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Politik und Weltraumfahrt in den USA

Einleitung

Das rein deutsche Weltraumprogramm ist klein - von 1.8 Mrd. DM entfallen 1.5 Mrd. auf ES und internationale Programme, aber es ist planbar. Die Politik mischt sich hierzulande nur selten in die Ziele ein, manchmal auch zu wenig z.B. wenn es darum geht mit Ariane Arbeitsplätze und Know-how in Deutschland zu halten. Ganz anders ist es in den USA wo die Politik sowohl Programme wie Apollo möglich machte wie auch SDI. Dies ist die Geschichte dieses Einflusses.

Das System in den USA

Anders als bei uns verabschiedet kein Kabinett in den USA den Haushalt und loyale Parteigänger stimmen einstimmig dafür. In den USA mischt der Kongress bei jedem Haushaltsposten mit und es ist durchaus nicht gesagt, das wenn die Demokraten gerade die Mehrheit haben, das auch der Haushalt durchkommt wenn der Präsident Demokrat ist. Es gibt in den USA keine Planungssicherheit wie hierzulande. Haushalte können von einem Jahr aufs andere gekürzt oder enorm gesteigert werden, einzelne Projekte können dem Kongress missfallen und gekippt werden. Umgekehrt kann es vom Kongress Gelder für Missionen geben die der Präsident gestrichen hat wie 2003 für eine Pluto Mission. Doch das ist die Ausnahme, meistens wird gekürzt.

In den seltensten Fällen führten übrigens Forderungen des Kongresses zur Kostenreduktion zu wirklich preiswerten Missionen. Dies liegt daran, dass man Mittel dann gerne kürzt, wenn die Mission entwickelt wird und die geplanten Kosten nicht gehalten werden können. Bei Raumfahrtmissionen ist jedoch nicht der Bau des Satelliten oder der Raumsonde teuer sondern dessen Entwicklung und das der Experimente. So war es z.B. bei Cluster II möglich die Satelliten für weniger als die Hälfte des Preises von Cluster I nachzubauen, obgleich diesmal die Starts mit Sojus Raketen bezahlt werden mussten. Alle bisherigen Versuche durch Umplanen Geld zu sparen führten in der Regel zu noch größeren Kostensteigerungen weil man die schon getätigten Mittel in die Forschung abschreiben musste. Freedom als Raumstation kostete z.B. durch mehrere Änderungen des Konzepts mehr Geld für die Planung, als ursprünglich für Planung und Bau zusammen veranschlagt war.

Das hat seitens der NASA einen verheerenden Anpassungsprozess ausgelöst. Sie startet nun mit Vorliebe Missionen bei denen weniger der wissenschaftliche Wert zählt als vielmehr die öffentlichkeitswirksame Wirkung. Auch versucht man die Zeit und Kosten einer Mission zu verringern, auch wenn der wissenschaftliche Nutzen darunter leidet. So hat die NASA schon mehrere Senatoren als Astronauten ins All geschickt, zuletzt als Doppelschlag Senator John Glenn - der erste Astronaut der USA. Doch gehen wir zurück zum Anfang....

Der Wettlauf zum Mond

Apollo Start In den späten Fünfziger Jahren und sechziger Jahren explodierte das NASA Budget förmlich und erreichte 1967 eine Höhe die sowohl in absoluten Zahlen wie auch in der Kaufkraft weitaus höher war als heute. Grund war dafür der politische Wille der ganzen Nation einen Wettlauf zu gewinnen: Der von John F. Kennedy ausgelöste Wettlauf zum Mond. Mögen die Sowjets den ersten Satelliten ins All geschickt haben, den ersten Menschen, die erste 3 Mann Besatzung oder den ersten Spaziergang im All gemacht haben - auf dem Mond würden die Amerikaner erste sein.

Als "Abfallprodukte" gab es eine Reihe von Mondsonden wie auch Missionen zu Mars und Venus die Nebenschauplätze des Wettrennens waren. Doch die NASA hatte überschätzt das die Öffentlichkeit es wirklich nur als Wettrennen sah: Nach der ersten Mondlandung von Apollo 11 hörte das öffentliche Interesse abrupt auf, fast wie wenn man nach dem olympischen 100 m Lauf nun noch einen zweiten Lauf um die Plätze 8-16 absolviert.... Das Budget für die Mondmissionen brach zusammen und es wurden 3 Landungen von Apollo 18-20 gestrichen. Gespart hat die NASA dabei wenig. Nach den Angaben kostete bis einschließlich dem Start von Apollo 11 das Apollo Programm 24 Mrd. USD. Nach Apollo 17 waren es dann 25.5 Mrd. USD. Das bedeutet die 6 nächsten Missionen hatten nur jeweils etwa 250 Millionen USD gekostet.

