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Die Grenzen in der Naturwissenschaft

Im ersten Teil dieses Artikels ging es um die Grenzen der Erkenntnis im Mikrokosmos - der Quantenmechanik, in diesem Teil geht es um Grenzen im Makrokosmos - Dem Weltall, der Relativitätstheorie und dem Ende des Universums durch den Wärmetod.

Grenze Nr. 3: Die Lichtgeschwindigkeit

Eine Erkenntnis der Relativitätstheorie ist, das es nichts schnelleres als das Licht geben kann. Schon wenn man sich dieser Geschwindigkeit nähert geschehen merkwürdige Dinge: die Zeit läuft langsamer, der Raum wird kleiner, die Masse nimmt zu. Diese Effekte sind inzwischen nicht nur experimentell z.B. beim Zerfall von Elementarteilchen bestätigt worden sondern werden z.B. auch beim GPS System ausgenutzt, das sonst sehr ungenau wäre.

c (oder die Lichtgeschwindigkeit) ist ziemlich groß: 299.792.458 m/s, oder knapp 1.08 Milliarden km/h. In 1.3 Sekunden ist es von der Erde zum Mond unterwegs, in etwas mehr als 8 Minuten von der Sonne zur Erde.

Viele haben Probleme mit dieser Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit. Denn für Reisen durch das Universum ist Sie hinderlich, zudem ergeben sich einige dumme Nachteile für die Besatzung, so läuft die Zeit bei Ihnen anders ab als auf der Erde, sie brauchen immer mehr Energie um immer weniger Beschleunigung zu erreichen usw.... Aber ohne die Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit gäbe es keine Ursache - Wirkungsbeziehung. Was ist damit gemeint? Nun jede Wirkung hat eine Ursache. Wenn Ich Dir auf dein Knie haue, kommt der Schmerz nach zirka 1/40 Sekunde im Gehirn an. Daher verbrennt man sich die Finger auf der heißen Herdplatte obwohl man "sofort" die Hand zurückzieht.

Jedes Signal braucht eine endliche Zeit bis es vom Ursprungsort zum Wirkungsort gelangen kann. Daher liegen Wirkungen immer zeitlich nach der Ursache. Sonst wäre die Welt auch etwas paradox. Wenn nun etwas schneller als das Licht wäre, so würde diese Beziehung auf den Kopf gestellt. Rein rechnerisch würde die Zeit dann rückwärts laufen, was ziemlich verrückte Dinge verursachen würde. Das erste Raumschiff, das mit Überlichtgeschwindigkeit fliegt, wäre zurück bevor es abgeflogen ist, was natürlich dazu führen würde, das man es nie starten würde, denn die Ergebnisse hat man ja schon, nur würde es dann natürlich nie wieder zurückkommen....

Auch die ganze Kommunikation von Raumschiff Enterprise wäre ziemlich konfus. Eine Nachricht die ein mit Überlichtgeschwindigkeit reisendes Raumschiff aussenden würde wäre:

Vor solchen Problemen bewahrt uns die Natur, weil kein materieller Körper die Lichtgeschwindigkeit erreichen kann. Damit ist die Welt zwar manchmal schwierig zu verstehen und manchmal auch etwas trostlos, aber doch wenigstens nicht paradox.

Noch ein Hinweis zum Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit. Die zahlreichen Science Fiction Autoren vergessen immer das auch die Energie bei Annäherung an die Lichtgeschwindigkeit ansteigt, so das man immer mehr Energie zur Beschleunigung braucht. Doch selbst wenn es nicht so wäre, so wären Warp Reisen sehr energieaufwendig. Nehmen wir an, Geschwindigkeiten könnten auch nahe bei c mit den normalen Gleichungen für kleine Geschwindigkeiten berechnet werden. So kann ein Raumschiff wegen E=Mc² - dem Energiegehalt von Materie z.B. durch Antimaterie - Materie Umsetzung freisetzbar, und der Formel für die Energie eines bewegten Körpers E=1/2 Mv² bei 50 % Treibstoffanteil gerade einmal Lichtgeschwindigkeit erreichen. Bestände das gesamte Raumschiff nur auf Treibstoff (Antimaterie / Materie) so würde es max. 1.4 fache Lichtgeschwindigkeit erreichen - kurz auch ohne Einsteins Relativitätstheorie ist Warp 10 nie möglich.

