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Die goldene Zeit der Heimcomputer

Einleitung

Heute gibt es nur noch zwei Architekturen auf dem PC Markt. Die so genannten "IBM Kompatiblen" und die Macintoshs von Apple. Es scheint als hätte der IBM nicht nur alle Heimcomputer verdrängt sondern auch nur Vorteile gebracht: Die Rechner und die Software kann man mittlerweile sogar im Aldi kaufen. Dieser Aufsatz möchte an die goldene Zeit des Heimcomputers erinnern, die Zeit von 1982-1987. Im Vordergrund stehen dabei nicht die technischen Daten - die finden sie auf vielen Websites. Es geht um das was diese Computer ausmachte: Ihren Charme, ihre Persönlichkeit.

Die Technik...

C64 Warum schwärmen viele heute noch von ihren alten 8 Bit Geräten? Warum schreiben Leute Emulatoren um diese Geräte auf einem PC nachzubilden, der mittlerweile in fast allen Belangen eine Mehrtausendfache Leistung aufweisen kann ?

Sicher man kann es an der Technik festmachen. Anders als der austauschbare PC, der Computerverkäufer zum Kistenschieber gemacht hat, und der auf einige Zahlen wie "800 MHz Pentium III, 128 MB RAM 20 GB Festplatte 16 MB Grafikkarte" reduziert werden kann, gab es nicht den Heimcomputer. Auch ohne in die technischen Details zu gehen gab es verschiedene Ansätze. So der C-64: Viel Hauptspeicher auf Kosten von Komfort und Design - Der Brotkasten. Viele Heimcomputer waren ein besseres Videospiel. Manche hatten Ansprüche an den professionellen Bereich wie der Schneider CPC mit CP/M und 80 Zeichen Darstellung. Andere waren Videoschnittfähig wie der Amiga oder MIDI fähig wie der Atari ST. Die extremsten hatten wie der Sharp MZ nur ein Boot-ROM mit dem man die Programmiersprache und das Betriebssystem laden konnte das man wollte. Im Gegensatz zu dem heutigen PC gab es bei den meisten Geräten Stärken und Schwächen. Man sollte auch nicht glauben, das der PC dadurch automatisch besser ist. Er hat für viele Dinge lange gebraucht. Multitasking gab es z.B. schon 1986 beim Amiga. Für den Videoschnitt werden heute noch Amigas eingesetzt, in manchen Tonstudios stehen noch Atari ST und die meisten PCs konnten sich bis in die neunziger Jahre hinter den Grafik und Soundfähigkeiten mancher 8 Bitter verstecken. Selbst in der Grafik hängten Heimcomputer den PC ab, bis dieser mit EGA eine bessere Grafik bot (1987) - dafür kostete er ab er auch ein mehrfaches eines Heimcomputers.

Das ist allerdings auch eine Chance gewesen. Wer nur spielen wollte, der war mit einem C64 oder Spektrum gut bedient - zu dem Bruchteil der Kosten eines heutigen PC. Ähnlich haben wir heute auch wieder einen Trend weg von dem PC - zu Organizern, Spielekonsolen, Set Top Boxen fürs Internet.

... Die Verbundenheit

Amiga In den achtziger Jahren hat der Autor wie viele andere lange und hitzige Diskussionen mit anderen Computerbesitzern über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Rechner geführt. Selten ist dabei ein einstimmiges Ergebnis herausgekommen. (Wenn dann meistens so: Wir können uns nicht einigen ob der C-64 oder CPC 464 der bessere ist, aber ein Sinclair Spektrum ist echt Billigschrott). Das liegt an mehreren Dingen. Zum einen eben das man die meisten Geräte nicht vergleichen konnte. Nicht einmal Benchmark Ergebnisse waren aussagekräftig. Je nachdem wie schnell der BASIC Interpreter war, konnte ein Rechner mit demselben Prozessor wie ein anderer schneller oder langsamer sein. Für viele Rechner gab es auch BASIC von fremden Herstellern, das besser war als das eingebaute.

