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Der Wettlauf zum Mond

Konnten die Russen gewinnen?

In den späten neunzigern kommt es wieder zu einer Renaissance der Erinnerung an die Mondlandung, angefacht durch den Film über Apollo 13 und die Jubiläen der Mondlandung vor 30 Jahren. Dazu kommt, das man seit Öffnung der Sowjetunion nun auch über russische Quellen verfügen kann. Viele Berichterstattungen machen daraus ein spannendes Rennen, bei dem die Amerikaner mit nur winzigem Vorsprung gewonnen haben. Doch war es wirklich so? Das ist Thema dieses Artikels

Was braucht man für eine Mondlandung?

Versetzen wir uns zurück in das Jahr 1961 als die Landung von Kennedy propagiert wurde, und arbeiten heraus, was man benötigt um eine Mondlandung erfolgreich durchzuführen. Anhand dessen ist der Aufwand des Unternehmens Apollo abschätzbar.

Eine riesige Trägerrakete

Um auf dem Mond zu landen, braucht man ein kleines Mondlandeschiff, aber viel Treibstoff. Zuerst um von einem Mondorbit abzubremsen und dann wieder in einen solchen zu starten. Pro Kilogramm des Mondschiffes vier Kilo Treibstoff. Ein zweites Schiff muss die Astronauten beherbergen, während des Fluges zum Mond und zurück und damit muss man auch wieder landen. Dazu muss dieses robuster sein und es benötigt auch jede Menge Treibstoff, da es in eine Mondumlaufbahn einbremsen und zur Erde zurück fliegen muss. Das alles wiegt ohne Probleme 30-50 t. Dazu kommt das man diese Nutzlast zum Mond schießen muss. Dazu braucht man erheblich mehr Energie als für einen niedrigen Erdorbit. Alles zusammen machte die Konstruktion von Raketen mit 90-130 t Nutzlast nötig.

1961 verfügten die USA über Trägerraketen die maximal 2 t Nutzlast beförderten, und die auf 4.5 t gesteigert werden konnten. Die UdSSR verfügten über Raketen für 5 t Nutzlast, erweiterbar auf 7 t. Beide waren also von der Zielnutzlast weit entfernt. Das war auch ein Grund warum Kennedy eine Mondlandung propagierte. Er konnte sich sicher sein, das diesmal die Sowjets keinen technologischen Vorsprung hatten.

Ein mondfähiges Raumschiff

Die damals benutzten Wostok Kapseln bzw. Mercury Kapseln waren nicht für eine Mondlandung geeignet. In diesen war der Astronaut nur passiver Passagier, der auch durch einen Hund oder einen Schimpansen ersetzt werden konnte. Die Kapseln waren eng, und für kurze Zeiten konzipiert. Nicht jedoch für eine bis zu 14 Tage lange dauernde Mission. Weiterhin muss man mit diesem Raumschiff Kopplungsmanöver mit dem Mondlander durchführen können. Dies war mit dem einfachen Kapseln nicht möglich.

Einen Mondlander

Ein Raumschiff, welches nur für die Landung auf dem Mond gebaut wird ist eine extreme Herausforderung hinsichtlich Zuverlässigkeit und Leichtbauweise. Dies war bei den Amerikanern lange Zeit ein Problem. Der Mondlander lag Monate hinter dem Zeitplan zurück.

Erfahrungen im Weltraum

Zwischen einem Kapselflug von einem Tag Dauer wie bei dem Projekt Mercury und einer Mondlandung liegen Welten. Dringend benötigt werden Erfahrungen in:

Der Amerikanische Weg zum Mond

Mit der Verkündigung des Apollo Programms arbeiteten die Amerikaner zielstrebig an einem Mondprogramm. Das Mondprogramm bestand aus 4 Säulen:

Die Trägerraketenentwicklung

Saturn 5Anders als die Amerikaner vermuteten waren sie 1961 nicht im Nachteil bei der Trägerraketenentwicklung. Schon seit 1959 wurde an der Saturn 1 gearbeitet, einer Rakete mit 12 t Nutzlast. Dabei setzten die Amerikaner auch die hochenergetische Kombination Wasserstoff und Sauerstoff ein. Die Sowjets verzichten darauf, weshalb ihre Rakete für den Mond eine kleiner Nutzlast hatte. Russland konnte mit der Semjorka so große Nutzlasten starten, weil sie gleichzeitig fünf Triebwerke mit insgesamt 20 großen und 12 weiteren kleinen Brennkammern (für die Steuertriebwerke) zündete. Der Schritt von der Semjorka zu einer Mondrakete war daher mindestens genausogroß wie der von der Atlas zur Saturn V.