Grenze Nr. 4: Was geschieht in schwarzen Löchern

Ein schwarzes LichSchwarze Löcher sind in der Science Fiction äußerst beliebt, in der Nähe eine Schwarzen Loches wird die Zeit und der Raum verzerrt, dadurch sollen Reisen durch die Zeit und den Raum möglich sein. Meistens werden dazu schwarze Löcher mit einem Weisen Loch zu einem "Wurmloch" verknüpft. Nun was aber ist physikalisch ein Schwarzes Loch? Wenn ein Stern die Energieproduktion in seinem Inneren einstellt, kann die Wärme nicht mehr die Gravitationskraft zurückhalten. Normalerweise ist Materie durch die Gravitation bestrebt zusammenzuballen und übt so einen Druck aus, der sie zusammenpresst. So ist der Erdkern aus Eisen erheblich dichter als Eisen an der Erdoberfläche. Bei einem so schweren Stern wie der Sonne reicht die Gravitationskraft aus um den Wasserstoff soweit zusammenzupressen, das die Sonne nach dem Ausbrennen in etwa so groß wie die Erde ist, also 100 mal kleiner als jetzt. Dies wird auch mit der Sonne passieren wenn die Kernfusion in einigen Milliarden Jahren aufhört. Bei noch größeren Sternen ist die Gravitation dann so groß, das die Elektronen und Protonen zusammengedrückt werden, und der Stern schließlich ein riesiger Atomkern mit 10-20 km Größe ist. Man nennt dies einen Neutronenstern. Doch was passiert wenn der Stern noch schwerer ist?

Dann kann nichts das Zusammenballen aufhalten. Der Stern zieht sich immer weiter zusammen, die Elementarteilchen werden geknackt, der Stern nähert sich immer mehr einem noch kleineren Durchmesser. Gleichzeitig - und das vergessen die Science Fiction Autoren - passiert aber noch etwas merkwürdiges. Der Raum wird immer mehr verzerrt, immer kürzer, die Zeit läuft langsamer ab. Schon bei den Neutronenstern beträgt die Geschwindigkeit die ein Körper braucht um von der Oberfläche in den freien Weltraum zu entkommen 2/3 der Lichtgeschwindigkeit. Licht kann noch von einem Neutronenstern entweichen, doch durch die verlangsamte Zeit ist aus einer hochenergetischen Gammastrahlung eine niederenergetische Radiowelle geworden.

Betrachten wir daher einmal das Schwarze Loch in Gedanken von innen. Dann sieht alles ganz einfach aus, der Stern implodiert und wird fast augenblicklich zu einem schwarzen Loch. Doch wie sieht das Weltall von hier aus - komisches geschieht! Im Zeitraffer wird alles schneller, und im letzten Augenblick sehen wird das Weltall vergehen...

Wenn man das Schwarze Loch von außen beobachten würde, sähe man immer weniger. Anfangs zieht sich der Stern noch schnell zusammen, doch dann immer langsamer. Ja es scheint, er bewegt sich immer langsamer auf eine bestimmte Grenze zu, nicht auf einen Punkt. Diese Grenze nennt man Schwarzschild Radius. Bei der Sonne wäre sie etwa bei 2.5 km. Hat sich der Stern soweit zusammengezogen so hat sein Gravitationsfeld die Stärke erreicht, die so groß ist, das nichts mehr davon entweichen kann, denn die Entweichgeschwindigkeit wäre nun die Lichtgeschwindigkeit. Gleichzeitig bedeutet es, das der Raum auf einen Punkt geschrumpft ist und die Zeit unendlich ist. Daher zieht lange, bevor dieser Augenblick erreicht ist die ganze Zukunft am schwarzen Loch vorbei.

