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Web Log Teil 598: 17.8.2020 - 23.8.2020

17.8.2020: Sputnik V

Russland hat seinen neuen Impfstoff gegen Covid-19 „Sputnik V“ getauft. Da kommen mir als Raumfahrtkenner natürlich sofort Assoziationen auf. Nur die ersten drei Sputniks waren Erdsatelliten, danach nutzte die UdSSR die Bezeichnung als Tarnung, um zum einen Tests des Wostok-Raumschiffs zu verschleiern, zum anderen erhielten Raumsonden die im Erdorbit verblieben, eine Tarnbezeichnung aus dem Sputnikprogramm. Später erhielten alle Erdsatelliten die Bezeichnung „Kosmos“ und dieses Programm war dann für die Tarnung von Tests und Misserfolgen zuständig. Ich habe mal nachgeschaut und der Sputnik 5 (5 für das römische V für fünf) war die letzte Vorbereitungsmission am 25.3.1961 vor Gagarins Flug. Die Wostok hatte einen „Mannequin“ und den Hund Sewsdotschka an Bord. Das „V“ bei Sputnik V steht aber für Virus oder Vacin, je nach Lesung. Man kritisiert das Russland die dritte Testphase für einen Impfstoff, bei dem man die Verträglichkeit bei einer großen Personengruppe überprüft, weglässt. Nun ich denke genau das macht man nicht. Denn der Impfstoff wird ja zuerst an dem medizinischen Personal und den Lehrern in Russland eingesetzt, man könnte auch sagen erprobt, denn die haben als beim Staat Angestellte kaum eine Wahl, außer es wäre eben kein zugelassener Impfstoff …

Wenn er sich als wirksam und verträglich erweist, hat Russland einen Vorsprung und einen Impfstoff, wenn nicht … Nun ja Menschenleben zählen in Russland nicht viel, sonst hätten sie viel eher auf die Pandemie reagiert, denn als bei uns schon die Fallzahlen rapide anstiegen gab es in Russland keine Fälle, man hätte sich also wappnen können. Das hat man nicht und so hat Russland nun (16.8.2020) Platz 4 weltweit inne (Deutschland Platz 20) mit mehr als viermal so vielen Infektionen wie Deutschland. Allerdings nichts gegen die reichste Nation weltweit, die USA. Aber gut Trump sagte ja er wollte „Anmerica great again“ machen, das gilt eben auch bei den Covid-19 Infektionen, dabei hatten die USA als ich im März zum ersten Mal auf die Seite der John Hopkins Uni ging, noch weniger als Deutschland, jetzt 20-mal so viel...

Aber Russland kritisieren ist leicht und wenn dann sollte man auch auf die Versäumnisse der deutschen Politik aufarbeiten und da gibt es einige. Nachdem man zuerst auch hier die Gefahr unterschätzt hatte und erst reagierte, als die Fallzahlen rapide anstiegen – geschweige denn das man auf so was vorbereitet wäre und die notwendige Ausrüstung vorrätig gehabt hätte – hat man die Epidemie doch in den Griff bekommen. Seitdem wurde gelockert und was nun passierte war vorhersehbar. Die Maßnahmen zur Verbreitung des Virus stehen auf zwei Säulen. Das eine ist die Reduktion des Ansteckungsrisikos durch Abstand, Mund/Nasenschutz. Das Zweite ist die Isolation von Infizierten und die Verfolgung von Herden durch Quarantäne und Einschränkung der Bewegungs- und Versammlungsfreiheit. Das betraf die Anzahl der Personen, die sich an einem Fleck treffen dürfen – bis hinab zu zwei ganz am Anfang aber auch die Einstellung aller Reisen. Das man das Letztere nun einfach so aufgab, weil die Ziele der Urlauber kleine Fallzahlen haben, finde ich völlig unverständlich. Den es geht nicht um die Fallzahlen auf den Balearen oder woanders. Es geht schlicht und einfach darum, wie viele Kontakte man hat. Wie viele verschiedenen Menschen begegnet man normalerweise im täglichen Leben, wenn man eben nicht gerade ein Konzert oder Fußballspiel besuchen kann – einer überschaubaren Zahl der meist immer gleichen Personen: Familie, Freunde, Arbeitskollegen, Vereinsmitgliedern. Die einzig wechselnden Menschen sind die, die man im öffentlichen Verkehr oder beim Einkauf begegnet und daher auch die Nichtaufhebung des Abstandsgebots und Schutzmaskenpflicht. Doch wie vielen begegnet man im Urlaub im Hotel, beim Schlendern durch den Basar, am Strand oder bei Besichtigungen? Vor allem kommen die Urlauber von überall her auch von Gegenden, wo die Fallzahlen größer sind. Das ist das Problem und deswegen sind die Fallzahlen in den Urlaubsregionen so schnell angestiegen. Es sieht so aus, als hätte man nichts aus Ischgl gelernt, wo ein infizierter Barmann für Tausende von Infektionen sorgte, weil die Urlauber bei der Rückkehr natürlich das Virus weiterverbreiteten.

Meine Meinung: man hätte die Reisebeschränkung für private Reisen weiter in Kraft lassen sollen, solange bis man wirklich einen Impfstoff hat. Das trifft viele Leute hart, aber ein zweiter Lockdown wäre noch verheerender. Viele Unternehmen haben ihre Reserven schon beim ersten Lockdown verbraucht, auch die Bundesregierung kann nicht einfach noch mal die 750 Milliarden einfach so aus dem Ärmel schütteln. Ein Jahr lang keinen Urlaub im Ausland machen ist für viele sicher hart, aber den Arbeitsplatz zu verlieren ist noch härter. Und es heißt ja nicht das man keinen Urlaub machen kann, auch Deutschland hat schöne Ecken und unsere Tourismusbranche hat auch große Umsatzeinbußen erlitten.

Wenn man die Reisefreiheit wieder in Kraft setzt, dann hätte man das anders organisieren sollen. Anstatt Tests bei Wiederankunft, wie derzeit (wo sogar noch diskutiert wird, ob die kostenlos sein sollen oder nicht) hätte es verbindende Tests vor der Einreise ins Urlaubsgebiet geben müssen, das heißt ohne aktuellen Test kommt man nicht ins Urlaubsland. Das hätte von den Urlaubsländern und nicht Deutschland ausgehen müssen, denn so sind auch die erfasst die aus Ländern kommen in denen es noch größere Fallzahlen gibt. Ganz neu ist der Gedanke nicht, denn als nach der Epidemie bei Tönnies der ganze Landkreis Gütersloh gesperrt wurde, konnten die die trotzdem verreisen wollten sich testen lassen und die Zielgebiete in Deutschland akzeptierten dann diese Urlauber mit aktuellem Testresultat. Man weiß also, wie es geht, warum setzt man es nicht um? Weil man noch größere Umsatzeinbußen in der Tourismusbranche befürchtet, aber die gibt es jetzt in noch größerem Maße in Spanien, wenn praktisch das ganze Land von England und Deutschland, welche die meisten Touristen stallen zum Risikogebiet erklärt wurde.