Beiden Nationen war klar, das man nicht einen Schritt von 2-5 t Nutzlast auf 90-130 t Nutzlast machen konnte sondern eine Rakete dazwischen brauchte. Dies war aus technischer Hinsicht notwendig und von der operationellen Sicht vorteilhaft: Eine solche Rakete kann man z.B. nutzen um das Mondschiff samt Versorgungsteil im Erdorbit zu testen.

Bei den Amerikanern war dies die Saturn 1, die später mit der Oberstufe der Saturn 5 zur Saturn 1B erweitert wurde. Als Kennedy das Mondprogramm ankündigte, arbeitete man schon seit 2 Jahren an der Saturn 1 und schon Ende 1961 konnte der erste Versuchsstart mit einer Dummy Oberstufe durchgeführt werden.

Die Saturn 1B folgte Anfang 1966, wodurch als Nebeneffekt die Triebwerke der zweiten und dritten Stufe der Saturn 5 flugerprobt wurden - die Oberstufe ist identisch mit der dritten Stufe der Saturn 5 und dieselben Triebwerke wurden in der zweiten Stufe verwendet.

Das Konzept der Saturn 5 war damals Neuland: 5 Triebwerke in der ersten Stufe - jedes 8 mal stärker als jedes bisher gebaute. Die Triebwerke der zweiten und dritten Stufe verwandten die noch junge Kombination Wasserstoff und Sauerstoff - nur wenige Jahre zuvor wurde mit der Centaur Oberstufe das erste dieser Triebwerke eingesetzt. Auch hier wurde gegenüber dem Centaur Triebwerk RL-10 der Schub um das 14 fache gesteigert. So ist es nicht verwunderlich das die Raketenentwicklung der Saturn 5 langsam lief. Das Testprogramm musste gekürzt werden und es waren nur zwei unbemannte Teststarts möglich. Dank der "übertriebenen Sicherheitsstandards der Deutschen" wie ein NASA Offizieller bemängelte, funktionierten aber alle Raketen - ein Glück das die Sowjets nicht hatten.

Die Entwicklung des Apollo Raumschiffes

Von 1966-197 wurden mit 4 Saturn 1B das Apolloraumschiff unbemannt getestet. Damit war dieses schon vor dem ersten bemannten Start flugqualifiziert. Ursprünglich waren diese Flüge teilweise bemannt geplant, doch der Tod dreier Astronauten im Januar 1967 zwang zu einer Pause von 21 Monaten um das Apolloraumschiff umzubauen.

Zuerst glatter verlief die Entwicklung des Apollo Raumschiffes. Man konnte hier auf Erfahrungen bei der Konstruktion der Mercury und Gemini Flüge zurückgreifen. Neu war, dass das Raumschiff größer war und nicht nur Platz für 3 Astronauten bot sondern diese sich auch bewegen konnten. Neu war auch die Möglichkeit zur Ankopplung an ein anderes Raumschiff. Der Geräteteil musste einen Flug von 14 Tagen gewährleisten können. Doch der Brand der Kommandokapsel (CSM) von Apollo 1 am 27.1.1967 zeigte, das man bei der Konstruktion überhastet vorgegangen war und elementare Sicherheitsfragen vernachlässigt hatte. Dies galt auch für die Prozeduren bei der Simulation am Boden. Es kam zu wesentlichen Konstruktionsänderungen, z.B. einer von innen zu öffnenden Tür , welche einen Start um 21 Monate aufschoben. Nicht alles wurde dabei entdeckt, so z.B. das Problem das bei Apollo 13 zur Explosion führte und das indirekt auf unterschiedliche Spannungen am Boden und im CSV zurückzuführen war.

Es folgten dann einige unbemannte Starts des Apollo Raumschiffs, bei der man auch den Hitzeschutzschild testen konnte. So war im Oktober 1968, als Apollo 7 flog, das Raumschiff flugerprobt und man wartete auf den Mondlander der erheblich hinter dem Zeitplan hinterher hinkte. So entschloss man sich im Dezember 1968 zu der berühmten Mondmission Apollo 8 - ohne den Lander aber doch mit Eintritt in eine Mondumlaufbahn. Damit war die Mission für die Apollo Kapsel in allen Missionsbereichen qualifiziert.