Aus diesem Grunde gibt es eigentlich noch keine schwarzen Löcher, denn erst in unendlich langer Zeit hätte der Stern diese Grenze erreicht. Schwarze Löcher kapseln sich daher von unserem Raum und Zeit ab und können nicht zu Reisen benutzt werden. Was aber geschieht mit Materie die ins schwarze Loch fällt? Nun im Prinzip das gleiche wie mit dem Stern. Es ist wie wenn sie auf einen fahrenden Zug aufspringen, sie haben dann dieselbe Geschwindigkeit wie dieser. Daher wird auch die Materie erst in unendlich langer Zeit am schwarzen Loch ankommen. Für die Praxis ist es allerdings völlig wurst, denn unendlich lange Zeit bedeutet eigentlich das gleiche wie sofort, denn die Materie wird nie aus dem Loch wieder hervorkommen, sie sendet immer weniger Strahlung aus, bis schließlich nach menschlichen Maßstäben nichts mehr von ihr zu sehen ist.

Nun zu den weisen Löchern und Wurmlöchern. Ein weises Loch ist eigentlich nichts anderes als ein schwarzes Loch, wenn man die Zeit rückwärts laufen lässt. Es verschluckt nichts, sondern spuckt immer nur Materie aus. Niemand hat bisher ein weises Loch gesehen, noch gibt es eine Theorie die sie erklären oder vorhersagen könnte. Es einfach nur so eine Idee. Logischerweise wird dann ein weises Loch mit einem schwarzen Loch verbunden. Das eine verschluckt alles und das andere spuckt alles aus. Das nennt man dann ein Wurmloch. Weil in einem Schwarzen Loch der Raum keine Ausdehnung hat, so denken die Science Fiction Autoren könnte man so über enorme Distanzen im Nu fliegen.

Das ganze hat aber zwei sehr dumme Nachteile. Zum einen werden schon vor dem erreichen des schwarzen Loches jede Materie zuerst in Atome, dann Elementarteilchen, dann in Quarks und dann in Energie zerrissen, Von einem Raumschiff bleibt also höchstens Strahlung übrig. Denn keine Materie kann auf ein Volumen von 0 im Schwarzen Loch komprimiert werden. Zum anderen läuft für jede Materie beim Sturz in ein Schwarzes Loch die Zeit immer schneller ab, bis sie unendlich schnell abläuft. Schon von daher wären weise Löcher nicht denkbar, denn sie müssten ihre Strahlung in der unendlichen Zukunft emittieren. Da aber selbst schwarze Löcher nicht unendlich lange leben (siehe dazu auch diesen Aufsatz). Gäbe es dann schon lange keine schwarzen Löcher mehr. Ja es gäbe nicht einmal ein Weltall, denn auch dieses existiert nur für endliche Zeit. Selbst eine Schnecke hätte das Weltall in kürzerer Zeit durchquert als eine Reise durch ein Wurmloch dauert. Kurzum: Wurmlöcher werden weiterhin nur in der Science Fiction Literatur existieren...

Für diesen Aufsatz aber sind schwarze Löcher aus einem anderen Grunde interessant, weil Sie ebenfalls eine Grenze darstellen. Es ist eine Grenze innerhalb der wir nichts mehr sagen können. Was wird aus der Materie beim Sturz in ein schwarzes Loch, was wenn Sie innerhalb des Schwarzschild Radius ist? Stürzt sie auf Null Ausdehnung zusammen oder nicht, existieren andere unbekannte Teilchen? Das alles ist uns nicht zugänglich, weil sich das schwarze Loch von unserem Raum und der Zeit abkapselt. Alles was innerhalb des Schwarzschild Radius passiert ist uns nicht zugänglich.

