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Der Einzelhandel - zum Untergang durch das Internet verdammt?

Das Internet hat viele positive Aspekte. Einer davon ist, dass jeder im Internet verkaufen kann und jeder im Internet bestellen kann. Das hat zum einen dazu geführt, dass Amazon und eBay heute Milliardenkonzerne sind. Amazon fing an mit dem Verkauf von Büchern und CD's, eBay mit dem Versteigern von gebrauchter Ware. Diese beiden Gebiete gibt es heute noch, doch machen sie nur einen Bruchteil des Umsatzes aus. Amazon verkauft heute fast alles. eBay hat zwar noch das Versteigerungsprinzip, aber bei den Angeboten dominieren oft die Sofort-Kaufen Optionen zu festem Preis von Powersellern, wie es da heißt. In beiden Plattformen können gewerbliche Betreiber eigene Shops einrichten.

Sehr oft ist auch wenn man die Ware von Amazon kauft, diese günstiger als von den anderen Firmen die sie auch bei Amazon oder woanders die sie auch anbieten, oder es entfallen die Versandkosten, zumindest ab 40 Euro Versandwert.

Für kleinere Betriebe oder typische Ein-Mann Unternehmen hat das Internet auch den Vorteil, dass sie so viel mehr Kunden erreichen. Es gibt ja zahlreiche Leute die eine tolle Geschäftsidee haben  Das mag dann nicht Millionen potentielle Kunden finden, aber vielleicht ein paar Tausend, die nur über das Internet auf die Idee aufmerksam geworden sind. Auch für diese ist das Internet sicher ein Segen.

Es scheint einen Verlierer dabei zu geben, das ist der klassische Versandhandel und Fachhandel. Der Versandhandel ist schon geschrumpft. Nachdem Quelle durch die Probleme der Finanzkrise ins Schlingern geriet, musste letztes Jahr auch Neckarmann zumachen und das lange nach der Krise.

Die Frage ist nun: brauche ich noch einen Fachhandel? Nun eines ist klar: wenn ich genau weiß, was ich haben will, mich also gut auskenne, oder mich vorab durch Tests informiert habe, dann werde ich in der Regel im Internet ein günstigeres Angebot als im Handel vor Ort finden. Ausnahmen wie Restposten oder Lagerräumungen bestätigen die Regel. Die Internethändler können günstiger sein, denn sie müssen keine Ladengeschäfte unterhalten und auch keine Verkäufer beschäftigen. Sie können vom Hersteller größere Stückzahlen anfordern und bekommen Rabatte. Inzwischen bieten die Hersteller ihre Waren ja direkt an, dann heißt es bei Amazon "besuchen sie unseren Siemens Markenshop".

Trotzdem habe ich meine letzten PC's alle vor Ort bei der süddeutschen Kette Arlt gekauft. Zum einen war mir wichtig, dass sie richtig leise sind. Da gibt es Rechner bei denen dies der Fall ist. Zum anderen sind Variationen möglich, wie größere Festplatte oder mehr Arbeitsspeicher ohne Mehrpreis und zum andern kann ich wenn es mal ein Problem gib,t zum Händler gehen. Das war beim letzten PC der Fall, der kurz nach dem Kauf ein störendes Geräusch von sich gab. Morgens auf dem Weg zur Arbeit in der Filiale abgegeben und abends wieder abgeholt - das wars. Wenn ich eine halbe Stunde gewartet hätte, hätte ich ihn auch sofort mitnehmen können. Ursache war ein Kabel das am Netzteil-Lüfter im Netzteil rieb. Das Netzteil wurde ausgetauscht und das war es.

Was macht man allerdings wenn man nicht weiß, was man haben will oder technische Angaben nicht richtig deuten kann. Dann hat man ein Problem. Bei nahezu allen Dingen gibt es heute zig verschiedene Varianten. Man muss nur mal bei Amazon nach einem Notebook zwischen 400 und 500 Euro und 15 Zoll Display schauen. - aktuell findet man dann 278 Ergebnisse. Selbst wenn man sich auf einen Hersteller, nehmen wir mal Acer beschränkt, sind es noch 40. Wie soll man die vergleichen? Gerade bei Notebooks sind einige Dinge nicht an technischen Daten festzumachen - wie sieht das Display aus, spiegelt es? wie schnell ist der Rechner in Alltagsaufgaben etc. All das kann man bei einem guten Händler überprüfen, zumindest einen guten Teil.

