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Web Log Teil 601: 29.9.2020 - 7.10.2020

29.9.2020: Der Himmelskörper mit Action

Ich will heute mal ein neues Thema aufgreifen, auf das ich beim Schreiben über Solar Orbiter gekommen bin. Es geht um die Amateurastronomie und ein vernachlässigtes Objekt – die Sonne. Was ich schreibe ist nicht neu, auf meiner Website gibt es eine ganze Rubrik zum Thema Teleskope. Aber im Blog kann man auch kommentieren und Fragen stellen.

Das die Sonne so stiefmütterlich davon kommt, ist, insofern paradox als das Sie - siehe Überschrift - der einzige Himmelskörper ist, auf dem ein Amateur Veränderungen sehen kann. Klar gibt es auch Veränderurngen bei den Bändern von Jupiter, doch die sieht man nicht visuell und auch fotografisch ist einiges an Aufwand zu treiben, um sie sichtbar zu machen. Ähnliches gilt auch für die anderen Planeten und der Mond, nun ja neue Krater gibt es schon, doch die sind heute so klein, das sie nur ein Mondsatellit ausmacht.

Wie beobachte ich die Sonne

Jeder hat mal als Kind den Ratschlag bekommen, nicht direkt in die Sonne zu sehen und das ist auch ernst zu nehmen. Die Helligkeit der Sonne alleine, ohne Verstärkung durch ein Fernrohr, kann schon Augen schädigen, im Brennpunkt eines Okulars kann man problemlos Papier oder Holz entzünden. Also die Sonne so wie den Nachthimmel beobachten, geht nicht. Es gibt drei Möglichkeiten, je mit Vor und Nachteilen:

Objektivsonnenfilter

Ein Objektivsonnenfilter wird vor das Objektiv, das ist der vordere Teil des Tubus, wo das Licht einfällt, angebracht. Er lässt nur einen kleinen Teil des Lichts durch, wobei bessere Filter dann verschiedene Abstufungen haben – wenn man fotografiert, kann es mehr sein als beim Beobachten. Das ist die gefahrloseste Art und auch die beste Art, wenn man ein größeres Teleskop hat, dass entsprechend mehr Licht bündelt.

Preislich gibt es große Unterschiede. Am unteren Ende rangiert Sonnenfilterfolie, das ist eine silbrig beschichtete Folie, die mancher von den Brillen für Sonnenfinsternisse kennt. Sie ist preiswert, lässt nur wenig Licht durch und fürs visuelle Beobachten gedacht. Aus der Folie kann man sich einen eigenen Filter machen indem man einen Holz. oder Pappring mit der Folie bespannt und noch einige Klemmen anbringt. Etwas teurer, aber auch nicht für Bastler geeignet, sind fertige Objektivfilter mit dieser Folie, die es in verschiedenen Größen gibt. Teuer, vor allem wenn die Öffnung groß ist, sind Glassonnenfilter, sie bestehen wie Sonnenbrillen aus gedunkeltem Glas. SIe sind robuster, das Bild ist besser, da die Folie nie glatt sein wird. Vor allem aber gibt es sie in verschiedenen Lichtabschwächungen, um den Faktor 1000, 10.000 oder 100.000. Es gibt inzwischen auch Teleskope mit integriertem Objektivfilter.

Okularsonnenfilter

Dieser Filter wird vor das Okular geschraubt die Filtergewinde haben. Er ist aber schon dem durch eine Linse oder Spiegel gebündeltem Licht ausgesetzt. Dadurch erhitzt er sich stark. Okularsonnenfilter gibt es nur für billige Teleskope, meistens muss dann auch noch die Öffnung begrenzt werden, damit die Wärmeübertragung verringert wird. Trotzdem sind sie riskant. Sie können leicht durchbrennen und wenn man dann gerade in die Sonne schaut … Okularsonnenfilter kann ich daher nicht empfehlen. Seriöse Astroshops führen sie meist nicht, aber es gibt sie als Bestandteil von billigen Teleskopen zusammen mit den Okularen und dem Mondfilter.

Projektion

Die sicherste Möglichkeit ist die Sonnenprojektion. Dafür wird an den Okularauszug mit Streben ein Projektionsschirm geschraubt, auf ihn wird wie bei einem Diaprojektor das Bild der Sonne projiziert. Diese Methode hat Vor- und Nachteile. Von Vorteil ist, dass man nicht in das Teleskop reinschauen muss. Nicht nur wegen der Sicherheit, sondern auch weil man dann bei hellem Umgebungslicht auf ein sehr dunkles Bild schaut, ist das ziemlich anstrengend. Vielleicht wird es besser wenn man, wie früher die Fotografen das unter einer Decke macht. Von Vorteil ist auch das diese Methode es erlaubt, das mehrere Leute das Bild sehen. Es ist bei Vorführungen daher sehr beliebt. Als Nachteil kann man das Bild nur umständlich abfotografieren und es ist bedingt durch die Wandstruktur nicht so scharf wie bei der direkten Beobachtung.

Welches Teleskop

Auch wenn man so Zusatzkosten von – je nach Wahl des Beobachtungsmittels von 20 bis 200 Euro hat, es gibt eine gute Nachricht – man braucht kein teures Teleskop! Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen hat die Sonne eine ziemliche Größe, etwas mehr als ein halbes Grad, sodass sie schon bei 100-facher Vergrößerung formatfüllend ist. Als Zweites sorgt die Sonne selbst dafür. Sie heizt die Luft auf, es kommt zur Turbulenz. Ein Teleskop wird bei Tag selten eine bessere Auflösung als 2 Bogensekunden erreichen, und die erreicht schon ein Teleskop mit 60 mm Durchmesser der Optik, was am unteren Rand angesiedelt ist. Natürlich kann man wie bei anderen astronomischen Beobachtungen die Unruhe einfrieren, indem man sehr viele kurzzeitbelichtete Aufnahmen macht, doch das wird dann schon sehr aufwendig und beim visuellen Beobachten geht das sowieso nicht.

Man kann aber auch für ein Teleskop erheblich mehr ausgeben, obwohl es immer noch nur 50 oder 60 mm Durchmesser hat. Das liegt an der Sonne selbst. Schaut man durch ein normales Teleskop auf die Sonne, so sieht man eine helle Scheibe ohne Struktur, am Rand dunkler werdend. Das Einzige was man visuell erkennen kann sind die Sonnenflecken, die für Aktion sorgen, denn sie entstehen und vergehen und sie wandern – die Sonne rotiert (am Äquator in 25 Tagen) um ihre eigene Achse. Erkennbar ist der dunkle Kern und der graue Außenbereich bei größerer Vergrößerung sieht man auch in diesem noch Strukturen. Doch für die Granulation der Sonne ist für das Auge der Kontrast zu gering und sie liegt auch an der Auflösungsgrenze des Auges. Auf dem Foto kann man sie mit Kontrastanhebung noch sichtbar machen. Das Bild links ist schon ein relativ gutes das den visuellen Eindruck wiedergibt. Meistens ist aber die Sonne im Fernrohr anders eingefärbt, bei der Sonnenfilterfolie, die ich verwende, ist sie meist grau mit leichtem Blaustich.