Grenze Nr. 5: Die Grenzen des Weltalls

Der Mensch hat seit der Antike danach gestrebt die Grenzen die er erkannte zu überschreiten, neue Kontinente wurden entdeckt, Berge und Tiefen erobert, die Atmosphäre hinter sich gelassen und der Mond erreicht. Raumsonden haben inzwischen das Sonnensystem verlassen. Gibt es eine Grenze die wie nicht überschreiten können?

Ja die gibt es, es ist die Grenze des Weltalls. Das ganze scheitert nicht nur praktisch (das Dumme mit der Lichtgeschwindigkeit) sondern auch theoretisch. Der Mensch hat immer die Vorstellung von Raum als etwas in etwas anderem. Beim Kosmos gilt das nicht mehr. Es gibt nichts außerhalb des Kosmos.

Das zweite ist das der Raum gekrümmt ist. Das bedeutet, das wenn man immer gerade aus reisen würde, man nie an die Grenze käme, sondern irgendwann wieder dahin wovon man gestartet ist. Das klingt verrückt, aber wir kennen das schon in kleinerem Maßstab. Gehen Sie doch mal an den Rand der Erde! Jahrhunderte lang glaubten die Menschen, an dem Rand ihres Erkenntnisbereiches höre die Erde auf, fange das Reich des Todes oder von Ungeheuern an oder man würde von einer Scheibe herunterfallen. Aber wer auf der Erde immer gerade aus fliegt kommt irgendwann wieder am Ausgangspunkt an. Logisch, denn die Oberfläche einer Kugel hat keine Grenze. Ähnlich ist es mit dem Kosmos, nur ist hier der Raum an sich gekrümmt. Das verdanken wir Albert Einstein, der errechnete das Gravitation den Raum verändert. Heute kennen wir genügend Beweise, dafür das dies richtig ist. Galaxien können den Raum so krümmen, das sie das Licht von anderen Galaxien die dahinter sind, wie Linsen streuen oder bündeln.

Übrigens dehnt sich auch der Kosmos immer weiter aus, so das man selbst wenn man mit Lichtgeschwindigkeit reist nie an den Anfang kommen würde, weil die Distanzen durch die Expansion des Raumes immer mehr zunehmen.

Grenze Nr. 6: Der Anfang und das Ende des Kosmos

Heute haben wir eine relativ fundierte Theorie über die Entstehung des Weltalls. Es ist in einem Urknall entstanden. Mit Teleskopen wie Hubble sehen wir bis zurück in die Zeit 1-2 Mrd. Jahre nach seiner Entstehung. Derzeit laufen die Diskussionen was wohl in den allerersten Bruchteilen der ersten Sekunde abgelaufen ist. Trotzdem gibt es eine Zeit die wir auch durch noch so viele Erforschungen nicht aufklären werden können. Wenn wir uns bis auf 10-43 s an den Urknall heranarbeiten hat das Universum eine Temperatur von 1032 Celsius. Das Universum ist dann so dicht das es im Bruchteil eines Milliliters untergebracht werden könnte. Dann beginnen Zeit und Raum - zusammenzubrechen wie im Innern eines schwarzen Loches. Das Universum muss dann mit der Quantentheorie wie ein Elementarteilchen beschrieben werden, und die lässt keine Vorstellungen über Raum oder Zeit zu, eine Beschreibung was davor war, ist also nicht möglich.

Was wird in der fernen Zukunft passieren? Dazu gibt es einen interessanten Aufsatz von mir. Das Resümee ist aber das es in der Zukunft irgendwann einmal auch nur Elementarteilchen wie Photonen, Elektronen und Positronen geben wird. Das Ende der Welt ist genauso wenig beobachtbar wie ihr Anfang. Grund dafür ist eine physikalische Größe namens Entropie. Die Entropie als ganzes wird nie kleiner sondern nimmt während der Entwicklung nur zu, nie ab.