Warum dies? Nun die Hardware für Apollo war schon bestellt und bezahlt, zumeist auch schon gefertigt. Die Kosten des Apollo 11 Starts schlüsselten sich aber wie folgt auf:

Die USA konnten also nur etwa 69 Millionen USD pro gestrichenem Apollo Start sparen. Dafür verrotten nun 2 Saturn 5 Raketen, etliche LEM und Apollo Kapseln in Museen. Für die Missionen Apollo 18+19 wurde die Ersparnis berechnet und man kam auf 42.1 Millionen USD pro Flug, also weniger als ein Achtel der Startkosten oder etwa einem Viertel der Kosten der Mariner 6/7 Mission. Zu Spitzenzeiten des Apollo Programmes machte das NASA Budget 5.5 % des Gesamthaushaltes aus und mehr als die Hälfte davon entfielen auf Apollo.

Carter und Reagan

Space Shuttle In dem neuen Klima der Sparsamkeit hoffte die NASA mit einem neuen Konzept: Dem Space Shuttle Gelder zu gewinnen. Schlussendlich versprach dieser die Kosten für Starts um den Faktor 10 zu senken. Doch selbst hier war nur das einfachste Konzept durchzusetzen. Mit Carter kam der erste Präsident ins Amt, der gegen ein Weltraumprogramm war. Er kündigte Kooperationen mit den Sowjets für Missionen Saljut/Shuttle und damit kam die gerade beginnende Zusammenarbeit im Weltraum zwischen beiden Nationen wieder zum Erliegen. Das Space Shuttle erhielt allerdings Priorität, dagegen litten die wissenschaftlichen Programme unter einem knappen Budget. Am deutlichsten wird dies immer an der Planetenforschung: Der Spitze des wissenschaftlichen Raumprogramms. Starteten die USA von 1962 bis 1973 10 Mariner und 11 Pioneer Planetensonden, von 1976-1978 noch Viking, Voyager und Pioneer-Venus so kam unter Carter nur noch Galileo als Planetenmission in die Gänge.

Immer wenn man denkt es kann nicht schlimmer kommen, so wird man eines besseren belehrt. Nach Carter kam ein Präsident, der ein erklärter Gegner der Raumfahrt war: Reagan. Die 8 Jahre seiner Regierung waren ein Kahlschlag für das Raumfahrtprogramm der USA. Nicht nur, das fast kaum noch wissenschaftliche Missionen flogen, auch internationale Vereinbarungen wurden gebrochen, darunter litt vor allem die Zusammenarbeit mit Europa:

Zum Planetenprogramm ist nur zu sagen das es in 8 Jahren Reagan Regierung nur eine neue Planetensonde gab: Magellan zusammengebaut aus den Resten von Ingenieursmodellen alter Planetensonden. So verwundert es nicht das die kleine ESA mit einem Jahresbudget das der Bruchteil des NASA Budgets ist von 1980-1989 genauso viele Planetensonden wie die NASA startete. Dafür stieg der Etat des DoD für Weltraumaktivitäten vom halben NASA Etat im Jahre 1980 innerhalb von 6 Jahren auf den doppelten NASA Etat.

Reagan verdanken wir aber zwei Dinge:

Dies führte dazu, das Anfang der neunziger Jahren als Nachwehe von Reagan die amerikanische zivile Raumfahrt einen absoluten Tiefpunkt erreichte. Als ein GEOS Wettersatellit ausfiel, war auf Jahre kein Ersatz verfügbar und die NASA musste sich den europäischen Meteosat 3 von der ESA ausliehen, die immer zwei Wettersatelliten im operationellen Betrieb hat - Bei 10 mal kleinerem Budget. Als Landsat 5 im Jahre 1985 weitgehend ausfiel, musste man 8 Jahre auf den Nachfolger warten.

