Ordnung ist das halbe Leben - nur sie zu halten ist schwer.

Ordnung ist wichtig, ohne sie würde man nichts mehr finden. Dabei meine ich Ordnung, nicht Sauberkeit, auch wenn wenn etwas ordentlich ist, meistens auch sauber ist, doch es gibt ja auch das schöpferische Chaos. Ich habe meine liebe Not mit der Ordnung. Nur ein paar Beispiele aus meinem Leben, wo ich mit mehr Ordnung mir viel Arbeit oder Kosten hätte ersparen können.

Also mir mehr Ordnung wäre das nicht passiert. Wie kann man so ein Chaos umgehen?

Feste Orte für Dinge. Also sich angewöhnen gleich nach dem Heimkommen die Versicherungskarte in ein festes Fach oder eine Mappe zurückzulegen. Das ist, wenn man es macht, nicht arbeitsintensiv, es ist mehr eine Gewohnheitssache. Leider ist es sehr schwer, seine Angewohnheiten zu ändern. Das ist ein langwieriger Prozess.

Katalogisieren. Das betrifft vor allem Dinge, die man in größerer Menge hat. Das sind bei mir Bücher. Ich habe etliche Bücherregale voll und wenn ich nach einem suche, das ich nicht häufig brauche, dann bin ich oft am Suchen. Hier braucht man zwei Dinge. Ein System und einen Katalog. Ein System nach dem man die Bücher sortiert ist die Basis. Sinnvollerweise nach Autor, Themengebiet oder Titel am besten kombiniert also erst Themengebiet dann Titel. Jedes Buch bekommt dann ein zusammengesetztes Kürzel wie R23 (23.stes Raumfahrtbuch), das man in einen Katalog einträgt. Damit man das Buch dann findet muss man einen Aufkleber drucken und es eben alphabetisch aufstellen. Wegen des hohen Aufwandes bei fast 1000 Büchern bin ich bisher davor zurückgeschreckt. Aber sich sollte mal anfangen, zumindest alle Bücher in einem Katalog zu erfassen. Das ist, wenn man wie der Autor selbst Bücher schreibt ganz geschickt um Literaturstellen dann per Copy & Paste einzufügen. Früher habe ich das gemacht und auch als Literaturliste auf meiner Webseite veröffentlicht. Inzwischen ist es mir einfach zu aufwendig geworden – man vergisst es bei einem Neukauf und stolpert man durch Zufall darüber, so gibt es nach Jahren so viel nachzutragen, das ich vor dem Aufwand zurückschrecke. Das ist die Schattenseite: Vom unordentlichen System zum ordentlichen braucht man anfangs viel Zeit und auch später viel Disziplin, sonst hat man bald wieder den alten Schlondrian.

Ganz schlimm ist es bei Kleinteilen. Jeder kennt das - wo sind die restlichen zwei Batterien der Viererpackung? Wo sind die beim PC mitgelieferten Schrauben, die ich nun brauche, um eine zweite Festplatte einzubauen etc. Für dieses Problem, das wohl jeder kennt, gibt es mehrere Lösungsmöglichkeiten. Das schickste und auch optisch schönste sind Möbel mit zahlreichen kleinen Schubladen, wie z.B. Apothekenkommoden. Alternativ gibt es auch Regale mit kleinen Schubladen. Für Schrauben und andere sehr kleine Artikel gibt es auch Regale mit Plexiglaseinschüben, die vor allem für eine Werkstatt gedacht sind. Im Wohnzimmer wirken sie etwas deplatziert. Ich nutze alte Metalldosen. Die gibt es umsonst, wenn man Instantkaffee kauft oder Drops, die man auch oft in Metalldosen verkauft. Alternativ gehen oft, wenn auch Plastikdosen die gibt, es noch häufiger z.B. als Verpackungsmaterial für Frischkäse. Dann muss man, weil man nicht rein schauen kann, die Dosen etikettieren. Das kann man mit Abziehaufkleber von Hand machen. Alternativ nimmt man Gläser, das geht zumindest für Teile die das Glas nicht beschädigen können ganz gut Gläser mit Schraubverschluss hat man bald jede Menge, wenn man nur alle mal aufbewahrt die man so bekommt: Marmeladengläser, Essiggurken, anderes eingemachtes Gemüse, Pestosoßen - innerhalb eines Jahres hat man bald mehr als genug Gläser für jeden Krimskrams.

Grundsätzlich gilt es, bei fast allem irgendwo ein System einzuführen oder feste Regeln, etwas an das man sich einfach erinnern kann, wenn man nach etwas sucht. Das kann sein, wo man was ablegt, wie man etwas einsortiert, wie man etwas sortiert oder aufbewahrt. Damit man das System nicht vergisst, sollte man dann Schubladen oder Regal mit entsprechen Aufklebern oder Beschriftungsbändern versehen, denn bis etwas in Fleisch und Blut übergeht, dauert es lange. Gerade für die Beschriftungsbänder gibt es inzwischen preiswerte kleine Geräte. Man sollte dabei allerdings auf die Verbrauchskosten achten, denn für manche sind die Ersatzrollen ziemlich teuer. Andere Tipps sind farbige Schachteln für unterschiedliche Gegenstände, Schubladen nur für bestimmte Gegenstände, also irgendein System zur Kennzeichnung und zur Trennung der Dinge nach Gruppen. Der radikalste Schritt ist es natürlich Ordnung zu bekommen, indem man ausmistet und sich von dem trennt, was man nicht wirklich braucht.