Meine Erklärung: man hat sich zu sehe an das Virus gewöhnt, die Fallzahlen sind in den niedrigen Bereich einiger Hundert pro Tag gesunken, in der Spitze waren es mal über 6.000 pro Tag. So lassen auch der Mund-/Nasenschutz und das Abstandhalten im Alltag nach. Aber wie sagte Spahn schon richtig: „Das Virus macht keine Ferien“.

Kleine Nebenbemerkung: Die ominöse Ziffer „50 Infizierte pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen“ ist so ziemlich die Grenze des Gesundheitssystems und zugleich in etwa das Maximum, was bei uns erreicht wurde. Dazu muss man die 50 erst mal mit 830 multiplizieren, um auf die Einwohnerzahl der Bundesrepublik zu kommen und dann durch 7 teilen, weil es ein 7-Tages-Durchschnitt ist, man kommt dann auf 5.928 Fälle pro Tag in der BRD. Diese Grenze sollte man also nicht ausreizen.

Das die Politik irgendwie das Virus aus dem Blick verloren hat zeigt auch der Schulanfang. Es scheint so als hätte kein Bundesland ein tragfähiges Konzept für einen Dauerunterricht unter den Covid-19 Einschränkungen erarbeitet, geschweige denn die Maßnahmen ergriffen, die man braucht. Und nun, welche Überraschung, beginnen nach den Sommerferien die Schule wieder und Meck-Pom muss nach wenigen Tagen schon wieder Schulen schließen.

20.8.2020: Ethanol und Ammoniumnitrat

Mein vorletzter Blog über die Berichterstattung der Explosion in Beirut scheint irgendwie falsch angekommen zu sein, besonders bei Ingo, der sich vollkommen auf die Chemie konzentriert anstatt auf das einzugehen, warum es mir eigentlich ging, nämlich die mangelnde Sorgfalt der Journalisten bei der Berichterstattung.

Ich wurde an einiges erinnert, so mein Lieblingswort „privat“, das nun ja auch in aller Munde ist, aber auch an einen Aushang, den ich vor mehr als 35 Jahren an unserer Chemikalienausgabe sah. Das Original bei der „Zeit“ kann man leider nur noch nach Registrierung lesen, aber hier gibt es eine Kopie.

Es geht um einen Aprilscherz, der darauf baut das der Leser nicht weis, was Alkohol ist und seine Gefährlichkeit mit Einträgen aus einem Lexikon beschreibt:

Flüssigkeit, wie sie auch in Desinfektions- und Fensterputzmitteln vorhanden sei“...

Die Chemikalie ...in höheren Dosen durchaus nicht ungefährlich“

die Substanz, je nach eingenommener Menge, „sedativ, hypnotisch oder sogar narkotisch“ wirke. Da die wasserklare Flüssigkeit leicht in gasförmigen Zustand übergehe … ob bei übermäßigem Genuß des durchsetzten Bieres nicht Brand- oder Explosionsgefahr für den Konsumenten bestünde.“

Der Aprilscherz verfehlte nicht seine Wirkung. Das Peinliche daran war, dass auch Brauereien sich dazu äußerten. Ihr Bier nach Weihenstephan zur Untersuchung auf Ethanol einschickten oder behaupteten, ihr Bier enthalte garantiert kein Ethanol.

Was hat das mit dem Ammoniumnitrat zu tun?

Nun viele chemische Substanzen haben ein breites Einsatzspektrum. Entsprechend stimmen natürlich alle Aussagen über Ethanol, man könnte ergänzen das es auch Lösungsmittel und Treibstoff ist. Dasselbe trifft auch auf Ammoniumnitrat zu. Natürlich kann Ammoniumnitrat explodieren und es wird deswegen als Sicherheitssprengstoff verwendet (sprich: es ist für den Einsatzzweck sicherer weil schwerer zur Explosion zu bringen als andere Sprengstoffe) und es gab auch zahlreiche Unfälle bei der Herstellung, wo es Explosionen mit Sach- und Personenschaden gab. Die Wikipedia informiert über einige der Unglücke. Dort steht aber auch drin, das der Großteil des weltweit produzierten Ammoniumnitrats in die Düngerproduktion geht.

Ähnlich wie wohl damals die Brauereien sich nicht richtig über Ethanol informiert haben, taten dies die Journalisten bei der Explosion von Beirut. Wer nur die Wikipedia liest, egal ob englischsprachige oder Deutsche, wird erkennen:

Bei Nachdenken sollte man darauf kommen, das es kein terroristischer Anschlag sein kann, bei dem jemand Ammoniumnitrat als Sprengstoff nutzte, vielleicht weil der Terrorist an anderen Sprengstoff nicht herankam, denn die Menge ist viel zu groß. Die größten Sprengkörper, die das Militär hat, haben einige Tonnen Sprengstoff, die größte mir bekannte „Mutter aller Bomben“ 11 t TNT-Äquivalent. Bei Anschlägen beladen Terroristen Fahrzeuge mit einigen Hundert Kilogramm bis 1 t Sprengstoff. Hier ist eine Menge detoniert die etwa drei Größenordnungen höher ist. Warum sollte das jemand tun? Und vor allem so umständlich. Es wäre mit viel weniger Material dieselbe Zerstörungswirkung erreichbar, wenn man anstatt einer großen Ladung viele kleine verteilt über das Stadtgebiet gezündet hätte.

Durch logisches Nachdenken sollte auch ein fachlich nicht qualifizierter Journalist darauf kommen, das es sich bei der Ladung wohl um Ammoniumnitrat handelt, das für andere Zwecke gedacht war, was sich ja auch bald bestätigte.

Doch damit hörte es nicht auf. Ich habe noch Tage später gehört das „ungeklärt sei, wie 2750 t eines hochexplosiven Sprengstoffs sechs Jahre dort gelagert wurden“. Auch hier Stimmungsmache. Meiner persönlichen Meinung nach sprechen zum einen mal die sechs Jahre Lagerdauer gegen das Adjektiv „hochexplosiv“. „Hochexplosiv“ ist nun mal ein Begriff, der nur sprachlich definiert ist als „in hohem Maße explosiv“. Ich kenne aber keine naturwissenschaftliche Definition dessen, anhand man Substanzen als hochexplosiv kennzeichnen kann. Ich versuchte es in dem Artikel anhand einiger Kennzahlen eines Sprengstoffs klar zu machen. Eine ist, wie leicht man den Sprengstoff zur Explosion bringen kann. Man muss bei allen Sprengstoffen nur punktuell Energie aufbringen. Einige sind so empfindlich, dass es reicht den Sprengstoff aus geringer Höhe fallen zu lassen wie das von Knallerbsen bekannte Silberacetylid oder das in Spielfilmen so beliebte Nitroglyzerin und da ist es so, dass man für die Entzündung von Ammoniumnitrat mehr Energie aufwenden muss als bei andern Sprengstoffen. Erreicht man die, dann explodiert es natürlich wie jeder andere Sprengstoff auch. Aber hochexplosiv ist es meiner Meinung nach nicht. Es gibt zahlreiche Substanzen, die man leichter zur Explosion bringen kann und die nicht mal Spengstoffe im engeren Sinn sind, wie z.B. Mehlstaub.

