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Web Log Teil 592: 31.5.2020 - 20.6.2020

31.5.2020: Die Zahl für heute: 12

Ich möchte mal eine neue Rubrik anfangen, und zwar mit kurzen Blogs über ein Aufhängerthema festgemacht an einer Zahl. Auf das heutige Thema stieß ich wegen des Todes von George Floyd, der nun zu Ausschreitungen in den USA geführt hat. Die Nationalgrade und Militärpolizei mussten in einigen Bundesstaaten eingesetzt werden um (kein Witz) die Polizei zu beschützen in einigen Bundesstaaten wurde auch der Ausnahmezustand ausgerufen,

Als der Vorfall bekannt wurde, kam im Fernsehen eine Grafik, in der gezeigt wurde, das in den USA 12 Weiße pro 1 Million Einwohner durch Polizeigewalt sterben, aber 23 mit lateinamerikanischer Hautfarbe und 30 Schwarze, es also statistisch für einen Schwarzen zweieinhalb Mal so wahrscheinlich ist, durch die Polizei getötet zu werden. Nun sagte mir die Zahl von 12 (bzw. 23, 30) pro 1 Million nichts und ich habe das mit 82 Millionen multipliziert und kam auf etwa 1000 bis 2400 für die 82 Millionen Einwohner der BRD. Das erschien mir so viel. Soweit ich mich erinnere, gab es vor Jahren nicht mal 1000 Tote durch Mord in der BRD. Wäre das bei uns auch so, dann würde man sicher um die Polizei einen großen Bogen machen. Sie hat bei uns aber nicht den Ruf Leute abzuknallen, sondern eher „Dein Freund und Helfer“. Ich fand auf Statista dann die Zahl der durch die Polizei erschossenen. Es mag sicher noch andere Tote durch die Polizei gegeben haben. Das sind wenige. Weil es so wenige sind, schwankte die Zahl in den letzten 30 Jahren auch zwischen 3 und 21, aber im Schnitt waren es mit wenigen Ausreißern etwa 10 bis 12 pro Jahr. Das sind also rund 100-mal weniger (pro 1 Million Einwohner) als in den USA, und zwar wenn man die Zahl 12 für die Weißen nimmt. Noch bedeutsamer: die Zahl der Morde ist bei uns rückläufig. Waren es 2000 noch 497, so waren es 2019 nur noch 245, wobei das aber ein Ausreißer nach unten ist. Im Schnitt waren es in den letzten 20 Jahren etwa 400, was pro 1 Million Einwohner dann 5 Morde sind. Daraus ergibt sich das die Polizei in den USA für ihre Bürger etwa 2,5 bis 6 mal gefährlicher ist als die Kriminellen für uns.

Würde mir zu denken geben, wenn ich US-Bürger wäre. Doch dort scheint man ja anderer Ansicht zu sein. Vor einigen Jahren gab es Unruhen, als der 17 jährige Teenager Trayvon Martin erschossen wurde, weil er einer Nachbarschaftswache "verdächtig" erschien und diese Wache dann freigesprochen wurde und immer wieder gibt es bei uns Meldungen, wonach Leute erschossen werden, nur weil sie das Grundstück beteten haben – das ist in 33 Bundesstaaten offenbar legal.

Die USA – das Land des unbegrenzten Wahnsinns

1.6.2020: Die Zahl für heute: 1,7

Nachdem die Dragon angedockt ist möchte ich doch noch mal an sie erinnern, und zwar, mit den Worten des großen Vorsitzenden Elon Musk:

"From a SpaceX standpoint, we actually expect to be ready to transport crew in 2016, about a year sooner than NASA needs it," Musk said. "NASA wants to be a little cautious in the timing of things, so they don't want to count on us being there in 2016, but we feel fairly confident that the vehicle will be ready in two years."

Gesamt am 29.5.20914, also ziemlich genau sechs Jahre vor dem Start. In meiner eigenen Recheneinheit, dem Musk, das die Verspätung seitens SpaceX angibt sind dies 1,7 Musk, berechenbar aus der Differenz zwischen 29.5.2014 und Start am 30.5.2020 und Ankündigung des Starts zum 31.12.2016 (kein Monat im Statement angegeben, ich habe aber noch in Erinnerung, das es auch ein Statement it einem Startzeitpunkt September oder Oktober 2016 gibt, also noch etwas früher das wären dann 1,8 Musk. Leider finde ich das nicht mehr und bei Google wird man mit Meldungen zum aktuellen Demo-2 zugemüllt). Immerhin besser als die Verzögerung des Jungfernflugs der Falcon Heavy, die am 5.4.2011 wie folgt angekündigt wurde:

„Falcon Heavy will arrive at our Vandenberg, California, launch complex by the end of next year, with liftoff to follow soon thereafter.“.

Das war maximal 21 Monate in der Zukunft, der Start fand dann 62 Monate später statt, mithin 2,9 Musks. Ich bin mal gespannt, ob das Starship das noch überbietet. Denn wie sagte der große Vorsitzende Elon Musk am 28.9.2018:

“This is going to sound totally nuts, but I think we want to try to reach orbit in less than six months,” Musk said. “Provided the rate of design improvement and manufacturing improvement continues to be exponential, I think that is accurate to within a few months.“

Also um den Musk-wert von 2,9 der Falcon Heavy zu überbieten, müsste der Start nur 18 Monate (3,0 * 6) nach Ankündigung mithin bis zum 31.3.2021 erfolgen. Ich drücke SpaceX die Daumen, das sie einen neuen Rekord aufstellen!

5.6.2020: Die Zahl für heute: 20 Milliarden

20 Milliarden, das ist es was es den Bund kostet wenn für ein halbes Jahr die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 bzw. für Güter, die "lebensnotwendig" sind wie Lebensmittel (aber auch Bücher) von 7 auf 5 % erniedrigen.

Ich war erstaunt, denn in beiden Fällen ist das keine echt große Absenkung. Prozentual sind es 1/6 und 2/7 und dann nur für ein halbes Jahr. Daraus kann man ableiten, dass die Mehrwertsteuer für enorme Steuereinnahmen sorgt.

Ich habe nachgeschaut und es sind tatsächlich 183,1 Milliarden Euro, die 2019 so erlöst wurden. Da ich gerade vor einigen Tagen meine Steuererklärung abgab, die seit drei Jahren um zwei weitere Formulare gewachsen ist und ich nun für die Abschreibung meiner PV-Anlage noch mal eines brauche (das ich aber nicht in Elster fand) fragte ich mich, wofür ich noch eine Einkommenssteuer abgeben muss. Die ist bekanntlicherweise umständlich und unverständlich ist mit so verständlichen Formulierungen wie „Gewinne im Sinne von §4 Abs. 5b des ….-Gesetzes“. Da frage ich mich, warum man nicht, da man ja sowieso das Geld das übrig bleibt, entweder ausgibt oder anlegt und bei Kapitalerträgen ja auch automatisch die Kapitalertragssteuer abgezogen wird, man nicht diese automatisch einbehaltenden Steuern ausweitet und die individuell erhobenen Steuern mit der Umständlichkeit ihrer Erklärung abschafft.

Immerhin kann man so errechnen, wie viel Umsatz und Anteile auf die beiden Steuersätze entfällt. Die 20 Mrd. Mindereinnahmen gelten ja nur für ein halbes Jahr. Für ein ganzes Jahr sind es 40 Mrd. Nennen wir die unbekannten Anteile für den Umsatz mit reduziertem Steuersatz a und mit normalem Steuersatz b, so gilt:

183,1 Mrd. = a * 0,07 + b * 0,19

und

40 Mrd. = a* 0,02 + b * 0,03

Löst man beide Gleichungen nach a auf, so erhält man:

2615,7 Mrd. = a + 2,71 b

2000 Mrd. = a + 1,5 b

Daraus kann man b errechnen:

615,7 Mrd. = 1,21 b

b = 509 Mrd.