Aber warum die Diskussionen so heftig waren, war doch mehr die Folge der Verbindung der Besitzer mit den Rechnern. Steve Jobs hat einmal über Apple User gesagt, das sich viele mit dem Gerät verbunden fühlten, weil man den Geist fühlte den die Leute hatten als sie es entwarfen. Ich denke das ist auch auf andere Computer übertragbar. Viele Rechner vermochten Benutzer zu begeistern und erzeugten eine Verbundenheit mit diesem Gerät. Dies fehlt dem seelenlosen PC völlig. Der Autor hat noch während er einen CPC 464 hatte einen IBM AT kompatiblen gekauft - und 2 Jahre später wieder verkauft. Denn am 8 Bitter machte das Arbeiten mehr Spaß obwohl er langsamer war.

Der tiefere Grund dafür ist, das man einen Rechner mit einem 16 oder 32 K großen ROM noch begreifen kann. Für die meisten gab es ein Firmwarelisting, ein Abdruck des Assemblercodes mit Kommentaren. Man kann wenn man sich etwas tiefer mit dem Gerät beschäftigt die Funktionsweise begreifen und sogar Software entwickeln, die mit kommerzieller konkurrieren kann. Je nachdem was jemand mochte griff er zum einen oder anderen Gerät. Die Diskussionen bei Computerfans verliefen auch deswegen meist so fruchtlos, weil man sich zwar über Technik unterhielt, aber in Wirklichkeit aber die persönlichen Vorlieben meinte. Überhaupt war Assembler damals ein Muss. Nur so holte man Geschwindigkeit aus dem Rechner raus (eine Ausnahme waren einige gute BASIC Interpreter und Turbo Pascal). Aber Assembler ist auf einem 8 Bitter noch überschaubar und so viele Zusatzbausteine gab es nicht. Die meisten Heimcomputer hatten noch einen Display Controller (meist einen 6845) und einen Soundchip (meist ein OPL 8912). Dazu kamen das Betriebssystem ROM, ein paar Treiber um die Adressen zu dekodieren und die RAM Chips - fertig war der Computer.

Die Lebensdauer

Atari 800 Heute haben PCs kaum mehr längere Lebensdauer als 2 Jahre. Bestimmte Spezifikationen werden sogar so schnell gewechselt, das man nach 1 Jahr Probleme hat einen schnelleren Prozessor auf einem Motherboard ein zusetzen. Da mutet es fast anachronistisch an, wenn wie in den achtzigern erfolgreiche Heimcomputer zwar technisch aufgewertet wurden, aber im wesentlichen unverändert über 5 Jahre lang produziert wurden. Manche wie der C-64 sogar noch länger. Der Grund dafür ist die Software. Heute ist Software der Grund warum sich viele alle naselang einen neuen Rechner kaufen. Sie wird fülliger, langsamer, fehlerhafter und mit Gimmicks überfrachtet. Damals wurde Software zwar auch größer, dafür aber meist schneller und besser. Am extremsten ist das bei den Spielen zu sehen. Vergleicht man Spiele für einen Heimcomputer die bald nach der Vorstellung herauskamen mit späteren so kann man oft nicht glauben, das sie auf derselben Maschine laufen.

Der Grund: Auch die Softwarehersteller kamen immer besser mit der Hardware zurecht und programmierten hardwarenäher. Viele schafften Dinge die der Hersteller wohl nie vorgesehen hatte. Mein Heimcomputer hatte z.B. 3 Grafikmodi von 640 × 200 bis 160 × 200 Punkten in 2,4 oder 16 Farben. Es gab Spiele bei denen gab es oben mehrfarbige Grafik und unten viel Text in nur 2 Farben, aber mit 80 Zeichen pro Zeile Die Programmierer hatten sich wohl in die Interrupts eingeklinkt und während das Bild aufgebaut wird den Grafikmodus gewechselt.

Es ist auch interessant wie weit man einen Heimcomputer erweitern konnte. Mein Rechner wurde mit 64 K und 180 K Laufwerken (max. 2) angeboten. Doch man konnte mittels Zusatzgeräten von Fremdherstellern bis zu 576 K RAM, 4 × 800 K Disks und sogar Festplatten betreiben. Ich halte schon wegen des günstigeren Preises und der Lebensdauer einen Heimcomputer für eine bessere Lösung als den PC.

Was der Mensch braucht...