Noch hilfloser ist man, wenn man sich nicht so gut auskennt. Praktisches Beispiel von mir. Unser Einbauherd ist von 1982, hat einmal neue Ceranplatten bekommen, der Backofen ist aber unverändert. In unserem Ferienhaus haben wir einen Bosch Herd mit Umluft. dort werden Brötchen knusprig ohne dunkelbraun zu werden, Pizza genauso ohne das der Boden hart oder der Belag zu braun wird. Das Geheimnis heißt Umluft. Also musste ein Umluft-Herd her. Da sowohl Herd wie Spülmaschine im Ferienhaus von Bosch sind und ich mit beiden sehr zufrieden war, fiel die Wahl wieder auf Bosch. Leider gibt es den Herd durch die schnell wechselnde Produktpolitik (nicht nur bei Bosch) nicht mehr. Doch wenn man bei Amazon die Suche eingrenzt auf den Preis, den man zahlen will, ist man auch bei 18 verschiedenen Einbauherden oder Kochfeld und Backofenkombinationen. Klar, alle haben die Grundfunktionen doch was verbirgt sich hinter den anderen Funktionen die nur als Stichwort aufgeführt sind? Was brauche ich und was nicht? Jedes Mal eine Bedienungsanleitung von Bosch herunterladen - das kann es doch nicht sein.

Kurzum man braucht Beratung, und dazu braucht man den Einzelhandel. Die letzte Gruppe von Dingen die man vom Einzelhandel oder Spezialgeschäft kauft sind die Dinge die man angesehen, gefühlt oder probiert haben muss. Dazu gehören natürlich Kleidung und Schuhe aber auch Möbel. Lebensmittel wird man alleine aufgrund der Transportzeit und der Behandlung auf dem Weg wohl kaum per Internet ordern. (Ich habe zwar mal einen Test gesehen wo man allen ernstes frischen Fisch per Internet bestellt hat, aber das kann ich nur als Scherz ansehen). Hier ist es mir ein Rätsel wie Shops wie Zalando so erfolgreich sein können. Kleidung würde ich nie online kaufen (und tue es auch im Versandhandel nicht). Man muss sie anprobieren ob sie passt. Es gibt zwar Leute die bestellen dann drei Größen oder vier Farben und schicken das meiste zurück, doch das halte ich für einen Missbrauch des Systems und umständlich ist es auch.

Was bleibt ist, dass der Einzelhandel potentiell teurer ist. Ich meine: Beratung und das Gefühl das richtige gekauft zu haben, ist mir einen Mehrpreis wert. Kritisch wird es wenn die Rabatte von Großhandel und dazu gehört eben Amazon & Co, aber auch Versender wie Otto so hoch werden, dass der Einzelhandel weitaus teurer ist. Das sieht man dann z. B. an der Angabe bei Amazon, dass der Herd den ich dann kaufte regulär nach Preisempfehlung 799 Euro kostet er aber für 536 angeboten wird. Über 30% Differenz, da fängt man schon an nachzudenken. Ein Hauptvorteil von Einzelhändlern ist derzeit noch das sie die alten Geräte zurücknehmen und entsorgen. Die Verpflichtung des Onlinehandels dies zu tun hat bisher nicht viel gefruchtet, vor allem Amazon weigert sich der Pflicht nachzukommen. Wer wie der Autor kein Auto hat um eine Waschmaschine zur nächsten Deponie zu fahren, ist aber auf diese Entsorgungsmöglichkeit angewiesen.

Eine besondere Chance ist das Internet für Händler die nicht Stangenware im Sortiment haben. Das können selbst produzierte Dinge sein wie z.B. selbst produzierte Marmelade, Schnitzereien, Maßanzüge. Aber auch skurriles. So fand ich in einem Bericht über die Shetland Inseln, dass dort eine Familie ihr Geld damit verdient, den Kopf von Widdern (den männlichen Schafen) zu präparieren und über das Internet zu verlaufen. Das ist ihre Haupteinnahmequelle. Von dem Verkauf der Wolle kann sie nicht mehr leben. Das besondere: Die Familie lebt auf einer vorgelagerten Insel, bekommt nur alle 2-3 Tage mal Besuch mit einer Frachtlieferung per Hubschrauber. Sie ist völlig von der Welt isoliert und ohne Internet würde sie wohl keinen Abnehmer finden oder nur wenig für die Präparate bekommen, denn schließlich will jeder Zwischenhändler und auch der Verkäufer der dann die Präparate mit anderen Trophäen oder ähnlichem (Wolpertinger) verkauft auch noch was verdienen.

Nur über das Internet finden diese Händler mit besonderen Produkten die nicht jeder haben will überhaupt ihre Kunden.

Relativ sicher kann der Einzelhandel bisher sein, der Dinge des täglichen Bedarfs verkauft, also Lebensmittel, Hygiene-Artikel oder andere Dinge die man täglich kauft. Hier haben die Einzelhändler als Konkurrenz vor allem die Discounter. Tests bei denen Lebensmittel online eingekauft wurden (es gibt auch bei einigen Discountern diese Möglichkeit so z.B. bei REWE) waren ernüchternd. Lebensmittel die gekühlt werden mussten waren warm als sie ankamen, trotz Kühlbox und Eis. Empfindliche Lebensmittel hatten Stoßflecken oder litten unter der langen Lagerung in Folie (Schimmelbildung). Allerdings arbeitet Amazon schon in den USA an einer Lieferung von Lebensmitteln zum Kunden, die dann von einem regionalen oder sogar örtlichen Dienstleister beliefert werden, ohne mehrtägigen Postweg. Dies plant Amazon nun auch für Deutschland.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.

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