Und b in eine der beiden Gleichungen eingesetzt:

40 Mrd. = 0,02 a + 509 Mrd. * 0,03 b

a = 1236,7 Mrd.

Von den 183,1 Mrd. Steuereinnahmen entfallen 86,6 Mrd. Auf den reduzierten Steuersatz, und 96,5 Mrd. auf den normalen Satz. Das meiste geben Deutsche also für Güter aus bei denen der Satz niedrig ist. Bei den Einnahmen sind durch den höheren Satz beide Teilsteuern ungefähr gleich hoch.

Was mich auch erstaunt: es geht in zwei Tagen den Satz zu senken, man tut sich aber extrem schwer, nur einen anstatt zwei Steuersätze zu haben. Denn das System ist nicht logisch. Lebensmittel entfallen im Normalfall auf den Satz A, aber nicht alle. Bestimmte Lebensmittel gelten als Luxusgut, so Kaffee und alle alkoholischen Getränke (obwohl da auch noch Steuer extra erhoben wird) und damit auf den normalen Satz. Ebenso ist das Essen in der Gastronomie mit dem normalen Satz besteuert, nicht aber zubereitetes Essen zum Mitnehmen. Das ist insofern verrückt, als das McDonalds und andere Schnellimbisse beides anbieten, und zwar zum selben Preis. Wer bei McDonalds also sein Essen mitnimmt und dafür die Allgemeinheit mit Müll belastet, da viele die Verpackungen in der Umwelt entsorgen, sorgt dafür das McDonalds noch 12 % mehr verdient. Die mussten den Verkauf zum Mitnehmen übrigens auch nicht in der Corona-Krise einstellen.

Analoges gilt für Bücher. Lange Zeit galt: gedruckte Bücher. Reduzierter Satz, E-Books: normaler Satz und das bei selbem Inhalt. Seit einigen Monaten hat man das Gottseidank geändert. Ich vermute für uns nicht sichtbar haben Unternehmen genau die gleichen Probleme mit dem Abrechnen nach reduziertem und normalem Satz. Dabei wäre es so einfach: beide Umsätze, a+b zusammen sind 1745,7 Mrd. Euro, das wären also die Konsumausgaben der Deutschen (mithin 21.300 Euro/Person). Würde man 11 % als einheitlichen Satz festlegen, der Bund würde 192 Mrd. Euro einnehmen, sogar etwas mehr als vorher und man würde viel Bürokratie abbauen. Nebenbei würde sich auch die Automobilindustrie freuen, denn so werden ihre Autos um 8 % billiger.

Aber so was geht in Deutschland wohl nicht. Meine Ansicht nach müssen Steuergesetze oder allgemein Vorschriften in Deutschland nur immer komplizierter werden.

8.6.2020: Die Zahl für heute: 10

Heute (bzw., wenn ihr das lest gestern) belegt Deutschland Platz 10 der Fallliste der John Hopkins Universität. Als ich die Webseite zum ersten Mal besuchte, so Mitte März waren wir noch auf Platz 4. Zwischenzeitlich gab es bis zu 4.500 neue Fälle pro Tag, in den letzten Wochen waren es unter 1.000, laufend abgesunken. Gestern nur noch 290. Dagegen sind die Fallzahlen in Russland und Brasilien stark angestiegen und in den USA gleichbleibend hoch. Aus der Grafik mit den meisten Fällen sind wir schon rausgeflogen. Man kann also feststellen, dass die Regierung bei der Eindämmung der Epidemie zwar nicht alles, aber doch vieles richtig gemacht hat.

Woanders scheint man dagegen geschlafen zu haben. Gerade bei Brasilien und Russland ist das für mich unverständlich. Dort breitete sich das Virus ja erst langsam aus, während es in China schon wieder abflaute und in Europa drastische Maßnahmen verhängt wurden, gab es dort erst wenige Fälle, man hätte es also viel besser begrenzen können. Die Schuld auf Bolsonaro und Trump zu schieben greift meiner Ansicht nach auch zu kurz, denn in den USA wie Brasilien sind die lokalen Gouverneure für die Epidemiebekämpfung zuständig und die haben auch reagiert. Das Hauptverschulden von Trump und Bolsonaro ist wohl eher, das sie die ermutigt haben die sowieso meinten ihnen könne das Virus nichts anhaben oder das sei alles nur aufgebauscht, sich nicht an die Auflagen zu halten. Das sehen wir ja in kleinem Maße bei den Demos hier gegen die Coronabeschränkungen. Da wird selten Mundschutz getragen und noch seltener der Abstand eingehalten. Ich sehe diese als eine ziemlich große Gefahr an, weil sich dort das Virus wirklich toll ausbreiten kann.

Ich persönlich bin wenig betrofen, auch wenn es mir selbst stark einschränkend vorkommt. Haupteinschränkung ist, dass ich seit 3 Monaten nicht mehr schwimmen kann. Das tue ich normalerweise dreimal in der Woche, in der Freibadsaison sogar täglich und ich muss das auch tun, sonst kann ich mein Gewicht nicht halten. Entsprechend habe ich zwei Kilo zugenommen und seit zwei Wochen habe ich zu drastischen Maßnahmen gegriffen: anstatt einem Diättag (an dem ich nur Gemüse und Obst esse) sind es nun zwei pro Woche und Covi-19 hat etwas geschafft was gute Vorsätze nicht geschafft haben: ich esse keine Schokolade mehr (auch keine Kekse oder Ähnliches). Ich habe mir das zwar immer einmal für die Fastenzeit vorgenommen, mehr als persönliche Erfahrung, denn wegen des Gewichts, aber ich fand die Einschränkung dann doch zu groß. Sie ist auch groß. Es geht weniger um die Schokolade zum Genuss oder zum Kaffee, es ist mehr die Schokolade, die ich in Situationen nehme, wenn ich das Gefühl habe „Jetzt brauche ich Schokolade“. Das ist mehr als Genuss, das hebt einfach die Laune an. Immerhin hat das mein Gewicht stabilisiert. Kleiner Nebeneffekt, ich weiß nun, wie viel Energie ich beim Schwimmen verbrauche – netto wenn man bedenkt, dass ich danach auch mehr esse. Es sind rund 2.500 kJ, in etwa die Energie einer Tafel Schokolade oder eines Stücks Torte.

Ich hoffe jetzt das, wenn die Bäder in 1-2 Wochen wieder auf sind, man einigermaßen Schwimmen kann. Wie das wird sich erst noch zeigen. Ich hoffe darauf, das man auf Landkreisebene irgendwann die Maßnahmen herunterfährt, wie das in andern Bundesländern mit weniger Fällen schon der Fall ist. Das dürfte im Landkreis Esslingen, wo ich wohne, aber noch dauern, denn das war ein Hotspot dank Ischl. Aktuell sind 55 im Landkreis in Quarantäne und die 7-Tage-Inzidenz beträgt 1,3 also 1,3 neue Fälle in den letzten 7 Tagen – bei einer Obergrenze von 35, bei der die Maßnahmen verschärft würden. Da wo ich wohne bzw. wo ich hingehe, sieht es noch besser aus, weil die Fälle von zwei Hotspots im Süden des Landkreises herrühren. Womit ich dagegen nicht in absehbarer Zeit rechne, ist ein Impfstoff.

Zurück zur Statistik: auffällig ist, das nun zwei Länder aufgerückt sind, das sind Indien und Peru. Ich denke das wird erst der Anfang sein. Die Entwicklungsländer haben weder das Gesundheitssystem viele Fälle zu behandeln, noch können sie sich Maßnahmen, wie längere Ausgangssperren leisten. Die Leite dort sind ja eh schon arm und bevor sie an Hunger sterben, weil sie nichts mehr verdienen, werden sie wohl, selbst wenn es Maßnahmen gibt, diese ignorieren.

