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Verdickungsmittel und Stabilisatoren

Ein Stabilisator wirkt in der technologischen Wirkung ergänzend zum Emulgator. Ein Emulgator ermöglicht es zwei Phasen zu vermischen, die sonst getrennt wären. Ein Stabilisator sorgt dafür, dass ein Gemisch oder eine Emulsion stabil ist. Beide Substanzen verhindern aber auch allgemein Veränderungen des Lebensmittels, wie sie bei einer langen Lagerung auftreten können. Ein Stabilisator wird zum Beispiel angewendet, um zu verhindern, dass sich bei Trinkkakao dieser nicht am Boden der Flasche absetzt oder gar verklumpt. Ferner wird er eingesetzt, damit sich bei Sauermilchprodukten wie zum Beispiel Fruchtjoghurt kein Wasser abscheidet. Dies kann auf verschiedene Arten geschehen: So kann der pH-Wert des Lebensmittels durch die Zugabe eines leicht sauer wirkenden Stoffes oder durch einen Stoff, der als Puffer wirkt, eingestellt werden. Ein Puffer ist ein Stoff, der kleine Veränderungen der Säuremenge und des Basengehaltes abfängt und den pH-Wert konstant hält.

Andere Stabilisatoren wirken durch eine Erhöhung der Viskosität, Stoffe können sich dann schwerer bewegen. Bestimmte Salze können sich an Stoffe anlagern und verhindern, dass diese sich dann zu größeren Aggregaten zusammenklumpen. Verdickungsmittel werden oft für Soßen, Eis, Light-Produkte eingesetzt, praktisch überall dort, wo Wasser gebunden werden muss.

Das klassische Dickungsmittel, die Stärke, hat einige Nachteile beim Einsatz in Fertiggerichten. So verliert sie die Fähigkeit Wasser zu binden mit der Zeit, sie ist nicht gefrierstabil und sie bildet nur Gele, wenn sie hoch erhitzt wird. Neben chemisch und physikalisch veränderter Stärke werden auch andere, meist unverdauliche Dickungsmittel aus Pflanzen, Algen und Bakterien eingesetzt um Wasser in Lebensmittel zu binden.

Als Stabilisatoren dienen auch Stoffe, welche die Oxidation von Bestandteilen verhindern, so zum Beispiel die Veränderung von natürlichen Farbstoffen oder Bräunungsreaktionen bei Obst. Verdickungsmittel und Stabilisatoren sind in den E-Nummern 400 bis 469.

E400-E404 Alginsäure und Alginate.

Die aus Braunalgen gewonnene Alginsäure ist für den Menschen unverdaulich und erzeugt schon in geringen Mengen feste Gele. Auch zum Binden von Hefe bei der Flaschengärung wird Alginsäure eingesetzt. Sie ist nicht geeignet für stark saure Lebensmittel oder calciumreiche Lebensmittel, da sie dann ausflockt. Dies wird genutzt, um durch Zugabe von Calcium sehr stabile Überzüge zu erhalten. Die mit Calcium gebildeten Gele sind gefrier- koch- und backstabil. Neben der Alginsäure (E400) sind auch die Natrium- (E401), Kalium (E402), Ammonium (E403) und Calciumsalze (E404) allgemein für Lebensmittel zugelassen.

Eingesetzt wird sie in Konfitüre, Gelees, Puddingpulver, Speiseeis, Backwarenfüllungen, energiereduzierte Sahne und Aspik.

E405: Propylenglycolalginat

Dies ist ein Abkömmling der Alginsäure. Im Körper wird Propylenglycolalginat in die Bestandteile aufgespalten, wobei die Alginsäure unverdaulich ist und der Propylenrest verstoffwechselt wird. Anders als die Alginsäure ist E405 unempfindlich gegenüber Säuren und Calcium. Propylenglycolalginat ist nur für bestimmte Lebensmittel zugelassen: Bier, Wassereis, Soßen und Kaugummi.

E406: Agar-Agar

Dieser Extrakt aus Rotalgen bildet schon bei geringen Mengen stabile Gele. Besonders wichtig für die Verarbeitung ist, dass sie erst beim Abkühlen feste Gele bildet und so die heiße Masse nur eine geringe Viskosität besitzt und so einfacher zu verarbeiten ist. Agar-Agar ist unverdaulich und kann bei größeren Mengen abführend wirken. Agar-Agar ist für Lebensmittel allgemein zugelassen und wird unter anderem verwendet für Konfitüren, Süßwaren, Joghurt, Würzzubereitungen. Ebenfalls verwendet wird es als Klärungsmittel bei der Herstellung als Obstwein und Trägerstoff für Aromen eingesetzt. Es geliert beim Abkühlen und bindet dabei die Trübstoffe oder die Aromen.