Will man mehr sehen, so muss man die Sonne in einem engbandigen Bereich um die Spektrallinie H Alpha (H-α) beobachten, die im roten Spektralbereich liegt. Je nach Halbwertsbreite sieht man dann Prototuberanzen (Gasausbrüche, vor allem am Rand sichtbar) oder Flares und man sieht auch die Granulation. Der bittere Tropfen: solche Filter mit einer Bandbreite von weniger als 1 nm sind richtig teuer. Mehrere Tausend Euro für einen besonders engbandigen 60-mm-Filter sind normal, und es gibt sie meist auch nur in kleinen Größen, eben aufgrund der Kosten und des oben geschriebenen für die Turbulenz. Für ein fertiges Sonnenteleskop mit H Alpha Filter beginnen die Preise bei 1000 Euro für ein 40-mm-Teleskop …

Erwähnt sei noch der Coronograph. Wie der Name andeutet, ist das ein Teleskop zur Beobachtung der Corona. Im Prinzip ist das eine künstliche Sonnenfinsternis. Nur deckt eben nicht der Mond die Sonne ab, sondern ein Körper, eine Kegelblende. im Teleskop. Man kann dann die Prototuberanzen am Rand beobachten, bei längerer Belichtungszeit auch die Corona aufnehmen. Allerdings ist es nicht so einfach wie bei der Sonnenfinsternis. Streulicht bedingt durch Atmosphäre, die Optik und Tubus stört, daneben muss man die Größe des Kegels, der die Sonne abdeckt, anpassen, denn die Entfernung Erde-Sonne schwankt um 3 % während eines Jahrs und die Atmosphäre tut ihr übriges. Sie beugt die Strahlen und macht die Sonne so größer, wenn sie nahe am Horizont steht. Coronographen kann man daher nicht fertig kaufen. Die Einzigen, die ich kenne, haben engagierte Amateurastronomen selbst gebastelt.

Sonne ist immer

Neben dem Aspekt das die Sonne immer anders aussieht gibt es noch einen zweiten Aspekt – es gibt viel mehr Gelegenheiten die Sonne zu beobachten. Die meisten von uns sind ja mehr oder weniger beschäftigt, aber selbst für Berufstätige ist es so, dass mit Ausnahme des Winters man noch einige Stunden Sonnenschein am Tag hat, die man zur Beobachtung nutzen kann. Am Wochenende hat man den ganzen Tag dafür Zeit. Anvisiert ist die Sonne schnell (Tipp: einfach auf minimalen Schatten des Tubus achten). Dagegen muss man, wenn man nicht gerade Mond und Planeten beobachtet, einige Stunden nach Sonnenuntergang warten, bis es richtig dunkel ist und selbst dann stören Turbulenzen deutlich mehr als bei der Sonnenbeobachtung. Das geht nur, wenn man am nächsten Tag dann länger ausschlafen kann. Die meiner Erfahrung nach besten Bedingungen gibt es im Winter bei Temperaturen unter 0 Grad, wenn auch der Wasserdampf in der Atmosphäre als Eis ausgefallen ist und dann im Freien in der Kälte neben einem Teleskop stehen, ist nicht jedermanns Sache. Die Sonne kann man notfalls auch durchs Fenster anvisieren, die paar Millimeter Glas stören bei der Atmosphäre dann nicht mehr viel.

Universell

Ein Teleskop, das man für die Sonnenbeobachtung nutzen kann, kann man ohne Filter oder Projektionsschirm auch für andere Beobachtungen nutzen. Allerdings eignen sich Linsenteleskope besser für die Sonnenbeobachtung als Spiegelteleskope. Der gefaltete Strahlengang und der Spiegel im Strahlengang sorgen für Reflexionen, die den Kontrast senken. Für die Beobachtung der Sonne ist eine relativ lange Brennweite von Vorteil, weil man dann Okulare mit großen Feldlinsen einsetzen kann, dann ist das Einblickverhalten besser, vor allem eben am Tage, wenn alles um das Teleskop herum heller als das Bild im Teleskop ist. Für die Beobachtungen bei Nacht bevorzugen die meisten aber kurzbrennweitige Instrumente, da sie mehr Licht einfangen. Ebenso reicht für die Sonnenbeobachtung ein 50 oder 60 mm Refraktor, während so was bei Hobbyastronomen als Grabbelware vom Discounter gilt. Man sollte aber eines nicht vergessen: ein 60-mm-Linsenteleskop hat die zehnfache Öffnung des Auges. Ein 120-mm-Teleskop bringt nur noch eine Verdopplung und ein 240-mm-Teleskop eine Vervierfachung – der Sprung ist also nicht mehr so groß, dafür kostet es mehr als das zwanzigfache.

Wer Tag- und Nachtbeobachtung anstrebt, sollte meiner Ansicht nach zu einem mittelgroßen Linsenteleskop, so 80 bis 102 mm Linsendurchmesser greifen. Die sind noch bezahlbar und haben dann meist auch eine mittlere Brennweite (F/D = 8 bis 12), weil sie sonst zu lange Tuben haben. Mein allgemeiner Rat, leider auch für spezialisierte Shops, die nur Teleskope anbieten ist es Montierung und Tubus (OTA – Optical Tube Assembly) separat zu kaufen, denn aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen werden, die meisten Teleskope mit Montierungen verkauft, die wackelig sind oder schlicht und einfach nicht das Gewicht des Tubus tragen können. Das kann jeder nachprüfen, indem er in dem Shop nach dem Gewicht des Tubus sucht und dann nach der Monierung, die es meist auch separat zu kaufen gibt. Lieber die Monierung eine Nummer größer kaufen, zumal als Zusatzgewicht ja noch Kamera oder Projektionsschirm hinzukommen oder als Faustregel – eine gute Monierung kostet schon ohne Schnickschnack wie Motoren so viel wie der Tubus.

Fotografie

Will man fotografieren, so legt der Sensor der Kamera die Anforderungen fest. Man benötigt, weil man sowieso nur kurze Zeit belichtet, keine astronomische Kamera, eine einfache Spiegelreflex (man benötigt nur den Body und einen Adapter für das Teleskop) reicht. Da es bei Spiegelreflexkameras drei definierte Sensorgrößen gibt, kann man leicht die Brennweite des Teleskops für eine bildfüllende Abbildung in der kleineren Bildachse berechnen:

Sensor

Abmessungen Sensor

Brennweite für Sonne = kleine Bildachse

APS-C

22,5 x 15 mm

1.612 mm

Kleinbild

36 x 24 mm

2.579 mm

Mikro-Four-Thirds

17,85 x 11,9 mm

1.278 mm

Im Normalfall wird die Sonne natürlich nicht das ganze Bild ausfüllen, wenn sie zu 2/3 das Bild ausfüllen sollte, müsste man die Brennweite mit 2/3 multiplizieren. Man sieht – ein kleinerer Sensor ist von Vorteil. Vor allem nehmen Bildfehler auch mit Abstand von der optischen Achse zu, sodass man sich wohl eher eine Einstiegskamera mit APS-C Sensor zulegen sollte, wenn man noch keine hat.

Die Pixelgröße spielt keine Rolle, da es Licht genügend gibt. Das Vollformat, das sonst bei Hobbyastronomen dominiert, bringt also keine Vorteile. Ebenso müssen es wegen der Turbulenz nicht viele Pixel sein – selbst bei 1 Bogensekunde Auflösung (was ein Teleskop von 120 mm Durchmesser erfordert) wäre die Sonne nur 1.920 Pixel groß. Das entspricht dann beim 3:2 Format nicht mal 6 MP für den Sensor. Dafür sollte man für die Fotografie einen Glasobjektivfilter nehmen, idealerweise mit einer Abschwächung, die nicht so stark ist. 1/1000 nimmt man für die reine Fotografie, 1/100.000 für die reine Beobachtung, 1/10.000 eignet sich für beide Anwendungen.

Populär ist es inzwischen, mit einer Halterung das Smartphone hinter das Okular zu klemmen und so zu fotografieren – ein Smartphone hat ja schließlich jeder. ABER … eine Spiegelreflex ersetzt das Okular, wer einmal Okularprojektion betrieben hat, kennt die Effekte auf dem Bild wir Farbsäume und Unschärfe jenseits der Bildmitte. Das Smartphone addiert ein weiteres Linsensystem, das weitere Einflüsse auf die optische Qualität hat. Wem eine neue Spiegelreflex zu teuer ist, kann leicht auf ebay, eine gebrauchte kaufen (es reicht sogar der Body ohne Körper) und die braucht auch nicht viele Megapixel.

Kaufempfehlung?