Die Entwicklung des Mondlander (LM)

lm-lander Die beiden Mondfahrzeuge im Vergleich - der amerikanische LM und der russische Entwurf. Der amerikanische Mondlander hat 2 Astronauten zum Mond befördert, der russische hätte nur Platz für einen Astronauten gehabt.

Der Mondlander machte dagegen erhebliche Probleme. Mehrmals wurden die Entwürfe geändert um Gewicht zu sparen. Der Mondlander schien Dreh- und Angelpunkt des ganzen Projektes, er war der letzte Teil der noch nicht flugqualifiziert war Das Hauptproblem war das Gewichtsverhältnis. Von 15-16 t Gewicht des Mondlander, machte der Teil in dem die Mannschaft wohnte nur 2100 kg aus! Man entschloss sich daher bei Apollo 9 im März 1969 einen noch nicht flugfähigen Mondlander in den Erdorbit zu bringen und dort mit der Kommandokapsel die elementaren Kopplungsmanöver durchzuführen - Mondlander aus der Saturn Drittstufe zu ziehen, ankoppeln, wieder abkoppeln und erneut ankoppeln. Ob diese Manöver im Erd- oder Mondorbit durchgeführt wurden war weitgehend egal.

Erst bei Apollo 10 war ein flugfähiges Exemplar an Bord. Der Flug im Mai 1969 bestand in einer Generalprobe für Apollo 11 bei der man sich bis auf 10 km mit dem Lander an die Mondoberfläche näherte, dann jedoch nicht landete sondern die Aufstiegsstufe zündete und wieder an das CSM ankoppelte. Im folgenden erfüllte der Lander nicht nur seine Mission, es wurden durch Verbesserungen das Mitführen von mehr Nutzlast möglich - mehr Mondgestein und ein Mondauto. Dies korrespondierte mit einer erhöhten Nutzlast der Saturn 5 von 45 t auf 50 t in den Mondtransferorbit.

Das Gemini Programm

Gemini 6 MissionSehr wichtig war für das Apolloprogramm das Gemini Programm. In diesem wurden mit 12 Starts alle wesentlichen Teile der Mission, die man schon Erdorbit durchführen konnte von 1965-1966 simuliert:

Ohne die Vorbereitungsarbeit von Gemini wären einige Apollo Missionen mehr zur Vorbereitung notwendig gewesen. So konnte man aber in einer Zeit trainieren als Apollo noch nicht startbereit war, und hatte auch schon trainierte Astronauten für das Mondprogramm.

Der russische Weg zum Mond

Anders als es scheint waren die Russen 1961 nicht im Vorteil, im Gegenteil: Das Mondprogramm traf sie überraschend. Sie machten aus historischer und technischer Sicht einige Fehler, die sie auch den Wettlauf verlieren lies bevor sie nur eine Chance hatten die Amerikaner einzuholen. Ich will an dieser Stelle vor allem die Unterschiede heraus arbeiten.

Propaganda ist wichtiger als ein zielgerichtetes Programm

Für einen nicht genau interessierten Beobachter im Westen schien es 1961 so, als wäre die Sowjetunion in allen Belangen voraus. Sie starteten den ersten Satelliten, das erste Lebewesen in den Weltraum, die erste Mondsonde und den ersten Menschen ins Weltall. Doch wer alle Starts verglich, der stellte bald fest, das die Sowjetunion nur auf Erstleistungen aus war. Sobald diese erreicht waren wurden Programme eingestellt. Nicht spektakuläre Programme, wie die ersten Experimente mit Kommunikations- und Wettersatelliten oder Forschungsmissionen gab es keine.

So machte man auch den Fehler, wertvolle Zeit und Ressourcen für zwei Programme zu verschwenden die nur propagandistischen Charakter hatten. Zuerst wurde im Woschod Programm eine Wostokkapsel so umgebaut das man drei Astronauten starten konnte - um dem amerikanischen Gemini Programm mit zwei Astronauten zuvorzukommen. Eine zweite Kapsel wurde so umgerüstet das ein Ausstieg eines Astronauten von zweien möglich war. Beide Missionen entgingen jeweils nur knapp einer Katastrophe. Dies alles, nur um eine Erstleistung vor Gemini zu erbringen. Damit konnte man aber die wertvollen Erfahrungen die bei Gemini gemacht wurden nicht wettmachen.