E407: Carrageen

Carrageen wird aus Rotalgen gewonnen. Es ist eines der universell einsetzbaren Verdickungsmittel und kann auch Öl-in-Wasser Emulsionen stabilisieren. Es bildet stabile Gele, kann Trübungsstoffe stabilisieren und die Eiskristallbildung in Eis reduzieren. Es wird in fetthaltigen Lebensmitteln eingesetzt, meist in Kombination mit anderen Dickungsmitteln, da es ein relativ teurer Stoff ist. Zugelassen ist es für alle Lebensmittel. Carrageen findet sich in Kaffeeweißer, Schokoladengetränken, wärmebehandelter Sahne, Speiseeis und Desserts.

Im Tierversuch konnte eine Irritation der Immunzellen durch Carrageen nachgewiesen werden. Die Abbauprodukte können Geschwüre verursachen, deren Gehalt muss daher so gering wie möglich sein. Der Kontrollausschuss der EU empfahl, für Säuglingsnahrung kein Carrageen zuzulassen. Ungeklärt ist auch, ob manche Personen allergisch auf Carrageen reagieren.

Unter E407a sind Extrakte von Euchema Algen zugelassen, die in ihrer Zusammensetzung Carrageen ähneln und für die auch die gleichen Bedenken gelten.

E410: Johannisbrotkernmehl

Dieses aus dem Samen des Johannisbrot-Baumes gewonnene Mehl ist ein unverdauliches Kohlenhydrat. In heißem Wasser ist es vollständig löslich, in kaltem Wasser quillt es stark auf. Diese Eigenschaften machen es zusammen mit Guarkernmehl zu dem am häufigsten eingesetzten Dickungsmittel. Es bildet stabile Gele, die auch durch Hitze, Säure und Salze nicht verändert werden. Es ist allgemein zugelassen, außer für getrocknete Lebensmittel, denen zum Verzehr Wasser hinzugefügt werden. Verwendet wird es unter anderem für Backwaren, Konfitüre, Obst und Gemüsekonserven und vor allem Speiseeis und Milchprodukte.

Es gibt den Verdacht, dass Personen, die allergisch auf Soja reagieren, auch allergisch auf Johannisbrotkernmehl reagieren.

E412: Guarkernmehl

Dieses Mehl aus den Samen der Guarpflanze ist ein unverdauliches Kohlenhydrat, welches sehr große Wassermengen bindet und zähflüssige Gele bildet. Diese sind unempfindlich gegenüber mechanischen Kräften (Schütteln), Zucker reduziert jedoch die Gelierfähigkeit. Guarkernmehl verhindert in Eis die Bildung von Eiskristallen und verbessert das Schmelzverhalten. Es wird auch in energiereduzierten Nahrungsmitteln eingesetzt, um eine sahnige, cremige Konsistenz zu erreichen.

Oftmals wird es mit Johannisbrotkernmehl kombiniert und zählt zu den am meisten eingesetzten Verdickungsmitteln. Eingesetzt wird es wie Johannisbrotkernmehl und durch die chemische Ähnlichkeit steht es auch im Verdacht, mit Soja Kreuzallergien zu verursachen.

E413: Traganth

Traganth wird aus dem Pflanzensaft des asiatischen Astragalus-Strauches gewonnen. Er enthält ein Kohlenhydrat mit sehr hohem Wasserbindungsvermögen, das auch Emulsionen stabilisieren kann. Eingesetzt wird es auch in stark sauren Lebensmitteln, da die Bindekraft auch bei Säurezugabe erhalten bleibt. Die Gewinnung ist jedoch sehr teuer. Traganth wird daher meist dann eingesetzt, wenn andere pflanzliche Dickungsmittel ausscheiden.

Im Tierversuch wirkte Traganth als starkes Allergen. Das unverdauliche Kohlenhydrat ist zugelassen für alle Lebensmittel, wird jedoch nur selten eingesetzt. Vor allem für Suppen, Soßen und Majonaise (Stabilisierung der Emulsion), Fertiggerichte, Gebäck, Gebäckfüllungen, Speiseeis und Desserts.