Worauf ich raus will: mit Sprache macht man Stimmung, In dem Falle betont man die Gefährlichkeit der Substanz. Natürlich lief dort etwas schief, natürlich sollten nicht 2750 t Ammoniumnitrat an einem Fleck längere Zeit lagern. Aber es ist nicht vergleichbar, als wenn dort 2750 t eines echten Sprengstoffs wie TNT oder Piktrinsäure gelagert worden wären.

Privat <> private

Das leitet mich zu meinem zweiten Wort, über das ich in den letzten Wochen durch die Landung der Crew Dragon gehört habe, das berüchtigte „privat“. Es war in zahllosen Verknüpfungen zu hören, vom privaten Raumschiff bis zur privaten Raumfahrt. Und hier haben die Journalisten und Redakteure nicht mal die Ausrede, dass sie nachschlagen müssen, was es bedeutet. Sie haben nur das „private“ aus dem Englischen, so auch von den offiziellen NASA-Kommentaren ins deutsche „privat“ übersetzt, ohne zu beachten das „private“ im englischen Sprachgebrauch weiter geht als bei uns. Der Duden definiert das Wort unter anderem als: „nicht offiziell, nicht amtlich, nicht geschäftlich; außerdienstlich“ und da gibt es den Unterschied. Denn „private“ ist im englischen durchaus nicht „nicht geschäftlich", sondern im Gegensatz geschäftlich. Gemeint ist private als Gegensatz zu offiziell, auch erkennbar am „private detective“ - detective ist ein Polizeirang und jemand der nicht bei der Polizei als Staatsorgan arbeitet aber dasselbe macht, ist eben ein „private detective“. Er kümmert sich nicht nur um private Fälle. Das Cambridge Wörterbuch definiert diese Bedeutung denn auch als „controlled or paid for by a person or company and not by the government:“

Ich vermute, die Redakteure haben (wenn sie den überhaupt nachgedacht haben) angenommen. das SpaceX ein Unternehmen im alleinigen Besitz von Elon Musk ist (auch nicht richtig, der verkauft zur Finanzierung immer wieder Anteile, erst gerade wieder für 1,9 Milliarden, wie viel Prozent davon noch ihm gehört. Schon 2016 waren es nur 54 %, inzwischen sicher unter 50%.

Spätestens, wenn der Journalist vernommen hätte, das die NASA auch bei Boeing – die sind nun kein Privatunternehmen, sondern an der Börse notierte AG – von „private“ spricht hätte es klingeln müssen. Ob sie wohl auch „eventually“ mit „eventuell“ übersetzen? Vor allem frage ich mich, was die Autoren von ihren Wortschöpfungen selbst halten. Was bitte ist für den Blogleser die so oftin der Berichterstattung beschworene „private Raumfahrt“? Also ich verstehe davon Cubesats, die von Privatpersonen gebaut werden oder einen Millionär, der als Tourist ins All reist. Alles, was SpaceX macht ist, aber kommerziell und dient dazu Geld zu verdienen und dann ist es eben kommerzielle Raumfahrt und die ist nicht neu, sondern gibt es seit Anfang der Sechziger Jahre. Glaubt der Journalist, der von "privater Raumfahrt" spricht, SpaceX, hat die Dragon zum Spaß gebaut und der NASA geschenkt? Oder das man, damit nun nur noch Privatpersonen transportiert?

Oberflächlichkeit vs Recherche

Es ist ein Symptom unserer Zeit, die weit über solche sprachlichen Fehler hinausgeht. Es ist das allgemein ich den Eindruck habe, das es gar nicht mehr auf echtes Wissen, Verständnis ankommt, sondern den schnellen Überblick und die Essenz. Das drückt sich auch in anderen Gebieten aus. Ich arbeite derzeit an Artikeln über die 2020-er Marssonden. Der über Hope ist schon online, derzeit arbeite ich an mehreren Teilartikeln über Mars 2020. Es sind mehrere, weil ich dafür große Teile meines Buchs über das MSL verwendet habe. Nicht freiwillig, aber das Presskit der NASA hat deutlich nachgelassen und führt viel weniger technische Daten auf als früher und im NTRS finde ich nach einer Umstellung der Suchfunktion nichts mehr. Es scheint, als würde, wenn man mehr Wörter eintippt, die nicht wie bisher und wie man es erwarten würde, mit UND- sondern oder-verknüpft werden.

Das ist aber nur ein Aspekt. Als ich vor zwanzig Jahren anfing, die ersten Raumfahrtaufsätze online zu stellen, hatte ich das Problem aus der Fülle von Material das richtige herauszufinden. Die NASA stellte von den damals aktuellen Missionen sogar interne Dokumente über die Untersysteme auf der Website online, beantwortete unzählige technische Fragen und informierte über jedes Detail der Mission und das täglich. Heute ist das viel weniger geworden, zum Beispiel erfährt man von der NASA zwar das das erste TCM für Mars 2020 stattfand, aber nicht um wie viel es den Kurs geändert hat. Wie lange es dauerte und wie hoch die Geschwindigkeitskorrektur war – 2012 hatte ich kleine Probleme diese Werte für mein Buch zu ermitteln. Detailwissen sollen nun Blogs, also freiwillige Veröffentlichungen, von an der Mission beteiligten vermitteln, je nachdem wie diese Lust/Zeit haben oder was sie für wichtig halten. Das kann doch keine echte Informationspolitik sein. Weiterhin wird immer mehr Information in Form von Videos veröffentlicht. Die nutze ich aber aus Prinzip nicht, man kann sie weder überfliegen noch nach Schlüsselwörtern oder Zahlen durchsuchen und Suchmaschinen nennen mir auch nicht den Inhalt.

Ein zweiter Aspekt ist, das die Informationspolitik jenseits der westlichen Raumfahrtagenturen wie NASA, ESA, DLR, JAXA , CNES … noch weiter abfällt. Nun haben wir aber immer mehr Raumsonden, die von China, Indien oder den UAE kommen. Bei den Trägerraketen gibt es etliche, die von Firmen und nicht Raumfahrtagenturen entwickelt werden und selbst wenn diese im Auftrag einer Raumfahrtagentur entwickelt werden, gibt es von ihnen kaum Daten. Ich beklage das ja bei SpaceX, doch die anderen Firmen wie New Origin, Virgin Galactics, Rocket Lab und andere sind da kein Deut besser.

Ich habe daher eine Entscheidung getroffen. Ich habe jetzt 20 Jahre lang jede neue Trägerrakete und jede Raumsonde auf meiner Website mit einem Artikel gewürdigt, selbst Projekte, die es nie schafften oder nur wenige interessierten, weil sie keine Bilder lieferten. Ich werde das mit diesem Jahr einstellen. 2020 ist ein rundes Jahr, das passt gut und in den nächsten Jahren ist mit etlichen neuen Trägern und Raumsonden zu rechnen auf die die obige Kritik zutrifft.

