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Hanflegalisierung - Teil 1

HanfEigentlich sollte dieser Beitrag bei meinem Weblog erscheinen. Aber er wurde dann so lang, das ich ihn zu einem einen Artikel gemacht habe. Wie bei meinem Weblog ist es aber meine persönliche Meinung, weniger eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Hanf, Cannabis und anderen Cannabisprodukten wie Marihuana oder Haschisch.

Seit ein, zwei Jahren ist mir etwas aufgefallen. In immer mehr Filmen oder Episoden von Serien kommt illegaler Hanfanbau vor. Zuletzt bei der SAT-1 Serie Danny Lowinski, wo (wie könnte es auch anders sein) die Mandantin trotz 10 selbst angebauter Pflanzen freikommt, mit einem Winkeladvokatenargument, dazu später mehr. Manchmal ist es schon etwas skurril, wie in der SWR Serie "Die Kirche bleibt im Dorf", wo die Pflanzen irgendwie anders als Hanf aussehen und die Ernte von einigen Pflanzen in eine große Einkaufstasche passt und von zwei Leuten getragen werden muss.

In keinem Fall, selbst in einem Krimi, wo die Kommissare bei der Tätersuche über Hanfpflanzen stolpern, wird das angezeigt. In einer Reportage, nun also nicht fiktiv, erfahre ich, dass die Polizei bei Verkehrskontrollen auf Verdacht auch auf THC prüft. Zuletzt greifen nun auch Dokumentationen das Thema auf. Bei "Nano" war es ein Thema über eine ganze Sendung im November 2013, nun erschienen innerhalb von 3 Monaten Sendungen über Cannabis: RauschGIFT: Cannabis bei ZDF Kultur, Kiffer, Dealer, Coffeeshop bei RBB und "7 Dinge, die sie übers Kiffen wissen sollten" bei Quarks und Co. Alle drei Reportagen würde ich als neutral bezeichnen. RauschGIFT näherte sich dem Thema durch Interviews mit Konsumenten, jemanden der Cannabis nimmt, das genießt, einem zweiten der enorm viel konsumiert und offensichtlich zu nichts mehr Lust hat, das selbst bereut, jemand der psychisch abhängig wurde und nun eine Entziehungskur macht und einem "Grower" der Hand anbaut, dazu ergänzend kam ein Experte, der die Wirkung und Gefahren beschreibt.

Die RBB Reportage behandelte mehr die Szene in Berlin, von den Verkäufern auf der Straße über Händler für Zubehör, Konsumenten bis hin zu einem Hanfbauern in der Uckermark (der THC-armen Nutzhanf für Dämmstoffe anpflanzt). Eine Gerichtsmedizinerin vertrat den Standpunkt das Hanf etwas ganz Schlimmes ist und Polizisten kamen auch zu Wort ebenso Patienten, die vor Gericht das Recht zum Selbstanbau erstritten haben.

Quarks und Co versuchte das Thema umfassend zu behandeln, von der Geschichte des Verbotes, über die Wirkung (geschildert durch Konsumenten und medizinisch erklärt), Gesetzeslage, Experimenten zur Fahrtüchtigkeit, einem Kiffer-ABC, zwei Schicksalen:; eines an Retoure-Erkrankten dem Cannabis hilft und eines Geschädigten, weil er als Jugendlicher gekifft hat.

Ich vermute mal diese Flut von Sendungen bildet eine gesellschaftliche Realität ab, nämlich das heimlich Hanf angebaut und konsumiert wird und das verwundert nicht, denn es sollen 2,5 Millionen Menschen Cannabis in Deutschland regelmäßig konsumieren, fast 40% aller 14-49 jährigen haben es nach offiziellen Zahlen einmal probiert. Der Umsatz liegt bei 2 Milliarden Euro. Leider gilt Hanf immer noch als illegal. Und das, obwohl dieser eine Jahrtausende Jahre alte Nutzpflanze ist und früher vorwiegend zu Papier, Seilen, Kleidern, heute auch zu Dämmstoffen verarbeitet wurde. Doch immer mehr stößt der Hanf als Nutz- oder sogar Heilmittel auf Akzeptanz. Ob in Nahrungsmitteln, Kleidung oder das ohne berauschende Wirkstoffe daherkommende CBD (kurz Cannabidiol), welches zu Öl verarbeitet wird. Dieses Öl, zum Beispiel verabreicht als CBD Tropfen, wird immer öfter von Menschen bei Stress, Schlaflosigkeit oder sogar zur Raucherentwöhnung eingesetzt! Jedoch ist der Anbau, Handel und der Konsum weiterhin ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Demnach bedeutet dass: Große Teile der Gesellschaft sind kriminell. Das Betäubungsmittelgesetz hat den Zweck (nach Wikipedia):

"Grundüberlegung zum Betäubungsmittelgesetz ist die Feststellung eines Suchtpotentials als sozialer Beeinträchtigung einer Person[1] in Verbindung mit einer nicht rückgängig zu machenden (irreversiblen) gesundheitlichen Beeinträchtigung oder Schädigung des Körpers der Person (somatischer oder psychosomatischer Schaden)[2] durch einmaligen, mehrmaligen oder anhaltenden Genuss von Betäubungsmitteln."