E414: Gummi arabicum

Der Pflanzensaft aus afrikanischen Akazienarten wird als Gummi arabicum bezeichnet. Gummi arabicum hat nur geringe Verdickungseigenschaften, aber es ist gut wasserlöslich und bildet Netze, die andere Teilchen einschließen. So wird es weniger zum Verdicken eingesetzt, als vielmehr zum Stabilisieren. Es verhindert das Absinken von Schwebeteilchen und reguliert die Perlgröße in Getränken. Eingesetzt wird es unter anderem für Süßwaren, Bier, Tortenguss, Sahnesteif und Getränkepulver.

E415: Xanthan

Xanthan ist ein sehr universell einsetzbares Verdickungsmittel, das von den Bakterien Xanthomonas carnestris gebildet wird. Der Schleim ist gut in Wasser löslich, unempfindlich gegenüber Hitze, Säuren und Basen. Er bildet schon bei kleinen Konzentrationen stabile Gele, die bei höheren Mengen gummiartig werden. Diese sind äußerst stabil und verlieren nur bei Rühren oder Schütteln kurzzeitig etwas an Viskosität. Es erhöht die Wasseraufnahme von Brot und reduziert das „Altbackenwerden“, bildet auf Glas feste Filme, verhindert die Bildung von Eiskristallen in Eis und hält Schwebestoffe in der Lösung. Eingesetzt wird das unverdauliche Kohlenhydrat in Backwaren, Suppen, Soßen, Konfitüre, Obstkonserven, Speiseeis, Desserts und Milchmischgetränke, Sauergemüse und Fisch- und Fleischkonserven.

E416: Karaya

Karaya ist ein relativ neues Verdickungsmittel. Es wird aus den indischen Stinkbäumen gewonnen und ist geschmacklich nicht neutral. Die Einsatzgebiete sind daher begrenzt. Karaya hat ähnliche Eigenschaften wie das teurere Traganth und wird häufig als Ersatzstoff für dieses eingesetzt. Es ist jedoch weniger stabil gegen Säuren. Mit dem Calcium in der Milch bildet es hingegen sehr stabile Gele.

Zugelassen ist es für: Knabberartikel aus Kartoffeln und Getreide, Füllungen und Überzüge von Kuchen und Keksen, Desserts, Eierlikör und Nahrungsergänzungsmitteln.

Es hat eine abführende Wirkung und wird auch medizinisch als Abführmittel eingesetzt. Bei eingeatmeten Karayamehl oder sehr hoher Aufnahme (Einsatz als Abführmittel) wurden allergische Reaktionen beobachtet.

E417: Tarakernmehl

Das Mehl aus dem Samen des Tarastrauches enthält ein Kohlenhydrat mit ähnlichen Eigenschaften wie die Verdickungsmittel Johannisbrotkernmehl und Guarkernmehl. Es unterstützt auch die Gelbildung von Agar-Agar, Carrageen und Xanthan und wird daher meist in Kombination mit diesen eingesetzt. Tarakernmehl ist allgemein zugelassen und wird eingesetzt für Backwaren, Konfitüre, Süßwaren, Würzzubereitungen, Überzüge für Fleischerzeugnisse und Speiseeis.

E418: Gellan

Ein weiterer neuer Zusatzstoff ist Gellan, es wird aus den Bakterien Pseudomonas elodea gewonnen. Das Kohlenhydrat bildet feste Gele, die stabil bei Hitze und Säure sind. Gelatine und Gummi arabicum verstärken diese noch. Es verbessert auch die Geliereigenschaften von Xanthan, modifizierten Stärken und Johannisbrotkernmehl. Eingesetzt wird es für Konfitüre, Süßwaren, Füllungen von Backwaren und Überzüge.

E425: Konjak

Konjak wird in Asien seit Jahrhunderten aus der Wurzel der Teufelszunge gewonnen. Es bildet langsam sehr feste Gele aus, die stabil gegenüber mechanischen Kräften sind. Häufig wird es mit Guarkernmehl und Xanthan gemischt, welches es unterstützt. Es bildet langsamer als diese Gele, die jedoch beständiger sind. So ist die Viskosität fein einstellbar. Konjak ist allgemein zugelassen für Lebensmittel, mit Ausnahme von getrockneter Nahrung und Gelee-Süßwaren. Hauptquelle in Deutschland sind asiatische Produkte wie Glasnudeln. Größere Mengen an Konjak verursachen Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen.