Raumsondenstarts USADie nachfolgende Grafik verdeutlicht dies sehr deutlich. Man sieht die Lücke in den Starts von 1980-1992. Da ein Präsident erst den nächsten Haushalt beeinflussen kann und Raumsonden Bauzeiten von 4-5 Jahren haben werden Folgen erst zeitverzögert sichtbar. So kann sich zum Beispiel George W. Bush noch bis 2007 an den Raumsonden erfreuen die noch von Clinton genehmigt wurden. Während der ersten 5 Jahre seiner Regierung wurde aber nur New Horizons neu gebaut. Das planetare Programm ist zwar nur ein Teilprogramm der NASA, aber es ist ein wichtiger Indikator. Wenn gespart wird oder wenn man zu neuen Horizonten aufbrechen will, dann ist meist dieses Programm betroffen.

Bush und Clinton

Bush begrub in aller Stille SDI und begann mit einer Zusammenarbeit mit den Sowjets, die schlussendlich unter Clinton zu ISS führen sollte. Und auch das wissenschaftliche Programm kam wieder in Gang, neue Planetensonden wie der Mars Observer wurden bewilligt.

Unter Clinton gab es eine weitere Wende. Die NASA selbst hoffte durch das Motto "Cheaper, Faster Better" eine größere Planungssicherheit zu schaffen. Neue Missionen sollten schnell verwirklicht werden, mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung der Industrie. Sie sollten dafür kleiner sein, mit dem Motto: "Anstatt einer Mammutmission lieber mehrere kleine" und dadurch auch preiswerter. In der Öffentlichkeit wurde dies begeistert aufgenommen, entsprach es doch dem Zeitgeist des flexiblen, schnellen Überfliegers....

Wissenschaftler warnten vor den Folgen. Die gravierendste ist, das man nicht jede "Mammutmission" in mehrere kleine teilen kann. Man kann z.B. Hubble nicht durch 4 halb so große Teleskope ersetzen, weil jedes weniger Licht sammelt und eine schlechtere Auflösung hat. Bestimmte Missionen sind einfach zu teuer um in das neue Raster der Discovery Sonden zu fallen, so z.B. Missionen zu den äußeren Planeten. Dazu kamen bald noch die Warnungen, das durch die Trennung der Kontrolle auf Industrie und NASA, Sicherheit durch Tests und Kontrollen verloren ging.

Eine zweite Schattenseite zeigte sich auch bald bei den Missionen: Die NASA erkannte bald das man am schnellsten und sichersten im Kongress zu Geld kam, wenn es Sonden waren die irgendwie mit der Frage mit Leben zusammen hingen. So gibt es bei den Planetarischen Discovery Sonden nur zwei Ziele: Mars und Kometen und Asteroiden.

Schon bald zeigte sich aber das die Forscher recht hatten. Zwar feierte die NASA 1997 die Landung von Mars Pathfinder als großen Sieg, aber die Sonde hatte nur zwei amerikanische Experimente an Bord und wäre ohne deutsche CCD's sogar blind gewesen, zudem arbeitete sie nicht einmal 3 Monate - die Vikings hatten 4 bzw. 6 Jahre gearbeitet. "Faster" hieß hier "Faster kaputt". Doch da die Öffentlichkeit nach 3 Monaten die Sonde schon vergessen hatte, war dies nicht so wichtig. Bei anderen Sonden gab es dagegen Probleme: Sowohl MGS wie auch NEAR mussten aus verschiedensten Gründen ihre Mission um ein Jahr verlängern, weil es Probleme gab.

1999 wurde dann zum Debakel für die Discovery Sonden in dieser Zeit fielen aus:

Die ISS hatte schon bis zum Jahre 2003 eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Nach Jahren des Planens und mehrfachen Namensänderungen wurde die ISS schließlich doch umgesetzt. Russland und die USA wollten sie als gleichberechtigte Partner aufbauen, dazu kamen noch substanzielle Beiträge von Europa und Japan und kleinere Beiträge von Kanada und Brasilien. Doch die unter Clinton beschlossene Raumstation stand unter einem schlechten Stern. Russland konnte durch den Zusammenbruch der Wirtschaft wesentlich weniger Module liefern und der Anteil der USA stieg an. Verhängnisvoll wahr auch, dass man auf den Space Shuttle für den Bau angewiesen ist. Das liegt nicht an der Masse der Module, sondern daran, dass sie in der Regel keinen Antrieb haben um von sich aus an die Station anzudocken.