Mein Problem ist, das ich ziemlich chaotisch bin und ziemlich kurz denke. Oft stapeln sich Bücher auf dem Schreibtisch und daneben, ich brauche mehr Zeit zum hin und herbeugen als zum Lesen. Wie schon geschrieben verwende ich gerne herumliegende Gegenstände als "Lesezeichen", was weder den Büchern noch den Gegenständen gut tut. Das dehnt sich leider auch auf den Computer aus, auch dort liegen manchmal Dateien in den falschen Verzeichnissen oder wurden vom Internet mal gerade da abgespeichert, wo es passte. Immerhin gibt es beim Computer eine Lösung: Software. Mein Programm Smartmove überwacht bestimmte Verzeichnisse in die ich gerne, was falsch ablege (Download Verzeichnis, „Eigene Dateien“ und verschiebt Dateien in die gewünschten Archivdateien. Ich benutze dazu die Erweiterung und habe eigene Verzeichnisse für pdfs, Tabellen, Dokumente etc.

Eine Frage die sich auch stellt ist, ob man überhaupt noch eine Zettelwirtschaft haben will. Nach einer Rechnung in einem Ordner zu suchen dauert schließlich länger - selbst wenn man sie katalogisiert und sortiert abgeheftet hat, als sich durch einige Ordner zu klicken, oder heute - in Zeiten in denen selbst Windows die Inhalte auf der Festplatte indexiert einen Suchbegriff in das Startmenü von Windows einzugeben (für hartnäckigere Suchfälle gibt es noch mein Programm Smartmove mit mehr Optionen die Suche einzugrenzen). Ich muss sagen, so ganz wohl´gesonnen bin ich dem nicht. Schon wegen der Steuer bewahre ich alles auf. Seit Amazon und viele andere Händler Rechnungen nur noch online verschicken (bei Amazon nicht mal das man muss sie im eigenen Konto suchen und ausdrucken) bin ich bei der Steuererklärung jedes Mal beim Durchsuchen meiner alten Mails nach Rechnungen und letztes Mal, wo ich wieder mal knapp am Termin war (ich verschiebe die Steuererklärung immer auf den letztmöglichen Termin), war es auch zu spät einige noch anzufordern die ich nicht automatisch bekommen habe. Aber nach einem ct' Artikel kann man selbst eine Firma papierlos betrieben. Man braucht aber noch ein wichtiges Hilfsmittel, das sp überhaupt nichts mit Computern zu tun hat: den Paginierstempel. Mit dem wurden alle Rechnungen und anderen Dokumente mit einem Eingangsstempel versehen, dann eingescannt mit OCR nach Inhalten indexiert und als PDF archiviert. Das Papier kam - mit Ausnahme von wichtigen, auch steuerlich relevanten Dokumenten, dann in den Reiswolf. Nach einem Bericht über einen Selbstversuch in der ct 07/2015 klappt das sehr gut,

Ich denke ich sollte mir mehr Ordnung als nächsten Neujahrsvorsatz vornehmen, denn bisher habe ich die Vorsätze größtenteils durchgehalten.

Meine Tendenz unangenehme Dinge vor mir herzuschieben so nach dem Motto „Was Du heute nicht erledigen willst, verschiebe auf Morgen“ ist auch so eine Sache. Sie hat nicht direkt was mit Ordnung zu tun. Indirekt aber schon: Ordnung und Pünktlichkeit haben eine gemeinsame Wurzel und die heißt Disziplin. Man braucht Disziplin um Ordnung zu halten. Permanent, denn vergisst man es mal so ist die Ordnung futsch bzw. man steht bald wieder vor einer Menge Arbeit die sich immer weiter angehäuft. Umgekehrt gehört Disziplin dazu alles sofort zu erledigen, zumindest wenn man die Zeit dafür hat. Ansonsten muss man priorisieren. Letztendlich muss man es erledigen. Man hat eigentlich nur Vorteile davon. Mann hat kein schlechtes Gewissen, weil man es verschoben hat, muss nicht dauernd dran denken, dass man etwas noch tun muss, und hat mehr Zeit, wenn es mal Hindernisse oder Verzögerungen gibt.

Ich gebe zu: Disziplin habe ich schon – leider nur bei Dingen, die mir Spaß machen. Da höre ich nicht auf, bevor es fertig ist und die Arbeit wirklich gut geworden ist. Das ist beim Programmieren so aber auch manchmal beim Schreiben von Büchern. Da kann ich einen ganzen Tag dran sitzen, sodass ich nicht mal viel Zeit zum Essen habe. Aber Bürokram? Da verlässt mich leider meine Motivation.

Ich denke ich sollte mir mehr Ordnung als nächsten Neujahrsvorsatz vornehmen, denn bisher habe ich die Vorsätze größtenteils durchgehalten.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.

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