E426: Sojabohnen-Polyose

Sojabohnen-Polyose wird aus Sojabohnenfasern gewonnen und enthält eine wasserlösliche Mischung aus Cellulose und Hemicellulosen. Das Gemisch ist in kaltem und warmem Wasser löslich bildet jedoch keine Gele, verändert aber das Mundgefühl von Speisen. So werden Modegetränke sämig, Backwaren, die tiefgefroren und in der Mikrowelle erhitzt werden bleiben weich.

Da Sojabohnen allergisches Potenzial haben und dies auch für den Sojabohnen-Extrakt gilt, darf der Stoff nur Lebensmittel zugesetzt werden, in denen Sojabestandteile erwartet werden können. Dies sind unter anderem Soßen, Nahrungsergänzungsmittel, Backwaren, tiefgefrorene Lebensmittel und orientalische Nudeln.

E440 und E440a: Pektin und amidiertes Pektin

Pektin ist ein unverdaulicher Nahrungsbestandteil von Pflanzen, der vor allem in Kernobst reichhaltig vorkommt. Er ist Bestandteil der Zellwände und wird zumeist aus Apfeltrester, dem ausgepressten Fruchtfleisch von Äpfeln, das bei der Apfelsaftgewinnung anfällt, gewonnen. Es verdickt vor allem Lösungen von sauren Lebensmitteln und Nahrungsmitteln, die Calcium enthalten, wie zum Beispiel Milchprodukte. Eingesetzt wird es in Speiseeis und vor allem in Konfitüre und anderen Fruchtaufstrichen.

E445: Glycerinester aus Wurzelharz

Wird der Ester des hydrophilen Alkohols Glycerin (Bestandteil von Fettmolekülen) mit Harzsäuren der Sumpfkiefer (Pinus palustris) gebildet, so entsteht der Zusatzstoff E445. Die Harzsäuren sind der fettlösliche Teil des Moleküls. Dieser ungewöhnliche Emulgator wird selten eingesetzt. Er dient dazu, Aromen in Getränken zu suspendieren, da er schwerer als Wasser ist und er so die Aromen, die leichter als Wasser sind, im Getränk in Lösung bringen kann. Auch Zitrusfrüchte können damit überzogen werden, um die Schimmelbildung zu reduzieren.

E450-452: Diphosphate, Triphosphate und Polyphosphate

Dies sind Salze der Phosphorsäure. Diphosphate enthalten zwei kondensierte Phosphorsäuren, Triphosphate drei und Polyphosphate mehrere. Sie sind keine Emulgatoren im klassischen Sinne, da sie keinen unpolaren, fettlöslichen Molekülbestandteil beinhalten. Ihre wichtigste Eigenschaft ist, dass sie Komplexbildern sind. Sie verhindern das Ausfällen schwerlöslicher Calciumverbindungen, dafür werden sie in Speiseeis und Desserts eingesetzt. In Wurst bewirken sie ein Aufquellen des Eiweißes, da sie sich an die hydrophilen Gruppen der Proteine binden. Sie verändern deren Polarität. Die Wasseraufnahmefähigkeit von Fleisch steigt dadurch an. Sie sind daher klassische Kutterhilfsmittel. Bei Schmelzkäse bewirken Phosphate, dass der Käse weich bleibt und nicht verhärtet und so streichzart bleibt.

Phosphate sind in der Diskussion als Lebensmittelzusatzstoffe. Sie kommen natürlich in Lebensmitteln vor, und sind auch essenzieller Bestandteil der Ernährung. Jedoch gibt es in der Natur ein Gleichgewicht zwischen Calcium und Phosphat (aus diesen beiden Substanzen besteht das Calciumphosphat, der anorganische Bestandteil des Knochens). Durch Wurst und anderen Lebensmitteln zugesetztes Phosphat kann erheblich mehr Phosphat aufgenommen werden. Bei Mengen von 1.5 bis 2.5 g Phosphat pro Tag (die DGE-Empfehlung für die Zufuhr liegt bei 0.8 g/Tag) wird eine Verringerung des Blutglucosespiegels beobachtet. In 20 Jahren Forschung konnte eine Störung des Calcium-Phosphatgleichgewichts und die Entkalkung der Knochen durch hohe Phosphatmengen aber nicht nachgewiesen werden.

E460-E469: Cellulose und Cellulosederivate

Die Zellwand von Pflanzen besteht aus Cellulose. Ein Papiertaschentuch besteht aus reiner Zellulose. Es ist ein natürlicher, unverdaulicher Nahrungsbestandteil. Durch das Verestern mit organischen Säuren kann die Löslichkeit im Wasser besser eingestellt werden. Cellulose und ihre Derivate dienen als Füllstoff, Verdickungsmittel und Trennmittel, um das Verklumpen verhindern.