Das zweite Programm war ebenfalls auf eine Erstleistung gerichtet. Die Leistung einer Proton reichte aus um zirka 5.6 t zum Mond zu bringen. Nicht ausreichend für eine Mondlandung. Ausreichend aber für ein abgespecktes Sojus Raumschiff welches einen oder zwei Astronauten auf einer Bahn um den Mond herum, aber ohne in eine Umlaufbahn einzutreten. Doch alle unbemannten Tests dieser Mission scheiterten im Rahmen des Sond Programms. Von 8 Starts war nur einer voll erfolgreich. Als nach dem 6.ten Flug einer Sond Apollo 8 gestartet war und man damit nicht mehr Erster bei einer Mondumkreisung war, stellte man das Programm abrupt ein.

Die Trägerraketenentwicklung

Proton (vierstufig)Wie bei der Saturn, gab es auch hier ein Bindeglied zwischen der großen Mondrakete und den bisher eingesetzten Sojus Raketen. Die Proton wurde erst nach Beginn des Wettrennens von 1961-1965 entwickelt. Damit war die Sowjetunion im Zeitplan schon hinter den USA, bei denen der erste Start der Saturn 1 mit beiden Stufen am 28.3.1963 stattfand, mehr als zwei Jahre vor der Proton.

Wie die Saturn 1 verwendete die Proton sechs Triebwerke in der ersten Stufe. Doch damit endete auch schon die Ähnlichkeit. Die Saturn war zweistufig und benutzte die energiereiche Kombination von Wasserstoff und Sauerstoff in der zweiten Stufe, während die Proton zwischen 2 und 4 Stufen haben konnte (Die zweistufige Variante wurde aber nur zweimal getestet. Erdorbit Flüge fanden dreistufig und Missionen zum Mond vierstufig statt). Sie setzte in allen vier Stufen einen lagerfähigen Treibstoff ein.

Die Proton selbst war fehlerhaft. Vor allem die letzte Stufe machte Probleme. Bislang hatten sich die Sowjets bei ihren Missionen um das Problem eine Stufe in der Schwerelosigkeit zu zünden erfolgreich "gedrückt" - Sie starteten noch während des Betriebs der letzten Stufe oder fuhren den Schub auf ein Minimum zurück ohne das Triebwerk abzuschalten. Das war bei einer Mondrakete nicht möglich und es rächte sich bei der Proton. Etliche Sond Missionen und Planeten / Mondmissionen strandeten schon im Erdorbit, weil der Block D nicht zündete. Als 1969 die Mondlandung stattfand, war die Proton noch weit davon entfernt eine zuverlässige Rakete zu sein. Etwa ein Drittel aller Missionen mit ihr scheiterte. Noch heute ist die Proton der sowjetische Träger mit der geringsten Zuverlässigkeit.

Die Proton war daher wenig hilfreich bei der Durchführung des zweiten, kleineren Mondprogramms, auch wurden keine Elemente von der Proton in der eigentlichen Mondrakete übernommen, da diese von einem konkurrierenden Konstruktionsbüro gefertigt wurde. So war die N-1 "Herkules" Rakete eine völlige Neukonstruktion mit immensen Risiken. Basierend auf den konventionellen Treibstoffen Kerosin und Sauerstoff wies die N-1 vier Stufen anstatt drei bei der Saturn auf. Die Startmasse war mit 2735 t vergleichbar, jedoch die Nutzlast mit 70 t für einen Erdorbit geringer. Damit wäre auch keine Mondmission möglich gewesen, man war jedoch optimistisch durch Gewichtseinsparungen eine Nutzlast von 95 t zu erreichen.

Herkules N1 Doch sollte es nicht dazu kommen. Die Entwicklung der Mondrakete N-1 begann erst 1961. Man konnte nicht wie in den USA auf schon laufende Projekte aufbauen und z.B. Wasserstoff als Treibstoff nutzen. Damit war die N1 vom Zeitplan her benachteiligt. Um die Entwicklung zu beschleunigen und zu verbilligen baute man nicht wie bei der Saturn 5 fünf große Triebwerke mit je 6700 kN Schub, sondern 30 Triebwerke mit je 1700 t Schub. Die Risiken eines Fehlschlages waren damit statistisch 6 mal höher. Darüber hinaus gab es eine interne Konkurrenz zwischen zwei Ingenieurbüros - dem das die Proton entwickelte und dem welches die N1 entwickelte. Auf dem Höhepunkt des Programms starb zudem überraschend die Führungspersönlichkeit der russischen Raketenentwicklung: Koroljow.