Also ist THC nicht verboten, weil es berauscht, sondern weil es süchtig macht und eine irreversible Beeinträchtigung ergibt, oder ergeben kann. Nun ist erweisen, dass es eine psychische Abhängigkeit bei THC gibt und bei Jugendlichen kann es auch zu körperlichen Schädigungen kommen.

So gesehen ist das Gesetz sicher richtig, wenn man das nicht hinterfragt. Denn zum einen sind Alkohol und Nikotin erlaubte Drogen. Bei diesen ist die Suchtgefahr und die gesundheitlichen Schäden viel ausgeprägter. Konsequenterweise musste man sie dann auch verbieten. Des Weiteren muss man abwägen. Abwägen, wie hoch die Gefahr einer Abhängigkeit ist und wie hoch der gesundheitliche Schaden. Die Abhängigkeit ist nun mal nicht so ausgeprägt wie bei Alkohol und Nikotin, aber auch vielen anderen Drogen, die Bestandteil des Gesetzes sind wie Kokain, Methamphetamin (Pervitin, Crystal Meth) etc. Wenn ich den Begriff weiter fasse, müsste ich dann konsequenterweise auch viele andere Dinge verbieten, die süchtig oder abhängig machen wie Süßigkeiten oder Junk-Food. Deren gesundheitliche Auswirkungen in Form von Adipositas (der deutsche Begriff lautet nicht umsonst Fettsucht) sind nicht zu verleugnen, und dass die Leute davon abhängig sind, auch. Wenn ich es nicht auf Substanzen beschränke, fallen mir Sportarten ein die gefährlich sind und die durch den Adrenalinausstoß süchtig machen wie Bungee-Jumping oder Paragliding.

Alkohol und Nikotin haben natürlich so was wie Bestandsschutz, sprich sie sind so eingeführt, dass jede Regierung, die sie verbieten würde, wohl Selbstmord begehen würde. Zu viele Konsumenten würde sie verärgern. Dabei sind die Auswirkungen von Alkoholmissbrauch und die Folgen des Rauchens eine ziemliche Belastung für unser Gesundheitssystem und auch für die Betroffenen. Es gibt aber noch einen rein praktischen Aspekt und den zeigte die Prohibition recht deutlich: Es macht wenig Sinn etwas zu verbieten, das im Land relativ einfach erzeugt werden kann. Die Prohibition scheiterte nicht nur, weil die Bürger sich nicht dran hielten, sondern auch, weil es so einfach ist Alkohol zu erzeugen: Man braucht nur kohlenhydrathaltige Substanzen vergären. Alkohol kann man aus Beeren, Kartoffeln und Getreide erzeugen. Es ist schwer möglich alle diese Lebensmittel zu verbieten und so gab es auch genügend illegale Brauereien und Destillen, die für den Nachschub sorgten. Denn nur wenn es den gibt, sitzen die Konsumenten nicht auf dem Trockenen. So würde es auch wenig Sinn machen Tabak ganz zu verbieten, den auch den kann man bei uns anbauen, das ist sogar noch schwerer als der Anbau von Hanf.

Sehen wir uns andere Drogen an: Chemische Stoffe kann man zwar selbst synthetisieren, aber dazu gehört doch ein gewisses Wissen und auch die ansprechende Ausrüstung und Chemikalien. Rohopium könnte man bei uns illegal gewinnen, da Schlafmohn auch bei uns wächst, aber das dazu nötige häufige Anritzen der Fruchtkapseln und vorher die leuchtend roten Blüten würden wohl nicht übersehen werden. Obwohl Hanf bei uns auch Outsider gezogen werden kann, stammt der Großteil (des heimischen Cannabis) von Indoor Anbau. Das ist, und das zeigt schon das Paradoxe des Verbotes lukrativ: sprich: Es ist trotz der enorm hohen Strompreise in Deutschland günstiger Pflanzen unter Kunstlicht und teurem Equipment aufzuziehen, obwohl sie nur einen Bruchteil der Größe einer Hanfpflanze unter der freien Sonne erreicht, weil die Illegalität die Droge verteuert. Er hat auch zur Züchtung von Sorten mit sehr hohem THC Gehalt geführt. Der hat sich in drei Jahrzehnten von 8 auf bis zu 20% erhöht.

