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Deutsche Sprache - Schwere Sprache

Rechtschreibreform?

Wenn sie in dieser Website stöbern werden Sie über Unmengen von Rechtschreibfehlern stolpern, meistens weil ich zu faul bin nach den inhaltlichen Änderungen die Prüfung noch mal anzuschmeißen oder einfach zu wenig Zeit dazu habe. (Ok es ist mir auch relativ wurst, für mich zählt mehr der Inhalt und Webseiten werden je meistens eh nur gelesen und nicht ausgedruckt). Zudem kommt das es insgesamt zirka 16 MB reiner Text sind, ausgedruckt also cirka 3000 Seiten und das mit Fachbegriffen aus 3 verschiedenen Gebieten (Ernährung, Raumfahrt und Computer).

Besondern begeistert bin ich über Gästebucheinträge in denen die Autoren in etwa so schreiben "Der Autor macht so viele Rechtschreib- und Satzfehler, da kann das was er schreibt auch nicht richtig sein". Ich gebe offen zu, dass ich mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuss stehe und die meisten Regeln nicht kenne. Veilleicht schreibe ich auch nur schwäbisch (habe ich zumindest mal von einem Professor gehört, wann gibt es Google Sprachtools Schwäbisch ->

Doch auch sonst kann ich mich für die Rechtschreibreform nicht begeistern. Warum? Weil es keine echte Reform ist!

Die deutsche Sprache ist eine sehr umfangreiche Sprache. Besonders weil wir einige Dinge haben die es woanders nicht gibt. Dinge die auch für Rechtschreibprüfungen das Leben schwer machen, wie zusammengesetzte Hauptworte. Eine Reform ist also überfällig. Das ganze hat sicher auch historische Gründe, schließlich gab es bis vor 130 Jahren keinen Nationalstaat sondern nur einige Dutzend unabhängige Königreiche, Herzogtümer und Fürstenhäuser. Die täglich verwendete Sprache muss aber einfach sein, auch wenn einige Hundert Schriftsteller dann tief beleidigt sind. Die Sprache ist nun mal für alle da und nicht nur für sie. Man kann nicht verlangen, dass wegen einer kleinen Elite die nichts anderes tut als nur zu schreiben ein ganzes Volk 13 Jahre lang Deutsch als Hauptfach hat und ihr Leben mit einem Duden in Griffweite fristen muss. Doch was wurde wirklich reformiert - Ein bisschen - vor allem aber die Schreibweise unzähliger Worte geändert, darunter Fremdworte deren, Sprachursprung man nun nicht mehr so sieht.

Es gibt mehr Systematik, aber keine echte Systematik. Dies betrifft vor allem die deutschen Spezialitäten "Groß-Kleinschreibung" und "Zusammen oder Getrennt". Dafür macht man unnötige Reformen wie die Änderung von Worten wie Delfin, Känguru, Portmonee. Ich halte es für wichtig Respekt vor anderen Sprachen zu haben und von dort übernommene Wörter so zu schreiben, wie im Ursprungsland. So durfte ich in den achtzigern noch lernen, das "Peking" im Schulatlas falsch ist und "Bjing" geschrieben und ausgesprochen wird. Nun werden wir zu Sprachidioten wie die Amis, die auch alles in ihre Sprache umsetzen: "Munich" für München, "Nuremberg" für Nürnberg". Die machen nicht einmal vor Eigennamen halt: Khrushchev für Chruschtschow. Wir wird das erst bei uns bei der nächsten Rechtschreibreform werden. Schreiben wir dann "Kompjuter, No-Hau, Buten, Hai-teck" für Computer, Know-how, Booten und Hightech? Es ist Zeit für eine neue und echte Rechtschreibreform. Und das sind meine Vorschläge:

Mein Vorschlag für echt neue Regeln

Ergänzung 2006:

Das meiste was ich oben geschrieben habe stammt von 2000, als die Rechtschreibreform gerade Einzug hielt. Inzwischen denke ich muss ich einiges relativieren. Mittels Online Prüfungen und besseren Rechtschreibprüfungen verlieren gedruckte Werke an Bedeutung. Wie die Schreibweise eines Wortes ist, wird dadurch nicht mehr so wichtig, weil man schneller nachschlagen kann.