Warum ist das so entscheidend? Nun die Entropie hat etwas mit der Unordnung eines Systems zu tun. Je mehr man über ein System sagen muss um es zu beschreiben desto unordentlicher ist es, desto höher ist die Entropie. Dazu ein Beispiel: Ein Kristall Kochsalz kann, wenn er vollkommen ist, durch seine chemische Summenformel, die Masse und die Abmessungen der kleinsten Kristallzelle beschrieben werden, alles andere ergibt sich aus diesen Parametern. Löst man diesen Kristall aber in Wasser auf, so nimmt die Entropie zu: Nun muss man bei einem Zuckergrößen Stück für zirka 1022 Teilchen den genauen Ort und die Geschwindigkeit angeben, hat also so zirka 1023 Zahlen die denselben Kristall beschreiben: Die Unordnung und die Entropie hat zugenommen. Das die Entropie immer nur zunimmt ist eigentlich eine Alltagserfahrung. Folgende Dinge basieren auf der Vergrößerung der Entropie:

So geht es auch dem Universum als ganzes, es baut immer mehr ab bis nur noch unregelmäßig herumfliegende Teilchen übrig bleiben, da es vor allem Lichtteilchen, sind spricht man auch vom Wärmetod des Universums. Alles was Struktur hat besitzt eine geringere Entropie als umherfliegende Teilchen. Damit wird am Ende des Universums auch niemand mehr existieren können, da seine Elementarteilchen bis dahin zerfallen sein werden - Photonen haben eine höhere Entropie als Elementarteilchen.

Das Problem der fehlenden Materie

Eine deep Sky Aufnahme mit vielen GalaxienAls Wissenschaftler die Bewegung der Sterne um die Milchstraße verfolgten, um festzustellen wie viel Materie in der Milchstraße ist stellten sie merkwürdiges fest. Zu erwarten war, das die Rotationsgeschwindigkeit nach außen hin abnimmt, ähnlich wie auch die Bahngeschwindigkeit in unserem Planetensystem nach außen hin abnimmt. Doch ab einem bestimmten Abstand war diese konstant. Mit den Sternen ist das nicht zu erklären, diese ordnen sich in einer Scheibe an und die Rotationsgeschwindigkeit sollte langsam abnehmen, wenn man an den Rand der Scheibe kommt, da der Abstand vom Massemittelpunkt immer größer wird. Erklärbar wäre dies nur durch eine große Masse außerhalb der Scheibe und jenseits der äußersten Sterne. Man kennt zwar Kugelsternhaufen die sich in einer größeren Sphäre um unsere Galaxie bewegen doch ihre Masse reicht bei weitem nicht aus um diese Beobachtung zu erklären.

Das war das erste Anzeichen eines Problems das heute in der Kosmologie als "KDM Problem" bezeichnet wird. Um es einfach zu formulieren: Überall im Kosmos finden wir das die Materie die wir beobachten können, wie leuchtende Sterne, Gasnebel, Galaxien, Strahlung und Elementarteilchen nicht ausreicht um die beobachteten Kräfte zwischen verschiedenen Himmelskörpern zu erklären, man vermutet daher die Existenz weiterer Materie die man nicht beobachten kann und daher heißt es auch das "Kalte, Dunkle Materie Problem".

Als nächstes stellte man das bei Galaxienhaufen fest. Dies sind Gruppen von Galaxien die einen gemeinsamen Mittelpunkt umkreisen - auch hier reicht die beobachtete Materie in den Galaxien nicht aus um genügend Anziehungskraft aufzubringen, damit diese Haufen entstehen können. Noch mehr: Die Galaxienhaufen ballen sich zu noch größeren Superhaufen zusammen die wiederum auf eine Stelle zustreben die man "den großen Attraktor" nennt - auch hier fehlt die Materie um die Anziehungskräfte - die sich über Hunderte von Millionen Lichtjahre erstrecken - zu gewährleisten.

