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Wasser ist doch Wasser oder?

Nun ja, nicht immer, zumindest nicht wenn man "in" sein will. Eine der Seiten im Bereich Ernährung, zu denen ich am meisten Anfragen bekomme, ist die über Mineralwasser und worauf man achten muss. Entstanden ist sie, als noch als mein Vater lebte und ich bei der Auswahl des Mineralwassers beteiligt war. Ich habe dann immer auf einen hohen Calcium-, Magnesium- und Fluorgehalt geachtet. Ansonsten gab es für mich keine Markenpräferenzen und ein mittelteures Wasser war unsere bevorzugte Wahl (damals Obernauer Quelle). Nun habe ich keinen Führerschein und inzwischen kommt mein Wasser aus der Wasserleitung, früher ergänzt durch einige Brausetabletten mit Cola oder Orangengeschmack und ab und an eine Calcium oder Magnesiumtablette.

Bei vielen stoße ich dann auf Unverständnis: Wasser aus der Wasserleitung - Wie kann man denn das trinken? Ja warum eigentlich nicht? Es ist das am besten kontrollierte Lebensmittel und bis zur Grundstücksgrenze weitgehend schadstofffrei. Die Zusammensetzung schwankt natürlich je nach Ort, aber die Anforderungen der Trinkwasserverordnung an die Belastung mit vielen Stoffen sind strenger als bei Mineralwasser. Wenn man mit dem Wasser kochen kann oder Kaffee zubereiten, warum nicht auch trinken?

Das Risiko liegt in ihrer Wasserleitung im Haus. Altbauten aus der Jahrhundertwende haben oft Bleirohre. Das Blei löst sich langsam im Wasser auf. Dann sollte man vor allem morgens wenn das Wasser lange stand erst mal ein paar Minuten das Wasser ablaufen lassen. Blei ist ein Blutgift und besonders Säuglinge sind hier sehr empfindlich. Bei neueren Gebäuden besteht das Risiko weitaus weniger. Es kann im Leitungssystem Korrosion geben, von alleine oder forciert durch Verbinden von Kupfer und Eisenrohren. Kennzeichen ist dann braunes Wasser. Das schmeckt zwar nicht gut und sieht unappetitlich aus, aber es ist völlig harmloses Eisen (III), würde also sogar noch ihren Eisenbedarf decken. Auch hier: Einfach laufen lassen bis klares Wasser kommt. Das Kupfer kann sich nicht lösen, da es chemisch edler als das Eisen ist. Es gibt aber eine andere Gefahr und die liegt im Messing. Messing ist eine Kupfer-Zinklegierung wobei es nicht "das" Messing gibt, sondern sehr viele Legierungen. Messing wird auch im Sanitärbereich eingesetzt. Wird eine Legierung eingesetzt die einen hohen Gehalt an Blei und/oder Arsen aufweist, so kann das Wasser wenn es steht soviel Blei/Arsen aufnehmen, dass die Grenzwerte überschritten werden. Im Normalfall sollten im Sanitärbereich bleiarme und arsenarme Messunglegierungen eingesetzt werden, doch das scheint nicht immer gegeben zu sein. Für Allergiker sind auch vernickelte Messingteile bedenklich, da sich aus Ihnen Nickel lösen kann.

Doch bei den meisten Haushalten ist das Wasser aus der Leitung frei von Belastungen. Seltsamerweise sind aber alle "Marken" die überregionale Bedeutung haben und von nichts ahnenden Prominenten beworben oder empfohlen werden recht mineralstoffarm. Hier mal eine Übersicht über die drei wichtigsten Inhaltsstoffe von Mineralwässern und ihrem Vorkommen in einigen bekannten und unbekannten Marken:

Wasser Calcium Magnesium Fluor
Evian 78 mg/l 24 mg/l 0.02  mg/l
Vittel 91 mg/l 19 mg/l 0.14 mg/l
Volvic 11.5 mg/l 8 mg/l 0.20 mg/l
Apollinaris 94 mg/l 115 mg/l 0.68 mg/l
Aquarel 101 mg/l 22.7 mg/l 0.31 mg/l
Göppinger Mineralwasser 293 mg/l 93 mg/l 0.48 mg/l
Ensinger 528 mg/l 124 mg/l 0.24 mg/l
Obernauer Löwensprudel 601 mg/l 82.7 mg/l 0.73 mg/l
Marius Quelle 408 mg/l 85 mg/l -
Landeswasser Baden-Württemberg 75.3 mg/l 10.6 mg/l 0.06 mg/l
Bodenseewasser 50.6 mg/l 7.71 mg/l 0.08 mg/l
Tagesbedarf 800 mg 300-350 mg 1.0 mg

Als Vergleich wurde Bodenseewasser, das beim Autor aus der Leitung sprudelt, herangezogen. Es ist relativ mineralstoffarm. Schon einige Kilometer weiter gibt es Landeswasser mit etwa 50% höheren Calcium- und Magnesiumwerten. Weiterhin wurden einige mineralstoffreiche Mineralwässer mit regionaler Bedeutung angegeben.