Am 21.2.1969 fand der erste Start der N1 statt - 16 Monate nach dem Erststart der Saturn 5 und drei Monate nach dem erfolgreichen Mondflug von Apollo 8. Damit war schon klar, das die Sowjets, die bis dahin kein Teil ihres Mondlandeunternehmens getestet hatten den Wettlauf zum Mond nur gewinnen hätten können, wenn es beim amerikanischen Programm eine Katastrophe gäbe wie der Verlust einer Mannschaft. Doch dieser Start schlug fehl. Dies war auch bei allen folgenden 3 Starts bis zum 23.11.1972 gelang es nicht die Rakete erfolgreich zu starten. In keinem der Fälle kam es je dazu das auch nur die erste Stufe zufrieden stellend gearbeitet hätte.

Analog dem Proton Programm versuchte man auch hier auf einem anderen Weg an Mondgestein zu kommen. Gleichzeitig mit Apollo 11 startete Luna 15, eine Mondsonde die auf dem Mond landen sollte, einen Bohrkern entnehmen und dann dieses Gestein zur Erde zurückbringen sollte. Die Sonde erregte Aufsehen, weil man befürchtete, das sie die Landung von Apollo 11 stören oder ausspähen sollte. (Es gab im Vorfeld keine Meldung über ihre Mission.). Doch die Sonde zerschellte auf dem Mond und die Rückführung gelang mit dem nächsten Start (Luna 16). Es fanden noch zwei weitere erfolgreiche Probenrückführungen statt. Offiziell gab es damit für die Sowjetunion kein bemanntes Mondprogramm, auch wenn man im Westen durch Satellitenfotos der Herkules spekulierte, das es doch eines gegeben hatte.

Die Entwicklung der Mondkapsel und des Mondlander

SojusAnders als bei den USA ist die Mondkapsel der Sowjetunion in modifizierter Form noch heute im Einsatz. Die Sowjets strebten eine umfassendere Lösung als die Amerikaner an und entwickelten die Sojus Kapsel die nicht nur für die Mondlandeunternehmungen, sondern auch für Erdorbiteinsätze und später für die Zuführung von Mannschaften für die Saljut und Mir Stationen. Eine umbenannte Version namens Progress dient als Transporter.

Die Sojus Kapsel besteht aus 3 Teilen:

In den Mondorbit wurde die Sojus LOK Kapsel durch eine fünfte Stufe der N1 Mondrakete den Block D gebracht. Dieser hätte auch den Mondlander abgebremst, bevor er abgesprengt und der Mondlander die Restgeschwindigkeit durch Steuerdüsen abgebaut hätte.

Wie schon erwähnt wurde die Sojus Kapsel auch für eine Mondumrundung konzipiert. Hier hätte man nur einen Astronauten befördert, da sonst die Masse zu hoch für eine Proton gewesen wäre. Der bemannte Test im Erdorbit mit Sojus 1 führte jedoch zum Tod des Kosmonauten Komarow, als sich der Fallschirm bei der Landung verhedderte - wenige Monate nach dem Tod der Besatzung von Apollo 1. Die Sojus Kapsel war der einzige Teil des sowjetischen Programms der zeitlich mit dem US Programm mithalten konnte und 1969 einsatzfähig war.

Der Mondlander ist auch heute noch von Geheimnissen umgeben. Es gibt nur spärliche technische Details. Der Lander hatte nur Platz für einen Kosmonauten und wog nur ein Drittel des US Gegenstücks, wobei man aber berücksichtigen muss, das er nur eine Stufe hatte, da der größte Teil der Landgeschwindigkeit durch den Block D abgebaut wurde. Der kleine Mondlander trug auch dem Umstand Rechnung, das die Nutzlast der N1 im besten Falle um ein Drittel kleiner als bei der Saturn 5 gewesen wäre. Der Mondlander wurde einige Zeit im Erdorbit getestet, flog jedoch nie bemannt. Auch er hinkte wie sein US Gegenstück dem Zeitplan hinterher. Erst am 24.11.1970 gab es einen unbemannten Test. Nach Einstellung des N1 Programms wurde auch der Mondlander still und leise begraben.

Erfahrungen in der Erdumlaufbahn?