Nein ich mache keine Kaufempfehlung. Zum einen variieren die Angebote in den Shops dauernd, sodass ein Link bald wieder ins Leere führt. Zum anderen müsste ich dann ja das Teleskop selbst getestet haben, denn ich kann nicht guten Gewissens etwas empfehlen was ich nie ausprobiert habe. Aber hier ein paar Links zu Amazon Rubriken:

Sonnenfilter (meist Folie)

Sonnenprojektionsschirm für 1,25 Zoll Okularauszüge

Sonnenprojektionsschirm für 2 Zoll Okularauszüge

1.10.2020: Die Verschwörungstheoretiker und Parteien

Nach einer Umfrage hängen ein Drittel der Deutschen Verschwörungstheorien an. Das ist ein Wählerpotenzial, das größer ist als die momentane Zustimmung zur CDU, von den anderen Parteien ganz zu schweigen. Da verwundert es doch, dass es bisher keine Partei für Verschwörungstheoretiker gibt, schließlich gibt es doch für jede Randgruppe inzwischen eine Partei. Zeit das mal zu durchleuchten.

Es ist sicher nicht so, als würden die Anhänger von Verschwörungstheorien sich nicht organisieren können, das beweisen zahlreiche Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen. Andere Gruppen brachten es in kurzer Zeit zustande, nicht nur eine Partei zu gründen, sondern sogar ins Parlament einzuziehen so die Grünen, Linken (aus der WASG) und die AfD. Aber bei der Gründung fängt es das Probelm schon an: eine Partei braucht ja auch ein Parteiprogramm. Das grundsätzliche Problem von Verschwörungstheoretikern ist ja. dass sie gegen etwas sind. Also gegen Chemtrails, Corona-Maßnahmen, Impfen, gegen Erklärungen verschiedener Ereignisse von der Mondlandung bis zum Attentat auf das World Trade Center. Doch schon hier zeigt sich: Sie haben kein eigenes Konzept: Auf die Verschwörungstheorie, die ich kenne, die Mondlandungsverschwörung gemünzt: Sie suchen in Bildern und Dokumenten nach Fehlern, die ihre Ansicht unterstützen. Doch sie haben keinerlei Beweise, ihre Gegentheorie ist eher vage. Ein Parteiprogramm besteht aber aus den Dingen, welche die Partei vorhat. Idealerweise ein Programm für die ganze Gesellschaft und alle politischen Fragen, aber viele Parteien hatten so was am Anfang auch nicht und fingen als Ein-Themen-Partei an. Also so was müsste man hinbekommen und wenn es nur „Chemtrail Verbot“ „kein Zwangsimpfen“ und Aufklärung bei den anderen Verschwörungen ist.

Was aber wirklich die Gründung einer Partei hemmt, ist ein Grundcharakterzug eines Verschwörungstheoretikers. Sie lehnen jede Art von Autoritäten ab. Grundsätzlich gibt es nur eine Autorität und das sind sie selbst. Ich bekomme das immer mit, wenn Leute die keine Ahnung von Raumfahrt und Physik haben, mich belehren wollen. Immerhin wären sie doch daher ein Paradebeispiel für einen Politiker, denn die meinen ja auch meist, sie alleine haben die richtige Lösung. Aber jede Partei braucht einen Vorstand, Generalsekretär und Chef. Das sind dann alles Autoritäten, die für alle sprechen. Und da geht es dann schon los. Jemanden zujubeln, der Parolen bei einer Demo skandiert ist das eine, aber jemanden vertrauen, für einen selbst die nächsten zwei Jahre zu sprechen, egal was er von den Medien gefragt wird – das ist dann schon eine andere Größe. Daher hat es bislang nicht zu einer Verschwörungstheorie gereicht.

Hat es nicht? Nein hat es. Sie heißt nur anders. Nämlich AfD. Die Abneigung gegen Autoritäten zeigt sich darin, dass zwei Führungspersönlichkeiten nämlich Lucke und Petry geschasst wurden und die vielen parteiinternen Querelen, Parteiausschlussverfahren und Flügelkämpfe.

Auch das Problem eine Partei für alle zu sein, also ein Programm zu haben, das über Verschwörungstheorien hinausgeht, also so was Unwichtiges wie Sozialpolitik, Außenpolitik, Bildungspolitik oder Antworten auf Probleme und Fragen wie z.B. die Renten in Zukunft finanziert werden sollen, welche Politik man in der EU verfolgen will oder wie die Beziehung zu Russland sein soll. Auch hier kann die AfD dem Klischee folgen: So glänzte Alexander Gauland vor zwei Jahren damit, auf viele politische Fragen von teilweise fundamentaler Bedeutung keine Antwort zu haben. Wohlgemerkt als Parteivorsitzender einer im Bundestag vertretenen Partei.

Vor allem aber springt die AfD auf jeden Trend auf, was auch nur nach einer Bewegung aussieht. Als sie unter Bernd Lucke noch vornehmlich eine Europa-kritisch/wirtschaftsliberale Partei war, begannen AfD Prominente damit auf PEGIDA Demonstrationen Reden zu halten, wie der damals noch wenig bekannte Björn Höcke. Inzwischen hat dieser fremdenfeindliche und rassistische Flügel die Partei übernommen, Lucke wurde geschasst. Auch das Leugnen des Klimawandels gehört zur AfD – wenn auch, nachdem Reporter einem Abgeordneten der sagte, das wäre nicht beweisen entgegenhielten, das sei doch Schulwissen inzwischen so das man den Klimawandel nicht leugnet sondern das er vom Menschen kommt. Die Lösung von Beatrix von Storch: Die Sonne solle weniger scheinen.

Nun waren bei der großen Berlindemo von Bewegung 0711 auch 21 Afd-Abgeordnete des Bundestags dabei, da konnte man schon ahnen, das sie ein neues Thema gefunden haben, nachdem sie im Frühjahr noch für alle Maßnahmen waren. Gestern bei der Haushaltsdebatte dann die Forderung alle Corona-Maßnahmen aufzuheben, weil sie dir Grundrechte einschränken. Wie wir wissen sind die AfD Anhänger ja für die Grundrechte, vor allem für die Meinungs- und Pressefreiheit, Stichwort „Lügenpresse“. Man muss schon ziemlich bescheuert sein, gerade in der derzeitigen Situation die Abschaffung aller Maßnahmen zu fordern. Über das hätte man diskutieren können, als die Fallzahlen wirklich niedrig waren, weil die Maßnahmen erfolgreich waren, so im Juni, Juli. Aber seitdem steigen sie wieder an. Auch als Folge der Lockerungen, vor allem das man wieder reisen dürfte. Sie sind noch nicht besorgniserregend hoch und der Altersdurchschnitt der Erkrankten ist deutlich gesunken, sodass es trotz mehr Infektionen weniger Erkrankte in den Krankenhäusern gibt. Klar gibt es auch einen Effekt durch mehr Tests als noch im Frühjahr gemacht wurden, aber selbst als Prozentsatz der durchgeführten Tests formuliert sind heute die Zahlen etwa dreimal so hoch wie noch vor drei Monaten.

Vor allem geht es uns ja noch gut. In den meisten Ländern um uns herum breitet sich die Epidemie aus, in einigen Ländern ist sie schlimmer als im Frühjahr. Ich glaube nicht das wir dauerhaft eine Insel bleiben werden, in der die Epidemie noch beherrscht wird, aber eine Virologin sagte in einem Interview, das läge daran das Deutsche sich besonders stark an die Auflagen hielten und viel Selbstdisziplin haben. Ich würde noch ergänzen, das eine Rolle noch spielt das viele Deutsche gerne die Ordnungsbehörden über Verstöße informieren, sobald sie Regelverstöße sehen. Aber in der Situation in einem Land zu fordern in dem offensichtlich die meisten sich an die Maßnahmen halten sie komplett abzuschaffen, zeigt doch das die AfD gerade wieder eine Wählergruppe erschlossen hat, denn ansonsten geht es ja mit den Meinungsumfragen nach unten.