Mein Anspruch war es immer für die, die es interessiert technisch fundierte Informationen zu bieten, aber wenn ich selbst mangels Informationen nicht viel mehr schreiben kann als die englischsprachige Wikipedia, dann denke ich muss ich mir nicht die Mühe machen.

22.8.2020: Mach dem Speicher Beine

Als Ergänzung zu meiner kleinen Zusammenfassung der Schritte wie man einen Prozessor beschleunigt möchte ich heute ergänzen, wie man den Speicher beschleunigt. Wie bei meinem ersten Aufsatz geht es dabei um Computerentwicklung allgemein und nicht nur um Mikroprozessoren, die meisten Technologien wurden sogar entwickelt, bevor es überhaupt Mikroprozessoren gab.

Das Problem

Das grundlegende Problem war schon immer, und daran hat sich bis heute nichts geändert, das Speicher langsamer als die Logik war. Das muss nicht so sein. Jeder Prozessor, selbst der einfachste benötigt etwas lokalen Speicher zumindest für die Arbeitsregister, heute auch Caches (dazu später) auf dem Chip. Man kann also Speicher aus denselben Elementen aufbauen, wie Logik die in Prozessoren vorherrscht. Nur macht man dies aus wirtschaftlichen Gründen nicht. Dazu ein Beispiel. Gerade auf den Markt gekommen ist der Ryzen 4750G Prozessor. Er hat 9,8 Milliarden Transistoren und kostet 275 Euro. In etwa genauso viel kosten heute 64 GB DDR4 RAM also Speicher.

Man kann aus vier Transistoren ein Element konstruieren, das ein Bit speichert, ein Flip-Flop. Mit 9,8 Milliarden Transistoren könnte man also rund 2,5 Milliarden Bits speichern oder rund 300 MByte. Das sind aber nur ein Zwanzigstel der Speichermenge, die der Arbeitsspeicher für denselben Preis speichert. Arbeitsspeicher in der Technologie aufzubauen, die man für die Logik verwendet geht, ist also sehr teuer. Die Technologie für RAM ist dagegen billiger, aber sie ist langsamer und dieses Problem muss man lösen.

Das war übrigens schon immer so, auch wenn die Technologien wechselten. Die ersten Speicher speicherten die Information akustisch, als Wellen in einer Röhre gefüllt mit Quecksilber, dann kamen magnetisch-mechanische Speicher in Mode (Trommelspeicher, die nach dem Prinzip einer Festplatte arbeiteten, nur war es keine Platte, sondern eine Zylinderoberfläche) und dann die rein magnetische Speicherung auf Ringkernspeichern. Nach einer kurzen Episode, in der tatsächlich für den Speicher dieselbe Technologie wiw für die Logik eingesetzt wurde, (heute als SRAM bezeichnet) kam dann der bis heute übliche DRAM auf, bei dem die Information in dotiertem Silizium gespeichert wird, das sich wie ein Kondensator verhält.

Alle Technologien für Speicher haben das Problem, das sie langsamer als die Logik ihrer Zeit waren. Man kann dies an einer Größe festmachen, die früher gängig war, bei aktuellem DDR-RAM aber durch eine Liste von Timings ersetzt wurde, die Zugriffszeit und Zykluszeit.

Jeder Prozessor arbeitet mit einem Takt und bei jedem Takt macht er nur eine Aufgabe. Spricht er den Speicher an, so legt er bei einem Takt die Informationen auf den Bus und verständigt den Speicher das er Daten holen oder schrieben möchte und beim nächsten Takt will er diese Information holen oder schreiben (es können auch mehrere Takte sein, im Folgenden gehe ich aber mal von einem Takt aus, was bei allen modernen Prozessoren auch so ist). Jeder Speicher hat eine Zugriffszeit, das ist die Zeit, die vergeht, zwischen der Anforderung des Prozessors als Signal auf dem Bus und dem Anliegen der Daten auf dem Bus die vom Speicher kommen. Bei den meisten Speichertypen gibt es noch eine zweite Zeit, die Zykluszeit. Sie entsteht dadurch, dass das Auslesen von Daten meistens den Inhalt zerstört und er neu geschrieben werden muss und auch Schreib-/Lesepuffer Zeit brauchen bis ihre Ladung abgebaut ist. Das obige Flip Flop ist eine Ausnahme von der Regel es hat keine Zykluszeit, bzw. diese ist genauso lange wie die Zugriffszeit. Die Zykluszeit gibt an, wie lange man nach einer Anforderung warten muss, bis man erneut eine Anfrage an den Speicher stellen muss.

Wer wie ich seine ersten Versuche Anfang der Achtziger mit einem C64, CPC 464, Sinclair Spectrum oder ähnlichem Computer machte, der hatte in diesem DRAM Bausteine mit einer Zugriffszeit von 150 bis 200 ns und einer Zykluszeit von 260 bis 350 ns. Prozessoren dieser Zeit (in 8 Bit Rechnern) hatten Taktfrequenzen von 1 bis 4 MHz), der Kehrwert davon waren dann 250 bis 1000 ns, das heißt, die Prozessoren konnten verzögerungsfrei lesen. Das galt, aber nur weil es die langsamsten Prozessoren ihrer Zeit war. Großcomputer arbeiteten dagegen damals schon mit bis zu 250 MHz und für diese waren dann diese Zugriffszeiten viel zu langsam.

Das Dumme nur: Seitdem ist die Taktfrequenz eines PC um etwa das Tausendfache auf 2 bis 5 GHz gestiegen, die Zugriffzeit von DRAM aber nur auf 7 bis 10 ns gesunken, also den Faktor 30. Speicher ist im Vergleich zum Prozessor noch langsamer geworden und unsere Computer wären unerträglich langsam, wenn man diesen Nachteil nicht kaschieren würde. Löst man es nicht, so muss der Prozessor warten, bis der Speicher bereit ist, das kam auch vor, als die Prozessoren nur etwas schneller waren. Rechner der AT-Ära gab es mit 0, 1 oder 2 Wartezyklen zu kaufen – je nach Taktfrequenz und verbautem Speicher.

Taktiken das Problem zu lösen

Es gibt im Prinzip folgende Methoden die Langsamkeit des Speichers zu kaschieren:

Alle Techniken basieren im Wesentlichen auf einer Eigenschaft, sowohl von Code wie Daten: die Linearität. Daten werden nach Deklaration nacheinander im Speicher abgelegt, größere Strukturen wie Felder sind von sich aus lineare organisiert. Code wird meist linear abgewickelt – die Ausnahme sind Sprünge in Unterprogramme und bei Schleifen. Das bedeutet, mit einer großen Wahrscheinlichkeit benötigt man im nächsten Taktzyklus die Daten, die an der nächsten Adresse im Speicher sitzen. Alle Techniken beruhen darauf, diese bereitzustellen, bevor überhaupt eine Anforderung kommt und dann fällt die Zugriffszeit weg oder ist verkürzt. Wechselt die abgerufene Region, dann ist der Vorteil weg. Das ist besonders bei Code ein Problem, weshalb heute Prozessoren sich große Mühe geben Sprünge vorherzusagen und die Daten schon vorab vom Speicher abzuholen.