Schon vor dem Verlust der Columbia war der Bau der Station im Verzug. während gleichzeitig die Kosten anstiegen. Die USA schlugen schon 2002 vor die Stammannschaft zu reduzieren und den Ausbau einzustellen, während Russland ihre maroden Finanzern durch die Mitnahme von Gästen aufbesserte. Im Jahre 2003 verunglückte dann die Columbia und dies bedeutet eine Einstellung der Space Shuttle Flüge. Die ISS sollte zuerst noch fertig gebaut werden, doch vor dem "Return to Flight" Start der Discovery am 27.7.2005 wurde schon von offizieller Seite verlautbart, man überlege nur noch 15 der 28 nötigen Flüge durchzuführen.

Die ISS wird wohl nicht fertig gestellt werden und ob ein wissenschaftlich einigermaßen sinnvoller Betrieb möglich steht noch in den Sternen. Das ganze hat natürlich auch politische Gründe. Bush hält nichts von der ISS, die unter seinem Vorgänger Gestalt annahm. Er will dagegen eine Wiederaufnahme der Flüge zum Mond. Ob diese aber noch Bestand haben, wenn 2008 ein neuer Präsident gewählt wird, darf bezweifelt werden.

Die Zukunft?

Hat die NASA etwas gelernt: Nein! Zwar werden nun die Projekte überprüft und gab 2001 nur eine anstatt zwei Marsmissionen, aber das Grundkonzept bleibt. Statt dessen kippte man das einzige Programm das im Zeitmangel ist: Die Raumsonde Pluto-Kuiper Express.

Wenn die Sonde später als 2004 gestartet wird, dann kann sie nicht mehr Jupiter passieren, der sowohl die Reisezeit verkürzt wie auch eine kleinere Trägerrakete möglich macht. Vor allem aber muss die Sonde vor 2014 am Pluto ankommen, denn der dieser entfernt sich von der Sonne und verliert dadurch seine Atmosphäre die dann ausfriert. Dann fällt aber eines der wichtigsten wissenschaftlichen Ziele für mindestens 200 Jahre weg. Die Pläne der USA trafen allerdings auf massiven Widerstand nicht nur in der wissenschaftlichen Gemeinde sondern auch in der Öffentlichkeit (schließlich wurde Pluto von einem Amerikanern entdeckt). So konnte die Mission in abgespeckter Form als New Horizons im Jahre 2006 starten. Ob die Atmosphäre wenn die Sonde 2015 ankommt noch vorhanden ist muss sich noch zeigen.

Dabei kann die NASA sehr einfach Geld sparen. Sie schmeißt es nämlich mit vollen Händen zum Fenster raus! Wie? Nun Sie führt unwirtschaftliche Shuttle Flüge aus. Die Shuttles verursachen pro Jahr Kosten von 3-4 Mrd. Dollar. Dies für 6-8 Flühe pro Jahr. Dann sind auch US Träger nicht gerade preiswert, oder warum startet Ariane 60 % aller kommerziellen Satelliten? Auch hier gäbe es jedes Jahre einige Hundert Millionen Dollar zu sparen, die man den Programmen selber zur Verfügung stellen kann. Aber das wäre ja ein Verlust an nationalem Prestige: Es ist schließlich prestigeträchtig wenn man auf 40 Jahre alten Trägerraketen seine Satelliten startet während die Konkurrenz preiswerter mit der neuesten Technik fliegt.

Wenige Wochen nach der Bekanntgabe der Einstellung von Pluto-Kuiper-Express bewilligte Clinton den Haushalt 2001/02 der NASA. In diesem sind 221 Mill. USD für einen Satelliten ausgewiesen, der nur einen Zweck hat: aus einem Librationspunkt (einem Punkt 1.5 Mill. km von der Erde entfernt zwischen Erde und Sonne) Bilder der beleuchteten Erde zu senden. Wissenschaftler wandten ein, das diese Mission überhaupt keinen wissenschaftlichen Wert hat, aber ihr Initiator heißt Al Gore - gibt es einen besseren Beweis für die Verquickung von Politik und Raumfahrt?