Zum Schluss ist noch das Rätsel des Kosmos selbst. Die ersten 300.000 Jahre nach dem Urknall war es im Kosmos so heiß, das es keine Atome gab sondern nur Atomkerne aus Wasserstoff und Helium und Elektronen. Die Bewegungsenergie der Elektronen war so hoch, das spontan gebildete Atome wieder zerfielen. Nur ein Atom ist aber elektrisch neutral. Durch die Abstoßung zwischen Elektronen untereinander oder Atomkernen kann sich so Materie nicht zusammenballen, sondern das Universum hatte überall die gleiche Dichte. Erst später bildeten sich aus kleinen Dichteschwankungen Staubkörner, Felsen, Planeten, Sterne und Galaxien.

Das Problem: Berechnet man im Computer wie lange es dauert aus den Dichteschwankungen das heutige Universum entstehen zu lassen, so dürfte es bei der heutigen Materiemenge noch gar keine Sterne geben, die entstanden aber schon wenige Milliarden Jahre nach dem Urknall, ebenso wie Galaxien.

So suchen heute Wissenschaftler nach Materie die man nicht direkt sehen kann. Vieles konnte man inzwischen ausschließen: z.B. Neutronensterne und Schwarze Löcher. Zum einen gibt es nur wenige Sterne die so schwer werden, das sie als Neutronenstern und schwarzes Loch enden, zum anderen emittieren auch diese Strahlung: Materie wird stark beschleunigt wenn sie auf diese Himmelskörper fällt und sendet vor dem Auftreffen noch Röntgen- und Gammastrahlung aus. Man müsste erheblich mehr dieser Strahlung beobachten als man nachweisen kann.

Das nächste war die Suche nach braunen Zwergen. Ein Brauner Zwerg ist ein verhinderter Stern. Ein Himmelskörper der weniger als 8 % der Sonnenmasse hat kann keine Kernfusion betreiben und wäre so weitgehend unsichtbar. Da Sterne um so häufiger sind je kleiner sie sind, sprach lange Zeit einiges dafür, das man damit zumindest das Rotationsproblem unserer Galaxis lösen könnte, auch wenn niemand erklären konnte warum die braunen Zwerge in einer Kugel um das Zentrum sein sollten, die anderen Sterne aber alle in einer Scheibe sind. Doch braune Zwerge sind nicht ganz unsichtbar. Ähnlich wie Jupiter strahlen sie auch Energie aus, jedoch im Infraroten Strahlungsbereich. Man konnte zwar mit Infrarotsatelliten wie IRAS oder ISO einige nahe braune Zwerge entdecken, jedoch lange nicht so viele wie man erwarten würde. Schließlich zeigte eine Rechnung das es so viele braune Zwerge geben sollte das diese auch Sterne ab und zu bedecken, das hätte man aber auf den zahllosen Fotographien des Nachthimmels feststellen können.

So sind die Braune Zwerge heute aus der Diskussion um die KDM. Lange Zeit hoffte man die fehlende Materie (die beobachtbare macht allerhöchstens 10 % der benötigten aus) durch ein Elementarteilchen erklären zu können: Das Neutrino. Beim Urknall sollten auf jedes Elektron oder Proton 1 Milliarde Neutrinos entstehen. Anders als Lichtteilchen, könnten Neutrinos aber eine Masse haben, auch wenn man sich von Anfang an klar war das diese sehr klein sein würde, aber durch die große Zahl wären eventuell alle Neutrinos schwerer als alle anderen Teilchen.