Das einzig positive an der Krise ist, das Trump nun deutlich schlechtere Karten hat, wiedergewählt zu werden. Für mich völlig unverständlicherweise waren seine Umfragewerte ja sehr gut, bis das Virus die USA erreichte. Für den aktuellen Abfall hat er aber selbst mit Äußerungen gegenüber den Protesten gegen Rassismus gesorgt. Für uns unvorstellbar. Ein Mann, der die USA innerhalb weniger Jahre völlig isoliert hat, indem er Handelskriege vom Zaune brach, ohne Not aus internationalen Verträgen und Organisationen ausgetreten ist, dem ein Gericht Wahlbetrug bescheinigt, und der völlig unsympathisch rüber kommt – eine Mischung von Narzisst mit aussagekräftiger Mimik, Lügner und Größenwahnsinniger, war bis dahin bei den Amerikanern populär. Nach Ansicht eines USA-Korrespondenten, weil er den Gruppen die ihn gewählt haben das geliefert hat, was er versprochen hat. So gesehen hoffe ich das die Coronakrise in den USA noch bis zum 3.11. vorhält, aber so wie ich Trump kenne, sagt er dann die Wahlen ab, wegen Corona. Zuzutrauen wäre es ihm.

12.6.2020: Die Zahlen für heute: 19 und Null

Ich glaube niemanden, der über 40 ist muss ich erklären, wer Stock, Aitken und Waterman (SAW) sind. Auf sie kam ich, als ich kürzlich ein Interview mit Pete Waterman sah. Das Trio hatte in der zweiten Hälfte der Achtziger bis Anfang der Neunziger unzählige Hits, nach dem Artikel der Welt 19 Top-Hits und verkauften 500 Millionen Schallplatten. Das ist die erste Zahl für heute. Die zweite Zahl, Null, ist die gefühlte Präsenz heute, selbst in Radios, die vornehmlich nur Lieder aus den Achtzigern spielen sind, sie verpönt. Wie bei vielen Künstlern ist die Plattenzahl und Anzahl der hits nicht ganz geklärt, die englische Wikipedia sind es 40 Millionen Platten und 60 Millionen Pfund Gewinn, was eher zu den 70 Millionen Euro des Welt Artikels passt als 500 Millionen Platten.

Das ist eine Leistung wenn auch im negativen Sinn: Fünf Jahre lang erfolgreichstes Hit-Trio mehr enorm vielen verkauften Platten und heute weitestgehend unbekannt. Zeit an das Trio zu erinnern, zumal soweit ich mich erinnere auch ihr erster Hit in Deutschland: Princess, „Say im your only one“ sich gerade zum 35-sten Mal jährt. Das Lied gefiel mir damals und erklomm sogar die Position 2 in den Charts und es gefiel mir damals.

Über das Trio braucht man wenig schreiben, denn was SAW produzierten hatte nicht gerade die Vielfalt die die Kompositionen von Lennon/McCartney hatten. 1984 gründete der Discjockey Pete Waterman eine eigene Plattenfirma, „PWL“ - Pete Waterman Limited. Sehr bald stießen Matt Aitken und Mike Stock dazu. Sie alle drei waren Produzenten und Songwriter. Eine eigene Single floppte, aber sie waren sehr bald erfolgreich damit, andere Musiker zu produzieren. Schon eines der ersten Lieder – eine Coverversion von Venus von Banarama zeigte die Richtung. Lieder von SAW hatten einen sehr basslastigen Synthiepop-spund und ähnelten sich sehr, der obige Hit von Princess weicht von der Regel ab.

In den folgenden Jahren überflutete das Trio den Markt mit Liedern. Die meisten Künstler, die sie selbst rausbrachten, zeichneten sich nicht durch Gesangstalent, als vielmehr durch das Aussehen aus und zumindest bei den weiblichen Künstlern waren selbst damals nur die Vornamen bekannt wie Mandy, Sabrina, Sinitta und Mel und Kim. Ebenso waren die Liedtexte nicht gerade die Offenbarung. Auch hier zählte offen sichtlich: Sex sells, so sang Samantha Fox, vorher Seite-3 Mädchen mit großer Oberweite „Touch me“. Es gab aber Ausnahmen. Einige derer die sie promoteten hatten wirklich Gesangstalent, so Rick Astley und Kylie Minogue. Kylie Minogue ist bis heute aktiv. Rick Astley hat sich Anfang der Neunziger zuerst zur Ruhe gesetzt aber vor zwei Jahren wieder ein Album raus gebracht das sich auch gut verkaufte. Sie wurden auch zur Anlaufstelle für schon etablierte Sänger für die sie Hits schrieben so Donna Summer („This Time I Know It’s for Real“). Das Album „True Confessions“ von Banarama – schon vorher erfolgreich mit „Cruel Summer“ und Robert de Niro waiting“ das mit SAW entstand, war das erfolgreichste der Band, führte aber auch zum Weggang einer der drei Sängerinnen, die mit dem neuen Stil nicht einverstanden war. Anfang der Neunziger flaute das schon wieder ab. Die Leute hatten genug, denn der Sound jdeses Liedes von SAW klang alleine durch die Drummaschine irgendwie ähnlich. Pete Waterman sagte in dem Interview, er wäre erstaunt gewesen, dass sie mit dem Unisound so lange erfolgreich gewesen waren und rechnete damals damit, das jemand das nachmachen würde. Grund seiner Ansicht nach für das Nachlassen des Erfolgs war, dass seine Partner nun zu Reichtum gekommen weniger produzieren wollten und dafür mehr Zeit auf dem Golfplatz verbringen.

Nun Pete Waterman hat sich geirrt: sie wurden durchaus kopiert, nur eben nicht in England. Auch Lieder von Dieter Bohlen aus der Zeit klingen alle ähnlich. Nur produzierte Bohlen damals nur für Modern Talking und C.C. Catch die nach eigenen Aussagen das bekam, was für Modern Talking nicht gut genug war. Sie teilen auch das Schicksal, das obwohl sie in den Achtzigern reihenweise Hits haben, Modern Talking heute nicht mehr im Radio gespielt werden.

Bei der Recherche fiel mir auf das SAW auch anders konnte. Sie waren auch Produzent der Coverversion „Ferry crossed the Mercy“ die 1989 als Wohltätigkeitssingle zusammen mit Paul McCartney und anderen Künstlern für die Katastrophe im Liverpooler Stadium aufgenommen wurde, ebenso wie die „House-Musik“ Single „Pump up the Volume“ aus lauter Samples, auch wenn die Drummaschine deutlich zu vernehmen ist. Es geht also auch anders. Aber was lernen wir daraus: Man kann auch mit B-Musik viel Geld verdienen und das hat noch dazu den Vorteil, dass man nach einigen Jahren nicht mehr auf der Straße von jedem erkannt wird.

13.6.2020: Die Zahl für heute: 0,3

Ich will heute mal wieder auf das Apolloprogramm zu sprechen kommen. Es stehen ja noch zwei Bücher aus, aber bei denen hat sich nicht viel getan. Wäre ich jetzt ein professioneller Schriftsteller, dann würde ich sagen, das ich eine Schreibblockade habe, aber das bin ich nicht und ich habe schlicht und einfach keine Lust. Ich habe aber begonnen wieder etwas dran zu arbeiten, am kleineren der beiden Bände, das ist Band 3 der aber überschaubarer ist und eher fertig sein könnte.