Noch schlimmer sind allerdings Mammutprogramme wie der Space Shuttle, die ISS oder ab 2004 der neue Aufbruch zum Mars. Denn jedes Mal wenn ein solches Projekt aufkam bekam die NASA nicht mehr Geld, sondern musste dieses zusätzlich finanzieren. Der Shuttle führte dazu dass man in den späten Siebzigern bis Anfang der achtziger kaum noch Satelliten startete. Auch für Bushs neue Träume vom Mars sind von 2004-2008 12 Mrd. USD im NASA Budget ausgewiesen. Davon bekommt die NASA 1 Mrd. zusätzlich. Die restlichen 11 muss sie aus dem normalen Haushalt durch Umschichten aufbringen. Da wegen des noch nicht vollständigen ISS Ausbaus die Shuttleflüge kaum reduziert werden können geht dies - wie bisher immer zu Kosten von unbemannten Missionen.

Budget 2005Diese offizielle NASA Grafik zeigt dies. Die rote gestrichelte Linie entspricht dem Budget von 2005 übertragen auf die erwartete Inflation. Es wird also deutlich, dass die NASA selbst nicht mehr Geld erhält um ein Mondprogramm zu finanzieren. Einem höheren Budget 2010 und 2013-2016 steht ein geringeres 2011 und 2017-2019 gegenüber.

Das ganze soll finanziert werden indem zuerst man die Kosten für den Space Shuttle, ab 2017 auch die der ISS einspart - nachdem man sie dann gerade mal 5 Jahre lang im vollen Ausbaustadium genutzt hat. Auch der Space Shuttle Ersatz CEV und die Technologie sowie andere Aktivitäten müssen zurückstecken, denn ihr Budget bleibt gleich oder steigt nur langsam, während die Aktivitäten für Bush's Vision im Jahre 2020 zwei Drittel des NASA Budgets ausmachen.

Europäische Erfahrungen

Das Problem in den USA das Projekte, die schon nahezu fertig sind und in die man schon Unsummen investiert hat, einfach gekippt werden ist nicht nur ein nationales. Seit in den Siebzigern die Raumfahrt international wurde, ist auch Europa davon betroffen. Die schon erwähnten Kürzungen des zivilen Weltraumetats unter Reagan betrafen auch europäische Projekte: So sollten zu Halley nicht nur russische und japanische Sonden fliegen, sondern auch eine europäische und amerikanische. Hier war die Zusammenarbeit lose, so das dies keine Auswirkung auf das Projekt hatte. Giotto als europäischer Betrag wurde gestartet. Amerika entsandte als führende Weltraumnation keine Sonde. Problematischer war die Zusammenarbeit beim Projekt ISPM - einem Sondenpaar das die Sonne auf einer polaren Umlaufbahn umkreisen sollte. Von der Erde aus sehen wir die Pole nie. Eine amerikanische Sonde sollte den Südpol erkunden, während zur gleichen Zeit eine europäische am Nordpol ist. Hier war die Verzahnung eng und das rächte sich : Die amerikanische Sonde wurde gestrichen, die europäische in Ulysses umbenannt. Mehr noch: Es entstanden Mehrkosten, weil der Shuttle als Träger (Im Gegenzug für die Hälfte der Experimente - die Europäer sollten auf der Amerikanischen auch die Hälfte stellen...) nicht zur Verfügung stand und man die Sonde 5 Jahre einlagern musste.

Doch das alles sind "Peanuts" im Vergleich zu den Erfahrungen bei der bemannten Raumfahrt. Warum? Weil hier das Engagement der deutschen Regierung in der ESA am größten ist. Und jede deutsche Regierung konnte bislang "Amerikanische Einladungen" zur Zusammenarbeit nicht ausschlagen. Dies begann mit dem Spacelab. Das Spacelab ist ein Raumlabor das im Shuttle mitfliegt und durch verschiedene Segmente sehr flexibel ist. Es ist sogar relativ preiswert gewesen und blieb im Zeitplan (1.5 Mrd. DM, davon 53 % von der BRD bezahlt). Was nicht im Plan blieb, waren der Startplan und die Kosten des Shuttles. Man hatte sich schon beim Abschluss über den Tisch ziehen lassen - Die USA bekamen das Spacelab geschenkt - für einen "halben" Shuttleflug (Die Hälfte der Experimente und ein Wissenschaftler aus Europa). Sie kauften später noch ein zweites, doch es blieb ein Verlust, denn die kleine ESA konnte sich nicht viele Spacelabflüge leisten - kostete inzwischen doch ein Shuttleflug anstatt 24 Mill. USD nun 200 Mill. USD!