Die Werbung gaukelt uns vor, das wir immer neue PCs brauchen um die Möglichkeiten die es heute gibt auszuschöpfen. Blickt man 15-20 Jahre zurück und vergleicht was kommt dabei heraus? Nun in den frühen achtziger Jahren gab es schon bei den meisten Softwarekategorien das was auch heute verfügbar ist. Einzig Spracherkennung war mit der Rechenleistung nicht möglich. Aber die funktioniert auch jetzt gerade erst mehr recht als schlecht. Wenn man auf die Funktionalität achtet so verfügte man schon auf 8 Bit Rechnern mit 64 K RAM über das was man benötigte um zu arbeiten. WordStar als Textverarbeitung - mit der Fähigkeit Serienbriefe zu schreiben. DBase als programmierbare Datenbank, Multiplan, Supercalc oder VisiCalc als Tabellenkalkulation.

Atari 520 ST Ich will nicht behaupten, das die Programme so leistungsfähig und benutzerfreundlich wie heute waren, aber einen Text konnte man wenn man sich in WordStar eingelernt hatte schneller erfassen als heute mit einer Textverarbeitung. Das Programm hatte im Gegensatz zu den meisten heutigen auch keine Probleme mit Dokumenten von einigen Zig Seiten Umfang. Selbst Internet ginge prinzipiell - zumindest das Empfangen der Daten.

Natürlich kann man das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Ich habe während meines gesamten Studiums mit einem 8 Bitter gearbeitet und bin erst nach 8 Jahren 1993 auf einen 486 umgestiegen. Natürlich gewöhnt man sich mit der Zeit an Komfort und auch die Ansprüche steigen. Es ist allerdings auch ein Trugschluss zu glauben, ein heutiger PC wäre entsprechend schneller oder die Arbeit ginge flotter. Meiner Erfahrung nach ist das nicht so. Das geht schon los beim Booten. Selbst wenn man CP/M bootet anstatt aus dem ROM - Man kann nach einigen Sekunden mit dem Rechner arbeiten. Darüber hinaus geht auch das Arbeiten schneller. Kein Aufwendiges Verzeichnis Wechseln, kein Verlassen der Tastatur um mit der Maus zu navigieren: Tastenkürzel gehen schneller. Was man in seinem PC für eine Maschine hat wird erst deutlich wenn man einen Vergleich hat. Ich habe einige Pascalprogramme die früher fast eine Stunde an einem Problem rechneten, heute geht es mit höherer Genauigkeit in Sekunden. Oder falls Sie einen guten Fractalgenerator haben: Das Basis-Fraktal (Mandelbrot) mit den Grenzen X (-2.1... 0.8) Y (-1... 1) bis Tiefe 30 berechnete mein Schneider CPC 464 (4 MHz Z80) in zirka 45 Minuten in 320 × 200 Punkten. Verwendet man auf dem PC (AMD 350 K6-2) keine FPU (die hatte mein Rechner auch nicht) so braucht er 2.2 Sekunden für 1027 × 768 Punkte. Er ist also 15000 mal schneller, wobei zwei Drittel der Zeit nun auf das Grafikzeichnen drauf gehen! Doch ist im täglichen Betrieb davon etwas zu merken?

Ti 99/4A Es ist unwahrscheinlich das es nochmals zu einer Vielfalt an Computern kommen wird. Daran sind nicht nur die festgefahrenen Strukturen von Wintel schuld, es ist auch finanziell immer teurer neue Komponenten zu entwickeln. Man sieht dies an einer Konzentration die auch im PC Bereich zu sehen ist. So gibt es heute noch 3 Hersteller von 3D Grafikkarten: 3D Labs, NVidia und ATI. Firmen wie 3D FX, S3, Hercules, OAK, Trident, Tseng, Video 7 etc. die früher Grafikchips herstellten sind verschwunden. Selbst Apple setzte immer mehr auf PC Hardware wie AGP und PCI Bussystem.

8 Bit Angewohnheiten

Wer lange an einem System mit wenig Speicher und Rechenleistung gearbeitet hat wird davon geprägt. Wie ich haben viele aus dieser Zeit Angewohnheiten behalten, die sich in dem regelmäßigen "Säubern" der Festplatte äußerten: Man löscht.bak.tmp oder.$$$ Dateien oder schreibt sogar ein Programm dafür. Oder man optimiert trotz reichlichem Speicher Programme auf kurzen Code. Doch nicht alles ist nur neurotisch. Wer einmal die WordStar Escape Sequenzen verinnerlicht hat und eine modernen Textverarbeitung hat die das unterstützt schreibt einen Brief ganz ohne Maus oder Menüs zu benutzen - und hängt jeden ab der dazu die Tastatur verlassen muss.