Woran ich allerdings beibehalte wäre eine Reformierung der Zusammenschreibung und Gross- / Kleinschreibung. Denn die blicken weder die meisten die Deutsch verwenden müssen noch Programme. Bei den Kommaregeln bin ich inzwischen ganz liberal geworden . ich vergesse sowieso immer welche zu setzen.

Kampf der echten Sprachschlamperei!

Wichtig ist nicht wie man etwas schreibt, sondern welchen Sinn es hat und hier gibt es einiges zu tun. Wahllos übernehmen Journalisten und Medien Sprachschlampereien und machen sie publik. Eine Sprachschlamperei ist nicht ein grammatischer oder orthographischer Fehler sondern die falsche oder Sinnverzerrende Verwendung von Wörtern oder Ausdrücken. Es gibt im Prinzip zwei Dinge zu unterscheiden:

Erstens: Schluss mit den Anglizismen!

Nein es geht hier nicht darum alles einzudeutschen. Aber es geht darum das man nicht alles, was an neuen englischen Begriffen auf uns zu braust, übernehmen muss. Es geht hier um Branchen die anscheinend im Vorgriff auf die "weltweite Globalisierung" (Auch eine Sprachschlamperei) wahllos englische Begriffe übernehmen für die es auch deutsche gäbe. Platz Eins in der Hitparade der nicht mehr Deutsch sprechenden Branchen ist die Telekommunikationsbranche: Es gibt hier de fakto keine Deutschen Fachbegriffe: Handy, Call-Ya, Vote Call,City Call, Simsen, Messagebox... Das meiste wäre auch in Deutsch genauso gut auszudrücken. Dann kommen die Vorreiter der Globalisierung die Banken: Auch die reden nur noch von Shareholdern, Stocks, e-commerce, Businessplans... Was soll das? Sind wir nun der 52 Bundesstaat der Amis oder kommt man in bestimmten Branchen ohne Verstand aus?

Zweitens: Schluss mit den Sprachmanipulationen!

Das zweite läuft erheblich subtiler. Es ist das Verbinden eines neutralen Wortes mit einem anderen zu dem es nicht gehört oder in einen Zusammenhang in den es nicht gehört um es abzuwerten, im Prinzip eine Steigerung des Oxymorons. Hier einige Beispiele aus meinem Gebiet - der Lebensmittelchemie - und dem Alltag.

"Neue Chemie in Lebensmitteln": "Chemie" das klingt ja gleich nach einem ganzen Giftcocktail und das im Essen - Das kann ja nicht gut sein. Nein! Chemie ist die Wissenschaft über die Zusammensetzung der Stoffe und ihrer Verbindungen. Es ist eben nicht nur industrielle Chemie. Es gibt kein Lebensmittel ohne Chemie. Warum nennt sich das Buch vom Katalyseinstitut so? Es ist nämlich in Wirklichkeit ein Buch über die Zusammensetzung der Lebensmittel, wenn auch mit starker Betonung auf Zusatzstoffe. Nun das verkauft sich gut! Der irritierte Verbraucher zückt den Geldbeutel, um sich vor Schaden zu bewahren.

"Gentomate","Genmanpulierte Lebensmittel". Igitt! Gene in Tomaten! Tja wenn man nur wüsste was Gene eigentlich sind... Aber Gene sind auf jeden Fall etwas was in Tomaten nicht rein gehört. Oh Du "Otto-Normalverbraucher" Jedes Lebensmittel enthält Gene, weil sie in jeder Zelle drin sind. Und das eine Gen das in der besagten Tomate verändert wurde macht sie nicht mehr als andere Tomaten zu einer Gentomaten. Noch besser ist "genmanipulierte Lebensmittel". Wer lässt sich schon gerne Manipulieren? Denkt man da nicht sofort an die Tricks die angewandt werden von Werbung und Medien? Es zeigt das solche Leute die solche Begriffe benutzen keine Ahnung haben. Denn sonst würden sie sich bei einer objektiven Beurteilung solchen abwertenden Begriffen enthalten. Sie zeigen deutlich das man hier keine objektive aufklärende Information bekommt.