Ariane 1 StartAls hätte man nichts daraus gelernt ging man in die nächste Runde. Während der ganzen achtziger Jahre gab die Reagan/Bush Administration zirka 8 Mrd. USD nur für die Planung einer Raumstation die zuerst Freedom, dann Alpha und schließlich ISS heißen sollte. Auch Europa hatte damals Pläne für eine Raumstation die alleine, aber auch zusammen mit Alpha operieren konnte. Doch das Unterhalten von drei Programmen: Columbus/PP, Hermes (kleiner Shuttle) und Ariane 5 wurde zu teuer und man begab sich wieder in Abhängigkeit von den USA. Columbus wurde ein Modul von ISS und der Anteil an den Operationskosten wurde mit 9 Flügen eines Versorgungsvehikels namens ATV bezahlt (wenigstens hier hatte man etwas gelernt: Das wird mit der Ariane gestartet...)

Doch was ist unter der Regierung Bush? Die ISS wird nicht weiter ausgebaut, die Mannschaft auf 3 Personen gekürzt: Wieder haben Europäer (und diesmal auch Kanadier und Japaner) Milliarden in den Sand gesetzt. Denn diese sind natürlich dann nicht dabei. Dabei ist diese Vorgehensweise der Amerikaner nicht nur Vertragsbruch, sondern auch kurzsichtig: Man braucht bei einer Station wie der ISS alleine 2-3 Personen nur um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Es findet also nahezu keine Forschung mehr statt, die ISS ist dadurch eigentlich überflüssig geworden. Noch schlimmer: Man spart nicht einmal viel. Denn das meiste Material zur ISS hätte ein unbemannter europäischer Transporter namens ATV gebracht. Dieser wäre der Europäische Kostenbeitrag gewesen. Nun muss dieser durch mindestens einen Shuttle Flug pro Jahr (eher zwei) ersetzt werden. Bei Startkosten in der Größenordnung von 500 Mill. US USD ist dies sicher über 15 Jahre nicht billiger als der geplante Komplettausbau. Dies alles weil ein von den USA zu entwickelndes Rettungsboot, der X-38 zu teuer wird. Auch hier wieder die Verquickung von Politik und Raumfahrt - man hätte ja 2 Sojus Kapseln nehmen können, das wäre noch dazu preiswerter gewesen, aber nein, dann verliert man ja nationales Prestige. Prestige heißt in diesem Fall: Wir machen alles alleine egal wie teuer es ist, weil wir es können.

Doch hat Europa auch gelernt: Die Weigerung der NASA kommerziell nutzbare Kommunikationssatelliten Anfang der siebziger Jahre zu transportieren hat zur Entwicklung von Ariane und einer europäischen Industrie die Kommunikationssatelliten entwickelt geführt. Bei Ariane ist es mittlerweile so das sie über 50% des freien Marktes erobert hat und auch europäische Satelliten gewinnen langsam Marktanteile.

Allerdings kann es nicht das Ziel sein um jeden Preis unabhängig zu sein: Es ergibt z.B. keinen Sinn zusätzlich zu den existierenden Netzen Glonass und Navstar noch ein drittes GPS System aufzubauen, wie dies derzeit geplant ist. Es ist auch zweifelhaft ob die Rechnung, die Kosten kämen durch Lizenzen bei den Empfängern wieder herein aufgeht.

Bücher vom Autor

Es gibt von mir vier Bücher zum Thema bemannte Raumfahrt. Alle Bücher beschäftigen vor allem mit der Technik, die Missionen kommen nicht zu kurz, stehen aber nicht wie bei anderen Büchern über bemannte Raumfahrt im Vordergrund.

Mein erstes Buch, Das Gemini Programm: Technik und Geschichte gibt es mittlerweile in der dritten, erweiterten Auflage. "erweitert" bezieht sich auf die erste Auflage die nur 68 Seiten stark war. Trotzdem ist mit 144 Seiten die dritte Auflage immer noch kompakt. Sie enthält trotzdem das wichtigste über das Programm, eine Kurzbeschreibung aller Missionen und einen Ausblick auf die Pläne mit Gemini Raumschiffen den Mond zu umrunden und für eine militärische Nutzung im Rahmen des "Blue Gemini" und MOL Programms. Es ist für alle zu empfehlen die sich kurz und kompakt über dieses heute weitgehend verdrängte Programm informieren wollen.