Aus diesem Umfeld kommt die heutige Zahl: Die äußere Hülle des Mondlanders war im Mittel 0,3 mm stark. Sie bestand aus Aluminium. Es kursiert im Web die Aussage, sie wäre nur etwa so stark wie drei (oder sechs) Lagen Aluminiumfolie und es soll bei der Montage zu Beschädigungen gekommen sein. So durchbohrte (angeblich) ein Schraubenzieher der fiel die Hülle. Ich glaube ich habe das sogar mal in einer Biografie gelesen. Die Fragilität der Hülle war bekannt, so dürften Arbeiter nur ohne Straßenschuhe und mit Schutzschuhen im LM arbeiten. Die Dicke entspricht allerdings nicht nur sechs Lage Aluminiumfolie. Diese ist in Europa 0,01 bis 0,015 mm dick, in den USA sogar 0,016 mm stark. Die Dicke entspricht also rund 19 Lagen von Aluminiumfolie nach US-Standards. Die Dicke entspricht zudem der dreifachen Dicke von Bierdosen die 0,1 mm Wandstärke haben und die sind schon deutlich robuster als Aluminiumfolie.

Die geringe Stärke war eine Forderung nach dem geringen Gewicht. Da die einzigen Kräfte die während der Mission auf den LM einwirkten, der Schub von Raketentriebwerken war und dieser über das Gerüst aufgefangen wurde, wurde die Hülle so dünn wie möglich hergestellt.

Doch ich will diesen Wert mal einordnen. Zum einen täuscht der Vergleich mit einzelnen Folienblättern, weil eine dickere Alumniumschicht viel beständiger ist als mehrere Folien mit derselben Dicke. Ein Vergleich mit einem anderen Werkstoff: Holzplatten für Laubsägearbeiten haben eine Dicke von 4 bis 6 mm. Die kann man ohne Mühe mit den Händen brechen, auch drei bis vier Platten übereinander. Ein Regalboden aus Holz hat üblicherweise eine Dicke von 18 mm also so viel wie drei bis vier Platten und den bricht man durchaus nicht so einfach.

Daneben ist in der Raumfahrttechnik die Dicke gar nicht mal so unüblich. Bei der Atlas Trägerrakete hatten die Tanks auch nur eine Wandstärke von 0,25 bis 1 mm und in denen befanden sich Tonnen von Treibstoff und sie standen unter Druck – gerechterweise muss man aber auch erwähnen, dass sie ohne diesen Druck gar nicht stabil waren und unter ihrem Eigengewicht kollabieren konnten.

20.6.2020: Die Bequemlichkeit und das Klima

Ich greife hier auf die Diskussion über die E-Mobilität zurück. Die meiner Ansicht nach absolut größte Herausforderung für das Erreichen einer Klimawende ist es an dem eigenen Verhalten zu arbeiten und dazu gehört auch, nicht ganz so bequem zu sein.

Das scheint zuerst leicht zu sein, entpuppt sich in der Praxis aber als schwierig. Bei der Klimawende hat man ja zuerst Befürchtungen, die schlimmere Szenarien beinhalten. Das man Stromausfälle hat, den Strom oder die Heizung nicht mehr bezahlen kann und frieren muss. Der Großteil der Kohlendioxidemission geht aber auf Bequemlichkeit zurück. Hier die offiziellen Daten des Bundesumweltamtes entnommen vom Kohlendioxidrechner des UBA:

Posten

Tonnen CO2

Gesamt Bundesdurchschnitt:

11,61 t

Davon Heizung und Strom:

2,40 t

Davon Mobilität:

2,18 t

Davon Ernährung:

1,71 t

Davon sonstiger Konsum:

4,56 t

Davon öffentliche Emissionen

0,73 t

Also das, woran man bei Emissionen zuerst denkt und auch von der Politik verfolgt wird: Der Energieverbrauch fürs Heizen und der Strom macht zusammen nur etwas mehr als ein Drittel aus. Dagegen ist der Posten „sonstiger Konsum“, der nur von 450 Euro/Monat Konsumausgaben ausgeht (gemessen am durchschnittlichen Einkommen eher wenig) der größte Posten. Ebenfalls erstaunlich ist das die Ernährung so viel Energie benötigt.

Während die meisten, wenn sie nicht ein neues Haus bauen. an Heizung und Strom nicht wesentlich etwas ändern können geht das bei den beiden Posten Mobilität und sonstiger Konsum durchaus. Ich fange mal mit dem Auto an. Natürlich gibt es Leute, die viel fahren und es gibt Gegenden, wo die Bevölkerungsdichte so klein ist, das kaum Busse fahren und wenn dann mit großen Abständen. In Nesselwang, wo ich zweimal im Jahr hinfahre, gibt es Bus und Zug z.B. nur im 1 Stundenrhythmus. Es ist unbestritten, das es Autofahrer gibt, die ein Auto benötigen, das pro Tag deutlich mehr als die durchschnittliche Strecke zurücklegt, die man erhält, wenn man den Durchschnitt an gefahrenen Kilometern durch die Tage im Jahr teilt. Es gibt da verschiedene Zahlen über die jährliche Fahrstrecke, aber alle liegen auf die Arbeitstage umgelegt weit unter 100 km, der kleinsten Reichweite von Batterien in E-Autos die primär für Pendler gedacht sind. Für diese Personen muss man eine Lösung finden, wie man Batterien schnell auflädt. Teilweise geht das auch recht flott, wenngleich nicht so schnell wie beim Benziner, doch wenn man sowieso regelmäßig eine Pause machen muss, um die Konzentrationsfähigkeit aufrechtzuerhalten, kann man die nutzen. Und natürlich wird es immer Personen geben, die auch durch dieses Raster fallen. Ein Vertreter der einen Kunden nach dem nächsten anfährt legt große Strecken zurück, aber die Pausen dazwischen sind eben bei Kunden und nicht an einer Raststädte mit Ladestation. Doch es gibt jy noch die Wasserstofftechnologie, wenn man einen Treibstoff unbedingt einsetzen muss.

Ich wage trotzdem die kecke Aussage, dass bei einem Großteil der Automobilbesitzer das Hauptargument für ein Auto nicht der ist, dass Sie es brauchen, sondern die Bequemlichkeit. Dazu muss man kein Hellseher sein. Dazu muss man sich nur die Zahlen ansehen: Es gibt knapp 48 Millionen PKW und damit mehr PKW als Führerscheininhaber. Schon diese Tatsache zeigt den Bequemlichkeitsfaktor, denn mehr als ein Auto kann man ja schlecht fahren. Der absolute Verkaufsschlager waren in den letzten Jahren SUV und diese Art von Autos benötigen nur die wenigsten. Das Ein- und Aussteigen und die erhöhte Sichtposition mögen auch bequem sein, ich rechne aber mehr mit dem Angeberfaktor bei dem Kauf dieser Art von Fahrzeugen. Ich denke auch es geht nicht um das Geld, auch wenn Autofahrer nicht müde werden, zu betonen, dass Elektrofahrzeuge teurer sind. Denn würde es um das Geld gehen, dann hätten sie kein Auto. Ich habe mal inspiriert durch einen Beitrag in Quarks nachgerechnet, wie viel man im Leben für ein Auto ausgibt. Das Ergebnis: für das Geld könnte man, wenn man alle Kosten zusammenrechnet und das über die Lebenszeit leicht eine Eigentumswohnung leisten, würde also nie mehr Miete zahlen. Auch die Tatsache das viele ein Zweitauto haben spricht gegen die Argumentation Elektrofahrzeuge wären zu teuer.

