz von Deutschen und nicht Amis erarbeitet. Auch das Verständnis und die Verantwortung die wir heute für Frieden und Umwelt entwickelt haben, stammt nicht von den Amis sondern wurde von uns entwickelt. Ich meine, die Amis können heute von uns etwas lernen und nicht umgekehrt. Im Jahre 2002 führen sich die USA auf jeden Fall nicht viel anders auf als totalitäre Systeme.

Ich halte heute nicht den Irak, Nordkorea oder Syrien für eine Gefahr für den Weltfrieden, sondern eine Macht die über 10.000 Atomsprengköpfe, Interkontinentalraketen, biologische und chemische Waffen verfügt und in den letzten Jahren mehrfach andere Länder angegriffen hat mit der Begründung diese Länder wären eine Bedrohung für diese vor Waffen strotzende Supermacht. Dies sind - sie raten es schon - die USA.

Die Politik

Georg Dobble Yu BuschMit einer Freundschaft hat diese "Deutsch-Amerikanische Freundschaft" sowieso nichts zu tun, denn auf Freunde hört man, und nimmt Rücksicht. Freunde sind auch gleichberechtigt. Die USA aber wollen keine Freunde, sondern sie wollen das ihre Politik von ihren Vasallen und der UN als Wille der Völkergemeinschaft abgesegnet werden. Sie hören nicht einmal zu wenn ihre Verbündeten von einem Krieg abraten sondern diffamieren diese als "Altes Europa"

Ich möchte mich in diesem Zusammenhang von den Aussprüchen einiger Politiker distanzieren, die Bush wegen des Irakkriegs mit Hitler verglichen haben. Nichts könnte falscher sein. Hitler war ein Verrückter, der wegen seiner Rassenlehre einen Weltkrieg angezettelt hat. Diesen Krieg konnte er nie gewinnen, da es Garantien für Polen seitens England und Frankreich gab.

Bush ist dagegen kein Irrer sondern ein gewiefter Politiker, der erkannt hat, dass man nach dem 11.9.2001 in Amerika Stärke zeigen muss, vor allem wenn man wieder gewählt werden will und die Wirtschaft auf Talfahrt ist. Da ist es ganz schön, wenn man gegen einen Diktator Krieg führen kann, denn sowieso keiner leiden kann und der nach 10 Jahren Embargo auch militärisch geschwächt ist. Wenn man nur viel Schaum schlägt, glaubt man schon dass Hussein mit Al-Quaida unter einer Decke steckt. Wenn man diesen "Präventivkrieg" (Bei Hitler hieß dasselbe noch "Überfall") auch noch von der UNO Sanktionen kann, gut, wenn nicht, dann eben nicht. Hauptsache man steht in den Meinungsumfragen gut dran. Denn das man mit Kriegen Wahlen gewinnen kann, haben ja schon Putin und Sharon bewiesen. Bush ist also kein Verrückter wie Hitler, sondern ein gewiefter Taktiker, der für Meinungspunkte gerne über Leichen geht. (Das man dabei auch noch Geld mit dem Verkauf des Irakischen Öls verdienen kann ist natürlich noch ein positiver Nebeneffekt).

Da aber Vergleiche heute so angebracht sind (Donald Rumsfeld vergleicht Deutschland mit Libyen und Kuba, weil sie gegen einen Irakkrieg sind). Auch mal ein Vergleich von mir: Die USA stehen in einer Linie mit Irak und Israel. Wie? Nun alle 3 Länder haben zwischen mehrfach andere Länder angegriffen: Die USA seit 1945 die Länder Korea, Vietnam, Grenada, Panama, Irak, Afghanistan und Jugoslawien Israel gegen Syrien, Jordanien, Ägypten, Libanon, Irak und die Palästinensergebiete, Irak nur Iran und Kuwait. So gesehen ist der Irak in dieser Liste der Kriegerischen Staaten etwas deplatziert, denn er hat nur zweimal und nicht sechsmal Krieg geführt.

Antiamerikanismus

Angela MerkelEs war im Wahlkampf 2002 wieder einmal richtig spannend. Wenn sich tatsächlich mal eine Partei gegen die Politik der USA wendet so wird ihr vom Gegner "Antiamerikanismus" vorgeworfen. Das ist in unserer Gesellschaft ja schon eine Verleumdung. Man muss ja wegen der DAF für Amerika sein. Doch was drückt es im Kern aus? Ist die SPD gegen Amerika? Nein, die SPD ist nicht einmal Anti-US-ismus (Es ist eine Beleidigung aller anderen Staaten von Amerika, das man anscheinend nur noch die USA unter Amerika versteht). Niemand ist gegen die Bürger der USA, nur hat man eine andere Meinung zu einem Punkt als die Regierung der USA (die auch nicht immer deckungsgleich mit der Meinung eines Großteils der Bevölkerung der USA ist).

Man definiert also Antiamerikanismus als "Andere Meinung als der Präsident der USA". Wie borniert das ist, und wie unverschämt es ist, so Personen zu diskreditieren zeigt sich wenn man diese Definition mal auf andere Gebiete ausdehnt. Dann ist zum Beispiel die CDU Antideutsch! Warum? Nun sie ist anderer Meinung als die Bundesregierung. Man muss nur Staatsoberhäupter und Länder austauschen. Nicht nur das, sie ist auch antikatholisch, denn die Politik der CDU ist in vielen Punkten anders als die Ansichten des Papstes.

Dies macht klar, das wir auch im neuen Jahrtausend noch genügend Politiker ohne Verstand und Rückgrad in der BRD haben. Man kann diese leicht an den braunen Nasen erkennen, die man bekommt wenn man zu sehr in den Arsch der USA kriecht...

Dieser Text stammt von Bernd Leitenberger
© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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