Zwischenspeichern

Für das Zwischenspeichern baut man einen kleinen Speicher in einer schnellen Technologie wie den obigen Flip-Flops. Er nimmt Daten, auf die man eventuell nochmals braucht oder bald braucht. Die Technologie kommt in verschiedensten Techniken vor.

Seymour Crays Supercomputer hatten einen Instruktionsbuffer. Er nahm die letzten Anweisungen auf, gab es einen Sprung, der meist bei einer Schleife am Schleifenende ist, so wurden die Instruktionen nochmals abgearbeitet und befanden sich im Instruktionsbuffer, mussten also nicht aus dem Speicher geholt werden.

Speicherbänke (Erklärung folgt noch) speicherten ebenfalls die nächsten Informationen aus ddr Adresse die der aktuellen folgt, in einem kleinen Buffer, den sie automatisch füllten und auf den so verzögerungsfrei zugegriffen werden konnte.

Die gängigste Umsetzung des Prinzips ist aber der Cache, der zuerst bei der IBM System 360 eingeführt wurde. Das Prinzip ist recht einfach. Immer wenn Daten oder Code geholt wird, landet eine Koppe in einem schnellen Zwischenspeicher dem Cache. Der Prozessor sieht bei jedem Transfer zuerst nach, ob sich die Daten im Cache befinden und nutzt diese und erst dann zum Speichern. In der Praxis kann die Verwaltung eines Caches durchaus komplex sein, doch dafür verweise ich auf meinen Artikel auf der Webseite. Heutige Prozessoren haben mehrere Caches, die unterschiedlich groß und schnell sind und oft auch aufgeteilt nach Daten oder Code. Sie machen heute von der Chipfläche und Transistorenzahl sogar das Groß des Die aus.

Vorausschauendes Lesen

Wegen der Lokalität und Linearität macht es Sinn Daten zu lesen, bevor der Prozessor sie überhaupt anfordert, auch wenn man sie später verwerfen muss. Praktisch alle Techniken setzen dies, da es wenig Aufwand macht, zusätzlich ein. In der Intel x86 Serie hatte der 80386 zuerst Unterstützung für einen externen Cache, beim Nachfolger 80486 war dann der erste Cache intern verbaut, es gab aber noch einen externen Cache.

Die einfachste Form ist der Prefetch, den z. B. Der 8086 hatte. Da nach jedem Lesen eines Befehls (Speicherzugriff) dieser immer erst dekodiert und ausgeführt werden musste hatte die I/O Einheit die mit dem Speicher kommuniziert, einige Takte lang nichts zu tun und sie nutzte dies, um ein Byte einzulesen. Das kostet wenig Aufwand ist uns weit verbreitet.

Caches sind in Cachelines organisiert, die länger als ein Befehlswort sind, bei aktuellen Prozessoren sind sie z.B. 8 Bytes lang. Auch hier liegt es nahe das man die nächsten Bytes einer Cacheline bald benötigt und es wird immer eine komplette Cacheline aus dem Speicher geholt.

Speicherbänke, die bei Großcomputern verbreitet waren (heute noch in Form von Speicherkanälen auf dem Mainboard) lasen auch meist das nächste Befehlswort aus und speicherten es in einem schnellen Speicher zwischen.

Vorausschauendes Lesen ist aber die Basis für die Performance von DDR-Speicher. Nach dem ersten langsamen Zugriff, der mit der Zugriffszeit eines DRAM erfolgt, liest der Speicher intern nicht die angeforderten Daten aus, sondern 8 weitere Blöcke zu jeweils 64 Bit und überträgt sie bei jedem Flankenwechsel, also zwei Transfers pro Takt. Die Größe ist abgestimmt auf die Cachelines, da es wie bei einer Cacheline genau 64 Bit pro Anforderung sind.

Verteilter Zugriff

Die bei Großcomputern gängigste Taktik ist es, den Speicher in einzelne Sektionen genannt Speicherbänke zu unterteilen. Ein Großcomputer konnte durchaus 256 Speicherbänke haben. Sie waren im Adressbereich so angeordnet, dass ein sequenzieller Zugriff jeweils auf eine andere Speicherbank ging und so im Idealfall bei n Speicherbänken erst nach n Taktzyklen die gleiche Bank wieder zum Zug kam. So kann man die Zykluszeit auf die Zugriffszeit reduzieren. Um auch diese zu umgehen, setzen die Bänke die Technik des Prefetch ein und haben so die Daten der nächsten Adresse schon bereit, wenn der nächste Zugriff kommt. Bei Crays Supercomputern funktionierte das so gut, das diese Computer ohne Caches auskamen und trotzdem es keine Wartezyklen bei linear ausgeführtem Code gab. Dabei war die CPU schon bei der Cray 1 viermal schneller als der Speicher. Ein PC hat meist 2 oder 4 Speicherkanäle, die technisch je eine Bank sind und meist einem Modulsteckplatz entsprechen. Server haben meist mehr Speicherbänke üblich sind 8 oder 16 Kanäle, die jeweils mit einem Modul bestückt werden. Durch Caches ist der Vorteil bei einem PC allerdings relativ klein und liegt bei einer Verdopplung von einem auf zwei Kanäle unter 10 % Geschwindigkeitszuwachs.

Lesen größerer Datenmengen

Auch diese Technik findet man häufig. Angesprochen wurde, das Cachelines länger als ein Befehl sind. Das hat allerdings vor allem organisatorische Gründe. Das Lesen großer Datenmengen hat im eigentlichen Sinn die Aufgabe, gleichzeitig mehrere Befehle oder große Datenblöcke in die Kern-CPU zu transferieren. Der Intel Itanium Prozessor fasste immer drei Instruktionen zu einem Block zusammen der bei einem Transfer übermittelt wurde. Im Allgemeinen heißt die Technik VLIW (Very Long Instruction Word) wenn mehrere Befehle zu einem Block zusammengefasst werden oder SIMD (Single Instruction, Multiple Data) wenn eine Instruktion mehrere Daten bearbeitet und dies ebenfalls einen Block ergibt.

Bei Großrechnern baute man Bussysteme, die relativ breit waren, 256, 512 oder 1024 Bit auf einmal lasen oder schreiben und dabei auch mehrere Speicherbänke parallel ansprachen. Damit waren die Daten für mehrere Instruktionen in Prozessor, selbst wenn der Speicher nur einen Bruchteil dessen Taktfrequenz hatte, man gleich also dessen Langsamkeit damit aus, das das Bussystem viel mehr Daten transferierte, als der Prozessor auf einmal verarbeiten konnte, so hatte der Speicher Zeit, bis diese verarbeitet, waren neue Daten bereitzustellen-

Beim heutigen PC findet man die Technik bei Grafikkarten, wo die CPU festverlötet ist. Dann ist es leichter die vielen Leitungen die man benötigt. zum Speicher zu ziehen, als wenn die CPU getrennt ist und jeder Pin eine bestimmte Mindestgröße haben muss, damit er sich nicht zu leicht bei der Montage verbiegt. Dagegen sind Kupferleitungen auf einer Platine viel dünner und enger platzierbar.