Es geht um die Bequemlichkeit. Es ist die Illusion, man könnte einfach mal losfahren, wenn man dies wolle. Aber sehen wir es mal realistisch: die meisten fahren immer dieselben Strecken zu Arbeit oder zum Einkauf oder zum Abholen der Kinder – zu meiner Zeit konnten die Kinder ja noch selbst nach Hause laufen, das ist – und hier wird es paradox – durch den zunehmenden Autoverkehr für viele Eltern heute zu gefährlich. Die Strecken innerhalb der Stadt oder fürs Pendeln sind kurz und sie kämen damit mit einem kleinen Elektroauto mit kleiner Batterie aus. Der E-Go Life ist so was wie der Smart bei den Elektrofahrzeugen und mit (ohne Prämien) 23.000 bis 25.000 Euro auch nicht so teuer, mit Umweltprämien sinkt der Preis auf 16 bis 18.000 DM. Seine Batterie hält eben nur für 100 bis 130 km, dafür wiegt er aber auch 600 kg weniger als ein Tesla Modell 3 der dafür mehr als doppelt so teuer ist. Für die größeren Strecken könnte man ein Carsharing System einführen. Dann fährt man mit seinem Elektroauto bis zur nächsten Autobahnraststätte, steigt dort in eines um das eine längere Reichweite hat und wenn dessen Batterie sich dem Ende neigt, an der nächsten Raststätte wieder in ein anderes, und an den Raststätten werden die Autos dann wieder aufgeladen. Das Prinzip ist so neu nicht: vor 2.500 Jahren wurden so Nachrichten im persischen Großreich transportiert, indem Boten jeweils nach einer Strecke im Galopp die Pferde wechselten. Muss das Auto an den Zielort, gäbe es immer noch die Möglichkeit per Bahn und Auto dorthin zu reisen. Dieser Service der Bahn war mal sehr populär, wird heute aber fast nur noch genutzt, um die Alpen schneller zu passieren.

Das lenkt auf den nächsten Punkt: Im Prinzip geht ein Großteil der täglichen Fahrten auch ohne Auto, zumindest viele Fahrten zur Arbeit. Bei Einkäufen wird’s schwieriger. Das Grundproblem ist die Bequemlichkeit. Ein Auto steht eben vor der Tür, zu einem Bus oder Bahn muss man erst laufen und dann noch warten. Beim öffentlichen Nahverkehr dreht sich oft die Diskussion um die Kosten. Eine von der Bahn in Auftrag gegebene Studie kam aber zum Ergebnis, das mehr Kunden es vor allem durch schnellere Taktung als durch billigere Tickets geben würde. Man wird die Menschen nicht ändern können, wer im Laufe seines Lebens so viel Geld für ein Auto ausgibt, das sich davon problemlos mehr als eine Eigentumswohnung leisten könnte, für den ist die Bequemlichkeit schon enorm wichtig.

Ich habe meine Vision ja schon mal skizziert, in der wird der öffentliche Verkehr deutlich attraktiver durch engere Taktung und mehr Strecken. Dafür muss auch nicht immer ein Riesenbus unterwegs sein, wenn dies die Strecke oder der momentane Zeitpunkt nicht hergibt. Speziell in Städten sollte es heute, da (fast) jeder ein Smartphone hat möglich sein das jeder Autobesitzer einen Anhalter mitnimmt, das könnte man leicht über eine App koordinieren, wenn jeder Autofahrer vor der Fahrt angibt, wohin er will und von wo er startet und die Interessenten genauso. Man würde dann wie bei Bushaltestellen definierte Treffpunkte ausmachen. Dafür müssten nur die größeren Städte ein Gebot erlassen, dass man mindestens zu zweit in einem Auto sein muss, wenn man die Stadtgrenze passiert. Dank Videoüberwachung ist das auch leicht zu überwachen und man kann auch über drei oder vier Personen als stufenweise Erhöhung des Drucks nachdenken. Das wäre dann ein Zugeständnis an die Bequemlichkeit – schneller als mit dem Bus ginge es allemal, da man nicht zig Haltestellen anfahren muss – man würde die Effizienz des Autos erhöhen, denn der Spritverbrauch bleibt nahezu gleich und nebenher könnten die Autofahrer sogar es refinanzieren denn umsonst müssten sie natürlich niemanden mitnehmen. Es gäbe bei dem Modell sogar noch weitere positive Folgen – für die Autofahrer: sie würden eher einen Parkplatz finden bzw. vorhandene Parkhäuser würden ausreichen. Durch weniger Autos auf den Straßen und weniger Parkern könnte man auch dem Fahrrad eine Spur einräumen, was heute ja auf massiven Widerstand der Autofahrer stößt.

Kommen wir zum zweiten Posten: dem Essen. Beim Essen gibt es zwei Dinge, die die Klimabilanz verhageln. Zum einen ist da der hohe Fleischkonsum. Säugetiere und Vögel sind nur sehr ineffizient, wenn es darum geht, Energie in Fleischmasse umzusetzen. Sie benötigen als wechselwarme Tiere viel Energie um alleine die Körpertemperatur aufrecht zuerhalten. Bei der Mast rechnet man mit dem Einsatz von 10 kg Futter um 1 kg Fleisch zu produzieren. Würde man sich also rein vegan ernähren, so entfiele viel davon und der Großteil der Futtermittel wird heute in der Dritten Welt produziert. Dafür wird Dschungel rerodet, was doppelt schlecht für die Ökobilanz ist. Nach dem Rechner des BU kann man seine Bilanz wie folgt reduzieren:

Fleischanteil

T Kohlendioxid pro Jahr

Fleischbetonte Kost

2,28 t

Mischkost

1,82 t

Fleischreduzierte Kost

1,72 t

Vegetarisch

1,35 t

Vegan

1,09 t

Leider fehlt, wie viel Fleisch jede Form außer den beiden vegetarischen beinhaltet. Im Bundesdurchschnitt sind es heute 60 kg pro Person und Jahr. Wenn man das als die „Mischkost“ definiert, bedeutet jedes Kilogramm Fleisch eine Kohlendioxidemission von 8 kg.

Kleiner ist der Einfluss, ob man saisonale, regionale und Bioprodukte nimmt. Selbst die Extreme – nur Bio, nur regional, nur saisonal bringen nur 0,49 t Kohlendioxid im Jahr. Insgesamt kann man so etwa 1 t Kohlendioxid einsparen, wenn man seine Ernährung radikal umstellt. Auch hier denke ich ist viel Gewöhnung. Ich gehe mal von mir aus. Bei mir ist der Fleischkonsum stark gesunken, seit meine Mutter gestorben ist. Bei ihr gehörte zum einen Fleisch irgendwie zum Mittagessen dazu, zum anderen war mir bald zu blöd wegen 100 g Wurst, die ich alleine brauchte, mich beim Metzger anzustellen und die im Supermarkt war nicht so gut. Im Laufe der Jahre wurde es immer weniger. Anfangs habe ich noch ab und an Steaks gemacht, einen Braten oder Gulasch (bei Letzteren dann mehrere Portionen eingefroren), aber irgendwie habe ich darauf heute auch keine Lust mehr. Ich esse eben nun viel mehr Milchprodukte. Ab und an habe ich Lust auf Fleisch und für den Fall gibt es einige Konserven im Regal, dann ist für einige Wochen aber auch wieder kein Fleisch angesagt. Was ich damit sagen will: ich bin nicht angetreten mit dem Vorsatz „nun esse ich kein Fleisch mehr“, es hat sich einfach ergeben, weil sich bei mir die Essgewohnheiten geändert haben.

Der absolut größte Posten ist aber der Konsum. Er beinhaltet nun alles, was wir brauchen und kaufen außer Essen. Das geht los von Bekleidung über den großen Posten der Unterhaltungselektronik bis zu den Hobbies. Zuerst verwundert die Kohlendioxidmenge, doch bedenkt man, dass der größte Teil der Industrie eben Konsumgüter produziert und nicht Autos, Energie oder Strom, dann ist klar das all deren Emissionen natürlich auf die Produkte umgelegt werden müssen die dann vom Verbraucher gekauft werden.

An diesem Punkt kann jeder etwas machen, und zwar indem er nur das kauft, was er braucht. Gefragt ist aber auch der Gesetzgeber. Die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren bei vielen Produkten ist ein Witz, ich denke bei vielen Geräten, bei denen es keinen mechanischen Verschleiß gibt, kann man diese problemlos auf fünf Jahre erhöhen. Daneben gibt es natürlich auch noch den Second-Hand Markt, auch wenn ich das nur von Bekleidung und Computern kenne.