Fehlt nur noch, das Beatrix von Storch sagt, das Virus solle einfach weniger ansteckend und infektiös sein oder das es in Deutschland so ist, weshalb wir ja auch niedrige Fallzahlen haben und die Maßnahmen abschaffen könnten ...

5.10.2020: Zwei Oberstufen für die Falcon 9

Eigentlich wäre jetzt die Oktobernachlese zu SpaceX dran, aber da gibt es nichts neues. Ein Start wurde schon mehrmals wegen schlechtem Wetter verschoben. Auch sonst keine Ankündigungen, die man kommentieren könnte. Trotzdem, nachdem nun 3/4 des Jahres vorbei ist ein Blick auf meine diesjährige Wette. Ich hatte gewettet, dass sie bis Jahresende maximal 17 Starlink Starts durchführen und es sind bisher 10. Okay, es gab die Coronapause. Aber ich ging auch von 10 kommerziellen Starts dieses Jahr aus und davon gab es nur zwei, das setzt natürlich Kapazitäten frei und nach eigener Aussage wollen sie ja die Starlinks im 2-Wochenrhytmus starten, also müssten es eigentlich mehr sein.

Statt der Nachlese will ich mich einem hypothetischen Thema widmen. Meiner Ansicht nach plant SpaceX die Raketen ja an der Nachfrage vorbei und setzt stattdessen auf Vehikel, die kaum nachgefragt werden wie die Falcon heavy. Ich möchte heute mal skizzieren, wie SpaceX die Falcon heavy relativ einfach durch Oberstufen ersetzen kann. Ich bin mir sicher das habe ich schon mal getan. Aber bestimmt nicht mit einer genauen Simulation.

Die Falcon 9 und ihr Problem

Die Falcon 9 reicht eigentlich für den kommerziellen Markt vollkommen aus. Selbst wenn man die korrekten Nutzlastangaben nimmt, kann sie 6,5 t schwere Satelliten in den GTO transportieren, das ist die höchste Anforderung im kommerziellen Markt. Es gibt vereinzelt einige schwerere Kommunikationssatelliten auf die müsste man verzichten oder wie schon erfolgt gelangen sie nun in einen Sub-GTO.

Für die Firma viel attraktiver ist aber der US-Regierungsmarkt. Auf ihm gibt es nur eine Konkurrenz und das ist ULA. ULA ist aber so teuer, dass sie auf dem kommerziellen Markt keine Rolle spielen. Das heißt man kann Preise verlangen, die viel höher sind als im freien Markt. So gab es diesen Monat einen Auftrag von der NASA. Eine Falcon 9 die für 50 Millionen auf dem freien Markt angeboten wird, kostet die NASA dann 109 Millionen Dollar. Das ist schon mal das doppelte. Zwar verteuert die Bürokratie die Starts, doch bei ULA sind das 20 bis 30 % mehr und nicht über 100 %. Das springt also noch eine kräftige Zusatzrendite aus. Daneben ist der Markt berechenbarer. Die Nutzlasten sind staatsfinanziert und die Zahl der Starts schwankt weitaus weniger stark als die kommerzieller Starts. Wie schon geschrieben, dieses Jahr waren es gerade mal zwei kommerzielle Starts.

Allerdings gibt es zwei technische Anforderungen, die für die Falcon 9 zum Problem werden. Während bei kommerziellen Starts der GTO mit rund 10,2 km/s die maximale Geschwindigkeitsanforderung ist, ist es für die NASA mindestens eine Fluchtbahn zu Mars, etwa 11,7 km/s. Für das Militär sind es direkte GEO-Missionen mit rund 12,1 km/s. Die meisten militärischen Satelliten haben keinen integrierten Apogäumsantrieb.

Als zweistufige Rakete mit mittelenergetischen Treibstoffen nimmt die Nutzlast jedoch stark ab. Schon vom LEO in den GEO beträgt die Nutzlastabnahme etwa den Faktor 2,7. Andere Träger liegen beim Faktor 2 bis 2,3. Das liegt daran, dass die Oberstufe relativ groß ist, eine Folge der Landung der ersten Stufe, wofür die Abtrenngeschwindigkeit möglichst klein sein sollte. Sie hat daher auch ein hohes Trockengewicht. Es ist zwar nicht genau bekannt, kann aufgrund verschiedener Äußerungen aber auf mindestens 5 bis 6 t geschätzt werden. Bei 6,5 t in den GTO ist das schon genauso viel wie die Nutzlast und bei höheren Geschwindigkeiten nimmt die Nutzlast weiter ab, die Trockenmasse der Oberstufe aber bleibt. Beim Starship wird nach offiziellen Angaben es mit dem Faktor 5 sogar noch extremer werden.

Ich will beleuchten, ob die Falcon 9 mit Oberstufen die nötige Performance erreicht.

Zwei Oberstufen?

Es gibt aus meiner Sicht nach zwei Optionen für Oberstufen. Die eine ist es, die technisch optimale Lösung zu nehmen. Das wäre es ein LOX/LH2 Triebwerk. Die Zweite wäre es die schon für die Dragon entwickelten Super-Dracos zu nehmen. Das spart Geld, der spezifische Impuls ist jedoch niedriger als beim Merlin.

Die LOX/LH2 Stufe habe ich im ersten Versuch so ausgelegt, dass der LH2 Tank die optimale Form hat. Bedingt durch den Durchmesser der Stufe ergibt sich bei einem LOC/LH2 Verhältnis von 6 dann eine Treibstoffzuladung von 32,6 t. Würde man auf den LOX-Tank optimieren (Kugelform, 3,6 m Durchmesser) so käme man auf 28,3 t Treibstoff, also in eine ähnliche Region. Ich habe die etwas geringere Treibstoffzuladung genommen und bin mit dem Voll-/Leermasseverhältnis der DCSS an die Stufe gegangen, dann hätte sie eine Trockenmasse von 3,6 t. Ein spezifischer Impuls von 4400 m/s bei 100 kN Schub habe ich für das Triebwerk angenommen. Das sind alles keine ambitionierten Werte, SpaceX, die sonst Rekorde reklamieren, müssten sie also erreichen können.

Bei der Stufe mit Super-Dracos legen diese Triebwerke den Schub fest. Es sind 67 kN bei 2900 m/s Impuls. Wahrscheinlich sind das Werte von Bodentests und im Vakuum sind sie noch höher. Doch ich arbeite mit ihnen. Zwei Triebwerke geben mehr Schub und erlauben ohne weiteres System die Kontrolle in allen drei Raumachsen. Die Stufe selbst habe ich etwa kleiner gemacht. Man kann hier auf Erfahrungen bei anderen Trägern zurückgreifen. Ich habe 20 t Treibstoff und ein Voll-/Leermasseverhältnis von 12 angenommen, das führt zu 21,7 t Startmasse und 1,7 t Trockenmasse.

Für die Simulation habe ich mein Modell der Falcon 9 so getrimmt, dass es genau die von Koenigsmann angegebenen 5,5 t in den GTO bei Seelandung erreicht.

Modell

GTO

GEO

Falcon 9

5,5 t

1,0 t

Falcon 9 + LOX/LH2

6,4 t

3,5 t

Falcon 9 + Superdracos

5,2 t

2 t

Bei den Diagrammen fiel mir dann der hohe Anstieg bei der LOX-LH2 Stufen aufgrund über 1200 s Brennzeit auf und ich habe sie noch etwas verbessert, indem ich sie verkleinerte. Hier zwei Varianten mit 25 und 20 t Startmasse aber gleichem Strukturfaktor.