Testen des Effekts der Maßnahmen

Das folgende C-Programm ist eine einfache Matrizenmultiplikation. Sei wird dreimal durchgeführt, wobei jedoch die Schleifenreihenfolge variiert. Wer das Programm übersetzt, wird feststellen, dass die Ausführungsgeschwindigkeit variiert, weil nur in einer Reihenfolge die Caches voll ausgenützt werden. Je nach Größe der Caches (Variieren der Konstante DIM) kann eine Schleifenreihefolge, die zum regelmäßigen Cache-Miss führt, die Geschwindigkeit des Programms um den Faktor 100 heruntersetzen.

#pragma hdrstop

#pragma argsused

#include <tchar.h>

#include <stdio.h>

#include <time.h>


#define DIM 1000

typedef double mat[DIM][DIM];


mat a, b, c;


void clear()


{

for (int i = 0; i < DIM; i++)

for (int j = 0; j < DIM; j++) {

c[i][j] = 0.0;

b[i][j] = i * 1.2;

a[i][j] = j * 1.1;

}

}


int _tmain(int argc, _TCHAR* argv[]) {

time_t zeit1, zeit2;

clear();

zeit1 = time(NULL);

for (int k = 0; k < DIM; k++)

for (int j = 0; j < DIM; j++)

for (int i = 0; i < DIM; i++) {

c[i][j] += a[i][k] * b[k][j];

}

zeit2 = time(NULL);

printf("kji: %f\n", difftime(zeit2, zeit1));

printf("%.0f\n", 2.0*DIM*DIM*DIM / difftime(zeit2, zeit1) / 1000000);

clear();

zeit1 = time(NULL);

for (int k = 0; k < DIM; k++)

for (int i = 0; i < DIM; i++)

for (int j = 0; j < DIM; j++) {

c[i][j] += a[i][k] * b[k][j];

}

zeit2 = time(NULL);

printf("kij: %f \n", difftime(zeit2, zeit1));

printf("%.0f\n", 2.0*DIM*DIM*DIM / difftime(zeit2, zeit1) / 1000000.0);

clear();

zeit1 = time(NULL);

for (int i = 0; i < DIM; i++)

for (int j = 0; j < DIM; j++)

for (int k = 0; k < DIM; k++) {

c[i][j] += a[i][k] * b[k][j];

}

zeit2 = time(NULL);

printf("ijk: %f\n", difftime(zeit2, zeit1));

printf("%.0f\n", 2.0*DIM*DIM*DIM / difftime(zeit2, zeit1) / 1000000.0);

clear();

zeit1 = time(NULL);

for (int j = 0; j < DIM; j++)

for (int i = 0; i < DIM; i++)

for (int k = 0; k < DIM; k++) {

c[i][j] += a[i][k] * b[k][j];

}

zeit2 = time(NULL);

printf("jik: %f\n", difftime(zeit2, zeit1));

printf("%.0f\n", 2.0*DIM*DIM*DIM / difftime(zeit2, zeit1) / 1000000.0);

clear();

zeit1 = time(NULL);

for (int i = 0; i < DIM; i++)

for (int k = 0; k < DIM; k++)

for (int j = 0; j < DIM; j++) {

c[i][j] += a[i][k] * b[k][j];

}

zeit2 = time(NULL);

printf("ikj: %f\n", difftime(zeit2, zeit1));

printf("%.0f\n", 2.0*DIM*DIM*DIM / difftime(zeit2, zeit1) / 1000000.0);

clear();

zeit1 = time(NULL);

for (int j = 0; j < DIM; j++)

for (int k = 0; k < DIM; k++)

for (int i = 0; i < DIM; i++) {

c[i][j] += a[i][k] * b[k][j];

}

zeit2 = time(NULL);

printf("jki: %f\n", difftime(zeit2, zeit1));

printf("%.0f\n", 2.0*DIM*DIM*DIM / difftime(zeit2, zeit1) / 1000000.0);

printf("Ende");

getchar();

return 0;

}

22.8.2020: Russland und seine Nervengifte

Ich war erstaunt, dass man im Fall Nawalny in der Charité noch nachweisen konnte, dass er vergiftet wurde, auch wenn man nur die Stoffgruppe der Cholinesterasehemmer ausmachen konnte und nicht den konkreten Wirkstoff. Ich dachte sofort an den Fall Skripal, wo vor zwei Jahren der Agent und seine Tochter mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet wurden, das genau zu dieser Stoffgruppe gehört.

Zuerst einmal eine ganz kleine und ganz einfache Einführung denn es geht nicht um die Wirkung des Gifts, sondern das Verhalten Russlands. Mehr über die genaue Wirkungsweise in den Links.

Acetylcholin ist einer der Neurotransmitter im Körper. Alle Nervenzellen enden irgendwann einmal und der Impuls muss zwischen zwei Nervenzellen weitergegeben werden. Dazu dienen Botenstoffe, einer dieser ist Acetylcholin. Er wird aus Acetyl und Cholin in der Nervenzelle synthetisiert die einen Impuls weitergeben will, dann ausgeschüttet und diffundiert im interzellulären Medium. Einige Moleküle docken an einen Rezeptor an, der nur auf eine bestimmte chemische Struktur reagiert die Acetylcholin aufweist, das löst wenn eine bestimmte Schwelle an besetzten Rezeptoren erreicht ist, in dieser Zelle einen Übertragungsimpuls aus indem Kanäle Ionen einströmen lassen was die elektrische Ladung verändert. Damit der Impuls nicht dauerhaft die Zelle belastet, wird das Acetylcholin durch ein Enzym, die Cholinesterase wieder in seine Bestandteile zerlegt.

Viele Nervengift wirken, indem sie in diesen Mechanismus eingreifen. Die beiden häufigsten Ansatzpunkte sind:

Da Acetylcholin Transmitter in den Nerven ist, die Organe und Muskeln steuern, treten, wenn die Cholinesterase gehemmt wird, dauernde Kontraktionen auf, bedingt durch dauernd feuernde Nerven. Die Krämpfe sind schmerzhaft, und wenn die Atemorgane betroffen sind, ersticken die Personen.

Soviel zur Wirkung. Schon in den Dreißigern entdeckte man die Vorfahren der heutigen Kampfstoffe Sarin und Tabun. Auch Nowitschok basiert letztendlich auf der Grundstruktur dieser Moleküle. Sie hemmen die Cholinesterase permanent und führen deswegen bei ausreichender Dosis zwangsläufig zum Tod. Medikamente für Alzheimer enthalten auch Cholinesterasehemmer aber diese hemmen das Enzym nicht permanent und bei Abbau der Wirkstoffe stellt sich wieder ein normales Niveau an Acetylcholin ein. Sie sollen die Acetylcholinkonzentration erhöhen, was die Symptome der Alzheimerkrankheit etwas bessert.