Von den Markenwässern ragen nur die Werte von Apollinaris und Aquarel heraus. Der Magnesiumgehalt von Apollinaris ist gut, der Fluoridgehalt sogar sehr hoch. Der Calciumgehalt dagegen eher gering (Süddeutsche Mineralwässer gewonnen aus Kalkböden wie Ensinger, Obernauer oder Mariusquelle kommen hier auf 400-600 mg/l). Säuglingen würde ich es nicht verabreichen. Nach den Messungen des Bundesamtes für Strahlungsschutzes hat es den fünfhöchsten Strahkenwert von 401 untersuchten Mineralwässern. 100 µSv sollten es sein, 436 µSv wurden gemessen. Die stille Variante von Apollinaris hat nur 52 mg/l Calcium, 52 mg/l Magnesium pro Liter. Dies und aromatisierte Varianten des Wassers zeigen, dass es nachträglich verändert wurde.

Aquarel leistet noch einen kleinen Beitrag zur Bedarfsdeckung vor allem bei Fluorid. Alle anderen Wässer haben sehr geringe Mineralstoffwerte. Volvic ist sogar so mineralstoffarm, dass es sich gut für den Tee und als Kühlflüssigkeit für ihr Auto eignet. Ich würde es als leicht verunreinigtes destilliertes Wasser bezeichnen. Der gesamte Mineralstoffgehalt beträgt nur 130 mg/l. Damit ist es eindeutig ein mineralstoffarmes Wasser (<500 mg/l) und wäre bevor die EU durchsetztem, dass unsere Mineralwasserverordnung, die sich an einem ernährungsphysiologischen Wert orientierte, reformiert werden muss nicht als Mineralwasser bei uns zugelassen worden, sondern hätte vor einigen Jahren noch als "Tafelwasser" bezeichnet werden müssen.

Der einzige Vorteil aller Mineralwässer ist, dass sie durch die Tiefe aus der Sie gewonnen werden fast kein Nitrat und Nitrit enthalten. Das ist in Oberflächenwasser fast immer der Fall. Es kommt durch die Düngung in den Boden, wird aber auch von den Gesteinsschichten recht gut gebunden. So enthält Bodenseewasser 4.34 mg/l Nitrat und Landeswasser schon  22.7 mg/l. Das ist zwar noch unterhalb des Grenzwertes von 50 mg/l, aber nicht viel und es ist nahe an dem Wert von 25 mg/l, welches Wasser nicht überschreiten sollte, welches für Säuglingsernährung gedacht ist. Allerdings gilt dies auch  für alle Mineralwässer mit nur lokaler Bedeutung, denn Nitrat wird von Bodenschichten sehr gut filtriert. Fast alle Oberflächenwasser sind fluoridarm, denn dieses Element befindet sich vor allem in tieferen Schichten mit Calciumapatitgestein. Es wird aus den oberflächennahen Schichten ausgewaschen und diese sind dann fluroidarm.

Ein gutes Mineralwasser deckt einen Teil des täglichen Bedarfs an Calcium, Magnesium und Fluorid. Bei Calcium und Fluorid ist dies leicht möglich. 50% des Tagesbedarfs liefern Wässer mit mehr als 400 mg/l Calcium und mehr als 0.5 mg/l Fluorid. (Tagesbedarf: 800 mg bzw. 1 mg). Das schaffen sehr viele Wassersorten die aus Quellen stammen mit Kalkgrundgestein, wie wir es hier im Neckarraum haben. Magnesium findet sich in Gesteinen sehr wenig. Es gibt nur wenige Mineralwässer die mehr als 100 mg/l aufweisen. (Tagesbedarf rund 300 mg).

Warum sind die Markenwässer so mineralstoffarm? Nun sie stammen in der Regel aus sehr tiefen Quellen unter Granit- oder Basaltgestein. Aus diesem kann man keine Mineralstoffe herauslösen. Im Extremfall, wenn wie bei Volvic vulkanische Gesteinsschichten aus Puzzolan, Andesit und Basalt passiert, werden wird das Wasser sogar von gelösten Mineralstoffen befreit und man bekommt etwas verunreinigtes destilliertes Wasser....

Nun werden Sie sagen "Aber ich kaufe mein Wasser weil es mir schmeckt". Nun ja, eigentlich schmeckt Wasser nach nichts. Einen Geschmack bekommt es nur durch die in ihm gelösten Stoffe. Lassen wir einmal kohlensäurehaltige Wässer beiseite, bei denen die Kohlensäure durch ihr Prickeln erfrischend wirkt und auch durch die Bildung von Hydrogencarbonat im Wasser den Geschmack verändert.