Fazit

Ich denke an den drei Stellschrauben: Verkehr, Ernährung und Konsum, die zusammen über 70 % der Kohlendioxidemissionen ausmachen, kann jeder drehen. Ich glaube allerdings auch das die Bequemlichkeit oder auch nur die Gewohnheit das bei vielen verhindern, denn wie ich schon bei den Kommentaren bei früheren Blogs erkannt habe – es fallen den Leuten enorm viele Argumente ein, warum etwas nicht geht ...

21.6.2020: Die Zahl für heute: 12

12 Lügen verbreitet Trump durchschnittlich pro Tag. Eine stolze Leistung denn das sind ja nur die, die er offiziell über die Medien weitergibt. Die die im privaten Umfeld oder im Oval Office von sich gegebenen, werden und nicht nach außen dringen sind da gar nicht mitgezählt.

Schon vor einem Jahr hat er so die 10.000-er Grenze geknackt. Vor einigen Wochen kam er in die Schlagzeilen mit einer Gesetzesinitiative, bei der soziale Medien für die Inhalte ihrer Nutzer verantwortlich sein sollen. Auslöser war ein Tweed von ihm bei dem Twitter den Tweed ergänzte um Informationen über Briefwahl, Trump (der übrigens beim letzten Mal selbst per Brief wählte) bezeichnete das als unzuverlässig und manipulationsempfindlich, offensichtlich, weil erheblich mehr Wähler der Demokraten als der Republikaner von der Briefwahl Gebrauch machen und natürlich das den Wahlausgang beeinflussen kann, insbesondere wenn bis zum 3. November die Coronaepidemie in den USA noch nicht abgeflaut ist.

Den Vorstoß habe ich allerdings nicht verstanden, denn wenn die Medien für die von den Benutzern publizierten Inhalte verantwortlich sind, dann müssten sie ja jeden Tweet mit Falschinformationen mit solchen Ergänzungen versehen und gerade das will Trump ja nicht.

Aber im Ernst: die Idee ist gut! Nicht nur wegen Fehlinformationen, sondern auch sonst. Facebook, Twitter und Co tun sich ja sehr schwer beleidigende, gewaltverherrlichende, rassistische Äußerungen zu löschen. Angeblich ginge das nicht automatisch und bei der manuellen Überprüfung würde man die Meinungsfreiheit hach halten. Mir ganz unverständlich, haben die selben Medien doch Filter, die Brüste effizient erkennen und Bilder von diesen nicht veröffentlichen. Klar, Brüste sind auch viel gefährlicher als Rechtsradikale. Wie viele Rechtsradikale gibt es? Einige Millionen vielleicht und wie viele Brüste? Rund 7 Milliarden …

Wenn die Medien für die Inhalte verantwortlich wären, auch im justiziablen Sinne, also sie anstelle der Nutzer gerichtlich verfolgt werden könnten, dann würden sie sicher erheblich mehr löschen, was heute noch durchgeht. Ich fürchte nur dann würden die freigegebenen Tweets von Trump auf Null sinken ….

30.6.2020: Die Zahl für heute: 40

40 ct will Verbraucherministerin Julia Glöckner das Fleisch teurer machen um zu mehr „Tierwohl“ zu sorgen. Das Geld sollte in Fonds fließen, für die Landwirte dann Gelder zur Modernisierung ihrer Ställe bekommen.

An der Tierwohlkampagne hat sich nichts geändert, sie sollte ja ein Label dafür einführen, nur gibt es das ja schon, wenn es auch anders heißt. Auf den meisten Verpackungen gibt es eine Kennzeichnung der Haltungsform in Stufen von 1 bis 4 und man findet bei verpacktem Fleisch eigentlich nur die 1 und 4. Ich habe letzte Woche, als ALDI im Prospekt Produkte einer „Fairfarm“ mit wohl ähnlicher Zielsetzung beworben hat, im Laden danach geguckt – Fehlanzeige. Glöckner schiebt ja gerne die Schuld auf den Verbraucher. Tatsache ist aber, dass es außer der Form 1 noch die 4, die steht für Bio, im Regal gibt, aber selbst bei Discountern, die sich für ihr Biosortiment rühmen, ist das nur ein Bruchteil des Angebots. Von den Haltungsformen dazwischen fehlt jede Spur und damit auch die Möglichkeit, solches Fleisch zu kaufen.

Mit dem Massenausbruch von Covid-10 bei Tönnies hat die Diskussion um die Arbeitsbedingungen in der Fleischbranche ja wieder an Fahrt aufgenommen. Für viele überraschend: Wer Tiere schlecht behandelt, behandelt auch Menschen schlecht. Wie konnte man nur auf so was kommen?

Wenn es um Menschen geht und um die Sperrung ganzer Landkreise ist man sehr schnell dabei einzugreifen und nun sollen wie Werkverträge abgeschafft werden. Mit dem Tierwohl tut man sich merklich schwerer. Zwar ist inzwischen der Tierschutz auch im Grundgesetz verankert, aber in der Praxis merkt man dann doch nichts davon.

Was mich daran stört, ist der freiwillige Ansatz. Immer soll alles freiwillig ablaufen und immer wird dem Verbraucher der schwarze Peter zugeschoben. Er soll sich bei jedem Kauf informieren. Nur was ist, wenn er gar keine Alternative hat? So ist es nämlich in der Praxis. Wie schon geschrieben gibt es bei abgepacktem Fleisch nur die Haltungsstufe 1 zu kaufen. Beim Metzger nachfragen nützt oft auch nichts, weil die heute selten selbst schachten sondern auch das zerlegte Fleisch beziehen und wenn welche Alternative hat man, wenn einem die Haltungsform nicht gefällt – den Metzger wechseln? Bei Wurst gibt es überhaupt keine Kennzeichnung.

Mein Vorschlag, weil es bei Bio so gut funktioniert: legt die Anforderungen für die Tierzucht so fest, dass die Haltung artgerecht ist. Dazu gehört der Platzbedarf, das Futter aber das fängt schon früher an nämlich bei der Rasse. Wenn Tiere so gezüchtet werden, das sie gar nicht gesund groß werden können, dann sollten diese Zuchten verboten sein. Ich denke hier z. B. an Hühner, die so schnell an Gewicht zulegen, das ihre Knochen die Masse gar nicht tragen können. Der wesentliche Unterschied zu Bio wäre, das die normale medikamentelle Versorgung möglich ist und die Futtermittel nicht aus Bioanbau stammen würden.

Natürlich würde so Fleisch automatisch teurer. Auf der anderen Seite ist es heute schon billiger als in allen Nachbarländern. Von den 8,7 Millionen Tonnen, die in Deutschland produziert werden, gehen denn auch 4,1 Millionen in den Export. Das muss nicht sein. Wir müssen nicht auch noch Billigfleisch für andere produzieren. Wie teuer Fleisch wird, hängt nicht nur von den Kosten ab, die die Landwirte haben. Wie bei jedem anderen Produkt schlägt jede Verarbeitungsstufe proportional auf. Da etwa ein Drittel beim Landwirt ankommt, macht das Biofleisch schon so viel teurer als normales. Der einzige positive Aspekt von Glöckners Vorschlag ist das diese Kette umgangen wird und das Geld so direkt bei den Landwirten ankommt – wenn man die unvermeidliche Verwaltung mal ignoriert. Nur deswegen kommt sie auch auf nur 40 ct mehr pro Kilogramm Fleisch. Natürlich wird, wenn man den Tierschutz konsequent umsetzt, auch die Schlachtung teurer werden. Schon alleine durch die höheren Löhne der Arbeiter und Tierschutz auch dort – heute hat ein Schlachter nur wenige Sekunden um den Schnitt zu setzen, der ein Tier verbluten lässt. Oft genug sitzt dieser dann nicht richtig und das Tier verendet qualvoll. Beim Handel wäre Umdenken gefordert. Wenn er, wie er ja in seinen Prospekten betont, er verantwortungsvoll mit Menschen und Natur umgehen will, dann könnte er mal darüber nachdenken vom proportionalen Aufschlag der Gewinnmarge abzuweichen und für Fleisch und Fleischprodukte die dem Tierwohl Genüge tragen nur den gleichen Aufschlag wie bei Ware aus Massentierhaltung zu fordern.