Zeitlich dazwischen liegen Insektizide. Denn der Mechanismus der Nervenleitung ist universell und tritt auch bei anderen Lebewesen auf. Nur hat die Cholinesterase bei ihnen einen anderen Aufbau. Die ersten Insektizide, die das Prinzip nutzten hatten Cholinesterasehemmer, die auch eine hohe Warmblütertoxizität hatten. Bekannt wurde E605, Parathion mit der in den Fünfziger Jahren eine Frau ihre Ehemänner vergiftete. Heutige Substanzen sind so designt, dass sie bei Insekten gut wirken, aber für Warmblüter nur gering toxisch sind. Dies geht, weil die Enzyme unterschiedliche aktive Zentren haben, die man mit unterschiedlich gebauten Molekülen blockieren kann.

Gegen eine Blockierung der Cholinesterase kann man wenig tun. Die wirksamste Soforthilfe ist es einen der Stoffe einzusetzen, welche die Rezeptoren blockieren, z.B. Atropin, das sonst selbst ein Nervengift ist. Dann unterbleibt wenigstens die Nervenleitung. Ansonsten kann man nur die Leute so lange am Leben erhalten, bis der Körper den Cholinesterasehemmer abgebaut hat und wieder genügend Cholinesterase gebildet hat. Umgekehrt sind dann Cholinesterasehemmer Gegengifte gegen Substanzen, die den Rezeptor blockieren wie z.B. beim Pfeilgift Cuare.

Nach dieser kleinen Einleitung zum eigentlichen Punkt. Als Nawalny vergiftet wurde und es zuerst vom Krankenhaus in Omsk das Statement gab, es wäre eine Stoffwechselentgleisung und es gäbe einen niedrigen Blutzucker. Da meinte ich Russland hat es geschickt gemacht. Besser als mit radioaktivem Polonium oder Nowitschok, die man beide nachweisen kann, wenn auch nicht gerade einfach. Es gibt genügend Gifte, die man nicht nachweisen kann – die Aussage stammt nicht von mir sondern einem Gerichtsmediziner aus einer Reportage. Natürlich hat er nicht gesagt welche dies sind. Aber ich kann es mir denken. Das sind körpereigene Substanzen, wahrscheinlich vor allem Hormone, die wenn falsch dosiert, tödlich sein können. Ich weiß das wenn man einem Gesunden, nicht an Insulinmangel (Diabetes) erkrankten Insulin in hoher Dosis spritzt das den Blutzucker so weit sinken lassen kann das der Patent in das diabetöse Koma fällt und versterben kann, wenn das Gehirn so zu wenig Glucose bekommt. Nur ist Insulin ein Protein, das bei de Verstauung zerstört wird. Für Typ II Diabetes gibt es aber auch oral aufgenommene Medikamente und als ich von niedrigem Blutzuckerspiegel und Stoffwechselentgleisung hörte, dachte ich sofort an diese Medikamentengruppe. Wahrscheinlich würde ein Mediziner der ein nicht nachweisbares Gift beibringen muss aber noch was Wirkungsvolleres und weniger gut Nachweisbares kennen.

Die Nachricht der Charité lässt so aber das Krankenhaus in Omsk schlecht aussehen. Also entweder sind diese völlig inkompetent, wenn sie sofort nach dem Einliefern nicht ein Nervengift feststellen können oder sie wurden vom Staat verdonnert nichts zu sagen – wurden sie auch verdonnert, ihren Patienten nicht richtig zu behandeln? In jedem Falle habe ich kein Vertrauen in ein russisches Krankenhaus. Die Charité hat nach Tagen sicher nicht die Substanz nachweisen können. Es scheint als wäre die Hauptstrategie gewesen, Zeit zu gewinnen, um den Nachweis unmöglich zu machen. Die Charité wird wahrscheinlich nur noch festgestellt haben das Acetylcholin in zu hoher Konzentration im Serum vorlag, als Folge der Hemmung der Cholinesterase.

Was für mich auch bleibt, ist das Russland wohl überall abgebaut hat. In der Raumfahrt ist das offensichtlich, aber ich dachte bei den Stützen des Systems, dem Militär und den Geheimdiensten, würde man noch ein Niveau halten schon um das Regime am Leben zu erhalten. So sehe ich aber drei Fälle in denen unerwünschte Personen mit Nowitschok vergiftet wurden und alle drei haben es überlebt. Man nimmt als Laie ja an das Sie die LD50 Dosis ihres Giftes kennen und mindestens diese applizieren, besser ein vielfaches davon. Aber das klappt wohl nicht. Wahrscheinlich auch deswegen wurden die meisten anderen unerwünschten Personen erschossen, ist auffälliger, sieht zwar garantiert nicht nach Unfall aus, scheint aber wenigstens noch zu klappen.

In jedem Fall zeigt es die Schwäche Putins. Schon wer darauf angewiesen ist, seien politischen Gegner zu beseitigen ist schwach, aber nicht mal das bekommt sein Apparat hin.

23.8.2020: Klima und Corona

Am letzten Freitag waren Greta Thunberg und Luisa Neubauer bei der Kanzlerin. Herausgekommen ist heiße Luft oder um es in anders zu sagen: man hätte auch rumoxidieren können, denn es wurde nur gemerkelt.

Inder Tat ist der Klimaschutz in Zeiten von Corona in den Hintergrund getreten. Demonstrationen mit 1,5 m Abstand gehen auch nicht und die Klimaschützer haben ja anders als die Coronaleugner noch genug Verstand die Maßnahmen einzuhalten, auch wenn sie wohl das geringste Ansteckungsrisiko haben. (Hat mal jemand nachgeforscht, inwieweit die nun steigenden Ansteckungszahlen auch auf diese Demonstrationen zurückgehen ?). Immerhin hat die Polizei in Berlin eine erneute Anti-Corona Demonstration verboten, weil die Regeln nach dem Seuchengesetz nicht eingehalten werden – die gelten auch für die Coronakritiker. Sie können auf eine Änderung durch eine Demonstration aufmerksam machen, aber solange diese nicht erfolgt haben sie wie andere auch sich an die Regeln zu halten. Ob die Regeln auch bei der Dance-Party, pardon Kundgebung gelten?

Ich knüpfe in diesem Blog mal an einen Kommentar von Anja an, der den Fall einer Corona-Überlebenden schildert, welche die Vorsichtsmaßnahmen ignoriert, trotz zweier verstorbener Verwandter. Wir haben jetzt erhöhte Fallzahlen. Zum Teil durch Urlaubsheimkehrer, zum Teil steigen sie aber auch so an. Warum? Weil die Leute nach einigen Monaten nachlässig werden. Corona hat zwei Eigenschaften die für unseren verstand der die meisten Entscheidungen autonom fällen muss verheerend sind: es ist unsichtbar und es zwingt dazu, das Verhalten zu ändern.