Wie schon geschrieben nützten die "Propagandamissionen" von Woschod 1+2 nichts bei der Lösung der Probleme für eine Mondlandung. Die Sowjets führten jedoch Ende der sechziger Jahre zahlreiche unbemannte Tests durch. Sie koppelten z.B. automatisch zwei unbemannte Sojus Kapseln die als Kosmos Satelliten gestartet wurden, in einem Erdorbit.

Da bei den Russen damals alle Manöver vom Boden aus gesteuert wurden konnten sie sich so sicher sein, das diese auch im Mondorbit klappen würden. Auch der Mondlander wurde zweimal im Erdorbit getestet, ob dies allerdings eine Mondlandung adäquat simulieren kann ist umstritten. Sojus 4+5 und Sojus 6,7,8 führten 1969 und 1970 auch bemannte Rendezvousmanöver durch - 4 Jahre nach den Amerikanern. Damit waren die Sowjets erheblich hinter den Amerikanern und hatten keine Chance vor ihnen den Wettlauf zum Mond zu gewinnen. Arbeiten außerhalb des Raumfahrzeuges wurden bei diesen Manövern nur in geringem Maß erprobt und erst der Flug von Sojus 9 am 1.6.1970 überbot den 14 Tage Flugrekord der Gemini Missionen von 1965.

Ein Wettlauf mit Opfern

Apollo 1Auf beiden Seiten wurde hektisch an dem Ziel gearbeitet erster auf dem Mond zu sein. Die Russen wussten, dass sie hinten waren, da man das NASA Programm leicht durch die öffentliche Berichterstattung verfolgen konnte und strengten sich daher an. Genauso traute die NASA den Russen einen "Schnellschuss" vor, so wie die Missionen Woschod 1+2 völlig überraschend kamen. Auf beiden Seiten gab es 1967 zivile Opfer.

Am 27.1.1967 brach in der Apollokapsel bei einer Countdownsimulation ein Feuer aus. Die Astronauten Gus Grissom, Ed White und Roger Chaffee erstickten an giftigen Gasen. Ursache waren konstruktive Mängel der Kapsel (nicht isolierte Drähte lösten den Brand aus, die Luke konnte von innen nicht geöffnet werden) und Fehler bei der Countdowndurchführung (Tests der Kapsel mit Sauerstoffüberdruck bei anwesender Besatzung).

3 Monate später starb Wladimir Komarow beim Jungfernflug der Sojus Kapsel, als diese nach Problemen im Orbit eine vorzeitige Notlandung durchführen musste. Der Fallschirm wurde nicht entfaltet und die Kapsel stürzte wie ein Stein auf die Oberfläche. In beiden Fällen wurden die Systeme während der nächsten Jahre überarbeitet. Der erste bemannte Apollo Flug fand erst am 11.10.1968, 21 Monate nach Apollo 7 statt. Auch bei Sojus gab es eine Pause und der Start von Sojus 2 fand erst am 25. Oktober 1968 statt, 18 Monate nach dem Tod Komarows.

Die Kosten

Nicht unerwähnt sollte der Faktor Geld. In Russland wollte man das Mondprogramm mit weitaus geringeren Mitteln durchziehen. Experten sprachen von 5-10 Prozent der amerikanischen Mittel. Geld ist zwar nicht alles, aber wenn man zeitlich knapp dran ist, ist ein kleines Budget eher hinderlich. Soviel kostete die Amerikaner das Mondprogramm:

Jahr NASA Budget gesamt [Mill Dollar] davon Apollo [Mill Dollar]
1962 1.671,750 160,500
1963 3.674,115 617,164
1964 3.974,979 2.272,952
1965 4.270,695 2.614,619
1966 4.511,644 2.967,385
1967 4.175,100 2.916,200
1968 3.970,000 2.556,000
1969 3.193,559 2.025,000
1970 3.113,765 1.686,145
1971 2.555,000 913,669
1972 2.507,700 601,200
1973 2.509,900 76,700