Modell

GTO

GEO

Falcon 9

5,5 t

1,0 t

Falcon 9 + LOX/LH2 31,9 t Startmasse

6,4 t

3,5 t

Falcon 9 + LOX/LH2 25 t Startmasse

8,5 t

4,5 t

Falcon 9 + LOX/LH2 25 t Startmasse

9,0 t

4,7 t

Die kleineren Stufen bieten also sogar noch eine etwas höhere Nutzlast, sowohl bei GTO wie Fluchtbahnen. Als Nebeneffekt sind sie auch leichter und die Belastung der Oberstufe geringer. Nicht berücksichtigt, aber in der Realität wichtig ist, dass die Oberstufen die Masse zum Brennschluss der Erststufe anheben. Die Stufentrennung findet so bei niedriger Geschwindigkeit statt. Diese Differenz muss bei der Landung daher die Erststufe nicht abbauen, sie benötigt also für die Landung weniger Treibstoff und könnte daher länger in der eigentlichen Antriebsphase brennen, was die Nutzlast weiter steigert.

Die Oberstufe mit Supoerdracos macht nur Sinn bei hohen Geschwindigkeiten, da ihr spezifischer Impuls doch deutlich schlechter als der der Oberstufe ist. In der Praxis würde man die Düsen verlängern und so Schub und spezifischen Impuls steigern. Doch wie ist die Variante gegenüber ULAs Modellen einzuordnen? Hier die Modelle verglichen mit ULAs Modellen:

Modell

GTO

GEO

Falcon 9

5,5 t

1,0 t

Falcon 9 + LOX/LH2 31,9 t

6,4 t

3,5 t

Falcon 9 + LOX/LH2 25 t

8,5 t

4,5 t

Falcon 9 + LOX/LH2 25 t

9,0 t

4,7 t

Falcon 9 + Superdracos

5,2 t

2 t

Atlas 401

4,75 t

 

Atlas 411

5,98 t

 

Atlas 421

6,89 t

 

Atlas 431

7,7 t

 

Atlas 501

3,755

 

Atlas 511

5,25 t

 

Atlas 521

6,475 t

2,632 t

Atlas 531

7,745 t

3,192 t

Atlas 541

8,29 t

3,632 t

Atlas 551

8,9 t

3,9 t

Delta 4M

4,44 t

1,27 t

Delta 4M+ (4,2)

6,39 t

2,32 t

Delta 4M+ (5,2)

5,49 t

2,2 t

Delta 4M+ (5,4)

7,5 t

3,12 t

Delta 4H

14,22 t

6,75 t

Klar ist, das die Delta 4H außen vor bleibt. Aber von ihr gibt es auch wirklich wenige Starts auf die SpaceX notfalls verzichten kann. Mit den Superdracos in einer Stufe wird man von ULAs Modellen noch geschlagen. Doch eine LOX/LH2 stufe mit 20 bis 25 t Treibstoff kann die Delta 4 ausstechen und auch das größte Atlas 5 Modell übertreffen.

Damit bräuchte SpaceX keine Falcon Heavy, könnte bei LEO Starts oder kleinen GTO Nutzlasten die Oberstufe weglassen, also die normale Falcon 9 einzusetzen.

Die Minimallösung

Die Falcon 1 hatte ja schon eine Oberstufe. Die ist zwar für die viel größere Falcon 9 unterdimensioniert, aber sie existierte mal und ist erprobt. Die Oberstufe der Falcon 1 ist trotzdem nützlich, wenn die Nutzlast hohe Geschwindigkeiten erreichen soll und nicht zu schwer ist. Daneben passt sie mit 1,5 m Durchmesser und 5,5 m Länge auch komplett in die Nutzlastverkleidung, verändert also nicht die Statik. Die Masse ist mit 4,6 t so gering das die Mitnahme garantiert keine Auswirkungen auf die Oberstufe hat. Mit lagerfähigen Treibstoffen könnte sie als GEO-Apogäumsmotor oder Kickstufe verwendet werden.

Modell

GTO

Fluchtgeschwindigkeit

GEO

Jupiter

Falcon 9

5,5 t

3,1 t

1,0 t

-1,8 t

Falcon 9 + Falcon 1 Oberstufe

6,5 t

4,5 t

2,8 t

0,8 t

Mit der Stufe wäre sogar eine kleine Jupitersonde möglich. Je höher die Geschwindigkeit desto größer der Nutzen und man erreicht in den GEO-Orbit sogar fast die Nutzlast einer LH2/LOX Stufe.

Warum macht SpaceX es nicht?

Nun dafür gibt es viele Erklärungsmöglichkeiten. Vielleicht weil der große Vorsitzende das nicht „cool“ genug findet. Sicherlich nicht, weil die Firma es nicht kann. Wer Rekordwerte bei den Merlins und Raptors reklamiert wird auch ein einfaches Expandertriebwerk mit LH2 als Treibstoff hinbekommen (bei dem niedrigen spezifischen Impuls würde sogar ein Gasgeneratorantrieb ausreichen). Die für mich naheliegendste Erklärung, die gegen große Stufen spricht, ist die, dass bei der Falcon 9 die Firma sich in eine Sackgasse manövriert hat. Geplant war die Falcon 9 ja mal anders als kleinere Version, kürzer und die ersten Versionen wogen auch nur 330 t. Mit Triebwerksupgrades sollte die erste Version 4,5 t in einen GTO transportieren können, das Groß der Kommunikationssatelliten wiegt um 4,5 bis 5,5 t. Für den kommerziellen Markt also ausreichend. Doch dann hat man den Regierungsmarkt anvisiert und da liegt jedes Atlas Modell über 4,5 t GTO und die meisten Delta 4 auch. Die Triebwerke wurden schubstärker und die Rakete verlängert. Das ging solange, bis man eine sehr schlanke Rakete hatte, die natürlich gegen seitlich angreifende Kräfte anfälliger als eine nicht so schlanke Rakete ist. Die Nutzlasthülle blieb gleich groß, obwohl sie bei bis zu 22 t (reklamierter) Nutzlast viel zu kurz ist, kürzer als bei allen Mitbewerbern. Doppelstarts gehen so auch nicht. Damit man noch etwas mehr Performance bekommt, kühlt man inzwischen die Treibstoffe ab um sie zu verdichten. Das ist das Stadium, wo man jede noch so aufwendige Möglichkeit nutzt, um noch etwas mehr Performance herauszuholen. Eine Oberstufe würde die Rakete aber noch mehr verlängern und das scheidet wohl aus. Ich glaube nicht das SpaceX die Falcon Heavy nach dem Markterfolg der Falcon 9 noch wollten. Dafür spricht auch die viele Zeit, die sie sich gelassen haben – sollte sie doch ursprünglich innerhalb eines Jahres nach der verlängerten Falcon 9 zum Einsatz kommen waren es schließlich 5 Jahre später. Aber ohne die Falcon 9 haben sie keinen Zugang zu den schweren Nutzlasten des Militärs und NRO, aber auch NASA Missionen. So verwundert es nicht das alle noch ausstehenden Falcon heavy Starts nicht kommerziell sind. Mit der Vulcan wird die Messlatte nochmals höher gelegt. Die NSSL Ausschreibung für die sie sich bewirbt legt in den Kategorien A+B 2,3 t in den GEO und 6,6 t in Kategorie C in den GEO fest. Beide Latten reist die Falcon 9 und ich denke die 6,6 t schafft auch die Falcon Heavy nur knapp.

Eigentlich könnte SpaceX ja nun die Falcon Heavy selbst nutzen – wenn man 12.000 Satelliten starten will, wäre ein Träger mit der dreifachen Nutzlast doch mehr als willkommen. Doch hier schlägt meiner Ansicht nach eben wieder die zu kleine Nutzlasthülle zu. Mehr geht eben einfach nicht in die Hülle rein. SpaceX die sonst immer betonen das ihre Raketen ohne ausländische Teile sind verrauchen auch die Nutzlasthüllen der Atlas von Ruag Space zu kaufen. Sie sind länger und ich vermute robuster und halten die Belastungen wohl eher aus als die eigenen Hüllen. ULA wehrt sich natürlich dagegen.

Was draus gelernt?