Die Ansteckung durch das Coronavirus kann man nicht sehen, manch einer leugnet daher auch seine Existenz wie Alexander Lukaschenko. Mit Gefahren, die man nicht direkt sehen kann, tun wir uns schwer. Wir neigen dazu sie zu verharmlosen oder im Gegenteil für extrem gefährlich zu halten. Beispiel für das Erste, liefern die Anti-Corona Demonstrationen, als Beispiel für das zweite fallen mir immer spontan die Hexenverbrennungen ein. Eine Historikerin bezeichnete den Hexenglauben in einem Interview (von mir überspitzt) als das WLAN des Mittelalters – man sieht es nicht, weiß aber immer das es da ist. Eine moderne Form derselben Hysterie hat wohl jeder über 40-Jährige miterlebt als 1986 Tschernobyl explodiere. Auch Radioaktivität kann man nicht sehen …

Aber bald wird man von der Gewohnheit eingeholt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wir können nicht bei allem, was wir tun, bewusst nachdenken. Das meiste macht unser Gehirn im Blindflug, wenn wir es lange genug geübt haben. So auch bei den Maßnahmen bei Corona. Eine Moderatorin sagte im Radio sie setze schon automatisch die Maske auf, wenn sie aus dem Haus geht – so weit bin ich noch nicht, weil ich sie nur zum Einkaufen also zweimal in der Woche brauche. Dafür steckt immer eine in der Fahrradtasche, weil ich sie zu gerne vergesse. Die Gewohnheit betrifft aber nicht nur Tätigkeiten, sie betrifft die Wahrnehmung und das ist gut so. Würden wir uns dauernd darauf konzentrieren, welche Gefahren uns dauernd im Alltag drohen, wir wären nicht mehr fähig irgendetwas zu tun. Versuchen sie mal in einer Fußgängerzone permanent den 1,5 m Abstand einzuhalten, sie drehen durch. Ich denke eine Kombination dieser beiden Dinge hat wohl auch die Kollegin von Anja bewogen, ihren Trip im Matrazenlager zu starten.

Dazu kommt noch das wir uns mit der Risikobewertung insgesamt sehr schlecht tun, vor allem wenn es um eine abstrakte Gefahr wie die Ansteckung geht.

Was hat das nun mit dem Klima zu tun. Nun außer das es nach dem drittem Dürresommer erneut in der Diskussion ist teilt es vieles mit dem Coronavirus. Auch die Bedrohung durch Klimaveränderung ist unsichtbar. Damit greifen die gleichen Mechanismen wie bei der Ansteckung. Es ist noch schlimmer. Die Klimaveränderung ist ein Ergebnis aller. Eigene Maßnahmen mögen etwas bewegen aber eine echte Veränderung wird es nur geben, wenn alle etwas tun und wenn ich alle sage meine ich zumindest alle, die viele klimarelevante Emissionen verursachen. Und man kann sich gegen Klimaveränderung nur bedingt schützen. Klar man kann sein eigenes Haus mit einer Klimaanlage versehen, aber das Absterben von Bäumen, Trockenheit auf den Feldern und die Hitze draußen kann man nicht beeinflussen. Ebenso wenig Naturkatastrophen wir Stürme, Überschwemmungen und Feuer. Und wenn man was tun muss, dann ist der finanzielle und persönliche Einsatz höher als nur eine Stoffmaske zu tragen und mehr Abstand zu halten.

Für unsere Regierung wichtig ist, dass sie zwar weiß, das die Klimaveränderung viel mehr Arbeitsplätze gefährdet als die Coronakrise, aber nationale Maßnahmen angesichts eines weltweiten Problems nur geringe Wirkung zeigen. Könnte man die Klimaveränderung mit Maßnahmen wie Reisestopp, Verbot von Veranstaltungen stoppen, wir hätten solche Maßnahmen längst. Auf der anderen Seite haut die Koalition Hunderte von Milliarden als Hilfe bei Corona raus. Ein Bruchteil des Geldes investiert in eine Wandlung der Branchen hin zu Klimaneutralität würde den nationalen Klimazielen mehr helfen. Gerade kam in den Nachrichten das nun die ersten Gelder des 40 Millairdenpakets für den Braunkohleausstieg fließen. Diese 40 Milliarden sollen nur etwa 20.000 Arbeitsplätze die wegfallen durch neue ersetzen. Das ist viel Geld für wenige Arbeitsplätze. Wären die Coronamaßnahmen genauso ineffektiv, man könnte mit den 750 Milliarden gerade mal 375.000 Arbeitsplätze sichern – wenig wenn man bedenkt das im zweiten Quartal die gesamte Wirtschaftsleistung um 9,7 % sank, was wenn man bedenkt das 44,5 Milliarden beschäftigt sind, wäre schon ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um 1 % mehr als diese 375.000 Arbeitsplätze.

Ich bin der Meinung das man mehr ins Klima investieren muss. Zum einen und das dies nicht selbstverständlich ist, hat mich sehr erstaunt hat man die Gelder nicht an Bedingungen geknüpft, das die Empfänger in ihren betrieben konkrete Maßnahmen zu mehr Klimaneutralität ergreifen. Klar brauchen sie jetzt erst mal das Geld, um überhaupt überleben zu können. Doch die meisten Gelder müssen sie ja nicht zurückzahlen. Da kann man erwarten das, wenn das Geschäft wieder läuft, die aus dem Unternehmensgewinn Maßnahmen zum Klimaschutz ergreifen. Das nächste ist das es nicht die Aufgabe der Regierung ist jede Branche zu unterstützen, die einfach keine Zukunft hat. Nehmen wir die Braunkohle. Beim Erzeugerpreis trennen heute regenerative Energien und Braunkohle nur wenige Cent. Durch die Kohlendioxidsteuer wird Braunkohle innerhalb weniger Jahre teurer als regenerative Energien werden und dann hat sich das mit dem Ausstieg weitestgehend von selbst erledigt. Stattdessen sollte man andere Maßnahmen mit dem Geld fördern. Klar ist das für einige Regionen hart, aber als die DDR zusammenbrach, hat man ja auch nicht Gelder bereitgestellt um da neue Industrie anzusiedeln und wenn ich an die Automobilindustrie denke die ja auch nur in bestimmten Regionen angesiedelt ist dann wird man es sich auch nicht leisten können diese künstlich am Leben zu erhalten, denn da gibt es etwa zwanzigmal so viele Arbeitsplätze und die Regionen wären noch stärker betroffen.

Meine Meinung nach ist es die Aufgabe der Politik zu lenken. Es gibt ein Ziel und damit man dieses erreicht, kann sie die Rahmenbedingungen setzen wie eben Kohlendioxidsteuer, Vorschriften für Energieeinsparung, erleichtere Planverfahren oder sie kann Starthilfe durch Subventionen geben, aber Starthilfe heißt nicht Dauersubvention. Und da tut sie eindeutig zu wenig.

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