Während dieser 11 Jahre kostete Apollo insgesamt 19407,530 Millionen USD und machte im Durchschnitt 48,3 % der Gesamtausgaben der NASA von 40128,120 Millionen USD aus. Rechnet man weitere Ausgaben vor 1962 für die Saturn Entwicklung und das Apollo Application Programm (Skylab, ASTP) mit dazu, so kostete das Apollo Programm den Steuerzahler etwa 24.6 Milliarden USD. Bei der ersten Mondlandung wurde eine Zahl von 21,3 Milliarden Dollar genannt, die das Projekt bis dahin verschlungen hätte. Das erscheint heute wenig, doch ein USD von 1966 ist nicht mit einem von heute gleichzusetzen. (Nimmt man den Anstieg der Lebenshaltungskosten, den man oft als Maßstab der Inflationsrate nimmt, so hat ein 2006 USD etwa 16 % des Wertes von 1966, die Spitzensumme von 2967 Millionen USD, die man damals ausgab entsprechen also 18504 Millionen USD nur für Apollo - Das gesamte NASA Budget für 2006 lag aber nur bei 16460 Millionen USD). Das NASA Budget beträgt heute 0.6 % des Gesamthaushaltes. Im Jahre 1966 waren es aber 5.9 % des Gesamthaushalts, dabei gibt die NASA heute pro Jahr das vierfache wie 1966 aus.

Interessanterweise kosten heute die bemannten Programme (Space Shuttle und ISS) prozentual genauso viel wie Apollo gemittelt über die Laufzeit. Der Kostenfaktor "Bemannte Raumfahrt" hat sich in den letzten Jahrzehnten bei 50% der Gesamtausgaben eingependelt. Heute würde Apollo sicher preiswerter zu machen sein, selbst wenn man wie damals bei Null anfangen würde. Apollo war ein Programm bei dem die Kosten erst in zweiter Linie wichtig waren. Es war stattdessen "schedule driven". Es galt also die zielsetzung einer Landung vor Ende des Jahrzehnts zu erfüllen. Wenn Zeit eingespart werden konnte, dann waren die Kosten nebensächlich.

Fazit

Als am 21.7.1969 Apollo 11 landete, waren die Sowjets meilenweit von einem gleichen Stand entfernt: Ihre Trägerrakete N1 war zweimal bei Flügen gescheitert, der zweite Fehlstart auf der Startrampe hatte den gesamten Startkomplex zerstört. Der Mondlander wurde erst ein Jahr später unbemannt getestet, Rendezvous Erfahrungen lagen spärlich aus einem bemannten Flug vor, keine Erfahrungen mit Langzeitflügen, keine EVA Erfahrungen, kein Flug eines Astronauten bis auf Mondentfernung. Lediglich das Sojus Raumschiff war Flugqualifiziert. Wäre die N1 erfolgreich gewesen, so wäre ein russischer Start zum Mond frühestens 1972 möglich gewesen - 3 Jahre nach Apollo 8. Beide Nationen hatten Tote unter den Astronauten zu beklagen. Wie viele Menschen bei der Konstruktion und dem Test der Raketen ums Leben kamen ist heute nicht mehr feststellbar.

Man kann also nicht ehrlicherweise davon sprechen, das die Russen eine Chance hatten den Wettlauf zum Mond zu gewinnen. Das man dies zur Zeit von Apollo glaubte lag daran, das man damals so gut wie nichts über das russische Programm wusste. Man vermutete das die Sowjets auch einen riskanten Flug wagen würden, nur um die ersten zu sein. Demgegenüber legten diese sehr großen Wert auf Zuverlässigkeit. Eine bemannte Mondumkreisung wäre erst nach 4 hintereinander erfolgreichen unbemannten Sond Flügen erfolgt - da diese nie in Folge erfolgreich waren, kam es nie dazu. Doch dies konnte man im Westen nicht wissen. Sehr wohl konnte man aus den Bahnen von Raumfahrzeugen nachvollziehen, das Kopplungsmanöver geprobt wurden und auch die N1 Rakete wurde Anfang 1969 auf Satellitenfotos entdeckt - doch damals war schon klar das Die Amerikaner siegen würden. Schließlich war die Saturn 5 schon 15 Monate vorher zuerst geflogen.

Bücher vom Autor

Es gibt von mir vier Bücher zum Thema bemannte Raumfahrt. Alle Bücher beschäftigen vor allem mit der Technik, die Missionen kommen nicht zu kurz, stehen aber nicht wie bei anderen Büchern über bemannte Raumfahrt im Vordergrund.