Modifizierte Stärken

Modifizierte Stärken könnten auch zu den Verdickungsmitteln zählen, da dies ein Haupteinsatzgebiet der Stärke ist. Sie haben jedoch auch andere technologische Einsatzbereiche. Im Wesentlichen sollen die modifizierten Stärken einige Fehler der natürlichen Stärke ausgleichen. Je nach Einsatzbereich kommen dabei unterschiedliche Stoffe zum Einsatz. Modifizierte Stärken sind allgemein zugelassen, Sie sind bei den E-Nummern 1400 bis 1451 zu finden. Neben den chemisch modifizierten Stärken kann auch physikalische modifizierte Stärke eingesetzt werden. Dies ist zum Beispiel gekochte Stärke oder in die Bestandteile Amylose und Amylopektin aufgetrennte Stärke. Physikalisch modifizierte Stärken gelten nicht als Zusatzstoff, sondern können als normale Stärke angegeben werden.

E1404: Oxidierte Stärken

Durch Oxidation der zahlreichen Alkoholgruppen der Bausteine der Stärke zu Säuregruppen wird die Stärke besser wasserlöslich und baut eine stärkere Bindung zum Wasser auf. Oxidierte Stärken (durch Umsetzen von Mais-, Kartoffel- oder Weizenstärke mit Natriumhypochlorit) binden schon bei niedrigen Temperaturen viel Wasser. Sie bilden zähe Stärkekleister aus und geben das Wasser kaum wieder ab. Allerdings ist der Kleister empfindlich gegen Calcium und ist so für Milchprodukte nicht geeignet. Eingesetzt wird oxidierte Stärke für Mayonnaise, Dressings und Soßen. Bei Säuglingsernährung gibt es eine Höchstmenge von 50 g/kg Lebensmittel.

E1410-1413: Phosphatierte Stärken

Wird Stärke mit Phosphorsäure umgesetzt, so entsteht ein polares Molekül, das Wasser viel stärker bindet und dieses kaum abgibt. Die entstehenden Stärken sind stabil gegenüber Scherkräften (Rühren), Gefrieren und Auftauen. Die einzelnen Gruppen unterscheiden sich in ihren technologischen Eigenschaften. Monostärkephosphat (E1410) bildet einen sehr zähen Kleister, der bei höheren Temperaturen als bei normaler Stärke entsteht. Er eignet sich zur Unterstützung von Emulgatoren, indem er die Trennung von Wasser- und Ölphasen herabsetzt. Weiterhin verursacht der Kleister ein cremiges Gefühl im Mund und wird daher oft für fettreduzierte Produkte eingesetzt. E1412: Distärkephosphat hat noch mehr Phosphatgruppen im Molekül, reagiert deutlich schneller, und bei tieferer Temperatur mit dem Wasser. E1413: Phosphatiertes Distärkephosphat ist chemisch vernetzte Stärke, sie bildet noch leichter Gele. Phosphatierte Stärken werden eingesetzt für Dressings, Fruchtfüllungen, Puddingpulver, Soßen und Trockensuppen. Brot und Backwaren.

E1414-1422: Acetylierte Stärke

Umsetzung der Stärke mit Essigsäure führt zur acetylierten Stärke (E1420), sie verkleistert bei niedrigeren Temperaturen als normale Stärke und bindet das Wasser auch bei niedrigen Temperaturen. Der Kleister ist jedoch nicht stabil gegen Hitze, Säuren und mechanischen Kräften. Er ist relativ dünnflüssig und kann zu Filmen ausgezogen werden. Diese Nachteile hat acetyliertes Distärkephosphat nicht (E1414) – es vereint die positiven Eigenschaften beider Modifikationen. Es bildet zähflüssige Kleister, die gefrierstabil sind und auch beim Rühren stabil sind. Diese positiven Eigenschaften hat auch Acetyliertes Distärkeadipat, (E1422), bei der die acetylierte Stärke mit der Adipinsäure umgesetzt wird. Sie bildet Gele, die sehr gut verdicken. Acetylierte Stärken werden eingesetzt für Tiefkühlprodukte, Suppen, Soßen, Desserts, Käse und Schmelzkäse, Süßwaren, Backwaren und Füllungen für Backwaren.