Von den gelösten Stoffen die im Wasser vorhanden sind haben folgende eine Bedeutung;

Apollinaris hat daher einen ausgeprägten, leicht salzig-seifigen Geschmack. Die anderen Markenwässer enthalten viel zu wenig gelöste Salze um einen Eigengeschmack aufweisen zu können. Dies wurde auch sowohl bei Verkostungen mit Profis wie auch bei zahlreichen Aktionen, in denen man auf der Straße Passanten ihr Lieblingswasser aus mehreren Markenwässern heraus raten musste bestätigt: Die Wasser haben keinen Eigengeschmack und sind nur durch die Kohlensäure unterscheidbar. Bei den stillen Sorten entfällt auch dieses Kriterium.

Bücher vom Autor

Zum Thema Ernährung, Lebensmittel und Lebensmittelchemie/recht sind bisher vier Bücher von mir erschienen:

Das Buch „Was ist drin?“ wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung. Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geografischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist. 2012 erschien eine Neuauflage, erweitert um 40 Seiten. Sie trägt zum einen den geänderten Gesetzen Rechnung (neue Zusatzstoffe wurden aufgenommen, Regelungen über Lightprodukte beschrieben) und zum anderen ein Stichwortregister enthält, das sich viele Leser zum schnelleren Nachschlagen gewünscht haben.

Wie sich zeigte, haben die meisten Leser das Buch wegen des zentralen Teils, der die Zusatzstoffe beinhaltet, gekauft. Ich bekam auch die Rückmeldung, dass hier eine Referenztabelle sehr nützlich wäre. Ich habe daher 2012 diesen Teil und den Bereich über Lebensmittelrecht nochmals durchgesehen, um die neu zugelassenen Zusatzstoffe ergänzt und auch um neue Regelungen, wie bei der Werbung mit nährwertbezogenen Angaben. Ergänzt um eine Referenztabelle gibt es nun die zwei mittleren Teile als eigenes Buch unter dem Titel "Zusatzstoffe und E-Nummern" zu kaufen.

Nachdem ich selbst über 30 kg abgenommen habe, aber auch feststellen musste wie wenig viele Leute von Ernährung oder der Nahrung wissen, habe ich mich daran gemacht einen Diätratgeber "der anderen Art" zu schreiben. Er enthält nicht ein Patentrezept (wenn auch viele nützliche Tipps), sondern verfolgt den Ansatz, dass jemand mit einer Diät erfolgreicher ist, der genauer über die Grundlagen der Ernährung, was beim Abnehmen passiert und wo Gefahren lauern, Bescheid weiß. Daher habe ich auch das Buch bewusst "Das ist kein Diätratgeber: ... aber eine Hilfe fürs Abnehmen" genannt. Es ist mehr ein Buch über die Grundlagen der Ernährung, wie eine gesunde Ernährung aussieht und wie man dieses Wissen konkret bei einer Diät umsetzt. Es ist daher auch Personen interessant die sich nur über gesunde Ernährung informieren wollen und nach Tipps suchen ihr Gewicht zu halten.

Das Buch "Was Sie schon immer über Lebensmittel und Ernährung wissen wollten" wendet sich an alle, die zum einen die eine oder andere Frage zu Lebensmitteln und Ernährung haben, wie auch die sich für die Thematik interessieren und auf der Suche nach weitergehenden Informationen sind. Während andere Autoren zwar auch populäre Fragen aufgreifen und diese oft in einigen Sätzen beantworten und zur nächsten Frage wechseln, habe ich mich auf 220 Fragen beschränkt, die ich mehr als Aufhänger für ein Thema sehe, so hat das Buch auch 392 Seiten Umfang. Jede Frage nimmt also 1-2 Seiten ein. Sie sind nach ähnlichen Fragestellungen/Lebensmitteln gruppiert und diese wieder in vier Sektionen: zwei Großen über Lebensmittel und Ernährung und zwei kleinen für Zusatzstoffe und Lebensmittelrecht/Werbung. Man kann das buch daher von vorne bis hinten durchlesen und so seinen Horizont erweitern, aber auch schnell mal nach einer Antwort suchen.

Sie erhalten alle meine Bücher über den Buchhandel (allerdings nur auf Bestellung), aber auch auf Buchshops wie Amazon, Libri, Buecher.de und ITunes. Sie können die Bücher aber auch direkt bei BOD bestellen.

Mehr über diese Bücher und weitere des Autors zum Themenkreis Raumfahrt, finden sie auf der Website Raumfahrtbucher.de.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.