Mein erstes Buch, Das Gemini Programm: Technik und Geschichte gibt es mittlerweile in der dritten, erweiterten Auflage. "erweitert" bezieht sich auf die erste Auflage die nur 68 Seiten stark war. Trotzdem ist mit 144 Seiten die dritte Auflage immer noch kompakt. Sie enthält trotzdem das wichtigste über das Programm, eine Kurzbeschreibung aller Missionen und einen Ausblick auf die Pläne mit Gemini Raumschiffen den Mond zu umrunden und für eine militärische Nutzung im Rahmen des "Blue Gemini" und MOL Programms. Es ist für alle zu empfehlen die sich kurz und kompakt über dieses heute weitgehend verdrängte Programm informieren wollen.

Mein zweites Buch, Das ATV und die Versorgung der ISS: Die Versorgungssysteme der Raumstation , das ebenfalls in einer aktualisierten und erweiterten Auflage erschienen ist, beschäftigt sich mit einem sehr speziellen Thema: Der Versorgung des Raumstation, besonders mit dem europäischen Beitrag dem ATV. Dieser Transporter ist nicht nur das größte jemals in Europa gebaute Raumschiff (und der leistungsfähigste Versorger der ISS), es ist auch ein technisch anspruchsvolles und das vielseitigste Transportfahrzeug. Darüber hinaus werden die anderen Versorgungsschiffe (Space Shuttle/MPLM, Sojus, Progress, HTV, Cygnus und Dragon besprochen. Die erfolgreiche Mission des ersten ATV wird nochmals lebendig und ein Ausblick auf die folgenden wird gegeben. Den Abschluss bildet ein Kapitel über Ausbaupläne und Möglichkeiten des Raumfrachters bis hin zu einem eigenständigen Zugang zum Weltraum. Die dritte und finale Auflage enthält nun die Details aller Flüge der fünf gestarteten ATV

Das Buch Die ISS: Geschichte und Technik der Internationalen Raumstation ist eine kompakte Einführung in die ISS. Es wird sowohl die Geschichte der Raumstation wie auch die einzelnen Module besprochen. Wie der Titel verrät liegt das Hauptaugenmerk auf der Technik. Die Funktion jedes Moduls wird erläutert. Zahlreiche Tabellen nehmen die technischen Daten auf. Besonderes Augenmerk liegt auf den Problemen bei den Aufbau der ISS. Den ausufernden Kosten, den Folgen der Columbia Katastrophe und der Einstellungsbeschluss unter der Präsidentschaft von George W. Bush. Angerissen werden die vorhandenen und geplanten Transportsysteme und die Forschung an Bord der Station.

Durch die Beschränkung auf den Technischen und geschichtlichen Aspekt ist ein Buch entstanden, das kompakt und trotzdem kompetent über die ISS informiert und einen preiswerten Einstieg in die Materie. Zusammen mit dem Buch über das ATV gewinnt der Leser einen guten Überblick über die heutige Situation der ISS vor allem im Hinblick auf die noch offene Versorgungsproblematik.

Die zweite Auflage ist rund 80 Seiten dicker als die erste und enthält eine kurze Geschichte der Raumstationen, die wesentlichen Ereignisse von 2010 bis 2015, eine eingehendere Diskussion über die Forschung und Sinn und Zweck der Raumstation sowie ein ausführliches Kapitel über die Versorgungsraumschiffe zusätzlich.

Das bisher letzte Buch Skylab: Amerikas einzige Raumstation ist mein bisher umfangreichstes im Themenbereich bemannte Raumfahrt. Die Raumstation wurde als einziges vieler ambitioniertes Apollonachfolgeprojekte umgesetzt. Beschrieben wird im Detail ihre Projektgeschichte, den Aufbau der Module und die durchgeführten Experimente. Die Missionen und die Dramatik der Rettung werden nochmals lebendig, genauso wie die Bemühungen die Raumstation Ende der siebziger Jahre vor dem Verglühen zu bewahren und die Bestrebungen sie nicht über Land niedergehen zu lasen. Abgerundet wird das Buch mit den Plänen für das zweite Flugexemplar Skylab B und ein Vergleich mit der Architektur der ISS.  Es ist mein umfangreichstes Buch zum Thema bemannte Raumfahrt. Im Mai 2016 erschien es nach Auslaufen des Erstvertrages neu, der Inhalt ist derselbe (es gab seitdem keine neuen Erkenntnisse über die Station), aber es ist durch gesunkene Druckkosten 5 Euro billiger.

Mehr über diese und andere Bücher von mir zum Thema Raumfahrt finden sie auf der Website Raumfahrtbücher.de. Dort werden sie auch über Neuerscheinungen informiert


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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