Natürlich würde Fleisch so teurer werden, auf der anderen Seite ist es so billig wie nirgendwo sonst. Ich bin ehrlich bestürzt, wenn ich sehe, das Kirschen oder Erdbeeren pro Kilogramm billiger sind als Schnitzel, ja selbst Käse, der auch vom Tier kommt, aber aus einer nachhaltigeren Ressource teuer als Fleisch. Mehr Platz für die Tiere und höhere Preise würden sicher auch für einen Rückgang der Produktion sorgen, das ist auch so notwendig, denn ein Überangebot vom dem 50 % exportiert wird, sorgt ja gerade für diese niedrigen Preise.

Der einzige Vorteil von Glöckners Vorschlag ist, dass jeder Landwirt natürlich Kosten hat, wenn er seine Produktion umstellen will, bevor er Einnahmen durch höhere Fleischspeise hat. Das Geld soll ja in einem Fond landen von dem es die Landwirte dann bekommen. Würde man wie ich dies vorschlage nur die Haltungsbedingungen ändern so hätten erst mal die Landwirte Kosten für die Umstellung, die sie erst im Laufe von Jahren über höhere Preise wieder hereinbekommen würden. Doch auch dafür gäbe es eine Lösung, zum Beispiel indem die KFW für diese Vorhaben zinslose Kredite bereitstellt, alle anderen Branchen werden derzeit ja auch mit Subventionen und Krediten eingedeckt. Mein Vorschlag würde eben an der Basis, den Haltungsbedingungen ansetzen. Glöckner setzt auf Freiwilligkeit, dabei sollte ihr klar sein, das schon in ihrer Bezeichnung „Tierwohl“ steckt, dass die Tiere sich derzeit in der Massentierhaltung nicht wohl fühlen und damit wäre die bisherige Regelung ja schon verbesserungswürdig, gibt es doch seit 2002 den Tierschutz als Grundgesetzartikel 20a. Zudem wer nicht umstellen will, muss nicht, ist ja alles freiwillig.

30.7.2020: Die Zahl für heute: 640

Eines der Zitate die man Bill Gates zuschreibt ist dieses: „640K ought to be enough for anybody“, also 640 KByte (RAM) sollten genug für jedermann sein. Bill Gates soll dies 1981 gesagt haben. Zeit dem mal nachzugehen, denn ich denke daran ist dreierlei falsch:

Hat Bill Gates das jemals gesagt?

Schon daran scheitert es. Journalisten finden keine Nachweise für dieses Zitat. Bill Gates selbst hat schon 1990 als das Zitat als Joke kursierte (inzwischen hatten Computer nämlich mehr als 640 KByte Speicher) verneint der Urheber zu sein:

"I've said some stupid things and some wrong things, but not that. No one involved in computers would ever say that a certain amount of memory is enough for all time." … "I keep bumping into that silly quotation attributed to me that says 640K of memory is enough. There's never a citation; the quotation just floats like a rumor, repeated again and again." (Quelle)

Wie wir alle wissen haben Zitate oft eine Eigendynamik und werden immer wieder zitiert, mir fällt da spontan Gorbatschow ein „Wer zu spät kommt den bestraft das Leben“. Zumindest hat er das gesagt, ein ähnliches Zitat machte er auch öffentlich und das wird ab und an auch gezeigt. Das Zitat hat sich längst von Gorbatschow gelöst und kann immer angewandt werden, wenn jemand eine Entwicklung verschläft oder rückwärtsgerichtet denkt.

Hat Bill Gates überhaupt etwas mit der Grenze zu tun?

Das wird sehr gerne übersehen. Als der IBM PC geschaffen wurde, da war auch vorgesehen, ihn mit Erweiterungskarten zu erweitern. Das entpuppte sich wie zuvor beim Apple II auch als ein sehr wichtiges Kaufargument. Natürlich konnte IBM nicht wissen, welche Karten es geben würde, auch wenn man mit einigen Karten in den Verkauf startete. Wie aber sieht man eine Erweiterung vor, die es gar nicht gibt? IBMs Lösung war das Memory Mapping. Der 8088 Prozessor, ein Abkömmling des 8086, hatte einen Adressraum von 1 MByte. Dieser war aber nicht durchgängig adressierbar. Intel hatte den Prozessor recht überhastet entworfen, und als Kompabilitätsargument zum Vorgänger 8080, ein 8-Bit-Prozessor der 64 KByte adressieren konnte, waren die Register 16 Bit breit. So konnte der 8086 auch nur 64 KByte am Stück adressieren. Auf den Adressraum von 1 MByte kam er mit einem zweiten Satz von Registern, den Segment Registern. Sie verschoben die 64 Kbyte der vier Hauptregister im Adressraum. Dazu verschoben sie die Basisadresse um 4 Bit. Damit konnte jedes der vier Segmente, die es gab, im Adressraum frei platziert werden – fast frei, die Basisadresse musste durch 16 ganzzahlig teilbar sein. Nebenbemerkung: da das Konzept nicht richtig durchdacht war, konnte man ein Segment auch ganz oben im Speicher platzieren und so (unabsichtlich?) auf die ersten 64 KByte über 1 MByte zugreifen. Das nutzen bald Programme, um so den Speicher zu erweitern und Intel musste diesen Fehler „A20 Gate“ noch über Generationen in seine Prozessoren einbauen, selbst wenn diese 4 GByte direkt linear adressieren konnten.

Aufgrund dieser Segmentadressierung lag es nahe, ein Segment als Größe für einen so genutzten Speicherbereich zu reservieren. IBM sah die obersten 64 KByte für das BIOS vor, das jeder Computer braucht. Der 160 KByte große Bereich darunter, beginnend bei 800 KByte war für BIOS Erweiterungen reserviert. Später lagen hier z.B. die BIOS von Netzwerkkarten.

Bei 640 KByte lag der 128 KByte große Bereich für das VideoRAM und darüber der 32 KByte große Bereich für das Video-BIOS. Dieser Bereich erschien anfangs groß, hatten die beiden bei Verkaufsstart verfügbaren Karten doch nur 16 bzw. 32 KByte RAM. Die EGA-Karte die 1984 erschien nutzte ihn aber schon voll aus, und die VGA Karte konnte nur Teile ihres RAM dort einblenden.

Das limitierte den unteren Bereich, der für das Betriebssystem zur Verfügung stand, auf 640 KByte, die berüchtigte 640 K Grenze. Es war aber eine Grenze die IBM zog und nicht MS-DOS, das von Bill Gates Firma programmiert wurde (und auch nicht von ihm, sondern Tim Paterson. Das lief auch auf anderen Computern mit anderen reservierten Bereichen, die dann viel mehr Speicher zur Verfügung stellten. Der Sirius Victor z.B. bis zu 896 KByte.

Konnte man auf dem IBM PC die Grenze ausnutzen?

Auch gerne vergessen wird, dass man den IBM PC anfangs mit 64 KByte Speicher verkaufte. Mit Erweiterungskarten konnte man das erste Modell auf maximal 256 KByte aufrüsten. Die Ausbaugrenze stieg dann beim IBM PC XT mit Karten mit mehr Speicher und mehr Speicher auf dem Mainboard auf die 640 KByte an.