Neutrinos sind allerdings nicht besonders nett zu Experimentatoren. Sie gibt es in Unmengen, aber sie wechselwirken fast gar nicht mit Materie. Ein Neutrino hat eine 50 % Chance eine Bleiwand von einem Lichtjahr (9.46 Billionen km = 9460 Milliarden km) Dicke zu passieren, ohne von einem Atom eingefangen zu werden. Neutrondetektoren sind daher große Mengen von Materie die untersucht werden. Entweder man beobachtet einen Zusammenstoß in einem transparenten Medium (Wasser) oder man fischt aus tausenden von Tonnen Perchlorethylen einige Atome heraus, die durch Neutrinozusammenstöße mit Chloratomen entstanden sind. Als Abfallprodukt der Zählung der Sonnenneutrinos konnte man aber die Obergrenze der Neutronenmasse immer weiter senken und seit Anfang der neunziger Jahre ist klar das die Neutrinomasse nicht viel zur Gesamtmasse des Universums beiträgt.

Heute ruhen die Hoffnungen auf exotischen Elementarteilchen oder Strings - Schnüren die das Universum durchziehen und die extrem dünn sind, aber Hunderte von Millionen Lichtjahre lang. Diese Teilchen hat noch niemand beobachtet, aber sie werden von Theorien gefordert, die erklären wollen, warum das Universum heute klumpig ist und nicht ein fein verteiltes Wasserstoffgas. Sowohl Teilchen wie auch Schnüre wären durch ihre hohe Masse Kristallisationskeime für die restliche Materie. Nur nachweisen konnte man sie bisher nicht. So gilt für das Universum noch heute das gleiche wie für Eisberge im Wasser: Nur 10 % davon können wir beobachten.

Grenze Nr. 6: Kampf der Entropie!

Kleine Nebenbemerkung: Das die Entropie immer anwächst scheint sich auf der Erde nicht herumgesprochen zu haben. Tausende von Reinigungskräften arbeiten von morgens bis abends um die Entropie zu bekämpfen und vergrößern sie nur. Millionen von Hausfrauen/Männer kämpfen einen täglichen Kampf gegen das Universum, indem Sie versuchen ihren Haushalt zu reinigen. "Aber es wird doch alles sauber, also ordentlicher, also habe ich doch die Entropie verringert..." höre ich sie nun rufen. Nein sie müssen immer das ganze System sehen.

Nehmen wir einen einfachen Fall. Sie haben einen Fußboden mit so 1 g Schmutz, gleichmäßig verteilt und einen Eimer mit heißen Wasser (60°), etwas Reinigungsmittel und ihre Arbeitskraft und einen Lumpen. Vorher haben wir:

Nach dem Reinigen haben Sie:

Kurz: Ihre kleine Putzaktion hat nicht nur den Boden sauber gemacht sondern die Entropie der Erde und des Universums um eine Zahl erhöht, gegen die die Erdbevölkerung ein Klacks ist. Daher heißt es auch zu recht: "In dem Chaos ist die Ordnung", denn jedes Schaffen von Ordnung vergrößert nur das Chaos.

Die Konsequenzen

Nun die Grenzen der Erkenntnis haben ihre Folgen nicht nur in der Begrenzung, was auch in der Science Fiction möglich ist, es sind reale Grenzen die Wissenschaft und Technik nicht überschreiten können. Ende des 17 Jahrhundert entwickelte Laplace die Theorie, das man, wenn man den Ort und Bewegung aller Teilchen im Universum kennen würde, man die Zukunft des Universums berechnen können würde. Der Kosmos als gigantische Maschine! Heute wissen wir, das dies nicht möglich ist und uns Grenzen gesetzt sind, das es immer Bereiche geben wird, die wir nicht erforschen werden können Ich halte das für beruhigend, denn wäre ein Universum in dem alles erforschbar und bekannt wäre nicht ziemlich langweilig? Wäre es nicht etwas vermessen, wenn wir kleine biologische Lebewesen, die sich gegenseitig immer wieder umbringen, glauben alles erklären und erforschen zu können? Wenn sie dies nun alles nicht glauben und sie irgendwo gelesen habe, das der Fortschritt in der Wissenschaft auch alte Erkenntnis ungültig macht, so lesen Sie noch meinen Aufsatz über Modelle in der Wissenschaft.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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