E1440+E1442 Hydroxypropylstärke

Hydroxypropylstärke (E1440) und phosphatierte Hydroxypropylstärke (E1442) bilden recht stabile Gele, die das gebundene Wasser auch bei Hitze und Kälte fest gebunden halten. Der Kleister ist klar und säurestabil. Diese Stärken sind geeignet für Produkte, die sterilisiert oder tiefgefroren werden. Sie werden eingesetzt für Tortenfüllungen, Salatsoßen, Fertigprodukte und Kaugummi.

E1450: Stärkenatriumoctenylsuccinat

Umsetzung der Stärke mit Bernsteinsäure führt zu einer Stärke, die in kaltem Wasser löslich ist, und Kleister in kaltem Wasser bildet. Sie hat weiterhin die Eigenschaft Schäume stabil zu halten und wird gerne genutzt für Desserts und Cremes, Gebäckfüllungen und Kindernahrung.

E1451:Acetylierte oxidierte Stärke

Diese modifizierte Stärke vereint die positiven Eigenschaften von acetylierter und oxidierter Stärke. Sie wird vor allem für Geleesüßwaren verwendet.

Bücher vom Autor

Zum Thema Ernährung, Lebensmittel und Lebensmittelchemie/recht sind bisher vier Bücher von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung. Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen.  Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist. 2012 erschien eine Neuauflage, erweitert um 40 Seiten. die zum einen den geänderten Gesetzen Rechnung trägt (neue Zusatzstoffe wurden aufgenommen, Regelungen über Lightprodukte beschrieben) und zum anderen ein Stichwortregister enthält, das sich viele Leser zum schnelleren naschschlagen gewünscht haben.

Wie sich zeigte haben die meisten Leser das Buch wegen des zentralen Teils, der die Zusatzstoffe beinhaltet, gekauft. Ich bekam auch die Rückmeldung, dass hier eine Referenztabelle sehr nützlich wäre. Ich habe daher 2012 diesen Teil und den Bereich über Lebensmittelrecht nochmals durchgesehen, um die neu zugelassenen Zusatzstoffe ergänzt und auch um neue Regelungen wie bei der Werbung mit nährwertbezogenen Angaben. Ergänzt um eine Referenztabelle gibt es nun die zwei mittleren Teile unter dem Titel "Zusatzstoffe und E-Nummern" zu kaufen.

Nachdem ich selbst über 30 kg abgenommen habe, aber auch feststellen musste wie wenig viele Leute von Ernährung oder der Nahrung wissen, habe ich mich daran gemacht einen Diätratgeber "der anderen Art" zu schreiben. Er enthält nicht ein Patentrezept (wenn auch viele nützliche Tipps), sondern verfolgt den Ansatz, dass jemand mit einer Diät erfolgreicher ist, der genauer über die Grundlagen der Ernährung, was beim Abnehmen passiert und wo Gefahren lauern, Bescheid weiß. Daher habe ich auch das Buch bewusst "Das ist kein Diätratgeber: ... aber eine Hilfe fürs Abnehmen" genannt. Es ist mehr ein Buch über die Grundlagen der Ernährung, wie eine gesunde Ernährung aussieht und wie man dieses Wissen konkret bei einer Diät umsetzt. Es ist daher auch Personen interessant die sich nur über gesunde Ernährung informieren wollen und nach Tipps suchen ihr Gewicht zu halten.

Das Buch "Was Sie schon immer über Lebensmittel und Ernährung wissen wollten" wendet sich an alle die zum einen die eine oder andere Frage zu Lebensmitteln und Ernährung haben, wie auch die sich für die Thematik interessieren und auf der Suche nach weitergehenden Informationen sind. Während andere Autoren zwar auch populäre Fragen aufgreifen und diese oft in einigen Sätzen beantworten und zur nächsten frage wechseln habe ich mich auf 187 Fragen beschränkt, die ich mehr als Aufhänger für ein Thema sehe, so hat das Buch auch 332 Seiten Umfang. Jede Frage nimmt also 1-2 Seiten ein. Sie sind nach ähnlichen Fragestellungen/Lebensmitteln gruppiert und diese wieder in vier Sektionen: zwei großen über Lebensmittel und Ernährung und zwei kleinen für Zusatzstoffe und Lebensmittelrecht/Werbung. Man kann das buch daher von vorne bis hinten durchlesen und so seinen Horizont erweitern, aber auch schnell mal nach einer Antwort suchen. 2015 erschien eine Neuauflage mit 60 Seiten und 33 Fragen mehr.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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