Nun noch zu meinem Lieblingssätzen der Kategorie "Im Physikunterricht 5 Jahre lang geschlafen". Es sind die Verwechslungssätze von Einheiten mit ihren Größen. Also mal ein Beispiel: Eine Größe ist die Masse und eine Einheit ist das Kilogramm. Letzteres nimmt man um die Menge anzugeben, ersteres um eine Eigenschaft zu beschreiben. Das scheinen viele nicht begriffen zu haben "Sie haben nichts zu verlieren außer ihren Kilos" - Wahnsinn! Nicht nur Gewicht mit der Maßeinheit verwechselt hat, nein man hat sie sogar weg gelassen, denn Kilo heißt nur Tausend. Aber vielleicht sind auch die Kosten (in Euro) für die so beworbene Abnahmekur gemeint.

Noch sehr beliebt bei Fernsehköchen: "Das Essen hat xxx Kalorien" oder wenn der Koch gemerkt hat, das es seit 23 Jahren anders heißt, auch "Kilojoule". Nun was wäre wenn ich sagen würde "Das Essen hat xxx mg". Was für Milligramm - Dürfen Sie raten. Milligramm ist anders als bei Kilojoule eine Gewichtseinheit für vieles, während wohl jeder ahnt, das der Koch bei Kilojoule von dem Energiegehalt der beim Verbrennen entsteht spricht (Das dies nicht der Energiegehalt ist, den ihr Körper nutzen kann ist nochmals ein anderes Thema).

Aber die meisten Köche verstehen von der Zusammensetzung der Lebensmittel auch soviel wie eine Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie frisst. Diese Verwechslung findet man aber dauernd: "Der PC hat xxx MHz" - Ja wo sind sie denn die Megaherz, ich hätte sie gerne mal gesehen! "Der Wagen hat stolze 250 PS": Ja und ein Pferd steht direkt vor Dir und verwechselt Leistung mit einer seit über zwei Jahrzehnten ungültigen Einheit.

Drittens: mehr Ahnung in Naturwissenschaften!

Das schlimme an Deutsch ist, das wir eine Sprache haben die so komplex ist, dass sie von der ersten bis zur letzten Klasse ein Unterrichtsfach darstellt und man trotzdem als Erwachsener noch ein Buch wie den Duden braucht. Umgekehrt wird bemängelt, das unsere Schüler im internationalen Vergleich nur mäßig sind. Wie denn auch? Wie viele Jahre hat man Chemie oder Physik, den Kern der Naturwissenschaften in der Schule? Wie viele Stunden sind dies im Vergleich zu Deutsch?

Eine echte Sprachreform brächte hier wirklich etwas, man könnte die Stundenzahl herunterfahren und diese den naturwissenschaftlichen Fächern geben. Denn diese sind heute für die berufliche Karriere und auch das tägliche Leben erheblich wichtiger als Deutsch. Als Lebensmittelchemiker z.B. kenne ich die gesetzliche Definition, des "Verbrauchers". Dieser ist informiert und kann Zutatenverzeichnisse lesen (Ha Ha, guter Witz, lassen sie mal einen Politiker erläutern was welche Zutat im Zutatenverzeichnis wirklich ist...). Wenn ich mir die Realität anschaue so hat "der Verbraucher" - und das ist die gesamte Bevölkerung - Null Ahnung vom Essen. Anders könnte man die Folgen von ein paar BSE Fällen in Deutschland nicht erklären als mit Hysterie. Ok, daran können die Schulen nicht sofort etwas ändern, aber es geht hier auch um mehr als Stoff: Es geht um die Vermittlung von naturwissenschaftlichen Grundlagen die auch beinhalten:

Nachdem ich einige meiner Aufsätze schon als Studienarbeiten im Internet wieder gefunden habe sei mir an dieser Stelle ein Seitenhieb erlaubt: Das Internet ermöglicht es einem sich schnell und umfassend zu informieren. Es stellt aber auch höhere Anforderungen an das Querlesen und Verifizieren von Informationen. Schlussendlich kann jeder im Internet publizieren. Meistens stelle ich allerdings fest ist es nur eine bequeme Abkürzung um eigene Arbeit zu sparen und komplette Aufsätze als eigene auszugeben - auch ein Indiz für den Stand unserer schulischen Bildung.

Dieser Text stammt von Bernd Leitenberger
© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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