Eigentlich nicht. Denn nun entsteht ja das Starship, das eigentlich keinen Markt richtig bedient. Selbst wenn es die anvisierten Nutzlasten erreicht, dann hat es für LEO und GTO eine zu große Nutzlast. Erreicht aber nicht den GEO und hat damit das gleiche Problem wie die Falcon 9, obwohl man bei einem bemannten Gefährt da sogar an neue Anwendungen wie Satellitenwartung oder Bergung denken könnte. Den Mars als langfristiges Ziel wird man aber selbst mit Null Nutzlast nicht erreichen können, von so unwichtigen Details wer die gesamte Marsexpedition den finanziert, ganz zu schweigen. Aber dafür wird der Start ja nur 2 Millionen Dollar kosten. Hmm, die Falcon Heavy als zu 75+ % wiederverwendbare Rakete, dreimal kleiner als ein Starship wird mit 90 Millionen Startpreis gelistet und nun bringen weitere 25 % Wiederverwendung bei einem dreimal größeren Gefährt dann eine Reduktion des Startpreises um den Faktor 45? Das ist wohl höhere SpaceX-Mathematik, die wird in Deutschland leider nur in Nordrhein-Westphasen lernt, sodass sie sich mir leider nicht erschließt.

6.10.2020: Marihuana könnte (fast) so billig wie Küchenkräuter sein,

Das war (ohne das „fast“) das Resümee, eines Artikels, den ich mal gelesen habe, leider finde ich die URL nicht mehr aber er war nicht aus einem mehr oder weniger zuverlässigen Forum, sondern soweit ich mich erinnere vom Fokus oder Stern.

Das klingt verwegen, soll doch nach Medienberichten und Wertschätzungen für beschlagnahmtes Marihuana der Straßenpreis für Marihuana bei etwa 8 bis 10 Euro pro Gramm liegen. Erstaunlicherweise ist auch der Preis dort gleich geblieben, wo Marihuanakonsum legalisiert ist und Ländern mit staatlicher Überwachung den Stoff verkaufen.

Nun ändert sich ja langsam etwas, auch bei uns. Zumindest für medizinische Zwecke ist der Anbau inzwischen erlaubt. Der Verkauf von Präparaten mit CBD – das Kürzel steht für Cannabidiol, ebenfalls ein Cannaboid, das zusammen mit dem bekannteren THC (Tetrahydrocannabiol) in Hanf vorkommt, ist sogar erlaubt, da er CBD nicht psychoaktiv ist, aber eine Reihe der positiven medizinischen Eigenschaften von THC aufweist. THC ist das Hauptcannaboid von Hanf, der für den Drogenkonsum gezüchtet wurde und eis, ist die primär rauschbildende Substanz unter den Cannboiden.

Ich denke das ist eine gute Gelegenheit mal zu orakeln, wie Cannabis angebaut werden könnte und wie viel es mal kostet.

Zuerst mal die Situation, wie sie heute ist. Da Cannabisanbau illegal ist und das keine Ordnungswidrigkeit, sondern ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz ist, verteuert das die Gewinnung enorm. Hanf an sich ist eine ziemlich genügsame Pflanze. Dank langer Pfahlwurzeln kommt er gut mit Trockenheit zurecht, er wächst auch unter schlechten klimatischen Bedingungen, eine Unterart sogar in Sibirien und früher wurde Hanf auch weit angebaut vor allem um aus den Fasern belastbare Stoffe und Seile zu gewinnen (ich habe von meinem Vater noch Obstsäcke aus Hanffasern im Keller) und das Öl zu gewinnen, das sehr reich an essenziellen Fettsäuren uns sekundären Pflanzeninhaltsstoffen ist.

Hanf wird für die Zwecke auch angebaut und Hanföl und Hanffasern bzw. Produkte wie Taschen kann man kaufen und Hanfsamen sind nicht richtig teuer – als Bioware kosten ein Pfund etwa 5 Euro, als Vogelfutter kosten 20 kg sogar weniger als 37 Euro, also unter 2 Euro pro Kilo. Das sind natürlich Samen aus THC-armen Hanf, dem sogenannten Nutzhanf, anderer darf gar nicht in den freien Verkauf. Wie teuer die Illegalität etwas verteuert, zeigt sich darin das bei holländischen Händlern von Samen von THC-reichen Sorten 5 Samen (ja Samen nicht Kilogramm) zwischen 25 und 100 Euro kosten. Dabei wiegen 5 Samen nicht mal ein Gramm.

Doch man darf annehmen, das ein Betrieb der selbst Marihuanahanf für den Verkauf züchtet sich auch sie Samen selbst heranzieht. Der Faktor Samenkosten fällt weg. Doch warum Marihuana auch bei legalem Verkauf teuer ist, zeigt ein Besuch in einem Betrieb in Colorado den ich mal im Fernsehen sah. Dort werden Hanfpflanzen einzeln in Töpfen erst mal wie beim illegalen Anbau in einer Halle aufgezogen. Das geht nur unter Kunstlicht. Weiß man, das die Sonne im Sommer zur Mittagszeit etwa 1.000 Watt Strahlungsleistung pro Quadratmeter abgibt, dann ist klar, dass man dafür sehr viel Strom braucht. Illegaler Anbau in Growboxen benötigt nach Berichten einschlägiger Foren auch ziemlich viel Strom, eine 1 m² große Grow-Box die ich bei Amazon fand hat eine Lampe mit 600 Watt Leistung. Das sind bei 14 Stunden Betrieb pro Tag, einer Vegetationsperiode von 120 Tagen (4 Monaten) über 1000 kWh, mit Stromkosten über 300 Euro. Der Vorteil dieser Haltung ist natürlich, dass so mehrere Ernten pro Jahr möglich sind. Ein großes Gewächshaus, das zumindest die Stromkosten stark reduzieren würde, erlaubt dann nur eine Ernte pro Jahr und man ist von der Sonne abhängig und kann nicht definierte Bedingungen vorgeben und auch die Blütenbildung steuern – die erfolgt bei Hanf in der Natur durch die abnehmende Tageslänge, kann sich aber, wenn wir wie dieses Jahr noch einen goldenen September haben, verzögern oder bei einem verregneten Sommer vorziehen. Mit einem Gewächshaus wäre man von der Sonne abhängig, es gäbe nur eine Ernte pro Jahr, aber dafür wären die Investitionen in Halle und die Folgekosten für Strom geringer. Wenn Hand tatsächlich mal so billig wir Küchenkräuter wird, könnte man ihn sogar im Freiland anbauen wie heute den Nutzhanf, denn man müsste nicht befürchten, das die Pflanzen von Konsumenten geplündert werden, wenn der Aufwand dafür verglichen mit den Kosten für die fertige Ware einfach zu hoch ist - das ist genauso wie bei Obst und Gemüse, da könnte im Prinzip auch jeder Spaziergänger sich bedienen und das tun eben doch die wenigsten.

Es geht weiter im Bericht mit der Ernte. Die Cannaboide stecken in den weiblichen Blüten. Die sind, wie man leicht durch eine Bildersuche feststellen kann, inmitten von vielen kleinen Blättern. In dem Betrieb waren also fünf Mitarbeiter nur damit beschäftigt, die kleinen Blätter von den Blütenständen wegzuschneiden. Es gab auch eine Maschine so eine Art rotierende Trommel mit Öffnungen, an der außen Messer die Blätter abrasierten, doch diese Maschine wurde nur für „preiswerte“ Sorten eingesetzt. Klar ist das so ein händischer Prozess natürlich die Ware stark verteuert. Billig wird ein Produkt, wenn man es möglichst ohne Menschen automatisch anbauen kann.

Ich habe mir mal Gedanken gemacht und meine Vision entworfen, wie Hanf angebaut werden könnte, wenn es vollständig legalisiert wäre, also nicht mit Einschränkungen, wie staatlicher Verkauf oder maximal n Pflanzen pro Person.