Ich will nicht groß auf den medizinischen Nutzen eingehen, denn wie auch bei Opium und Morphium gibt es hier Ausnahmeregelungen, da Hanf bei zahlreichen Krankheiten wirksam ist. Selbst in meinem Pharmakologiebuch steht er als Medikament. In den Genuss von Cannabis oder THC kommen aber nur wenige und wenn dann ist die Situation doch verrückt: Cannabis (im Sinne von Hanfblüten) sind in der Apotheke etwa doppelt so teuer wie auf dem Schwarzmarkt, dabei sollte durch die Entkriminalisierung für die Leute die ihn wirklich für ihre Krankheit benötigen ja eigentlich die enorme Verdienstspanne der Dealer wegfallen. Noch teurer ist reines THC, da die chemische Industrie wegen des Verbots es nicht aus Cannabis durch Extraktion gewinnen darf, sondern aus anderen Wirksubstanzen des Hanfs deren Gewinnung erlaubt ist, durch chemische Modifikation gewinnen muss.

Quarks und Co endeten mit einer Frage: "Wollen wir eine weitere Droge legalisieren?". Ich vermute dahinter verbirgt sich auch die Befürchtung das würde dann zur Legalisierung weiterer Drogen führen. Nun meine Meinung. Zum einen, das zeigten die Sendungen, ist Cannabis weder eine Einstiegsdroge, (auch wenn das eine Berliner Gerichtsmedizinerin behauptet), noch ist in Ländern, in denen Cannabis legal ist, (Niederlande, einige US-Bundesstaaten) eine allgemeine Bekifftheit der Bevölkerung resultiert. Es gibt dort auch nicht mehr Verkehrsunfälle unter Cannabiseinfluss (weil es fettlöslich ist, kann man das leicht nachprüfen - THC ist noch 2-3 Wochen nach der Einnahme im Blut nachweisbar), dafür aber weniger Kriminelle - 14% der Inhaftierten in Deutschland sitzen wegen Verstoß gegen das BMSG ein.

Das verwundert nicht. Denn schon heute gibt es ja eine Diskrepanz zwischen Konsumenten und regelmäßigen Konsumenten. Während 40% der Bevölkerung einmal Cannabis probiert haben, konsumieren nur rund 5% der Bevölkerung Drogen (nicht nur Hanf) mindestens einmal pro Jahr. Das bedeutet, die meisten finden nichts daran und dass sie nichts daran finden, daran würde auch eine leichtere Verfügbarkeit nichts ändern.

Ich kann die Politik verstehen, wenn sie sagt, "es gibt kein Recht auf Rausch". Nur ist die Politik blind. Wenn ich den Ansatz habe, das ich jeden kriminalisiere der Drogen nimmt, nicht nur die die welche verkauft oder erzeugt, dann muss das für alle Drogen gelten. Dann muss man auch Alkohol und Nikotin verbieten. Nein, das diese schon immer konsumiert wurden (zumindest Tabak in Europa erst seit rund 500 Jahren) kann kein Argument sein. Denn Hand war bis vor 80 Jahren bei uns auch so gängig wie Alkohol und Nikotin. Dann hat man ihn erst verboten, weil man ein Handelsgesetz mit Ägypten eingehen wollte, das diese Bedingung stellte, damit deutsche Pharmafirmen ihre Produkte exportieren konnten und dann wurde er durch die UN verboten, weil jemand in den USA ihn auf dem Kieker hatte und mit unbewiesenen Behauptungen Hanf kriminalisierte. Ansilinger führte einen Kampf gegen Cannabis, aber auch gegen Schwarze und Mexikaner, die ihn in den USA meist anbauten. Unterstützung bekam er von der Holzindustrie, das Papier aus Hanf hergestellt wurde (3x höherer Ertrag als Holz pro Hektar) und der frühen Kunststoffindustrie, die Nylon als Alternative zu Hanffasern etablieren wollte. Hanf wäre nach der "Gab es schon immer" Argumentation also auch eine eingeführte Droge.

Weiter zu Teil 2 - Wie wirkt Cannabis und wie könnte die Legalisierung es verbilligen.

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Artikel verfasst am 5.12.2014, zuletzt geändert am 14.11.2018


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