Wovon man sich heute eine noch eine Scheibe abschneiden kann

Wer in den achtziger Jahren einen Heimcomputer kaufte und dafür 500-1000 DM zahlte, bekam ein oder mehrere Einführungshandbücher mit Beschreibung des Rechners und seiner Programmierung. Ich kann mich an vielleicht ein Dutzend Abstürzen bei gekaufter Software in 8 Jahren erinnern.

Was bekommt man heute für 2000 DM.? Ein kleinen Zettel mit der Belegung der DIP Switches auf dem Mainboard, selbst bei sehr umfangreicher Software gibt es keine Handbücher mehr. Besonders ärgerlich finde ich das bei Programmiersprachen, da diese eben nicht selbsterklärend sind.

Was auch rapide nachgelassen hat ist die Qualität der Software: Abstürze und Bugs allenthalben. Dafür wechseln die Versionen bald schneller als die Mode bei der Haute Couture. Leute: Ihr kassiert mehr für ein schlechteres Produkt, obgleich ihr pro Stück erheblich mehr verkaufen müsst, weil es heute zirka 10 mal so viele Computer wie vor 15 Jahren gibt. Kein Wunder das Bill Gates so reich geworden ist.

Ja mit dem PC hat auch ein Niedergang in der PC Branche stattgefunden. Man ist heute nicht mehr stolz auf seinen Rechner, ein Verkäufer ist heute keine Vertrauensperson mit Fachwissen mehr, sondern ein Kistenschieber passend zur Bezeichnung "Kiste" für den PC. Ein austauschbares Gerät. Heute gilt man schon als Experte wenn man die gröbsten Macken von Anwendungsprogrammen umschiffen kann oder selbst eine Festplatte einbauen. Computer Freaks sind heute nicht mehr Leute die Assembler oder C kodieren sondern Kiddies die Decent oder Laura Croft spielen.

Das erstaunlich ist, das man gemessen an dem Leistungszuwachs soviel mehr mit den "Kisten" machen kann, anstatt 64 oder 128 KByte hat ein Rechner heute 256 oder 512 MByte, anstatt mit 1-4 MHz arbeitet er mit 1600-3000 und 32 Bit anstatt 8. Doch kann er soviel mehr? Tippt man nicht immer noch Texte ein und daddelt? Trotz 1000 mal mehr Power gibt es so gut wie keine neuen Anwendungsgebiete oder fundamentale Erleichterungen in der Arbeit.

Da verwundert es nicht wenn seit 2001 die Verkäufe erstmals rückläufig sind - was für einen Grund einen neuen PC zu kaufen gibt es denn noch?


Zum Thema Computer ist auch von mir ein Buch erschienen. "Computergeschichte(n)" beinhaltet, das was der Titel aussagt: einzelne Episoden aus der Frühzeit des PC. Es sind Episoden aus den Lebensläufen von Ed Roberts, Bill Gates, Steve Jobs, Stephen Wozniak, Gary Kildall, Adam Osborne, Jack Tramiel und Chuck Peddle und wie sie den PC schufen.

Das Buch wird abgerundet durch eine kurze Erklärung der Computertechnik vor dem PC, sowie einer Zusammenfassung was danach geschah, als die Claims abgesteckt waren. Ich habe versucht ein Buch zu schreiben, dass sie dahingehend von anderen Büchern abhebt, dass es nicht nur Geschichte erzählt sondern auch erklärt warum bestimmte Produkte erfolgreich waren, also auf die Technik eingeht.

Die 2014 erschienene zweite Auflage wurde aktualisiert und leicht erweitert. Die umfangreichste Änderung ist ein 60 Seiten starkes Kapitel über Seymour Cray und die von ihm entworfenen Supercomputer. Bedingt durch Preissenkungen bei Neuauflagen ist es mit 19,90 Euro trotz gestiegenem Umfang um 5 Euro billiger als die erste Auflage. Es ist auch als e-Book für 10,99 Euro erschienen.

Mehr über das Buch auf dieser eigenen Seite.

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© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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