Man würde Hanf wie heute Nutzhanf auf dem Feld anbauen. Gedanken um Vandalismus und Ernte durch Konsumenten müsste man sich ja bei einem niedrigen Preis des Marihuanas nicht machen. Das Problem von Hanf ist, das er zweihäusig ist. Das heilst Samen bilden entweder eine weibliche oder männliche Pflanze. Die Männchen sind aber unerwünscht. Aus zwei Gründen. Zum einen sind sie arm an THC, aber auch anderen Cannaboiden. Zum anderen befruchten sie die Weibchen, die dann keine weiteren Blüten mehr bilden, sondern Samen. Es gibt mehrere Lösungen für das Problem. Zum einen gibt es spezielle feminsierte Samen. Sie entstehen, wenn eine Pflanze Stress ausgesetzt wird und dann intersexuell wird. Diese Samen bringen nur Weibchen hervor. Der zweite Lösungsansatz sind Stecklinge aus weiblichen Pflanzen. Hat mich gewundert, als ich drauf stieß, weil Hanf nur eine einjährige Pflanze ist, man also annehmen sollte, das die Stecklinge dann nicht alt werden. Die einfachste Möglichkeit ist es, einfach zur Blütezeit durch die Felder zu gehen und jede männliche Pflanze herauszureißen – die Pollensäcke sieht man einige Wochen vor der Pollenbildung, hat also genügend Zeit und als Nebeneffekt hat die weibliche Pflanze so auch noch mehr Platz für mehr Blüten.

Aufzucht, Bewässerung und Ähnliches unterscheiden sich dann nicht von normalen Nutzpflanzen. Man wird dann zwar nicht die Menge an Blüten pro Pflanze bekommen wie bei der Aufzucht im Topf in der Halle unter optimalen Bedingungen, doch dafür hat man viel mehr Pflanzen und bewirtschaftet ganze Äcker damit.

Das Wichtigste ist es, die Ernte weitestgehend zu automatisieren und hier kann man auf eine Industrie zählen, die heute schon im großen Maßstab Extrakte und etherische Öle aus Pflanzen gewinnt und dafür Ginko, Lavendel, Johanniskraut oder Wein anpflanzt. Da werden nicht die Blüten, Blätter oder was man gerade braucht, aufwendig vom Rest der Pflanze getrennt. Da wird die ganze Pflanze abgemäht und fein gehäckselt. Das, was einen interessiert wird, mit einem geeigneten Lösungsmittel extrahiert und dieser Extrakt dann konzentriert. Im Falle von Hanf sind Cannaboide sehr lipophil, man würde sie also mit einem sehr unpolaren Lösungsmittel wie Benzin extrahieren. Das weiß man auch, den Haschisch ist im Prinzip so gewonnenes Harz als Lösungsmittel dient hier Butter. Selbst wenn man so zu viele Begleitstoffe mitextrahiert – jede Pflanze hat Wachse als Schutz auf den Blättern und verschiedene Stoffe wie Terpene und Saponine als Abwehr gegen Fraßfeinde, gibt es Möglichkeiten diese abzutrennen, zum Beispiel, indem man etwas polare Stoffe mit einem Lösungsmittel höherer Polarität wie Ether oder Aceton zuerst extrahiert und dann erst mit Benzin die Cannaboide, oder man schaltet doch einen Menschen vor, nur schneidet der eben die Blüten ab und damit ist der Großteil des Blattwerks außen vor. Das dauert bei einer Pflanze nur einen Bruchteil der Zeit die man benötigt, mit einer Schere jedes kleine Blättchen aus den Blüten zu entfernen. Andere Methoden der Reinigung wären das definierte Abkühlen und so fraktionierte Ausfällen von Stoffgruppen nach Schmelzpunkt, eine Technologie der Fettreinigung,

Weill man weiter reinigen, z.B. auch um CBD von THC als Medikament abzutrennen oder THC als pharmazeutisches Mittel mit definierter Konzentration zu gewinnen, dann würde man die Benzin-Cannaboid-Lösung durch eine Chromatografiesäule in einzelne Fraktionen auftrennen. CBD und THC haben jeweils spezifische Wirkungen und sind als Medikamente erforscht. Nur benötigt man für ein Medikament natürlich auch eine verlässliche Angabe über den Wirkstoffgehalt. Das alles sind etablierte Verfahren. Nicht neu und im Großmaßstab schon durchgeführt. Was man erhält, ist im Prinzip so etwas wie Haschmich, nicht Marihuana. Also keine getrockneten Blüten, sondern ein Harzklumpen oder Pulver. Das kann man jedoch genauso rauchen oder in Plätzchen verbacken wie Marihuana.

Dann könnte THC wirklich so preiswert sein wie heute Pflanzenextrakte. 50 ml etherisches Öl kosten rund 20 Euro, Das sind 400 Euro pro Kilogramm. Ginkoextrakt gibt es ab 120 Euro/kg. Nur zum Vergleich. Bei 1 g Marihuana und 10 Euro Straßenpreis pro Gramm reden wir über 10.000 Euro pro Kilo. Ja, ich meine Marihuana könnte preiswerter sein, wenn auch nicht so preiswert wie Küchenkräuter. Das folgt alleine daraus, das man nur die fettlöslichen Teile der Blüten extrahiert, während es bei Ginko im Prinzip alle wasserlöslichen Teile der Pflanze sind auch ätherische Öle in allen Pflanzenteilen enthalten sind. Eine konkrete Zahl kann ich nicht benennen, aber ich denke aber eine Reduktion um den Faktor 5 bis 10 sollte möglich sein. Natürlich wird es dazu nicht kommen, denn es wird reglementiert werden. Auch legale Drogen darf man ja nicht einfach so herstellen. Zwar kann jeder selbst Bier brauchen – sogar Aldi hatte so was im Angebot, wobei ich mich gefragt habe, wer fast 30 Euro für ein Set mit dem man nur 12 l Bier herstellen kann, zahlt – aber wer Schnaps brennt, muss Steuer bezahlen oder einen Teil davon abführen. Das alles führt zu einem kontrollierten Anbau der entsprechend teurer ist.

Es gibt übrigens eine Droge, die verboten ist, die aber anders als Hanf kann die Pflanze, aus der sie gewonnen wird, noch legal angebaut werden kann – Opium. Opium wird gewonnen, indem die Blütenknospen des Schlafmohns "Papaver Somniferum") angeritzt werden und der Blütensaft trocknet. Das wiederholt man und kratzt das Harz, das vor allem Opium enthält, schließlich ab. Doch Schlafmohn ist als Blume bei uns immer noch frei verkäuflich, entsprechende Samen findet man in jeder besseren Samenhandlung. Es ist übrigens der gleiche Samen wie auf den Mohnbrötchen. Offenbar geht der Gesetzgeber davon aus, dass der Arbeitsaufwand viele Blüten täglich anzuritzen, so hoch ist, das dies nur arme Bauern in Afghanistan tun, wo inzwischen Mohn großflächig angebaut wird. (Man mag ja gegen die Taliban sagen was man will, aber da der Koran auch den Drogenanbau verbietet, gab es das unter den Taliban noch nicht, dafür wurden Menschen im Fußballstadium hingerichtet).

7.10.2020: Die Einzigen, die wissen, dass sie schlau sind und die sich aller Sachen sicher sind.

Auf den heutigen kurzen Blog kam ich durch Donald Trump. Einige Monate, nachdem er das Amt angetreten hatte, sagte mal jemand „Gegen Trump wiegt George W. Bush wie ein Intellektueller und Ronald Reagan wie ein Friedensaktivist“. Doch gestern hat er sich selbst Übertroffen. Zuerst sagt er, „Ich habe viel über Covid gelernt“ … „Ich habe es gelernt, indem ich wirklich in die Schule gegangen bin. Das hier ist die wahre Schule. Das ist nicht die Lasst-uns-die-Bücher-lesen-Schule. Und das begreife ich und das verstehe ich.“. Weil er das begriffen hat, ist er dann erst in einem SUV ums Krankenhaus gefahren und hat sich dann selbst entlassen, damit er im Weißen Haus noch weitere anstecken kann. Denn sein Credo ist ja „Habt keine Angst vor Covid. Lasst nicht zu, dass es euer Leben beherrscht“. Klar und deswegen kann man, selbst wenn es einem gut geht, nicht die Quarantäne abwarten, bis man selbst nicht mehr infektiös ist. Okay, das muss er eben erst noch selbst durch Erfahrung lernen, denn mit Lesen hat er es ja nicht so.