Mein zweites Buch, Das ATV und die Versorgung der ISS: Die Versorgungssysteme der Raumstation , das ebenfalls in einer aktualisierten und erweiterten Auflage erschienen ist, beschäftigt sich mit einem sehr speziellen Thema: Der Versorgung des Raumstation, besonders mit dem europäischen Beitrag dem ATV. Dieser Transporter ist nicht nur das größte jemals in Europa gebaute Raumschiff (und der leistungsfähigste Versorger der ISS), es ist auch ein technisch anspruchsvolles und das vielseitigste Transportfahrzeug. Darüber hinaus werden die anderen Versorgungsschiffe (Space Shuttle/MPLM, Sojus, Progress, HTV, Cygnus und Dragon besprochen. Die erfolgreiche Mission des ersten ATV wird nochmals lebendig und ein Ausblick auf die folgenden wird gegeben. Den Abschluss bildet ein Kapitel über Ausbaupläne und Möglichkeiten des Raumfrachters bis hin zu einem eigenständigen Zugang zum Weltraum. Die dritte und finale Auflage enthält nun die Details aller Flüge der fünf gestarteten ATV

Das Buch Die ISS: Geschichte und Technik der Internationalen Raumstation ist eine kompakte Einführung in die ISS. Es wird sowohl die Geschichte der Raumstation wie auch die einzelnen Module besprochen. Wie der Titel verrät liegt das Hauptaugenmerk auf der Technik. Die Funktion jedes Moduls wird erläutert. Zahlreiche Tabellen nehmen die technischen Daten auf. Besonderes Augenmerk liegt auf den Problemen bei den Aufbau der ISS. Den ausufernden Kosten, den Folgen der Columbia Katastrophe und der Einstellungsbeschluss unter der Präsidentschaft von George W. Bush. Angerissen werden die vorhandenen und geplanten Transportsysteme und die Forschung an Bord der Station.

Durch die Beschränkung auf den Technischen und geschichtlichen Aspekt ist ein Buch entstanden, das kompakt und trotzdem kompetent über die ISS informiert und einen preiswerten Einstieg in die Materie. Zusammen mit dem Buch über das ATV gewinnt der Leser einen guten Überblick über die heutige Situation der ISS vor allem im Hinblick auf die noch offene Versorgungsproblematik.

Die zweite Auflage ist rund 80 Seiten dicker als die erste und enthält eine kurze Geschichte der Raumstationen, die wesentlichen Ereignisse von 2010 bis 2015, eine eingehendere Diskussion über die Forschung und Sinn und Zweck der Raumstation sowie ein ausführliches Kapitel über die Versorgungsraumschiffe zusätzlich.

Das bisher letzte Buch Skylab: Amerikas einzige Raumstation ist mein bisher umfangreichstes im Themenbereich bemannte Raumfahrt. Die Raumstation wurde als einziges vieler ambitioniertes Apollonachfolgeprojekte umgesetzt. Beschrieben wird im Detail ihre Projektgeschichte, den Aufbau der Module und die durchgeführten Experimente. Die Missionen und die Dramatik der Rettung werden nochmals lebendig, genauso wie die Bemühungen die Raumstation Ende der siebziger Jahre vor dem Verglühen zu bewahren und die Bestrebungen sie nicht über Land niedergehen zu lasen. Abgerundet wird das Buch mit den Plänen für das zweite Flugexemplar Skylab B und ein Vergleich mit der Architektur der ISS.  Es ist mein umfangreichstes Buch zum Thema bemannte Raumfahrt. Im Mai 2016 erschien es nach Auslaufen des Erstvertrages neu, der Inhalt ist derselbe (es gab seitdem keine neuen Erkenntnisse über die Station), aber es ist durch gesunkene Druckkosten 5 Euro billiger.

Mehr über diese und andere Bücher von mir zum Thema Raumfahrt finden sie auf der Website Raumfahrtbücher.de. Dort werden sie auch über Neuerscheinungen informiert


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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