Doch selbst das geht am wahren Problem vorbei. Den die erste Version von MS-DOS war eine Kopie von CP/M. CP/M hatte ein Format für die ausführbaren Dateien eingeführt, das fast den gesamten Speicher adressieren konnte – nur die ersten 256 Byte wurden als Puffer und für Sprungvektoren reserviert (in der Praxis saß natürlich noch das Betriebssystem im Speicher, aber theoretisch konnte ein COM-File 64 KB lang sein. Das wurde bei der ersten Version von MS-DOS 1:1 kopiert und so waren Programme unter MS-DOS auch auf 64 KByte beschränkt. Das war doppelt ärgerlich. Denn so nutzte man nicht nur die Möglichkeit größere Programme zu erstellen, sondern alle Segmente waren übereinander gelagert – selbst bei 64 KByte für das Codesegment gab es ja noch die Segmente für Daten, Stack und das "Extra"-Segment, die man so für andere Zwecke nutzen konnte.

Natürlich konnte jemand ein eigenes Memory-Managment System in dem COM-File implementieren und dieses dann nutzen, um den Speicher besser zu nutzen, doch dann entfernte man sich vom Standard und das war in Zeiten, wo man dies selbst in Assembler programmieren musste, sehr aufwendig, also gab es das kaum. Was Programme machten, war oft, dass sie das Stacksegment und Datensegment verschoben. Der Stack war meist nicht sehr groß, er wurde ja nur für temporäre Wette benutzt, so waren effektiv etwa 128 Kbyte RAM unter MS-DOS 1.0 nutzbar, dazu kam dann noch das RAM, das das Betriebssystem nutzte – ich denke, wer einen IBM PC unter MS-DOS mit 160 KB bestückt hatte, hatte die maximale sinnvolle Ausbaustufe erreicht.

Das änderte sich erst als mit DOS 2.0 das bis heute (wenn auch anderer interner Struktur) genutzte .exe Format eingeführt wurde, das mehrere Segmente unterstützte. Erst damit war die 640-KByte-Grenze eine ausnutzbare Grenze.

Die Grenze entpuppte sich sehr schnell als solche. 1984 erschien der IBM PC AT. Er kam anfangs mit 512 KB auf den Mark, wenig später durch den rapiden Preisverfall der Chips mit 1 MByte. Aufgrund der Adressierung über den Prozessor ergab sich dann aber schon die Problematik. Die oberen 512 KByte konnte man nur durch ein speicherresidentes Programm als Datenhalde für eine RAM-Disk nutzen. So etablierten sich bei kompatiblen Nachbauten gemischte Konfigurationen: zwei Bänke mit 256 KBit Chips, zwei mit 64 KBit Chips, die dann zusammen die berüchtigten 640 KByte ergaben – und diese Computer hatten (unter DOS) dann mehr Speicher als bei einer 1 MByte Bestückung …

Die Grenze blieb solange eine Grenze, wie es MS-DOS gab. Die Marktmacht von MS-DOS bröckelte erst mit Windows 3, das erstmals MS-DOS Programme ausführen konnte, ohne das sie Windows mit zum Absturze bringen konnte und schwand rapide nach Einführung von Windows 95 – dann hatte ein durchschnittlicher Computer aber schon 4 bis 8 MByte RAM von denen MS-DOS nur die ersten 640 KByte nutzte.

Nur 640 KByte?

Nicht ganz. Wie geschrieben gab es zwei Ausflüchte. Das erste war das A20 Gate das es erlaubte knapp 64 KByte oberhalb von 1 MByte zu nutzen. Dazu brauchte man einen Treiber (Himem.sys). Dort lagerte MS-DOS dann Programmteile aus. Später nutzte man auch den Bereich zwischen 640 und 960 KByte, indem MS-DOS scannte, ob sich in diesem Bereich überhaupt BIOSe oder RAM von Adapterkarten befanden, und nutzte ihn ebenfalls zum Auslagern von Code. Beide Maßnahmen vergrößerten aber nicht den unteren Bereich von 640 KByte, sondern reduzierten nur den Bereich, den MS-DOS von diesem Speicher für sich beanspruchte.

Es gab aber die Möglichkeit wirklich den Speicher etwas nach oben zu verschieben. Ab 640 KByte lag das Videoram. Nur begannen die Framebuffer der meisten Karten nicht direkt dort, sondern etwas höher. Die CGA Karte bei 736 KByte, die Hercules Karte bei 704 KByte. Das erlaubte es, wenn man das Betriebssystem modifizierte, die Grenze nach oben zu verschieben und entsprechende Artikel waren in den Achtziger Jahren dann auch Aufmacherthemen bei Computerzeitschriften. Erst mit der EGA-Karte änderte sich das, sie benötigte in der vollen Ausbaustufe den ganzen Speicher. Ab der VGA Karte wurde dann das direkte Adressieren unüblich, sonst hätte man nie mehr als 128 KB Grafikspeicher ansprechen können, stattdessen wurde die Karte über Interruptadressen angesprochen.

Was draus gelernt?

Diese Frage muss man an die IT-Industrie stellen. Denn Grenzen gibt es ja nicht nur beim Betriebssystem. Es gibt sie auch woanders. Festplatten werden z. B. zum einen physikalisch adressiert über Sektornummer, Spurnummer und Zylindernummer, zum andern logisch durch Blocknummern durch das Betriebssystem. Und da habe ich etliche Einschränkungen kennengelernt. Das verdanken wir drei Mitspielern: Kontroller, BIOS und Betriebssystem. Hat eines eine Grenze, so geht nichts mehr. Das ging los 1984 mit der Beschränkung von FAT16 – mehr als 65.536 Blöcke konnte DOS (übrigens bis zu seinem Ende) nie adressieren. Das waren aber damals 512 Byte Sektoren und so schlug bei 32 MByte die erste Grenze zu. Später erlaubte DOS be Version 3 dann andere Blockgrößen sodass DOS mit 32 KByte großen Blöcken bis 2 GByte große Partitionen verwalten konnte (allerdings bei immenser Platzverschwendung, denn jede Datei war dann mindestens 32 KByte groß). Andere Grenzen setzet dann das BIOS (512 MByte bis etwa 1994) oder der Controller. Die letzte Grenze ist noch gar nicht so lange her. Die 4 Milliarden Sektoren reichen bei 512 Byte pro Sektor auch nur bis 2 Terabyte. Als Ausweg hat man die Festplattenadressierung auf die 4-KByte-Blöcke umgestellt die auch Windows und Linux nutzen. Das reicht dann bis 16 Terabyte - uh das wird bald wiederkommen, und den erreicht schon die erste Festplatte. Oder versuchen sie mal auf einen USB-Stick eine Datei mit mehr als 4 Gigabyte Gröpße zu kopieren – dann lernen sie eine weitere Grenze kennen. USB Sticks werden mit FAT32 bzw. ExFat formatiert, einem Nachfolger von FAT32. Der Grund ist relativ einfach. Dieses Dateisystem kennt keine Rechte und Besitzer, anders als NTFS das von Windows genutzt wird oder die Linux Dateisysteme. Sonst könnte Benutzer X bei Computer A nicht auf die Daten von Benutzer Y auf Computer B zugreifen (außer beide haben den gleichen Benutzernamen und Passwort) und das ist bei einem portablen Medium nicht so erwünscht. FAT32 von Windows 95B eingeführt, hat aber eine Größenbeschränkung von 4 KByte pro Datei. Erschienen 1996 4 GB als viel – die größten Festplatten hatten damals diese Größe und das Limit gilt ja nur für eine Datei, nicht die ganze Festplatte, so ist das 24 Jahre später nicht mehr viel. Ein hochauflösender Film oder ein gezipptes Spiel bricht die Grenze leicht.


 

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