Genau und deswegen ist er nach eigener Aussage auch so smart das er an einer Universität lehren könnte und das ohne etwas zu studieren. Er kapiert einfach alles sofort. Deswegen muss er auch keine Bücher lesen. Ich finde ehrlich schade, dass die Ärzte nicht bei ihm selbst seinen Vorschlag für die Coronatherapie umgesetzt haben, nämlich Desinfektionsmittel zu injizieren. Okay, ich halte das für gefährlich, aber ich bin ja nicht so smart wie Trump. Die meisten Dinge eigne ich mir immer noch durch Lesen an und nicht durch direkte Erfahrung. (Ist jetzt bei zweien meiner Steckenpferde Chemie und Raumfahrt auch nicht so leicht, nur beim Programmieren geht dieser Weg). Wahrscheinlich wäre mit Desinfektionsmittel in Trumps Blut die Coronalage heute auch viel besser – wenn er selbst den Vorschlag zu dem Zeitpunkt als er ihn machte, (am 24.4.2020) umgesetzt hätte.

Ironie beiseite, Trump ist ein hervorragendes Exemplar einer Gattung von Mensch, das sind die selbst ernannten Experten und Universalgenies. Meiner Erfahrung nach kombinieren fehlendes Wissen / Intelligenz sich sehr oft mit einer Selbstüberschätzung. Von Sokrates soll ja das Zitat stammen „Ich weiß, das ich nichts weiß“, was Bescheidenheit ausdrückt aber auch eine Art Philosophie ist. Jemand der weise ist, hinterfragt sich selbst, ist offen für Neues und versucht sich zu verbessern und Neues hinzuzulernen. Das Gegenteil sind Leute, die sich selbst für wahnsinnig schlau halten. Damit haben alle anderen unrecht und man kann sich natürlich nicht irren. Hinzulernen muss man auch nichts, denn man weiß ja alles besser als alle anderen. Ich bekomme laufend Mails von solchen Leuten.

Ich habe als ich diesen Blog schrieb überlegt, was die Ursache ist. Ist es fehlende Bildung oder fehlende Intelligenz? Ich glaube beides. Intelligenz hat viele Aspekte. Eine ist Neugier, Offenheit, sich etwas anzueignen und zu verstehen. Aber ohne Bildung nützt Intelligenz auch nichts. Bildung ist das Fundament, auf dem man mit der Intelligenz neues bauen kann, die Werkzeuge die man braucht. Nehmen wir den Moon Hoax. Die Falsifizierung der zahlreichen Behauptungen führt fast immer zu physikalischen Grundlagen, und wenn man die nicht kennt, dann kann man schlecht zwischen Moon-Hoax und Realität unterscheiden. Trump ist aber noch in einem anderen Aspekt ein Paradeexemplar dieser Menschengattung, denn sie sind sehr laut, in dem Sinne, das sie einen unstillbaren Drang haben sich überall zu allem zu äußern.

Wer ist Deutsch

Wie schon gesagt, der heutige Blog ist kurz, daher hat er sogar zwei Themen in einem Blog. Auf mein zweites Thema kam ich durch die Radiosendung SWR1 Leute, in der am 5.10.2020 Florence Brokowski-Shekete zu Besuch war. Radio hat den Vorteil, das man sich auf die Stimme konzentriert und Frau Brokowski-Shekete spricht perfektes Deutsch, viel besser als ich mit meinem recht starken schwäbischen Dialekt. Frau Brokowski-Shekete wurde in Nigeria geboren und ist adoptiert worden. Entsprechend hat sie dunkle Hautfarbe (oder wie man das gerade politisch korrekt heute nennt) und in der Sendung wurde dann auch eine Mail verlesen, in der eine Frau meinte, sie dürfe sich nicht deutsch nennen. Das wäre sie nur, wenn sie vier deutsche Großeltern hätte. Hmmm klingt bei mir so irgendwie nach Arierausweis. Ich habe dann mal nachgedacht und es gibt ja Einwohner, die aus einem anderen Land zu uns kamen und die meist nur Landsleute aus einem ähnlichen oder gleichen Kulturkreis heiraten, besonders ausgeprägt z.B. bei Türken. Diese sind dann natürlich auch keine Deutsche mit deutschen Großeltern, sondern auch Kinder, Enkel, Nachkommen von Einwanderer. Nach der Logik würden die so niemals Deutsche sein. Selbst wenn mal ein Deutscher geheiratet wird, reicht das nicht, denn es müssen ja vier sein.

Ich habe dann nachgedacht und mich gefragt, was für mich ein Kriterium ist, wer Deutscher ist. Klar kann man das relativ einfach beantworten, indem man sich auf ein offizielles Kriterium zurückzieht wie z.B. die deutsche Staatsbürgerschaft. Aber eine Staatsbürgerschaft kann man auch mehrfach haben. Man kann aber schlecht gleichzeitig Deutscher und Amerikaner sein, obwohl man beide Staatsbürgerschaften haben kann.

Die Sprache ist sicher ein wichtiger Aspekt. Ich spreche englisch, würde mich, wenn ich aber in England oder den USA leben, würde sicher nicht als Engländer oder US-Amerikaner bezeichnen. Wer sich bei uns einbürgern will, muss einen Test durchlaufen. Da gibt es etliche Fragen zum Verständnis der Grundrechte, unseres Systems, Politik, Geschichte aber auch Brauchtum. Okay, aber Kenntnis etwas bedeutet ja nicht das es zum Leben gehört, die Werte und Dinge auch verinnerlicht. Gut alles wird man da auch nicht machen, denn so ist auch Fasching Teil des Fragenkatalogs und mir ist Fasching eigentlich schnurz-piep-egal. Aber es trifft den Kern. Jedes Volk hat eine gewisse Wertegemeinschaft, Eigenheiten, Bräuche, die charakteristisch sind. Bräuche aber auch die Küche, beliebte Sportarten, das alles verbindet. Werte und Eigenschaften sind Eigenheiten. Deutsche gelten als pünktlich, zuverlässig, penibel. Mancher bemerkt deutsche Eigenheiten erst im Ausland, wenn es dort ander ist. Aber an einem kann man es sicher nicht festmachen: der Hautfarbe. Frau Brokowski-Shekete hat eine Befürchtung angesprochen, dass Menschen mit solchen Ansichten befürchten es gehe ihnen etwas verloren. Das kursiert ja auch in Sprüchen, wie das die Deutschen aussterben oder Deutschland islamisiert werden soll. Sie meinte, es gehe nichts verloren, man bekomme nur etwas dazu. Und das ist richtig. Ein Volk ist ja nicht statisch. Seit die Römer bei uns einfielen, gab es immer wieder Vermischungen mit anderen Völkern und auch was man als Deutsch versteht, hat sich immer gewandelt. Deutsch war mal Kleinstaaterei, Rückzug ins Privatleben (Biedermeier), der Anspruch Vorbild für die ganze Welt zu sein im Kaiserreich und Rassismus, Tötung „unwerten Lebens“. Hätte man in der jeweiligen Zeit gefragt was „typisch deutsch“ wäre man hätte sicher jeweils andere Antworten bekommen.

Zu den deutschen Eigenschaften gehören nicht Rassismus, Intoleranz, Wutbürgertum und Renitententum. So gesehen ist meiner Ansicht nach sowohl die Frau, die die Mail schreibt wie auch zahlreiche andere Personen, die sich gerne lautstark und abfällig äußern, keine Deutsche. Und so schließt sich der Kreis wieder, denn wie schrieb ich schon: Die Leute, die sich für smarter als andere halten und immer im Recht sind, die sind auch immer sehr laut.

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